Die Weisen im Wunderland
Bilder der Fremde in den Alexanderromanen des deutschen Mittelalters

"Das ist der ewige Gott, der uns nach dem Tod das ewige Leben gibt, das eure Götter nicht zu geben imstande sind." Ein mittelhochdeutscher Roman gibt die Predigt wider, die indische Brahmanen mehr als drei Jahrhunderte vor Christus an Alexander den Großen gehalten haben sollen. Seit der späten Antike wurden indische Weise gern als vorweggenommene Repräsentanten christlicher Lebenslehre aufgefasst. Wir berichten aus den Forschungen eines Wiener Germanisten. > mehr



Du siehst, wohin du siehst, nur Eitelkeit auf Erden
Vor 400 Jahren wurde Andreas Gryphius geboren


2009 machte ihn der amerikanische Komponist Philip Glass der Minimal-Music-Gemeinde weltweit bekannt: Glass übernahm einige seiner Gedichte für das Libretto seiner Oper „Kepler“. Aber ansonsten ist der schlesische Barockdichter und -dramatiker Andreas Gryphius, der am 2. Oktober 1616, vor 400 Jahren, in Glogau geboren wurde, heute immer noch eine Art „Geheimtip“. Man misst ihn gern an seinen Zeitgenossen wie Calderón und Lope de Vega, Corneille, Racine und Molière, und da muss Gryphius (oder eigentlich, ohne Latinisierung des Namens, Andreas Greif) unvermeidlich abfallen. Doch das ist ein Problem der deutschen Barockdichtung ganz allgemein: Die spätere deutsche Klassik von Lessing über Goethe bis Schiller hat alles Frühere überdeckt. > mehr



Nun schweigt eine Weile und redet nicht viel ...
Das Fastnachtsspiel - ein Blick auf die deutsche Volkskultur des 15. und 16. Jahrhunderts

Fastnacht irgendwann um 1500. In einer Kneipe wird ausgelassen gefeiert. Da öffnet sich plötzlich die Tür, einer der Eintretenden begrüßt die Gäste: "Nun schweigt eine Weile und redet nicht viel und hört, was ich euch sagen will! Hier werdet ihr hören ein Fastnachtsspiel." Eine Viertel- oder halbe Stunde lang wird eine lustige Geschichte aufgeführt – von untreuen Ehefrauen und lüsternen Pfaffen, verschlagenen Studenten und tölpelhaften Bauern. Zum Karneval blicken wir zurück auf diese Tradition des literarischen Theaterspiels, die im 16. Jahrhundert abbrach und niemals wiederbelebt werden konnte. > mehr





"Nein, nein, du Bösewicht, du kommst mir von der Stelle nicht!"
Die Osterspiele - das geistliche Theater im Mittelalter

Theater gilt ja eigentlich als Freizeitvergnügen; aber wenn die Aufführungen nicht einige Stunden dauern, sondern ganze Tage, jeweils von Mittag bis in die Abendstunden? Im späten Mittelalter waren solche „Events“ durchaus üblich, vor allem über Ostern. Und die ganze Stadt nahm daran teil. Das Spiel endete regelmäßig mit einem gemeinsamen Gesang, in dem die Stadtgemeinde ihre Zusammengehörigkeit bekräftigte. „Singet alle miteinander: Christ ist erstanden!“ > mehr





Die Krankheit zur ewigen Verdammnis
Das Volksbuch vom Doktor Faustus - eine Beschreibung der Melancholie

Doktor Faustus – für den modernen Leser ist das "Volksbuch“ von 1587 gegenüber Goethe und Thomas Mann zurückgetreten. Dabei handelt es sich um einen Schlüsseltext des 16. Jahrhunderts. "Widerstehet fest im Glauben“, mahnt der Verfasser den Leser. Wem widerstehen? Dem Teufel, natürlich, aber auch einer Krankheit, wie eine Germanistin der Humboldt-Universität zu Berlin festgestellt hat: der Melancholie. > mehr





Wie die Deutschen ernsthaft wurden
Lachen, verlachen, mitlachen - zum Lustspiel des 18. Jahrhunderts

Lessings "Minna von Barnhelm" ist ein "Lustspiel", wie der Untertitel ausweist. Gelacht haben die Besucher der ersten Aufführungen, wie berichtet wird, aber nur an ganz wenigen Stellen. Ein Lustspiel ohne Anlässe zum Gelächter? Eine Wiener Germanistin und Theaterwissenschaftlerin hat sich mit der "Genese der Ernsthaftigkeit im deutschen Bürgertum des 18. Jahrhunderts" befasst. > mehr 




"Hat beser als irgend jemand deutsch geschrieben"
Vor 200 Jahren verstarb der Schriftsteller Christoph Martin Wieland

Die Weimarer Klassik – das waren Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller, Johann Gottfried Herder und Christoph Martin Wieland, ist in den Literaturgeschichten zu lesen. Wieland – ein Klassiker? Der Romancier Hermann Kesten resümierte 1963, die Deutschen hätten diesen „Stern erster Ordnung am deutschen Literaturhimmel“, „so gründlich vergessen, wie keine andere Nation einen so großen Schriftsteller und einen so großen Mann vergessen hat“. Sie „missachteten ihn schon zu seinen Lebzeiten als undeutsch, unsittlich, unoriginell und unecht“. > mehr