Dossier
Englische Literatur

 

Shakespeare und das Geld der Gründlinge
Aus der Geschichte der Mutmaßungen über das elisabethanische Theaterpublikum

Die Publikumsbeschimpfung wurde nicht etwa von Peter Handke erfunden, bereits Shakespeare machte davon reichlich Gebrauch. Die Nachwelt hat sich daraus ihr Bild vom Renaissancetheater gefertigt. Und aus diesem Bild wurde der Dramentext gedeutet: Was dem Interpreten irritierend vorkam, musste an den Forderungen von Shakespeares Publikum liegen. Eine Heidelberger Anglistin hat die Geschichte dieser Mutmaßungen analysiert.  > mehr



 Die Welt zu aergern - und zu unterhalten
Vor 350 Jahren wurde Jonathan Swift geboren, der Autor von "Gullivers Reisen"


Abenteuerlicher hat wahrscheinlich selten ein Manuskript seinen Verleger erreicht. An einem Augustabend des Jahres 1726 fuhr eine Droschke in London am Haus von Benjamin Motte vorbei. Eine Hand reckte sich aus dem Fenster und warf ein Paket vor die Haustür. Dann verschwand die Droschke wieder im Dunkel. Zwei Monate später kam eines der meistgelesenen Bücher der Weltliteratur auf den Markt, betitelt „Reisen in verschiedene ferne Länder der Erde“. Als Verfasser war „Lemuel Gulliver“ angegeben, „erst Wundarzt, später Kapitän mehrerer Schiffe“. Der Schriftsteller Jonathan Swift hatte guten Grund für solche Verschleierungen. Vieles in dem Buch kam einer Majestätsbeleidigung gefährlich nahe. > mehr



Ein Klassiker im Plural
Vor 450 Jahren wurde William Shakespeare geboren


Preisfrage: Wer war "Sheik Zubayr bin William"? Einer der größten Dichter der Weltliteratur, meinen manche. Leider ist über das Leben dieses arabischen Gelehrten wenig bekannt. Im späten 16. Jahrhundert soll er durch einen Schiffbruch nach England gekommen sein, rasch die Landessprache erlernt und in den Jahren von etwa 1591 bis 1611 unter dem Namen "William Shakespeare" eine Menge Dramen und Gedichte verfasst haben. Nur einer von mittlerweile neunundsiebzig Kandidaten, die als Verfasser von Shakespeares Werken diskutiert werden, berichtet die Münchner Anglistin Ina Schabert in ihrem neuen Shakespeare-Buch. Historisch belegt ist jedenfalls der Schauspieler, der vor 450 Jahren, am 26. April 1564, in Stratford-on-Avon als Sohn des Handschuhmachers John Shakespeare auf den Namen William getauft wurde. Daneben werden Königin Elisabeth I. und ihr Nachfolger, König Jakob I., genannt, William Stanley, Earl of Derby, und Edward de Vere, Earl of Oxford, der Philosoph Francis Bacon und der Dramatiker Christopher Marlowe. "SHAKESPEAREs" hat Schabert ihr Buch benannt: Der Name des Dichters mit einem Plural-s hintendran. Eine "unendliche Vielfalt der Shakespeare-Bilder", selbst dann, wenn man zu dem Schluss kommt, vermutlich sei es doch der Handschuhmachersohn aus Stratford-on-Avon gewesen, der das grandiose poetische Werk verfasst hat. > mehr

 

Die Liebeskranke als Märtyrerin
Shakespeares Ophelia - Wandlungen einer Figur 200 Jahre nach dem Tod des Dichters

Was eigentlich ist Ophelia in Shakespeares "Hamlet"? Vor allem eine Projektionsfläche, auf der sich die Erwartungen ihres Verlobten, ihres Vaters, ihres Bruders spiegeln. Zwei Jahrhunderte nach dem Tod des Dichters wurde sie auf der Bühne und in der Malerei zur liebeskranken, wahnsinnigen Selbstmörderin par excellence. Eine Kunsthistorikern der Freien Universität Berlin hat dieses "Nachleben" einer literarischen Figur beleuchtet. > mehr




"Eine leichte Hand, die Alltagsdingen den Reiz des Besonderen abgewinnt"
1813 erschien "Stolz und Vorurteil" von Jane Austen

Keiner ihrer Romane erschien mit ihrem Namen auf dem Titelblatt. Die englische Schriftstellerin Jane Austen scheute die Öffentlichkeit. Wenn Besucher kamen, pflegte sie die Manuskripte rasch zu verdecken. So wusste außerhalb des Familienkreises kaum jemand von der Identität der Autorin, als sie 1817 im Alter von nur 41 Jahren verstarb. Heute können zumindest in England ein oder zwei ihrer Bücher nicht fehlen, wenn nach den bedeutendsten Romanen der Weltliteratur gefragt wird. Eine Reihe von Verfilmungen für Kino und Fernsehen haben Erzählungen wie „Sense and Sensibility“ oder „Pride and Prejudice“ inzwischen auch bei einem literarisch weniger interessierten Publikum bekannt gemacht. Aber bereits zu ihren Lebzeiten wurden die Romane viel gelesen. „By the author of ...“ setzte der Verlag gern in den Titel, zum Beispiel eben „of Pride and Prejudice“. „Stolz und Vorurteil“, ihr bis heute populärster Roman, erschien Ende Januar 1813, vor 200 Jahren. > mehr




Die Lust an der Hölle
"Gothic Novel" und Verwandtes - Englands Schwarze Romantik im europäischen Kontext

"In diesem Augenblick erschütterte ein Donnerschlag das Schloss bis in die Grundmauern; die Erde bebte, und hinter sich hörten sie das Klirren einer Rüstung, die keinem Sterblichen zu gehören schien ..." Horace Walpole, "Schloss Otranto", erstes Beispiel einer englischen "gothic novel”. Der Greifswalder Anglist Jürgen Klein hat zur "schwarzen Romantik" geforscht – dreiviertel Jahrhundert nach dem Klassiker von Mario Praz über "Liebe, Tod und Teufel". > mehr




Alpträume mit Moral und versöhnlichem Ausgang
Vor 200 Jahren wurde der englische Schriftsteller Charles Dickens geboren


„Scrooge McDuck“: Mit diesem Namen werden die meisten mitteleuropäischen Leser nichts anzufangen wissen. In den angelsächsischen Ländern kennt ihn jedes Kind. So heißt in den Walt-Disney-Geschichten jene Figur, die in der deutschen Übersetzung den Namen „Dagobert Duck“ erhielt. Und damit fällt es auch uns wie Schuppen von den Augen: „Scrooge“ – das ist doch der herzlose Geizhals in Charles Dickens’ „Weihnachtsgeschichte“, Ebenezer Scrooge, der sich über Weihnachten zu einem gütigen Menschen läutert. Zum 200. Geburtstag ein Blick auf Leben und Werk des englischen Schriftstellers. > mehr

 


Die Destruktion der Romantik
zum 150. Geburtstag von George Bernard Shaw

Seine Stücke "sollten das Publikum bestimmen, bei den nächsten Wahlen zum Londoner Grafschaftsrat für die Seite des Fortschritts zu stimmen", sagte George Bernard Shaw, und halb und halb war diese launige Bemerkung wohl sogar ernst gemeint. Das Publikum hat es anders gewollt und Shaw als den vielleicht unterhaltsamsten unter den großen Dramatikern der Moderne genossen. Zu Shaws 150. Geburtstag am 26. Juli. > mehr




An den Küsten Malaias und den Kongo hinauf
Vor 150 Jahren wurde der Schriftsteller Joseph Conrad geboren

"Abenteuer-" oder "Jugendliteratur"? Die Kritiker haben Joseph Conrad mit Marcel Proust verglichen. Das Erbe der großen Romanciers des 19. Jahrhunderts, von Flaubert bis Dostojewski, schlägt in seinem Werk immer wieder durch. Und zugleich die Wirklichkeit des europäischen Kolonialismus um die Jahrhundertwende. Die politische Theoretikerin Hannah Arendt schrieb, der Erfahrungshintergrund des Rassenwahns werde in Conrads Werk besser erhellt als in der einschlägigen wissenschaftlichen Literatur. > mehr





"Es geht vielleicht zu Ende ..."
Zum 100. Geburtstag von Samuel Beckett

"Morgen hängen wir uns auf, es sei denn, dass Godot käme." Aus einem der berühmtesten Stücke des modernen Theaters - und einem der rätselhaftesten. Wer oder was "Godot" sein könnte, beschäftigt seit einem halben Jahrhundert Publikum und Interpreten. "Gehen wir!", lautet das letzte Wort des Stücks, und dann folgt die Regieanweisung : "Sie gehen nicht von der Stelle." Eine Hommage an Samuel Beckett zum 100. Geburtstag. > mehr