Dossier
Aus der Theatergeschichte

 

"Nein, nein, du Bösewicht, du kommst mir von der Stelle nicht!"
Die Osterspiele - das geistliche Theater im Mittelalter

Theater gilt ja eigentlich als Freizeitvergnügen; aber wenn die Aufführungen nicht einige Stunden dauern, sondern ganze Tage, jeweils von Mittag bis in die Abendstunden? Im späten Mittelalter waren solche „Events“ durchaus üblich, vor allem über Ostern. Und die ganze Stadt nahm daran teil. Das Spiel endete regelmäßig mit einem gemeinsamen Gesang, in dem die Stadtgemeinde ihre Zusammengehörigkeit bekräftigte. „Singet alle miteinander: Christ ist erstanden!“ > mehr



"Kinder, heute abend wollen wir vergnuegt sein"
Das weihnachtliche Theater seit dem 18. Jahrhundert


Schreckliche Dinge wusste 1784 die „Berlinische Monatsschrift“ aus dem Ort Zellerfelde, heute Clausthal-Zellerfeld, zu berichten. Bei der Weihnachtsmesse dort sei es üblich, die Sänger „als Engel angekleidet“ auftreten zu lassen, „in weißen Hemden mit grünem Bande.“ Der Zellerfelder Korrespondent behauptete sogar allen Ernstes, die Darbietungen dort würden „den Pöbel aus den benachbarten Bergstädten hinzulocken, der, um sich gegen die Kälte zu schützen, sich reichlich vorher mit Branntwein versieht“. Der gelehrte Redakteur in Berlin fühlte sich bei dieser Kostümierung an vorchristliche Bräuche in der Antike erinnert fühlte, er überschrieb seinen Text „Christliche Bacchanalien in der Christnacht“. > mehr



Mitleid - zwischen Ventilfunktion und religiösem Ritus
Die "emotionalen Dimensionen" des antiken und des mittelalterlichen Theaters


„Dem Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze“, heißt es in Friedrich Schillers „Wallenstein“. Ein geflügeltes Wort, das heute vielleicht nicht mehr so ganz richtig ist: Die Technik des Films erlaubt es uns nachzuvollziehen, wie die Schauspieler gestern oder vorgestern zuz agieren pflegten. Sogar die Art, wie das Publikum „mitgeht“, sozusagen mitspielt, lässt sich festhalten. Umso schmerzlicher wird uns die Lücke bewusst, die da in unserer Vorstellung vom Theater früherer Jahrhunderte klafft. Wie mögen die Athener im 5. Jahrhundert v. Chr. die Tragödien eines Aischylos, eines Sophokles, eines Euripides aufgenommen haben? Oder die Bürger spätmittelalterlicher Städte die Mysterienspiele von Tod und Auferstehung Jesu? Der Tübinger Germanist Ulrich Barton hat sich der Aufgabe angenommen, die „emotionalen Dimensionen“ des antiken und des mittelalterlichen Theaters zu rekonstruieren. > mehr



Nahe dem Reich der Geister und der Toten
Das Linden-Museum Stuttgart präsentiert die Welt des Schattentheaters


Der mächtige Kaiser Han Wudi, um 100 v. Chr., war seiner Konkubine Li in tiefer Liebe verbunden. Als sie jung starb, versank der Kaiser in tiefer Trauer. Ein Meister okkulter Praktiken versprach ihm, den Geist der Toten heraufzubeschwören. In der Nacht ließ er den Kaiser vor einem Vorhang Platz nehmen; bald glaubte der Trauernde, hinter dem Vorhang den Schatten seiner verstorbenen Geliebten wahrzunehmen. Doch da sie bald wieder entschwand, wurden sein Kummer und seine Trauer nur umso größer. Das erste Schattentheater der Weltgeschichte, wenn man der chinesischen Legende glauben will. > mehr




Zauberer mit leeren Händen und ein Teufel zuviel
Theater im Aufbruch - das Drama der Frühen Neuzeit


Es soll kurz vor 1600 geschehen sein, wenige Jahre, bevor Galilei mit dem Fernrohr seine ersten astronomischen Entdeckungen machte: Bei einer Theateraufführung in England stellten die Schauspieler, als der Held gerade drei Teufel beschworen hatte, plötzlich fest, dass vier Teufel auf der Bühne waren ... Offenbar hatte die Beschwörungsformel unerwartet realistisch gewirkt. Eine Münchner Forschergruppe hat diese doppelgesichtige Epoche der "Frühen Neuzeit" - den Ursprung unseres modernen "Weltalters", wie Jacob Burckhardt vor anderthalb Jahrhunderten feststellte - am Beispiel von Drama und Theater unter die Lupe genommen. > mehr




Shakespeare und das Geld der Gründlinge
Aus der Geschichte der Mutmaßungen über das elisabethanische Theaterpublikum

Die Publikumsbeschimpfung wurde nicht etwa von Peter Handke erfunden, bereits Shakespeare machte davon reichlich Gebrauch. Die Nachwelt hat sich daraus ihr Bild vom Renaissancetheater gefertigt. Und aus diesem Bild wurde der Dramentext gedeutet: Was dem Interpreten irritierend vorkam, musste an den Forderungen von Shakespeares Publikum liegen. Eine Heidelberger Anglistin hat die Geschichte dieser Mutmaßungen analysiert. > mehr





Herrschaftssicherung durch Amüsement
Die "Société de plaisirs" am Hof des Sonnenkönigs

„Unsere Untertanen“, schrieb Ludwig XIV in seinen Memoiren, die der Unterweisung des Dauphins in der Regierungskunst dienen sollten, „haben es im allgemeinen gern, wenn wir dasselbe lieben wie sie. Dadurch haben wir Macht über ihren Geist und über ihr Herz.“ Der Sonnenkönig dachte vor allem an Ballettaufführungen, bei denen er in jungen Jahren gern selbst auf der Bühne mitgewirkt hatte, umgeben von ausgewählten Adligen. Und es gab eine umfangreiche Publizistik, die – von den Behörden gesteuert – den Glanz des Hoflebens bis in entfernte Gegenden des Königreiches trug. Ein Kunsthistoriker an der Universität Heidelberg hat die höfische Festkultur, durch die der Sonnenkönig seine Herrschaft „repräsentierte“, und ihre Aufbereitung für die Öffentlichkeit untersucht. > mehr




"Jedermann! Jedermann!"
Vor 100 Jahren wurde Hugo von Hofmannsthals "Spiel vom Sterben des reichen Mannes" uraufgeführt

„Jedermann! Jedermann!“ Im deutschen Sprachraum wird es kaum jemanden geben, der diesen Ruf nicht kennt. Hugo von Hofmannsthals „Spiel vom Sterben des reichen Mannes“ ist im Theaterbetrieb der Gegenwart eine feste Institution geworden. Seit 1920 wird es Jahr für Jahr bei den Salzburger Festspielen aufgeführt; zur Premiere übertragen die Fernsehnachrichten wenigstens den legendären Ruf daraus in die Welt. Die Titelrolle des Stücks, aber auch die Rolle der „Buhlschaft“ spielen zu dürfen, gilt als Höhepunkt jeder Schauspielerkarriere. Am 1. Dezember 1911, vor 100 Jahren, brachte Hofmannsthal seine Fassung des alten Stoffes im Berliner Zirkus Schumann erstmals auf die Bühne. > mehr




Für fünf Stunden nach Jerusalem
Am 15. Mai beginnen die 41. Oberammergauer PassionsspieleA

m Anfang stand eine Pestepidemie. Auch der kleine Ort Oberammergau im bayerischen Alpenvorland war nicht verschont geblieben. 1633 gelobten die Einwohner, sollte ihre Gemeinde überleben, wollten sie von nun an regelmäßig ein großes Spiel vom Leiden, Sterben und Auferstehen des Herrn Jesus Christus aufführen. Das war damals eine nicht ungewöhnliche Frömmigkeitsübung; allein im bayerisch-österreichischen Raum lassen sich für die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts etwa vierzig solcher Passionsspielorte nachweisen. Am 15. Mai ist es wieder soweit: Die 41. Oberammergauer Passionsspiele haben ihre Premiere. > mehr