Dossier
Poesie des Geschlechts

 

Merinoschaf mit Teufelsrippe
Über die Frauen - aus dem Sprichwortschatz aller Zeiten und Völker

"So wie ihre Brüste hängen, so hängt auch ihr Verstand", sagt man in Äthiopien, "wenn die Kuh ehrbar wäre, hätte der Stier keine Hörner", in Argentinien, "eine Frau ist wie ein Merinoschaf, sie wird nach ihrem Hintern beurteilt", in Ruanda. Und die Chinesen behaupten: "Prügeln ergibt tugendhafte Frauen." Was Sprichwörter über Frauen aussagen, ist im Lichte heutiger politischer Kultur offenbar ganz und gar inkorrekt. Eine niederländische Literaturwissenschaftlerin hat den überlieferten Sprichwortschatz unter die Lupe genommen. > mehr



"Der Jugend erste Bluete"
Das Motiv der Entjungferung in Kunst und Literatur


Ein blondes Mädchen, vielleicht 15 oder 16 Jahre alt, beugt sich weinend über sein totes Vögelchen. Mit Myrtenzweigen geschmückt, liegt der kleine Liebling wie aufgebahrt auf der Oberseite eines hölzernen Käfigs. „Welch reizende Elegie“, begeisterte sich der Schriftsteller Denis de Diderot 1765 in seiner Kritik dieses Gemäldes von Jean-Baptiste Greuze, das gerade im Pariser „Salon“ ausgestellt war. „Bald ertappt man [der Betrachter] sich dabei, wie man mit dieser Kleinen plaudert und sie tröstet.“ Man dürfe allerdings nicht glauben, schrieb Diderot einige Sätze später, „dieses kleine Mädchen beweine nur seinen Kanarienvogel“. > mehr



"Das Kleine hat ein Pistölchen!"
Mythos und Desillusionierung soldatischer Männlichkeiten


"Sone Uniform, die macht det meiste janz von alleene", ließ Carl Zuckmayer seinen Hauptmann von Köpenick, den Schuster Wilhelm Voigt, sagen. Mit einer schmucken Uniform am Leib, darum ging es im Stück, konnte im wilhelminischen Kaiserreich auch der Ohnmächtigste Macht ausüben; ihr zu widerstreben war von vornherein unmöglich. Ob Zuckmayer, als er 1930 sein Drama verfasste, das anderthalb Jahrhunderte ältere Stück „Die Soldaten“ des Sturm-und-Drang-Dichters Jakob Michael Reinhold Lenz bekannt war? Der Germanist Torsten Voß von der Universität Bielefeld hat eine Studie über „soldatische Männlichkeiten“ in der deutschen Literatur vorgelegt, vom Dreißigjährigen Krieg bis ins 20. Jahrhundert. Die Uniform bildet den Paradefall, dass eine Kleidung eben viel mehr sein kann als bloß eine Kleidung. > mehr



"Eine Frau, bei der jeder Mangel verzeihlich ist ...
"Die "Querelle des femmes" im alten Spanien

"Ein Mann muss eure Herzen leiten, denn ohne ihn pflegt jedes Weib aus seinem Wirkungskreis zu schreiten". Mozart, "Zauberflöte"; in der Opernpause streitet das Publikum dann gern, ob der Komponist darin womöglich eine beherzigenswerte "Weisheit" gesehen hat. Eine Forschergruppe an der Universität Wien hat die Beschwerde der Frauen über die männliche Vorherrschaft und die Argumentation von Männern, warum diese Vorherrschaft nötig wäre, am Beispiel des alten Spanien unter die Lupe genommen. > mehr



Immer wieder und immer neu
Die Kunst des Begehrens - Askese, Pornographie, Dekadenz

Wer in Rom Berninis Marmorstatue der heiligen Teresa von Avila gesehen hat, dem muss es in die Augen gesprungen sein: Diese fromme Ekstase hat unübersehbar etwas Erotisches. Ein amerikanischer Germanist hat sich mit dem Zusammenhang von Askese, Pornographie und Dekadenz befasst - ein Parforceritt durch die Religions- und Literaturgeschichte, vom ägyptischen Eremiten Antonius bis zu Marquis de Sade, von den Exerzitien eines Ignatius von Loyola bis zu den Filmen eines Luis Bunuel. > mehr



Die Lust an der Hölle
"Gothic Novel" und Verwandtes - Englands Schwarze Romantik im europäischen Kontext

"In diesem Augenblick erschütterte ein Donnerschlag das Schloss bis in die Grundmauern; die Erde bebte, und hinter sich hörten sie das Klirren einer Rüstung, die keinem Sterblichen zu gehören schien ..." Horace Walpole, "Schloss Otranto", erstes Beispiel einer englischen "gothic novel”. Der Greifswalder Anglist Jürgen Klein hat zur "schwarzen Romantik" geforscht – dreiviertel Jahrhundert nach dem Klassiker von Mario Praz über "Liebe, Tod und Teufel". > mehr



Die Liebeskranke als Märtyrerin
Shakespeares Ophelia - Wandlungen einer Figur 200 Jahre nach dem Tod des Dichters

Was eigentlich ist Ophelia in Shakespeares "Hamlet"? Vor allem eine Projektionsfläche, auf der sich die Erwartungen ihres Verlobten, ihres Vaters, ihres Bruders spiegeln. Zwei Jahrhunderte nach dem Tod des Dichters wurde sie auf der Bühne und in der Malerei zur liebeskranken, wahnsinnigen Selbstmörderin par excellence. Eine Kunsthistorikern der Freien Universität Berlin hat dieses "Nachleben" einer literarischen Figur beleuchtet. > mehr



Müdigkeitsdiagnosen und Ermannungsstrategien
Berliner Forscherin über Jugendkult um 1900

Wir leben in einer Zeit des Jugendkults, da lässt bereits ein flüchtiger Blick in die illustrierte Presse keinen Zweifel. Und "Jugend" bedeutet nichts anderes als Sex, Sex, Sex, wie am deutlichsten wird, wenn sich junge Leute aus der High society unter der Aufsicht der Massenmedien anschicken, erwachsen zu werden. Eine Berliner Literaturwissenschaftlerin hat sich mit dem Jugendkult der Epoche um 1900 befasst, einer Zeit der müden Jünglinge und der heroischen Sehnsüchte und einer großen Sexualverdrängung. > mehr