Dossier
Aus der Literaturgeschichte

 

Gegen den Scharfrichter - Fortsetzung folgt
Wie der Umgang mit Literatur auch aussehen könnte

Einer erzählt, andere hören zu, zum Beispiel an Heiligabend, damit das Christkind sich derweil im Weihnachtszimmer betätigen kann ... Volker Klotz, emeritierter Literaturwissenschaftler an der Universität Stuttgart, hat versucht, dem Geheimnis dieser elementaren menschlichen Tätigkeit auf die Spur zu kommen - an Beispielen von Homer bis Karl May, von Tausendundeine Nacht bis Cervantes. > mehr




Die Sirenen wollten nicht singen
Ein Sammelband zur "Korrektur" überlieferter Mythen

Der junge Ödipus ist nicht etwa ahnungslos zum delphischen Orakel gegangen, nein, er wusste, dass er als Findelkind nach Korinth gekommen war ... Friedrich Dürrenmatt 1976 in seiner Erzählung vom "Sterben der Pythia". Eine einschneidende (und befremdliche) Änderung der Geschichte, wie sie uns seit Schultagen vertraut ist. Dürrenmatts Korrektur, analysiert vom dem Berliner Germanisten Mark-Georg Dehrmann, findet sich in dem Sammelband "Mythenkorrekturen": zwei Dutzend literaturhistorische Aufsätze zu dieser – manchmal befremdlichen – Umgangsart mit der Tradition. > mehr




Dohlen im Pfauenkleid
Eine Literatur- und Kulturgeschichte des Plagiats

Die ganze Geistesgeschichte der Menschheit sei eine Geschichte von Diebstählen, behauptete Egon Friedell vor achtzig Jahren in seiner bis heute viel gelesenen "Kulturgeschichte der Neuzeit". Soweit geht der Literatur- und Kulutrhistoriker Philipp Theisohn nicht. Im Gegenteil, er glaubt, für die Geburt des Plagiats recht präzise Ort und Zeit nennen zu können: das Athen des späten 5. Jahrhunderts vor Christus. Und ist für die Gegenwart, wo jeder per „Copy/Paste“ in Sekundenschnelle alles übernehmen kann, womöglich das Ende dieses Phänomens abzusehen? > mehr



Das Gelächter der Inquisitoren
Ein neuer Sammelband über das Lachen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit

"In einem Theater geschah es, dass die Kulissen Feuer fingen. Hanswurst erschien, um das Publikum davon zu unterrichten. Man glaubte, es sei ein Witz, und applaudierte." Die Anekdote (aus Kierkegaards "Entweder - Oder") zeigt: Wenn es um "Lachgemeinschaften" geht, muss das nicht immer nur komisch sein. Und über große Distanzen hinweg gilt ohnehin: Was komisch ist, lässt sich nicht kulturunabhängig klären. Ein neuer Sammelband befasst sich mit "kulturellen Inszenierungen und sozialen Wirkungen von Gelächter im Mittelalter und in der frühen Neuzeit". > mehr





Zauberer mit leeren Händen und ein Teufel zuviel
Theater im Aufbruch - das Drama der Frühen Neuzeit

Es soll kurz vor 1600 geschehen sein, wenige Jahre, bevor Galilei mit dem Fernrohr seine ersten astronomischen Entdeckungen machte: Bei einer Theateraufführung in England stellten die Schauspieler, als der Held gerade drei Teufel beschworen hatte, plötzlich fest, dass vier Teufel auf der Bühne waren ... Offenbar hatte die Beschwörungsformel unerwartet realistisch gewirkt. Eine Münchner Forschergruppe hat diese doppelgesichtige Epoche der "Frühen Neuzeit" - den Ursprung unseres modernen "Weltalters", wie Jacob Burckhardt vor anderthalb Jahrhunderten feststellte - am Beispiel von Drama und Theater unter die Lupe genommen. > mehr




Vom Wucherer zum Weisen
Eine Neuerscheinung über Geld und Markt in der Komödie - von Shakespeare bis Lessing

"Ein jeder denkt nur an seine eigenen Vorteile, nur seines Vorzugs halber zu arbeiten und dennoch arbeitet er zugleich für das Beste des Staates." 1771 der Kameralwissenschafter Johann Heinrich Justi. Der klassische Lehrer der Marktwirtschaft, Adam Smith, sprach von der "unsichtbaren Hand", Skeptiker sehen darin pure Ideologie. Der Kölner Literaturwissenschaftler Daniel Fulda hat an der Komödie der frühen Neuzeit –von Shakespeare über Molière bis Lessing – verfolgt, wie sich das Vertrauen in die Marktmechanismen langsam ausgebildet hat. > mehr





Das Himmelreich als Käsemarkt
Oder das Aufgehen der Kunst in Fun, Reklame und Kommerz

"Das Leben der meisten", heißt es bei Joseph von Eichendorff, "ist eine immerwährende Geschäftsreise vom Buttermarkt zum Käsemarkt; das Leben der Poetischen dagegen ein freies, unendliches Reisen nach dem Himmelreich." Die Opposition zwischen der Kommerzwelt des Bürgertums und der freien Kreativität des Dichters ist ein Hauptthema romantischer und moderner Dichtung. Ein Klagenfurter Literaturwissenschaftler hat die Entwicklung des Künstlerromans vom Ende des 18. Jahrhunderts bis zu seiner Auflösung im späten 20. Jahrhundert nachgezeichnet. > mehr





Nostalgie im Zeitalter der Revolutionen
Historische Romane im 19. Jahrhundert

Wenn Touristen Schloss Lichtenstein in der Nähe von Reutlingen besuchen, glauben viele vermutlich, steingewordenes Mittelalter vor sich zu sehen, und sind dann überrascht, wenn der Fremdenführer erklären muss, dass es sich vielmehr um einen steingewordenen Roman handelt. Eine Literaturhistorikerin an der Universität Stuttgart hat sich mit dem historischen Roman als einer repräsentativen literarischen Gattung des 19. Jahrhunderts befasst. > mehr