Dossier
Italienische und spanische Literatur

 

Intellektueller mit Jugendsünden
Vor 700 Jahren wurde Francesco Petrarca geboren

Wiederentdecker des römischen Altertums für die Neuzeit, Begründer von Humanismus und Renaissance, Vater der italienischen Dichtersprache, Urheber des Sonetts, der meistgepflegten lyrischen Form in der gesamten Literaturgeschichte, der erste Intellektuelle und, ganz am Rande, wohl auch der erste Tourist Europas - kaum ein anderer Schriftsteller kann so viel Superlative auf sich vereinigen wie Francesco Petrarca, dessen Geburtstag sich am 20. Juli zum 700. Male jährt. Dass ausgerechnet seine volkssprachlichen Gedichte auf die schöne, vornehme und unnahbare Laura bis heute gelesen werden, hätte ihn wohl sehr überrascht: Die lateinischen Schriften schätzte er selbst viel höher ein. > mehr



Versteinerte Bilder für die Ewigkeit
Vor 750 Jahren wurde Dante Alighieri geboren


Was wäre, wenn … Ja, was wäre die Folge gewesen, wenn Dante Alighieri mit dem politischen Engagement in seiner Heimatstadt Florenz mehr Fortune gehabt hätte, wenn er nicht 1302 bei den Machtkämpfen unter die Räder gekommen und bei Androhung der Todesstrafe verbannt worden wäre? Kann sein, dass er in der Politik seine Lebenserfüllung gefunden und die „Göttliche Komödie“ niemals geschrieben hätte – das große Gedicht von der Jenseitswanderung durch die Hölle über den Läuterungsberg in Paradies. Über dem Ruhm dieses Jahrtausendwerks vergisst man leicht, dass Dante auch in den Jahrzehnten der Verbannung, als er zwischen den Fürstenhöfen Oberitaliens wanderte, der Politik keineswegs absagen wollte. Um 1310 versuchte er, mit dem Traktat „Über die Monarchie“ in den Machtkampf zwischen Kaiser und Papst einzugreifen, der ja auch den Hintergrund der Florentiner Querelen bildete. > mehr



"Wer holt den Witz, den ich verlor, mir her?"
Vor 500 Jahren erschien das Epos "Der Rasende Roland" von Ludovico Ariosto


„Rasender Roland“ nennen Bewohner und Besucher der Insel Rügen liebevoll ihre Bäderbahn. „Rasend“ ist natürlich ein Witz, die Bahn bringt es auf gemächliche 30 Stundenkilometer. Aber warum eigentlich „Roland“? Die Geschichte des italienischen Schriftstellers Ludovico Ariosto vom „Rasenden Roland“ gehörte im späten 19. Jahrhundert, als die Bahn in Betrieb genommen wurde, zum Bildungskanon der Epoche. Das Epos selbst mit seinen etwa 46.000 Versen, das erstmals Ende April 1516, vor nunmehr 500 Jahren, in Ferrara herauskam, hatten sicherlich nur wenige vollständig gelesen. Aber in Bearbeitungen war die Geschichte einem breiten Publikum präsent, vor allem der Titel war längst zum Geflügelten Wort geworden. Wahrscheinlich ist jedoch vielen der Gäste, die sich bis heute über den Namen der Bäderbahn amüsieren, der Witz gerade mal zur Hälfte präsent: Die Urheber spielten mit der doppelten Bedeutung des Wortes „rasen“. Ariost meinte, dass sein Held Orlando oder Roland „rasend“ geworden sei, nämlich den Verstand verloren habe. > mehr




Licht auf die Entstehung eines Mythos
Die Medici in Dichtung und Kunst des 15. Jahrhunderts

Einer Florentiner Kaufmannsfamilie gelang der frappanteste Fall eines sozialen Aufstiegs in der frühen Neuzeit: Binnen fünf Generationen erwarben die Medici sich den erblichen Fürstentitel. Ihren legendären Ruf bei der Nachwelt verdankt die Familie jedoch ihrer Förderung von Kunst und Literatur. Wie beides zusammengehört, Machtplanung und Mäzenatentum, ist eine hochumstrittene Frage. Wie politisch war die Kunst, die im Umkreis und oft im Auftrag der Medici entstand? Kann man von einer mediceischen Kulturpolitik sprechen? > mehr





"Eine Frau, bei der jeder Mangel verzeihlich ist ...
"Die "Querelle des femmes" im alten Spanien

"Ein Mann muss eure Herzen leiten, denn ohne ihn pflegt jedes Weib aus seinem Wirkungskreis zu schreiten". Mozart, "Zauberflöte"; in der Opernpause streitet das Publikum dann gern, ob der Komponist darin womöglich eine beherzigenswerte "Weisheit" gesehen hat. Eine Forschergruppe an der Universität Wien hat die Beschwerde der Frauen über die männliche Vorherrschaft und die Argumentation von Männern, warum diese Vorherrschaft nötig wäre, am Beispiel des alten Spanien unter die Lupe genommen. > mehr





Ein Buch mit eigenem Willen
Vor 400 Jahren erschien Cervantes' "Don Quijote von der Mancha"

"Nie würde ich gestatten, dass während meiner Lebenstage und in meiner Gegenwart einem so ruhmvollen Ritter und so kühnen Liebeshelden so von der Übermacht mitgespielt werde!" Schon zog er das Schwert, sprang in einem Satze dicht vor das Puppentheater und begann mit raschester, beispielloser Wut auf das Mohrenpuppenvolk Hiebe niederregnen zu lassen, schlug die einen nieder, säbelte den andern den Kopf ab, hieb den einen zum Krüppel, den andern in Stücke ..." Miguel de Cervantes, "Der sinnreiche Junker Don Quijote von der Mancha". Der größte Romanerfolg der Weltliteratur erschien vor genau 400 Jahren. > mehr