Dossier
Film und Fernsehen

 

Dabei sein, wie Geschichte gemacht wird
Hollywoods Träumereien vom alten Rom

„In weniger als zehn Jahren“, prophezeite vor fast einem Jahrhundert der Filmregisseur David W. Griffith, „wird die Zeit da sein, wo die Kinder in den öffentlichen Schulen praktisch alles durch Filme beigebracht bekommen. Man wird einfach dabei sein, wie Geschichte gemacht wird.“ Man kann über die Naivität, mit der Griffith auf die dokumentarische Objektivität von Spielfilmen vertraute, den Kopf schütteln. Aber tatsächlich ist unser Bild von der Geschichte, bewusst oder unbewusst, viel mehr durch historische oder pseudohistorische Filme geprägt, als durch wissenschaftliche Bücher. Ein schmaler Grat zwischen künstlerischer Freiheit und historischer Verfälschung. > mehr



Sehnsucht nach einem heilen Familienleben - und nach einer "landesmuetterlichen" Politik
Ein Jahrhundert Filmkunst rund um Kaiserin Sissi

Was macht ein „typisch“ deutsches Weihnachtsfest aus, nicht in der angeblich „guten alten Zeit", sondern heutzutage? In vielen Familien behauptet natürlich weiterhin der geschmückte Weihnachts-baum sein Recht, mit der Krippe darunter, mit dem Absingen von Weihnachtsliedern und dem Verzehren des passenden Gebäcks. Aber in unserer von Massen-medien geprägten Welt oft wohl auch das Anschauen von TV-Programmen, die zu Weihnachten seit Jahrzehnten irgendwie dazugehören. Da kommt am Heiligen Abend, wie es sich versteht, Loriots „Familie Hoppenstedt“. Und an den folgenden Feiertagen, alle Jahre wieder, Romy Schneider als "Sissi", 312 Minuten lang. Doch was hat Elisabeth, Kaiserin von Österreich, Apostolische Königin von Ungarn, Königin von Jerusalem etc. etc. mit Weihnachten zu tun? Eigentlich gar nichts – außer dass sie eine geeignete Projektionsfläche für unsere Ideale von Mütterlichkeit und Familie bietet. > mehr


    
"Es war einmal" liegt in der Zukunft
Science Fiction - Traeume und Alptraeume von moeglichen Welten

„Es war einmal“, beginnen alle Märchen, „es war einmal ...“ Was ändert sich eigentlich, wenn wir einen halben Satz später erfahren, dass die Geschichte „in einer weit, weit entfernten Galaxie“ spielt, in einem hochtechnisierten Sternenreich von phantastischen Dimensionen in Raum und Zeit? Der strahlende Held rettet die wunderschöne Prinzessin aus der Gewalt des bösen Herrschers, er wird dabei von einem dunklen Ritter bekämpft, der sich dem Bösen ergeben hat – der Plot von „Krieg der Sterne“ unterscheidet sich kaum von dem, was uns „in alten maeren wunders vil geseit“ ist. Eins hat sich bei diesen modernen Märchen und Sagen aber doch geändert: Ihr „Es war einmal“ liegt in der Zukunft. Und das ist keine bloße Äußerlichkeit, es zeigt ein radikal verändertes Verhältnis zur Welt und zur Geschichte an. > mehr



Kein Walk-of-Fame-Stern für Dagobert
Vor 50 Jahren starb Walt Disney


Der englische Freibeuter Francis Drake soll 1579 an der Pazifikküste Nordamerikas ein Fort gegründet haben. Als die Engländer zwei Jahrhunderte später das Interesse an dem Stützpunkt verloren, überließen sie die kleine Siedlung einem Handlungsreisenden, der sich durch die Verarbeitung von Mais zu Popcorn einen Namen gemacht hatte. 1898 verkaufte sein Enkel den Ort einem Abenteurer, der einer alten, jedoch verarmten schottischen Adelsfamilie entstammte. Der wurde in den folgenden Jahren als Goldsucher in Alaska unendlich reich und nahm in dem Städtchen seinen Wohnsitz. An der Stelle des früheren Forts ließ er sich einen riesigen Gold- und Geldspeicher bauen. Walt-Disney-Fans werden es längst bemerkt haben: Wir sind in „Duckburg“, in den deutschen Übersetzungen heißt die Stadt „Entenhausen“. > mehr



Übersetzungen in eine andere Sprache
Werke der Weltliteratur und ihre Verfilmungen


Als man den amerikanischen Filmregisseur John Ford einmal darauf ansprach, seine Verfilmung von John Steinbecks „Früchte des Zorns“ 1940 weiche in vielem von der literarischen Vorlage ab, reagierte der mit einer entwaffnenden Versicherung: Er habe Steinbecks Roman gar nicht gelesen. Diese Äußerung braucht man vielleicht nicht wörtlich zu nehmen. Aber es scheint glaubhaft, dass Ford davor zurückschreckte, sich mit dem „Original“ allzu intensiv zu beschäftigen; er mag die Befürchtung gehabt haben, dadurch seine eigene Kreativität zu hemmen. Wahrscheinlich ist solche Zurückhaltung gar nicht so selten. Als Akira Kurosawa zusammen mit einigen Drehbuchautoren Mitte der 1950er Jahre in einer japanischen Kneipe das Skript für sein „Schloss im Spinnwald“ verfasste, hatte er den Handlungsablauf des „Macbeth“ im Gedächtnis. Der Text von Shakespeares Stück lag eigener Aussage zufolge jedoch gar nicht erst vor. > mehr




Helden an der Grenze, Frauen zu Haus
Zur Mythologie des amerikanischen Westernfilms

Ein Außenseiter auf dem schmalen Grat zwischen Wildnis und Zivilisation, der später (vielleicht) in der von ihm mit der Waffe geretteten Gemeinschaft aufgenommen wird. Derweil warten Mütter, Schwestern und Frauen auf ihre Männer, mitunter monate- oder jahrelang. Ein Wiener Politikwissenschafter hat sich mit "Politik und Geschlecht" im amerikanischen Western auseinandergesetzt. > mehr




In Alltagskleidung nach Mittelerde
Oder wenn Filme die Sinnfrage wach halten

Menschen von heute – Menschen im christlichen Kulturkreis – ziehen ihre Hoffnungen nicht mehr aus der Bibel, sondern aus der populären Unterhaltungsindustrie, schrieb vor einem Jahrzehnt, zur Provokation konservativer Kirchenvertreter, ein Religionswissenschaftler. Praktische Theologen der Berliner Humboldt-Universität sind der Frage anhand einiger internationaler Erfolgsfilme der letzten Jahre, von "Lola rennt" bis zum "Herrn der Ringe", nachgegangen. > mehr




Am Rande der Welt, mitten unter uns
Eine Neuerscheinung über die Kultfigur des Kannibalen

Ein Anthropologe erhält von einer Fernsehgesellschaft den Auftrag, Filmmaterial über den kannibalischen Indianerstamm der Yacumo der Öffentlichkeit zu präsentieren. Er stellt fest, die meisten Szenen sind gestellt: Das Kamerateam hat die Yacumo genötigt, sich möglichst "wild" und "barbarisch" zu verhalten ... Deodatos berüchtigter Horror-Film "Cannibal Holocaust" 1980. Der Bonner Literaturwissenschaftler Christian Moser hat sich mit der Faszination beschäftigt, die der Kannibalismus auf die "zivilisierten" Europäer ausübt. > mehr




Sieben Dämonen und ein "Sakrileg"
Maria Magdalena - von den Evangelien bis Dan Brown

Maria Magdalena war die Ehegefährtin Jesu. Diese Wahrheit wurde 2.000 Jahre lang unterdrückt; aber Leonardo da Vinci hat sie im Mailänder "Abendmahl" dargestellt: Der Lieblingsjünger Johannes zur Rechten des Erlösers ist in Wirklicheit Maria Magdalena ... Anlässlich des Films zu Dan Browns Bestseller "Sakrileg" blicken wir zurück in die Geschichte dieser Frauenfigur aus den Evangelien. > mehr




Als die "Fernsehnation" Wirklichkeit wurde
Vor 50 Jahren legte "Das Halstuch" das öffentliche Leben in Deutschland lahm

Die Straßen waren menschenleer, selbst die Taxifahrer hatten ihre Arbeit eingestellt; in den Theatern, Kinos und Volkshochschulen blieb das Publikum aus, in vielen Fabriken mussten die Nachtschichten ausfallen – die Belegschaft war nicht erschienen. Vom 3. bis zum 17. Januar 1962 saß die gesamte Bundesrepublik sechs Abende lang vor den Fernsehschirmen und fieberte der Lösung entgegen: Wer war der Mörder, der die junge Faye Collins mit einem Halstuch umgebracht hatte? Mit der Krimiserie "Das Halstuch" nach dem Drehbuch von Francis Durbridge demonstrierte das Fernsehen um ersten Mal in Deutschlan > mehr