Dossier
Stationen des Musiktheaters

 

Auf den Fundamenten der Wahrheit
Mit Monteverdis "Orfeo" trat vor 400 Jahren die Oper ihren Siegeszug an

Vor 400 Jahren schrieb die kleine Herzogsresidenz Mantua mit der Uraufführung von Monteverdis Oper "Orfeo" Geschichte. Es war nicht die erste Oper überhaupt, in Florenz hatte man bereits seit etwa zwei Jahrzehnten mit einer Art Sprechgesang experimentiert. Aber Monteverdi war der erste, der den Mut hatte, dieses Rezitativ mit allen Formen, die ihm die Musikkultur seiner Zeit bot, theatralisch zu verbinden. > mehr



Eine Musik ohne Schatten
Vor 200 Jahren wurde Rossinis Oper "Der Barbier von Sevilla" uraufgeführt


Gioacchino Rossini, so vermerken es voller Staunen alle Opernführer, komponierte seinen „Barbier von Sevilla“ in gerade einmal 26 Tagen. Eines der berühmtesten Werke der Musikliteratur, bis heute im Repertoire aller großen Opernbühnen, geschaffen in weniger als vier Wochen. Da hat sich die Musikkultur um die Mitte des 19. Jahrhunderts gründlich gewandelt. Richard Wagner benötigte für „Tristan und Isolde“ immerhin fast zwei Jahre. Inzwischen war der Orchestersatz viel dichter geworden, die Ablösung der alten Nummernoper zugunsten geschlossener, durchkomponierter Akte machte es praktisch unmöglich, Teile aus früheren Kompositionen in ein neues Werk einzuarbeiten. Was Rossini am 20. Februar 1816, vor 200 Jahren, im Teatro Argentina in Rom auf die Bühne brachte, war in Teilen eigentlich gar keine „Originalkomposition“. Unter Zeitdruck hatte der Komponist bei sich selbst, bei seinen früheren Werken „Anleihen“ gemacht.  > mehr


"Ich fürchte, die Oper wird verboten"
Vor 150 Jahren wurde Richard Wagners "Tristan und Isolde" uraufgeführt


„Buddenbrooks“-Leser werden sich erinnern: Kurz bevor der kleine Hanno stirbt, spielt er eine Klavierphantasie, „ein sehnsüchtiges und schmerzliches Hinsinken von einer Tonart in die andere“. „Und es kam, es war nicht mehr hintanzuhalten, die Krämpfe der Sehnsucht hätten nicht mehr verlängert werden können“. „Die Lösung, die Auflösung, die vollkommende Befriedigung brach herein...“, „bis zur Erschöpfung“. Thomas Mann hat keinen Zweifel gelassen: Was Hanno da seinem Klavier entlockt, ist eine musikalische Masturbation, komponiert im Stile Richard Wagners, ähnlich dem 2. Akt von „Tristan und Isolde“. Nur – an der Stelle, wo in der Oper das Liebesduett plötzlich abbricht, weil König Marke und seine Hofleute das ehebrecherische Paar überraschen, spielt Hanno weiter, bis zur „Auflösung“. > mehr


Eine Musik, die Götter und Menschen in Taumel versetzt
Vor 150 Jhren wurde Jacques Offenbachs "Die schöne Helena" uraufgeführt


„Wir haben Unrecht getan, der Premiere beizuwohnen“, soll der österreichische Botschafter, Graf Metternich, zu seiner Frau beim Verlassen des Théatre des Variétés gesagt haben. „Unser Name wird in allen Zeitungen stehen, und es ist nicht angenehm für eine Frau, gewissermaßen offiziell in einem solchen Stück gewesen zu sein.“ Es war am 17. Dezember 1864, vor 150 Jahren. In dem Theater am Boulevard Montmartre war Jacques Offenbachs „Schöne Helena“ uraufgeführt worden. Sechs Jahre lang hatte Offenbach davon geträumt, den Erfolg von „Orpheus in der Unterwelt“ wiederholen und übertrumpfen zu können. „Orpheus in der Unterwelt“ - der „opéra-bouffe“, mit der er 1858 die Gattung der großen, abendfüllenden Operette begründet hatte. > mehr



Eine Musik ohne Schatten
Vor 200 Jahren wurde Rossinis Oper "Der Barbier von Sevilla" uraufgeführt


Gioacchino Rossini, so vermerken es voller Staunen alle Opernführer, komponierte seinen „Barbier von Sevilla“ in gerade einmal 26 Tagen. Eines der berühmtesten Werke der Musikliteratur, bis heute im Repertoire aller großen Opernbühnen, geschaffen in weniger als vier Wochen. Da hat sich die Musikkultur um die Mitte des 19. Jahrhunderts gründlich gewandelt. Richard Wagner benötigte für „Tristan und Isolde“ immerhin fast zwei Jahre. Inzwischen war der Orchestersatz viel dichter geworden, die Ablösung der alten Nummernoper zugunsten geschlossener, durchkomponierter Akte machte es praktisch unmöglich, Teile aus früheren Kompositionen in ein neues Werk einzuarbeiten. Was Rossini am 20. Februar 1816, vor 200 Jahren, im Teatro Argentina in Rom auf die Bühne brachte, war in Teilen eigentlich gar keine „Originalkomposition“. Unter Zeitdruck hatte der Komponist bei sich selbst, bei seinen früheren Werken „Anleihen“ gemacht. > mehr



"Erst die Worte, dann die Musik"
Vor 250 Jahren wurde Christoph Willibald Glucks Oper "Orpheus und Eurydike" uraufgeführt

„Ach, ich habe sie verloren“ ... Gibt es ein anderes Stück aus der älteren Operngeschichte, also vor Mozart, das sich derart nachhaltig im kollektiven Gedächtnis der Musikliebhaber festgesetzt hat? Bei dieser Arie aus Christoph Willibald Glucks Oper „Orpheus und Eurydike“ weiß man sofort: Ja, das ist die Klage eines liebenden Ehemannes um seine früh verstorbene Gattin. Am 5. Oktober 1762, vor 250 Jahren, wurde Glucks Oper in Wien uraufgeführt. > mehr




Wohlklang in Vollendung, Realismus bis zur Krassheit
Vor 200 Jahren wurde Giuseppe Verdi geboren

So kann man sich täuschen ... „Die Musik gibt dem Text an Gemeinheit nichts nach“, schrieb am 27. Februar 1853 die „Hannoversche Zeitung“ über eine italienische Oper, die seit einigen Monaten auch auf deutschen Bühnen gegeben wurde. Nur gelegentlich sei ein „Anflug von Geistigkeit oder Gemütlichkeit“ zu ahnen. „Sonst fehlt es an allem Geist, dass der Komponist begriffen habe, was eine Oper sein könne und deshalb auch solle.“ Die Oper war „Rigoletto“, der Komponist Giuseppe Verdi … Ja, Verdi, der am 9. oder 10. Oktober 1813, vor 200 Jahren, im Dorf Le Roncole bei Parma geboren wurde, hatte es beim deutschen Publikum nicht immer leicht. Beim italienischen oder französischen Publikum in seinen späten Jahren aber auch nicht. 1867, nach der Uraufführung des „Don Carlos“ in Paris, kommentierte Georges Bizet, der Komponist der „Carmen“, tief enttäuscht, Verdi sei kein Italiener mehr, er ahme den Deutschen nach. > mehr 

 

Nach disharmonischen Experimenten eine Musik in Gold und Silber
Vor 150 Jahren wurde Richard Strauss geboren

Die Reichsbahn setzte Sonderzüge von Berlin nach Dresden ein, in der sächsischen Staatsoper wurde eigens ein „Rosenkavalier“-Postamt eingerichtet, die Zigarettenindustrie kreirte eine neue Marke unter dem Namen „Rosenkavalier“. „Ohne mich“, trällerten bald die jungen Leute auf den Straßen, nicht anders als heutzutage, wenn eine Popgruppe ihren neuesten Hit herausgebracht hat, „ohne mich jeder Tag dir so bang, mit mir, mir mir keine Nacht dir zu lang.“ Mit dem „Rosenkavalier“ schuf Richard Strauss, der am 11. Juni 1864, vor 150 Jahren, in München geboren wurde, eine der ganz wenigen Opern des 20. Jahrhunderts, die sich an Beliebtheit mit den Werken von Mozart oder Wagner oder Verdi messen können. Aber an diesem Komponisten scheiden sich bis heute die Geister. Die einen finden seine Opern ganz einfach schön, eine Musik in Gold und Silber, begeistern sich die Opernführer; die anderen schmähen sie als Leib- und Magenstücke der Festspielkonsumenten. > mehr

 


    
"Gesungen wird auch noch, und zum Teil sogar schön"
Ein Rückblick auf 400 Jahre Operngeschichte



Totgesagte, heißt es, leben länger. Ob das auch für Kunstgattungen gilt? Etwa für die Oper? Blickt man auf die Produktion neuer Opern, muss man zu dem Schluss kommen, dass diese spektakulärste aller Formen des Theaters so gut wie tot ist. Nicht dass heute keine Opern mehr komponiert würden; aber seit Jahrzehnten hat kaum ein neues Stück mehr den Sprung ins Repertoire geschafft. Geht die Ära der Oper heute, nach 400 Jahren, allmählich zu Ende? Die beiden Musikwissenschaftler Carolyn Abbate von der Harvard University und Roger Parker vom King’s College in London ziehen in ihrem soeben erschienen Buch über die Geschichte der Oper ein zwiespältiges Fazit. Während neuen Werken der Erfolg in der Regel versagt bleibt, werden zugleich viel mehr Opern aufgeführt als vor fünfzig oder hundert Jahren – alte Opern, wohlgemerkt. Und immer mehr Opern aus früheren Jahrhunderten werden der Vergessenheit entrissen und auf LP, CD oder DVD verewigt. > mehr


 

"Den Staat auf Musik zu gründen"
Die politische Geschichte der Bayreuther Festspiele

„Was kann eine gute stehende Schaubühne eigentlich wirken?“ überschrieb Friedrich Schiller 1785 die erste seiner großen theoretischen Abhandlungen. Schillers Antwort war die Utopie einer allgemeinen Menschen- und Volksbildung – intellektuell und moralisch und auch politisch – durch das Theater. Ein Künstlertraum auf dem Höhepunkt der Aufklärung, am Vorabend der Französischen Revolution. Fast ein halbes Jahrhundert danach, 1830. „Mit einem Schlag wurde ich Revolutionär und gelangte zu der Überzeugung, jeder halbwegs strebsame Mensch dürfe sich ausschließlich nur mit Politik beschäftigen“, erinnerte sich später der alte Richard Wagner an die Empfindungen des Siebzehnjährigen angesichts der Pariser Julirevolution. Die Umstände wollten es anders. Zwar stand Wagner, inzwischen Kapellmeister im Dienste des sächsischen Hofes, bei der Märzrevolution 1848 in Dresden tatsächlich auf den Barrikaden; sein Leben widmete er dann aber dem Musiktheater. Freilich – einem sehr politischen Musiktheater; Wagners Jugendtraum erfüllte sich in gewisser Weise eben doch. Es hat im 19. und 20. Jahrhundert kaum ein künstlerisches Projekt gegeben, das derart politisch umstritten war und selbst in die Politik hineinwirkte wie die Bayreuther Festspiele. > mehr
 



"Das Publikum wird herzlich gebeten, nach Schluss der 'Meistersinger' nicht zu singen"
Richard Wagner und die Deutschen - zum 200. Geburtstag

Fast 78 Jahre und kein bisschen weise ... Fünf Tage lang saß Winifred Wagner dem jungen Filmemacher Hans-Jürgen Syberberg gegenüber und redete und redete ... Vor allem über ihre Freundschaft mit „Wolf“ alias Adolf Hitler. „Wenn Hitler heute hier zur Tür hereinkäme, ich wäre genauso fröhlich und so glücklich, ihn hier zu sehen und zu haben, als wie immer.“ Im Jahre 1975, drei Jahrzehnte nach dem Ende des Dritten Reiches, bekannte eine alte Dame ihre Sympathie für den “Führer“. Sie entschuldigte sich nicht, beteuerte bloß, sie sei ihr Leben lang völlig unpolitisch gewesen.- Bayreuth und die Politik ... Oder auch: Richard Wagner und die Deutschen ... Pünktlich zum 200. Geburtstag des Komponisten am 22. Mai hat der Historiker Sven Oliver Müller vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin einen Abriss dieser Beziehungsgeschichte heraus gebracht. > mehr 




"Bewahret euch vor Weibertücken ..."
Mozarts Opern-Libretti - eine Neuerscheinung zu 200 Jahren Rezeptionsgeschichte

Ein Weib tut wenig, plaudert viel. Du, Jüngling, glaubst dem Zungenspiel?", "Bewahret euch vor Weibertücken, dies ist des Bundes erste Pflicht", "Ein Mann muss eure Herzen leiten, denn ohne ihn pflegt jedes Weib aus seinem Wirkungskreis zu schreiten." Die scheinbar (oder auch wirklich) frauenfeindlichen Sprüche in Mozarts "Zauberflöte" sind ein beliebtes Gesprächsthema in der Theaterpause – und ein Ärgernis. Wir rezensieren die Arbeit einer Theaterwissenschaftlerin, die sich der Rezeption des Frauenbildes in Mozarts Opern angenommen hat. > mehr




Künstlerträume vom Volkstheater
Zum 100. Mal: Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth 

„Es wurden ganz unsinnige Preise bezahlt“, wunderte sich Theodor Fontane in seinem Bericht von den Bayreuther Festspielen 1889. Wenigstens insoweit hat sich auf dem „Grünen Hügel“ seit Fontane nicht viel geändert. Zwar kosten die Karten im regulären Vorverkauf „nur“ zwischen 15 und 280 €, je nach Platzkategorie; aber auf dem Schwarzmarkt lassen sich enorme Gewinnspannen erzielen. Forderungen von 1.200 oder 1.400 € im Internet sind keineswegs selten. Angebot und Nachfrage ... Richard Wagner stellte es sich anders vor, als er seinen „Kunsttempel“ konzipierte: „Volkskonzerte und Volkstheater sind die Losung der Gegenwart“, schrieb er seinem großen Gönner, Ludwig II. von Bayern. Zur 100. Saison ein Blick auf Ideal und Wirklichkeit der Bayreuther Festspiele. > mehr




Die Kunst und die Macht des Geldes
Ein lesbarer Querschnitt durch Richard Wagners theoretische Schriften


Mozarts Bäsle-Briefe mit ihrer ungekünstelten Ausdrucksweise werden immer wieder gern gelesen, gehören beinahe zu den Klassikern der Weltliteratur. Aber in der Regel ist unser Bedürfnis, in den Schriften klassischer Komponisten zu lesen, doch begrenzt. Erst recht dann, wenn diese Schriften so schwer lesbar sind wie im Falle Richard Wagner. "Verschwommen und steif“, seufzte Thomas Mann; "wie mit Reißzwecken gespickt, unverdaulicher Brei, Kanzleiprosa“, urteilte Martin Gregor-Dellin. Ein Freizeitwagnerianer hat Wagners umfangreiches theoretisches Schrifttum jetzt in einem einzigen Band von gerade einmal dreihundert Seiten "bearbeitet“, zusammengefasst und in aller Vorsicht auch kommentiert. > mehr




Eine Musik, die Tote erwecken könnte
Vor 150 Jahren trat mit "Orfée aux Enfers" die Operette ihren Siegeszug an

"Dieses Regime ist langweilig!", singen die Götter, und das Orchester intoniert dazu den Beginn der "Marseillaise". Göttervater Jupiter hat die Bühnenrevolte freilich rasch wieder im Griff. Er bietet seinen Untertanen Amüsement - einen Ausflug in die Unterwelt und am Ende den Cancan. "Sie könnte Tote erwecken, diese Musik", schrieb damals, nach der Uraufführung von "Orpheus in der Unterwelt" am 21. Oktober 1858, ein Kritiker. 228 Aufführungen musste das Ensemble in unmittelbarer Folge geben, dann wurde die Serie wegen Erschöpfung der Darsteller abgebrochen. Wir blicken zurück auf die Anfänge der Operette vor 150 Jahren. > mehr




Ein klingender Traum vom alten Wien
Vor 100 Jahren wurde "Der Rosenkavalier" uraufgeführt

Die Deutsche Reichsbahn setzte Sonderzüge von Berlin nach Dresden ein, in der sächsischen Hofoper wurde eigens ein "Rosenkavalier"-Postamt eingerichtet, die Zigarettenindustrie kreierte eine neue Marke unter dem Namen "Rosenkavalier". Monatelang lebte Europa in einem Taumel, nachdem die "Komödie für Musik" von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal am 26. Januar 1911 in der Königlichen Hofoper in Dresden uraufgeführt worden war. "Ohne mich", trällerten bald die jungen Leute auf den Straßen, "ohne mich jeder Tag dir so bang, mit mir, mit mir keine Nacht dir zu lang." > mehr




Love Story einer künstlichen Herzogin
Vor 50 Jahren wurde "My Fair Lady" uraufgeführt

"Kann denn die Kinder keiner lehren, wie man spricht", "Mit ’nem kleenen Stückchen Glück", "Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blüh’n", "Ich hätt’ getanzt heut’ nacht", "In der Straße, mein Schatz, wo du lebst", "Bringt mich pünktlich zum Altar", "Ich bin gewöhnt an ihr Gesicht" ... Evergreens aus "My Fair Lady". Eines der erfolgreichsten Stücke des modernen Musiktheaters wurde vor 50 Jahren am New Yorker Broadway uraufgeführt. > mehr