Dossier
Deutsche Literatur der Klassik und Romantik

 

Emanzipation der Pfarrerssöhne
Als das Karussell der Ersatzreligionen seinen Anfang nahm

Was haben Lessing und Herder und Wieland, Lichtenberg und Claudius gemeinsam? Sie alle stammten aus protestantischen Pfarrhäusern. Und damit waren sie unter den deutschen Schriftstellern in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts längst nicht die einzigen. Auch Gellert, Lenz, Jean Paul und Hölderlin waren Söhne von Geistlichen. Die deutsche Literatur von der Aufklärung bis zum Anbruch der Romantik entstand großenteils als Werk von Pfarrerssöhnen, als Frucht der Bildung in protestantischen Pfarrhäusern. Eine Forschergruppe um die Germanisten der Universität Halle-Wittenberg hat diese Beobachtung aufgegriffen und unter verschiedenen Aspekten neu beleuchtet. > mehr



Klassik in Krähwinkel
Wie das Doppelereignis Weimar-Jena zustandekam


„Unter den 11.000 Menschen, welche die Stadt bewohnen, ist bei weitem die größte Zahl eine Rasse von kleinstädtischen Spießbürgern, welchen man weder die Verfeinerung einer Hofstadt noch sonderlichen Wohlstand anmerkt.“ Wie wurde aus der mittelgroßen, ackerbürgerlich geprägten Residenzstadt das „Ereignis Weimar“, das die deutsche Kultur für die folgenden zwei Jahrhunderte so nachhaltig geprägt hat, bis hin zum Gemeinplatz vom „Volk der Dichter und Denker“? und bis zu Karikaturen à la „Fack ju Göhte“? Oder, wenn man die nahe gelegene, ebenso kleine Universitätsstadt Jena hinzunimmt: Wie entstand das Doppelereignis „Weimar-Jena“? > mehr



"Und aus den Wiesen steiget der weiße Nebel wunderbar"
Vor 200 Jahren starb der Dichter Matthias Claudius


„Der Mond ist aufgegangen, die goldnen Sternlein prangen am Himmel hell und klar ...“ Gibt es im deutschen Sprachraum Erwachsene oder Kinder, denen dieses „Abendlied“ nicht vertraut wäre? Der Dichter, Matthias Claudius, der am 21. Januar 1815, vor 200 Jahren, in Hamburg verstarb, gilt dennoch als Stern zweiter oder dritter Ordnung. Der Ruhm der beiden „Klassiker“ Goethe und Schiller hat alle vorangegangenen deutschen Schriftsteller in den Hintergrund gedrängt (mit einer einzigen Ausnahme: Lessing). Und die Wiederbelebungsversuche von Deutschlehrern waren bei dem einen oder anderen Stück von Goethes Altersgenossen zwar erfolgreich, „Sturm und Drang“ kommt den Bedürfnissen aufmüpfiger junger Leute von heute entgegen; aber Matthias Claudius eignete sich mit der „passiven Art seiner Verweigerung“, wie der Germanist Walter Münz einmal festgestellt hat, nicht einmal für Aussteiger als Modell. > mehr




"Hat beser als irgend jemand deutsch geschrieben"
Vor 200 Jahren verstarb der Schriftsteller Christoph Martin Wieland

Die Weimarer Klassik – das waren Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller, Johann Gottfried Herder und Christoph Martin Wieland, ist in den Literaturgeschichten zu lesen. Wieland – ein Klassiker? Der Romancier Hermann Kesten resümierte 1963, die Deutschen hätten diesen „Stern erster Ordnung am deutschen Literaturhimmel“, „so gründlich vergessen, wie keine andere Nation einen so großen Schriftsteller und einen so großen Mann vergessen hat“. Sie „missachteten ihn schon zu seinen Lebzeiten als undeutsch, unsittlich, unoriginell und unecht“. > mehr




Antikenbegeisterung in der Goethezeit
Vom kosmopolitischen Humanismus des 18. zur deutschen Nationalbewegung des 19. Jahrhunderts

Der Schulunterricht in den alten Sprachen Griechisch und Latein wurde bereits vor über zweihundert Jahren für tot erklärt, wie ein Vers aus den von Goethe und Schiller um 1795 gemeinsam verfassten "Zahmen Xenien" belegt: "Tote Sprachen nennt ihr die Sprache des Flaccus und Pindar, und von beiden nur kommt, was in der unsrigen lebt." Nicht nur in Deutschland lässt sich für die Zeit um 1800 eine "verstärkte Antikenbegeisterung" feststellen. Die Kultur- und Sozialwissenschaftler der Universität Erfurt haben eine Forschergruppe versammelt, um diesen Enthusiasmus unter verschiedenen Aspekten zu beleuchten. > mehr





"Das Materielle durch Ideen beherrschen"
Friedrich Schiller und seine moralische Anstalt - zum 200. Todestag des Dichters

"Wir wollen ein Buch machen, das durch den Henker absolut verbrannt werden muss!" Der junge Friedrich Schiller über seine "Räuber". Der Dichter beabsichtigte, "die sinnliche Welt in ein freies Werk unseres Geistes zu verwandeln und das Materielle durch Ideen zu beherrschen". Die Bühne "als eine moralische Anstalt betrachtet", zum 200. des Theatergenies. > mehr





"Ist es ein Traum?" - "Ein Traum, was sonst?"
Ein Dichter der Gefühlsverwirrung - vor 200 Jahren starb Heinrich von Kleist

„Nun, o Unsterblichkeit, bist du ganz mein“ steht auf dem schlichten Grabstein am Kleinen Wannsee in Berlin. Oder stand bislang, muss man sagen; zum 200. Todestag wird das Grab neu gestaltet. Hier an der Uferböschung erschoss am 21. November 1811 der Dichter Heinrich von Kleist zunächst seine krebskranke Begleiterin Henriette Vogel und dann sich selbst. Das Zitat aus Kleists letztem Drama legt in seiner Isolation den Gedanken an Heldentod und Heldengedenken nahe. Aber der Verlauf des Stückes lässt auch ganz andere Vermutungen zu. Zum 200. Todestag ein Blick auf das Werk des vieldeutigen Dichters. > mehr





Begierden wie ein Mann, ohne Männerkraft
Vor 200 Jahren machte die Dichterin Karoline von Günderode ihrem Leben ein Ende

"Eine tiefe Wunde, nicht ganz ein Zoll lang; der Stich zwischen 4. und 5. Rippe in die linke Herzkammer eingedrungen": So das ärztliche Protokoll vom Leichnam der Dichterin Karoline von Günderode, die sich vor 200 Jahren, am 26. Juli 1806, in Winkel am Rheinufer das Leben nahm. Die traurige Geschichte von der Frau, die sich in die vorgegebene Frauenrolle nicht fügen wollte, beschäftigt die Phantasie bis heute. > mehr

 



"Es war einmal ..."
Vor 200 Jahren erschienen "Grimms Märchen"

Dezember 1812. Es war eine Zeit der Ruhe vor dem Sturm. Am 16. überquerten die Reste von Napoleons geschlagener Russland-Armee die Memel; das Zarenreich rüstete sich für einen Feldzug nach Mittel- und Westeuropa. Während am Kaiserhof in Wien noch darüber nachgedacht wurde, wie man die französische Vorherrschaft über Europa abstreifen könne, ohne sich in Abhängigkeit von Russland zu begeben, bereitete Preußen bereits den Frontenwechsel vor. Am 30. Dezember schloss Generalleutnant Johann Daniel von Yorck in Ostpreußen einen Waffenstillstand mit dem Befehlshaber der russischen Armee. Da brachte am 20. des Monats in Berlin der Verleger Georg Andreas Reimer ein Buch heraus, das von den kriegerischen Verwicklungen so weit ab war wie nur möglich – oder jedenfalls weit ab schien. „Kinder- und Haus-Märchen“ sagte der Titel. Verfasser waren zwei noch ziemlich unbekannte Philologen aus Kassel, die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm. Es wurde, wenn man die zahllosen Bearbeitungen mitzählt, eines der meistgelesenen, meistübersetzten und meistillustrierten Bücher der Weltliteratur. > mehr




Nichts als Traum, Musik und Posthornklang
Vor 150 Jahren starb Joseph von Eichendorff

1857 – das Jahr hat sich in die Geschichte der Weltliteratur durch das Erscheinen zweier Schlüsselwerke eingetragen, der Gedichtsammlung "Blumen des Bösen" von Charles Baudelaire und des Romans "Madame Bovary" von Gustave Flaubert. Am 26. November desselben Jahres starb im schlesischen Neiße, international kaum beachtet, der beim Publikum bis heute populärste Dichter der deutschen Romantik, Joseph von Eichendorff. > mehr