Dossier
Aus der deutschen Literatur

 

Das Oder das Aufgehen der Kunst in Fun, Reklame und KommerzHimmelreich als Käsemarkt
Oder das Aufgehen der Kunst in Fun, Reklame und Kommerz


"Das Leben der meisten", heißt es bei Joseph von Eichendorff, "ist eine immerwährende Geschäftsreise vom Buttermarkt zum Käsemarkt; das Leben der Poetischen dagegen ein freies, unendliches Reisen nach dem Himmelreich." Die Opposition zwischen der Kommerzwelt des Bürgertums und der freien Kreativität des Dichters ist ein Hauptthema romantischer und moderner Dichtung. Ein Klagenfurter Literaturwissenschaftler hat die Entwicklung des Künstlerromans vom Ende des 18. Jahrhunderts bis zu seiner Auflösung im späten 20. Jahrhundert nachgezeichnet. > mehr


Vom Hildebrandslied bis zu "Kir Royal"
Eine bayerische Literaturgeschichte


Als Thomas Mann, fernab der Heimatstadt Lübeck, in München an seinen „Buddenbrooks“ schrieb und gerade bei Tony Buddenbrooks verunglückter Ehe mit dem Hopfenhändler Alois Permaneder angekommen war, fragte er eines schönen Nachmittags seinen jüngeren Bruder Viktor, wie wohl ein echter Münchner verärgert sagen würde, wenn seine Frau ihn bei einer Schäkerei mit dem drallen Dienstmädchen erwischt hätte und daraufhin abends nicht ins Schlafzimmer lassen wollte. Viktor, der in München aufgewachsen war und sich in der bayerischen Sprachwelt auskannte, antwortete spontan: „Geh zum Deifi, Sauluada, dreckats!“ Thomas ließ sich die Worte buchstabieren und übernahm sie in den Roman. Ein bairischer Kraftausdruck, der in die Weltliteratur einging. > mehr



Sehnsuchtsorte in Schnee und Eis
Die Entdeckung der Alpen in der deutschen Literatur seit dem 18. Jahrhundert


„Hier blüht nimmer der Lenz, hier schmückt kein Sommer die Landschaft. Einsam wohnt auf den grausen Höh’n und hütet den steten Sitz der grässliche Winter; von allen Seiten versammelt hier er schwarzes Gewölk und hagelschauernden Regen.“ Der unerfreuliche Ort, den der römische Dichter Silius Italicus im 1. Jahrhundert n. Chr. in seinem Epos vom Zweiten Punischen Krieg beschrieb, waren die Alpen. Einige Generationen zuvor hatte der Geschichtsschreiber Livius die Schrecken, die Hannibal und seine Soldaten auf dem Weg nach Italien überwinden mussten, noch drastischer ausgemalt: „Die fast mit dem Himmel zusammenhängenden Schneemassen“, die ganze lebende und leblose Natur starrend von Frost.“ Aber ob nun Schneemassen oder Dauerregen – in der Antike „waren die Alpen ein Gegenstand des Schreckens“, ein „locus horribilis“, schreibt die Bamberger Germanistin Kathrin Geist. > mehr


    
500 Jahre protestantisches Pfarrhaus
Von Luther bis heute


Gottsched, Bodmer, Gellert, Lessing, Wieland, Schubart, Claudius, Lichtenberg, Bürger, Hölty, Lenz, Gotthelf, Jean Paul, die Brüder Schlegel – die Liste der deutschen oder deutschsprachigen Schriftsteller des 18. und frühen 19. Jahrhunderts, die einem protestantischen Pfarrhaus entstammten, ist endlos. Würde man jene hinzuzählen, deren Väter protestantische Geistliche, wenngleich keine Pfarrer waren, kämen weitere hinzu, etwa Herder und Hölderlin. Die deutsche Literatur von der Aufklärung bis zur Romantik entstand großenteils als Werk von Pfarrerssöhnen, man darf vermuten: als Frucht der Bildung in protestantischen Pfarrhäusern. Und die Reihe ließe sich ins 20. Jahrhundert hinein fortsetzen: Auch Nietzsche, Hesse, Benn und Dürrenmatt kamen aus Pfarrersfamilien. > mehr



Faust: Ein Schwarzkuenstler, der zum Inbegriff des deutschen Charakters wurde ...
... und zum Symbol der Moderne


„Wer weiß“, stöhnte der Literaturwissenschaftler August Wilhelm von Schlegel im Wintersemester 1803/04 vor seinen Studenten, „wieviele ‚Fäuste‘ oder ‚Fäustchen‘ noch von jungen Skribenten unterwegs sind.“ Das Erscheinen von Goethes „Faust. Ein Fragment“, 1790, hatte in Deutschland eine nationale Begeisterung hervorgerufen. August Wilhelms Bruder Friedrich erklärte die Figur des „Doktor Faust“ gar zu „unserer mythologischen Hauptperson“. Doch da Goethe eben nur ein Fragment vorgelegt hatte, wurde es Mode, berichtet der Marburger Germanist Manuel Bauer in seiner neu erschienen Studie zur Geschichte des Stoffes, dass sich hoffnungsvolle junge Schriftsteller an einer Fortsetzung versuchten. Oder gleich an einem neuen, ganz anderen „Faust“. > mehr



"... und vomieren dann Ghaselen“
Der Orient in der deutschen Literatur, von den Kreuzzügen bis zu "deutschfremden" Basaren


Vor drei Jahrzehnten machte der New Yorker Literaturwissenschafler Edward Said mit dem Schlagwort "Orientalismus" Furore: Ein sich "aufgeklärt“ dünkender Westen habe sich – vor dem realhistorischen Hintergrund kolonialer Ansprüche – den angeblich mysteriösen Orient selbst geschaffen. Inzwischen hat die Forschung festgestellt, dass da zu differenzieren ist, zwischen Mitteleuropa einerseits, Frankreich und Großbritannien andererseits. Ene Tagung in Bielefeld fragte nach den Orientdiskursen in der deutschen Literatur. > mehr