Dossier
Anglo-Amerikanische Literatur

 

/Die Gesetzmäßigkeit des Schreckens
Vor 200 Jahren wurde Edgar Allan Poe geboren

Eine Reihe von Gedichten, ein Abenteuerroman, ein paar Detektivgeschichten und vor allem – ja, hier fehlt uns das richtige Wort. Phantastische Literatur ist zu vage; aber Gruselgeschichten, Schauererzählungen, Horrorstorys? Eine literarische Gattung, die – ebenso wie die Detektiverzählung – bei Kritikern als ein bisschen anrüchig gilt. Edgar Allan Poe hat beide Formen auf eine Höhe gebracht, die seine Nachfolger allenfalls wiederholen, nie überbieten konnten. Zum 200. Geburtstag bringen wir einen Blick auf das Werk des amerikanischen Dichters.  > mehr



Ein Walfaenger war mein Yale und mein Harvard
Vor 200 Jahren wurde Herman Melville geboren, der Verfasser von Moby Dick


Man kann sich eben auf gar nichts verlassen, nicht einmal auf die renommierten Lexika. In seiner vierten Auflage aus dem Jahr 1889 behauptete „Meyers Konversationslexikon“, Herman Melville, der Autor der beliebten Südsee-Romane „Taipi“ und „Omu“, sei 1874 verstorben. Als Melville 1891 dann wirklich starb, war er beim Publikum in einem Maße vergessen, wie es sonst zu Lebzeiten kaum einem anderen großen Autor geschah. 1883 hatte Robert Stevenson 1883 seine „Schatzinsel“ geschrieben. Nach dem Bibelspruch, dass gestohlenes Wasser süß schmeckt, bediente er sich freizügig bei den Werken anderer Autoren, angefangen bei Defoes „Robinson Crusoe“, und räumte diese Entlehnungen bald danach auch freimütig ein. Melvilles „Moby Dick“ zu erwähnen, hielt er offenbar für unnötig, in der Voraussetzung, meinte später Rolf Hochhuth, dass den ohnehin niemand sonst gelesen hätte. Heute werden Melvilles Südsee-Romane immer noch gelesen. „Moby Dick“ dagegen gehört wie einige der späten Erzählungen unbestritten zur Weltliteratur. > mehr



"Ich weiss schon, dass das verrueckt ist"
Vor 100 Jahren wurde J. D. Salinger geboren, der Verfasser des Romans "Der Faenger im Roggen"


Als am Abend des 8. Dezember 1980 der 25-jährige Mark David Chapman den Ex-Beatle-Sänger John Lennon erschoss, trug er ein Büchlein bei sich, eine Ausgabe des Romans „Der Fänger im Roggen“ von Jerome David Salinger. Im Prozess sagte Chapman später, er habe in diesem Buch die „Aufforderung“ gesehen, eine berühmte Persönlichkeit zu töten, um selbst berühmt zu werden. Als sein Schlusswort verlas er eine Passage aus dem Roman: „Aber jedenfalls stelle ich mir immer kleine Kinder vor, die in einem Roggenfeld ein Spiel machen. Tausende von kleinen Kindern, und keiner wäre in der Nähe – kein Erwachsener, meine ich – außer mir. Und ich würde am Rand einer verrückten Klippe stehen. Ich müsste alle festhalten, die über die Klippe hinauslaufen wollten – ich meine, wenn sie nicht achtgeben, wohin sie rennen, müsste ich vorspringen und sie fangen. Das wäre einfach der Fänger im Roggen.“ Das Unterfangen, Chapmans Leseerfahrung rational rekonstruieren zu wollen, dürfte aussichtslos sein; vielleicht hatten die Ärzte ja Recht, die ihm eine paranoide Psychose bescheinigten. Wie unter solchen Bedingungen Literatur rezipiert, der Intention nach wohl auch in Praxis umgesetzt wird, lässt sich kaum erahnen. Und wenn es dann noch eine Literatur ist, die auch von den „Normalen“ der Generation als das Kultbuch schlechthin verehrt wird … > mehr



 Maerchen mit gebrochenen Charakteren
George R. R. Martins Roman "Song of Ice and Fire" und die TV-Serie "Game of Thrones"


Kann man heute noch so schreiben, in einer derart traditionellen Erzählweise? Heute noch, fragt der Konstanzer Kulturwissenschaftler Jan Söffner, fast ein Jahrhundert nach James Joyces „Ulysses“ und Thomas Manns „Zauberberg“ und Robert Musils „Mann ohne Eigenschaften“? Ja, offenbar kann man, und das viele tausend Seiten lang; niemand weiß, wieviel der amerikanische Autor George R. R. Martin bei seinem „Song of Ice and Fire“ noch folgen lässt. Als TV-Serie „Game of Thrones“ ist der Stoff ohnehin allgegenwärtig. Eine „Soap opera“ aus der Fantasy-Welt, mit allerlei Rittern und Zauberern und Untoten.  > mehr



Der sich im Wolf spiegelte
Vor 100 Jahren starb der Schriftsteller Jack London


Jack London – vielen deutschen Lesern wird bei diesem Namen heute noch jene Fernsehszene aus dem Jahr 1971 in den Sinn kommen, in der Raimund Harmstorf mit der bloßen Hand eine Kartoffel zerquetschte. Dass die Kartoffel vorgekocht war – nun ja, auch damals schon hatten Film und Fernsehen ihre „special effects“. Die Szene aus der Verfilmung von Londons „Seewolf“ wurde zur Ikone für das Werk des Autors. Gab es einen anderen Schriftsteller, in dessen Romanen und Erzählungen der vitale, sich gegen alle Widerstände kraftvoll durchsetzende Mensch so unbefangen zur Geltung kam wie bei London? Ein Bild, an dem London selbst kräftig mitgewirkt hat.1903, im Alter von 27 Jahren, hatte er mit „Der Ruf der Wildnis“ den Durchbruch geschafft. In dem Schlittenhund Buck, der vom Leben mit den Menschen enttäuscht ist und zum Anführer eines Wolfsrudels wird, spiegelte er sich selbst – oder vielmehr das, was er in sich selbst gern sehen wollte, den großen Abenteurer, der in einer widrigen Umwelt Wege zum Überleben findet. > mehr



Ein Sklave seines Publikums
Vor 100 Jahen starb Mark Twain, der Autor von "Tom Sawyer" und "Huckleberry Finn"

"In einem Buch für Kinder geht so etwas nicht!", meinte ein Freund, nachdem Mark Twain ihm seinen "Tom Sawyer" zur kritischen Lektüre vorgelegt hatte. In einem Buch für Kinder ... "Tom Sawyer", erschienen 1878, wurde zu einem der beliebtesten Kinderbücher der Weltliteratur; aber nach dem Geschmack vieler Herausgeber hatte der Autor, der am 21. April 1910, vor hundert Jahren, verstorben ist, in seinem Bemühen um Wohlanständigkeit nicht sorgfältig genug gearbeitet. Es ging "Tom Sawyer" und noch mehr dem späteren "Huckleberry Finn" wie den Erzählungen aus Tausendundeiner Nacht; in längeren und kürzeren Bearbeitungen wurden sie auf "kindgerecht" getrimmt. Oder auf das, was die Herausgeber für kindgerecht hielten. > mehr




"Der Mensch darf nicht aufgeben ..."
Vor 50 Jahren starb Nobelpreisträger Ernest Hemingway

„Er war ein alter Mann, der allein in einem kleinen Boot im Golfstrom fischte, und er war jetzt vierundachtzig Tage hintereinander hinausgefahren, ohne einen Fisch zu fangen ...“ Wie viele Millionen Menschen mögen Ernest Hemingways Erzählung „Der alte Mann und das Meer“ inzwischen gelesen haben? Hemingway bietet den raren Fall, dass ein Autor Pflichtlektüre in den Schulen geworden ist und zugleich von Jugendlichen wie von Erwachsenen verschlungen wird, und das bis heute. Zum fünfzigsten Todestag ein Blick auf Leben und Werk des Nobelpreisträgers. > mehr