Dossier
Deutsche Literatur des 19. Jahrhunderts

 

Von Homers Muse zu Vischers Katarrh-Dämonen
Auch eine Art von Genie - der Narr in der deutschen Literatur

Die Dichter sind Sprachrohr der Götter, lehrte Platon, "besessen und bewusstlos", und die Neuzeit entdeckte allerlei untergründige Verbindungen des Genies zu Krankheit, Wahnsinn und Verbrechen. Mit der Narrenfigur als Transformation dieser alten Vorstellungen befasst sich jetzt ein Religionswissenschaftler der FU Berlin. > mehr





"Aber ist's nicht schön ausgedrückt?"
Heinrich Heine zum 150. Todestag

"Das ist ein Zauberkessel, worin die magischen Kräfte brauen, und steckst du in die Ründung den Kopf, so wirst du die Zukunft schauen ... Doch dieser deutsche Zukunftsduft mocht alles überragen, was meine Nase je geahnt – ich konnt es nicht länger ertragen." Aus "Deutschland – ein Wintermärchen". Lesen Sie unsere Hommage zu Heinrich Heines 150. Todestag. > mehr





Zu gescheit, um Revolutionär zu sein, zu sehnsüchtig, um es nicht zu sein
Vor 200 Jahren wurde Georg Büchner geboren

Zwei Dramen („Dantons Tod“ und „Woyzeck“), eine Komödie („Leonce und Lena“), eine Erzählung („Lenz“) – es ist ein recht schmales Oeuvre, mit dem sich Georg Büchner in die deutsche Literaturgeschichte eingeschrieben hat. Aber in diesem Oeuvre gehört – und das macht Büchner, der am 17. Oktober 1813, vor 200 Jahren, in Goddelau bei Darmstadt geboren wurde, einzigartig, vergleichbar allenfalls mit Franz Kafka – jeder, aber auch wirklich jeder Satz zur Weltliteratur. Die Aufzählung ist nicht ganz vollständig. In unseren Werkausgaben findet sich noch ein fünfter Text, überschrieben „Der Hessische Landbote“. Ein politisches Manifest; unter der pathetischen Überschrift „Friede den Hütten! Krieg den Palästen!“ wandte sich der Giessener Medizinstudent Georg Büchner an die Bauern und Handwerker im Großherzogtum Hessen-Darmstadt. Der Mainzer Germanist Hermann Kurzke hat in seiner neuen Büchner-Biographie jetzt eine Rekonstruktion der Urfassung dieses Manifests vorgelegt. > mrhr 




"Von einem dichtenden Denker geschrieben"
Vor 200 Jahren wurde der Dramatiker Friedrich Hebbel geboren

An Friedrich Hebbel scheiden sich die Geister, heute wie zu seinen Lebzeiten. Hebbel besitze „gar keine plastische Phantasie“, schrieb Heinrich Laube, der Direktor des Wiener Burgtheaters; seine Stücke seien bloß „gedacht“, „von einem dichtenden Denker geschrieben, nicht aber von einem Dichter, der ein Künstler ist“. Und der Dichterkollege Franz Grillparzer notierte in seinem Tagebuch: „Hebbel ist der denkenden Aufgabe vollkommen gewachsen, der künstlerischen aber gar nicht.“ Mehr „gedacht“ als gedichtet: Dieses vernichtende Wort kehrt in den Urteilen über Friedrich Hebbel, der vor 200 Jahren, am 18. März 1813 in einem Dorf in Dithmarschen geboren wurde, immer wieder. Dabei ist Hebbel doch zweifellos der führende deutsche Dramatiker in der Mitte des 19. Jahrhunderts, sozusagen im „silbernen Zeitalter“ der deutschen Literatur, nach Goethes Tod und vor dem Anbruch des Naturalismus. > mehr




Helden mit Knacks
Heroisches und Postheroisches in der Literatur des 19. Jahrhundert

"Unglücklich das Land, das keine Helden hat!" "Nein. Unglücklich das Land, das Helden nötig hat." Eine Stelle in Bertolt Brechts "Leben des Galilei", die in jeder Aufführung Szenenapplaus provoziert. Brecht konnte sich darauf verlassen, dass er im Sinne seiner Zuschauer sprach – Europa ist, wie man gern sagt, in ein "postheroisches Zeitalter" eingetreten. Ein Kolloquium an der Universität Bern ging vor zwei Jahren der Vorgeschichte unseres modernen "Postheroismus" nach, genauer: der Entwicklung in der deutschen und europäischen Literatur des 19. Jahrhunderts. > mehr




Selbstinszenierungen der Sinnlichkeit
Die Produktivität der Krise bei Heine und Nietzsche

Als Hegel 1831 verstarb, empfanden seine Schüler das sowohl als Verwaisung wie auch als Befreiung: Die Diskussion um die Interpretation und Uminterpretation des Meisters war freigegeben. Im folgenden Jahr wiederholte sich etwas Ähnliches auf dem Gebiet der schönen Literatur. Mit Goethes Tod gehe eine ganze Epoche zu Ende, hat Heinrich Heine festgestellt, die „Kunstepoche“. Die große, für eine jüngere Schriftstellergeneration zweifellos auch belastende Vorbildfigur war abgetreten. Heine sah sich sowohl gegenüber Goethe als auch gegenüber Hegel in einem Schüler-Lehrer-Verhältnis, in einer eigentümlichen Mischung von Respekt und Distanz. Ein Dichter der Epochenwende. Ein Düsseldorfer Germanist ist der Schreibweise nachgegangen, in der Heine sein schriftstellerisches Programm realisierte: Heine „inszenierte“ seine Schriftstellerexistenz vor dem Leser. > mehr




Nicht mehr romantisch, noch nicht modern
Eduard Mörike zum 200. Geburtstag

Bloß biedermeierliche Idylle? Eduard Mörike wird oft in diese Schublade abgelegt. Aber ein Satz wie der folgende. „Mir schießt in der wachsenden Todesangst kein Götterflügel aus den Schultern hervor und entreißt mich dem Dunstkreis, der mich erstickt“ – klingt das etwa idyllisch? > mehr

 


Ein Virtuose der Verinnerlichung
Zu Adalbert Stifters 200. Geburtstag

„Das Wehen der Luft, das Rieseln des Wassers, das Wachsen der Getreide, das Wogen des Meeres, das Grünen der Erde, das Glänzen des Himmels, das Schimmern der Gestirne halte ich für groß ... Ein ganzes Leben voll Gerechtigkeit, Einfachheit, Bezwingung seiner selbst, Verstandesgemäßheit, Wirksamkeit in seinem Kreise, Bewunderung des Schönen, verbunden mit einem heiteren gelassenen Sterben halte ich für groß.“ Adalbert Stifter, der Dichter mit dieser so unaufgeregten wie „unmodernen“ Lebensauffassung, wurde vor 200 Jahren geboren. > mehr




Dynamit in Watte
Vor 150 Jahren starb der österreichische Komödiendichter Johann Nestroy

Der größte deutsche Komödiendichter? Wollte man nach dem bedeutendsten deutschen Lustspiel fragen, würde sich eine ganze Reihe von Antworten anbieten: "Minna von Barnhelm", "Der zerbrochene Krug", "Leonce und Lena" usw. usf. Aber bei Lessing oder Kleist oder Büchner stand die Komödie nicht im Zentrum ihres dichterischen Schaffens; einen wirklichen Komödiendichter wie Molière oder Goldoni scheint die deutschsprachige Literatur nicht zu besitzen.Oder vielleicht doch? In den 1930er Jahren fand der Literaturhistoriker Franz H. Mauthner eine Antwort, die seine Kollegen überrascht haben wird: Johann Nestroy. Der österreichische Schauspieler und Dramatiker, der am 25. Mai 1862, vor 150 Jahren, in Graz verstarb, war außerhalb Österreichs bis weit ins vorige Jahrhundert hinein kaum bekannt. Nur Eingeweihte ahnten etwas von seiner Bedeutung > mehr
 
 



"Der Vogel, scheint mir, hat Humor"
Der reimende Philosoph - vor 100 Jahren starb Wilhelm Busch

Kinderbücher? Ein bisschen sind manche von Buschs Bildergeschichten das wohl auch, voran natürlich "Max und Moritz". Aber es wird kein anderes Buch der Weltliteratur geben, das an Pädagogik und Moral derart desinteressiert wäre. "Der natürliche, unverdorbene Mensch, also besonders das Kind, muss überwiegend böse sein", schrieb Busch in einem Brief. Zum 100. Todestag am 9. Januar werfen wir einen Blick auf das Werk des Dichters, Zeichners und Malers, der nicht nur ein pessimistisches Gemüt war, sondern ein philosophischer Kopf. > mehr




"Aber wehe! wehe! wehe! wenn ich auf das Ende sehe!"
Vor 150 Jahren erschien Wilhelm Buschs Bildergeschichte "Max und Moritz"


Vom einleitenden „Ach, was muss man oft von bösen Kinder hören oder lesen!“ bis zum „Gott sei Dank! Nun ist's vorbei mit der Übeltäterei!“ am Schluss – Wilhelm Buschs Bildergeschichte „Max und Moritz“ ist beinahe Vers für Vers in den Schatz geflügelter Worte eingegangen, so vollständig wie kaum ein anderes Werk deutscher Sprache. Dabei war die „Bubengeschichte in sieben Streichen“, die am 4. April 1865, vor 150 Jahren, herauskam, lange als jugendgefährdend verschrien. Die Erwachsenen seien als „erbärmliche Vogelscheuchen“ gezeichnet, kritisierte zu Buschs Lebzeiten der Schriftsteller Julius Duboc. „Dass Kinder eine derartige Darstellung sehr nach ihrem Geschmack finden, ist nicht zu bezweifeln.“ > mehr




Vom Abenteuerschriftsteller zum Prediger der Nächstenliebe
Vor 100 Jahren starb Karl May

Ob er selbst am Ende noch unterscheiden konnte, was er wirklich erlebt und was er frei erfunden oder aus irgendwelchen Quellenübernommen hatte? In seinen letzten Lebensjahren führte Karl May fortwährend Prozesse gegen "Verleumder", die seinen Büchern das angeblich Autobiographische der Abenteuer nicht abnehmen wollten. Das Misstrauen war begründet; wenn er in seinen Reiseerzählungen durch die weite Welt "ich" schrieb, war das pure Erzählerfiktion. Aber May verteidigte hartnäckig die "Wahrheit" seiner Geschichten. Am 30. März 1912, vor 100 Jahren, ist Karl May verstorben. > mehr