Dossier
Poesie des Todes

 

Unser Vergnügen am Grausigen
Berliner Philologen bemühen sich um ein neues Verständnis des Aristoteles

Lessing glaubte, durch die Tragödie würden unsere natürlichen Leidenschaften in Tugenden verwandelt, Schadewaldt dachte vielmehr daran, dass die schrecklichen Geschehnisse auf der Bühne beim Zuschauer Gänsehaut und feuchte Augen hervorrufen und er am Ende dennoch wohlig erfrischt nach Hause geht ... Was Aristoteles in seiner Tragödienschrift sagen wollte, ist nach wie vor umstritten. Jetzt wagen die Philologen der FU Berlin einen neuen Anlauf. > mehr



Lust am Unheimlichen, Spiel mit dem "Unzuhause"
Diskussionen um eine ästhetische Kategorie der Moderne

Monumentale Raumphantasien, düster und menschenleer: Als der italienische Kupferstecher Giovanni Battista Piranesi Ende der 1740er Jahre seine Bilderfolge „Carceri“ herausbrachte, traf er den Nerv seiner Zeit. Waren das nicht die „Kerker“, aus denen sich eine neue, aufgeklärte Zeit zu befreien hatte? Aber zugleich übten diese düsteren Gewölbe einen sonderbaren Reiz aus. Ausgerechnet auf dem Höhepunkt der Aufklärung entdeckte Europa, dass das Unheimliche bei allem Schrecken zugleich auch faszinieren kann, jedenfalls in der Kunst. > mehr



Sensenmann und Schlafes Bruder
Personifikationen des Todes in Kunst und Literatur


Im Lande des Prinzen Prospero wütet eine grauenhafte Seuche, die bereits die Hälfte der Bevölkerung hinweggerafft hat. Prospero versucht, sich mit seinem Hofstaat von jedem Kontakt mit der Umwelt abzuschließen, und feiert ein rauschendes Maskenfest. Als die Uhr um Mitternacht zwölf Mal schlägt, bemerken die Feiernden, dass sich ein Fremder Zutritt verschafft hat, eine grässliche Totenlarve in wallenden Leichengewändern. „Und Dunkelheit und Verfall und der Rote Tod traten ihre unumschränkte Herrschaft an“, schließt Edgar Allan Poes Kurzgeschichte von der „Maske des Roten Todes“, 1842. Eines von tausenden und abertausenden Beispielen, dass Literatur, Kunst und Film den Tod in menschlicher Gestalt auftreten lassen, beinahe wie unsereins. Einer der jüngsten Fälle, nicht so grauenerregend wie bei Poe: der Film „Rendezvous mit Joe Black“ von 1998, mit Brad Pitt in der Rolle des Todes. > mehr




Die Krankheit zur ewigen Verdammnis
Das Volksbuch vom Doktor Faustus - eine Beschreibung der Melancholie

Doktor Faustus – für den modernen Leser ist das "Volksbuch“ von 1587 gegenüber Goethe und Thomas Mann zurückgetreten. Dabei handelt es sich um einen Schlüsseltext des 16. Jahrhunderts. "Widerstehet fest im Glauben“, mahnt der Verfasser den Leser. Wem widerstehen? Dem Teufel, natürlich, aber auch einer Krankheit, wie eine Germanistin der Humboldt-Universität zu Berlin festgestellt hat: der Melancholie. > mehr





Die Lust an der Hölle
"Gothic Novel" und Verwandtes - Englands Schwarze Romantik im europäischen Kontext

"In diesem Augenblick erschütterte ein Donnerschlag das Schloss bis in die Grundmauern; die Erde bebte, und hinter sich hörten sie das Klirren einer Rüstung, die keinem Sterblichen zu gehören schien ..." Horace Walpole, "Schloss Otranto", erstes Beispiel einer englischen "gothic novel”. Der Greifswalder Anglist Jürgen Klein hat zur "schwarzen Romantik" geforscht – dreiviertel Jahrhundert nach dem Klassiker von Mario Praz über "Liebe, Tod und Teufel". >
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"Hat alle Voraussetzungen für eine gute Ehefrau"
Ernsthaftes und weniger Ernsthaftes aus der Kulturgeschichte der Grabschrift

"Man könnte anhand von Grabinschriften eine Geschichte der Menschheit schreiben", behauptete 1870 der französische Architekt Eugène Emmanuel Viollet-le-Duc. Der Literaturwissenschaftler Karl S. Guthke von der Harvard University hat die Idee aufgegriffen und einen Streifzug durch die Kulturgeschichte dieser literarischen Kleinform unternommen - allerlei Ernsthaftes und Tiefsinniges und auch einiges an unfreiwilliger Komik. > mehr