Dossier
Kunst der Renaissance

 

Vom göttlichen Licht zum Damastvorhang
Die Gemäldegalerie Berlin zeigt die Anfänge erzählender Malerei in der italienischen Frührenaissance

Gold, schrieb um 500 nach Christus ein unbekannter Theologe, sei die Farbe der himmlischen Wesen. Damit gab „Dionysius Areopagita“, wie die Nachwelt den Verfasser nannte, der christlichen Kunst für fast ein Jahrtausend die Richtung vor. Der langsame Abschied vom Goldgrund kam in der italienischen Frührenaissance. Die Berliner Gemäldegalerie zeigt in einer Ausstellung, wie sich im 14., 15. Jahrhundert eine "erzählende" Malerei entwickelt hat. > mehr



 Reiten zwischen Tod und Teufel
Albrecht Duerer und die deutsche Ideologie


In einer zerklüfteten Landschaft bewegt sich, die Lanze geschultert und das Schwert um die Hüfte gegürtet, ein Reiter. Er begegnet gerade dem Tod, der ihm vielleicht den Weg abschneiden will. Hinter dem Reiter steht eine Teufelsgestalt; der Betrachter gewinnt den Eindruck, dass sie den Reiter gleich an sich reißen könnte. Auf dem Berg in der Ferne ist eine Stadt oder ein Schloss zu erkennen. In der Ecke links unten liegt auf einem Baumstumpf ein Totenschädel, davor lehnt ein Schild mit dem Datum „1513“ und dem Monogramm des Künstlers: „AD“. Es wird kaum ein anderes Werk der Kunstgeschichte geben, das über die Jahrhunderte derart unterschiedliche und gegensätzliche Interpretationen herausgefordert hat wie Albrecht Dürers Kupferstich „Ritter, Tod und Teufel“. > mehr



Ein Garten der Lüste und Versuchungen, der Eitelkeiten und Narrheiten
Vor 500 Jahren verstarb der Maler Hieronymus Bosch


Der Heilige blickt zum Himmel empor, wo ihm die Muttergottes vor der Sonnenscheibe erscheint. Offenbar ist er gerade damit beschäftigt, seine Vision schriftlich festzuhalten. Zu seinen Füßen sitzt ein Adler, das symbolische Tier des Evangelisten Johannes, und fixiert ein bleiches, grämlich dreinblickendes Wesen mit Insektenleib und Menschenantlitz. Ein Abgesandter der Hölle, darf man vermuten. Aber es bleibt ihm verwehrt, den Heiligen zu stören. Das kleine Monstrum trägt eine Brille – und schon beginnt der Betrachter zu spekulieren: Wollte der Maler uns warnen, dass intellektuelle Zweifelsucht vom Heilsweg abbringen muss? Das Bild, das heute in der Berliner Gemäldegalerie hängt, stammt von Hieronymus Bosch, einem der rätselhaftesten Maler der europäischen Kunstgeschichte. > mehr



Venus und immer wieder die Venus
Botticelli und seine Nachfolger - eine Ausstellung der Berliner Gemäldegalerie


Bis zum Januar nächsten Jahres ist vor dem Eingang zur Berliner Gemäldegalerie eine Muschel aufgebaut. Besucher(innen) können hineinsteigen und sich in der Pose der Göttin aus dem weltberühmten Gemälde „Geburt der Venus“, das Sandro Botticelli um 1486 schuf, fotografieren lassen. Ob alle der Versuchung widerstehen werden, sich – den herbstlich und winterlich sinkenden Temperaturen zum Trotz – auch in Sachen Bekleidung oder vielmehr Entkleidung dem Original anzupassen? Es müssen nicht einmal nur Frauen sein. Im Katalog zur großen Botticelli-Ausstellung, die jetzt in Berlin eröffnet wurde, ist eine Aktion des spanischen Künstlers Adrián Pino Olivera dokumentiert. In den Florentiner Uffizien ist er, nackt wie Gott ihn schuf, vor Botticellis Gemälde niedergekniet, faltet die Hände und blickt zur Venus auf. > mehr




ELicht auf die Entstehung eines Mythos
Die Medici in Dichtung und Kunst des 15. Jahrhunderts

Einer Florentiner Kaufmannsfamilie gelang der frappanteste Fall eines sozialen Aufstiegs in der frühen Neuzeit: Binnen fünf Generationen erwarben die Medici sich den erblichen Fürstentitel. Ihren legendären Ruf bei der Nachwelt verdankt die Familie jedoch ihrer Förderung von Kunst und Literatur. Wie beides zusammengehört, Machtplanung und Mäzenatentum, ist eine hochumstrittene Frage. Wie politisch war die Kunst, die im Umkreis und oft im Auftrag der Medici entstand? Kann man von einer mediceischen Kulturpolitik sprechen? > mehr




Superstar Michelangelo
500 Jahre Wirkungsgeschichte eines Genies


1546 erhielt Michelangelo in Rom einen Brief von Franz I., König von Frankreich. Beinahe untertänig fragte Franz den Künstler, ob er ihm nicht eine Statue oder ein Gemälde schaffen könne. Michelangelo antwortete, er sei sehr dankbar, von Seiner Majestät so geschätzt zu werden, könne einstweilen aber nichts liefern, die Aufträge des Papstes nähmen in voll in Anspruch. Falls man im Jenseits jedoch meißeln und malen könne, setzte der Siebzigjährige hinzu, werde er dort nicht fehlen, des Königs Wünsche zu erfüllen.- „Michelangelo Superstar“ würde man ihn heutzutage sicherlich nennen. Spätestens seit Michelangelo das „Jüngste Gericht“ in der Sixtinischen Kapelle vollendet hatte, nannten ihn die Zeitgenossen immer häufiger „den Göttlichen“. > mehr



"Wer in allem einzig ist, kann in nichts Gefährten haben"
Vor 450 Jahren starb Michelangelo Buonarotti


Winckelmann mochte ihn nicht. "Michelangelos Einbildungskraft war zu feurig zu zärtlichen Empfindungen und zur lieblichen Grazie", schrieb er 1759 über den Künstler, der fast zwei Jahrhunderte, am 18. Februar 1564, gestorben war. "Das Gefällige setzte er dem Außerordentlichen und Schweren nach ... So wurde das sanfte Gefühl der Schönheit in ihm verhärtet." "Michelangelo hat zu dem verderbten Geschmack in der Bildhauerei die Brücken angelegt und gebaut." Der "verderbte Geschmack", das war in Winckelmanns Augen der Barockstil - als das gerade Gegenteil zu jener "edlen Einfalt und stillen Größe", die der Begründer der archäologischen Wissenschaft an der griechisch-römischen Antike bewunderte. Man braucht Winckelmanns Wertung nicht zu teilen, um sehen, dass er historisch etwas Richtiges traf: In Michelangelos Spätwerk löste sich die Hochrenaissance auf, verwandelte sich in den "Manierismus", wie die Spätrenaissance heute genannt wird, und am Ende in den Barock. > mehr





Heiligkeit ohne Goldgrund
Vor 500 Jahren wurde Michelangelos Deckenfresko in der Sixtinischen Kapelle enthüllt

„Über drei und ein halbes Jahrhundert stehen die Malereien da, es ist nicht möglich, der langsamen Verderbnis, der sie anheimfallen müssen, etwas entgegenzusetzen.“ „Anheim fallen müssen ...“ Ganz so pessimistisch wie der deutsche Kunsthistoriker Herman Grimm, der diese Zeilen vor anderthalb Jahrhunderten schrieb, war das Team um den italienischen Restaurator Gianluigi Colalucci nicht, als es 1980 daran ging, den Fresken Michelangelos in der Sixtinischen Kapelle ihren alten Glanz wiederzuverleihen. Heute erstrahlen die Gemälde wieder in alter Frische -  vielleicht, meinen viele Kritiker, tatsächlich so wie vor 500 Jahren, am 1. November 1512, als Michelangelo sein Werk enthüllte. > mehr




Am Angelhaken der Schönheit
Vor 500 Jahren starb der Maler Sandro Botticelli

Im Februar des Jahres 1497 ließ der Dominikanermönch Girolamo Savonarola in Florenz einen Scheiterhaufen errichten, um alles zu verbrennen, was als unchristlicher Luxus gelten konnte: Schmuck, Spiegel, Bilder, Bücher, Musikinstrumente, Spielkarten usw. usf. Der Maler Sandro Botticelli, so ist bis heute in populären Darstellungen zur italienischen Frührenaissance zu lesen, warf mit eigener Hand einige seiner Bilder ins Feuer. Nicht zuletzt wegen dieser Geschichte gehört Botticelli, der vor 500 Jahren verstarb, zu den meistumrätselten Figuren der gesamten Kunstgeschichte. > mehr




"Wie ein Querschnitt durch eine Blume"
Vor 500 Jahren wurde in Rom der Grundstein zum Petersdom gelegt

Martin Luther muss die Bauarbeiten gesehen haben, als er 1510 im Auftrag seines Mönchordens in Rom war. Ein paar Jahre später protestierte er gegen die Finanzierung des ehrgeizigen Unternehmens: Der Petersdom wurde vor allem aus den Ablassgeldern bezahlt, mit denen Gläubige sich und ihre Angehörigen von den Strafen im Fegefeuer freikaufen wollten. Vor 500 Jahren wurde der Grundstein gelegt. > mehr




Abschied von einem übermächtigen Moses
Michelangelos Juliusgrab vor und nach der Restaurierung

Millionen von Rombesuchern standen schon vor Michelangelos Grabmal für Papst Julius II. in der Kirche San Pietro in Vincoli; aber wahrscheinlich haben die allermeisten von ihnen den toten Kirchenfürsten bloß beiläufig zur Kenntnis genommen. Alle Aufmerksamkeit gilt der Statue ein paar Meter tiefer, dem "Moses". Der Intention des Künstlers entspricht dieser Akzent aber nicht so ganz. Erst 1818 wurde der Moses aus seiner Nische heraus weiter nach vorn gerückt und auf einen bedeutend höheren Sockel gesetzt. Inzwischen ist der ursprüngliche Zustaad wieder hergestellt. Eine Münsteraner Kunsthistorikerin hat die verwickelte Geschichte des Grabmals nachgezeichnet. > mehr




Unnachgiebige Kämpfe, pietätvolle Metaphern
Produktive Zerstörung in der Baugeschichte des Petersdoms

"In ihrer gravitätischen Ruhe erweckt Michelangelos Kuppel von St. Peter in Rom den Eindruck steinerner Ewigkeit." Den Eindruck - aber St. Peter war, wie der Berliner Kunsthistoriker Horst Bredekamp feststellt, "das Produkt sich unnachgiebig bekämpfender Konkurrenzprojekte", "das Ergebnis von Schnittlinien im Strudel divergierender Interessen", und es konnte erst entstehen, indem Altes zuvor vernichtet wurde. Bredekamp hat diesen mehr als ein Jahrhundert lang währenden Prozess "produktiver Zerstörung" nachgezeichnet. > mehr




Von Venetien an die Themse und nach Virginia
Vor 500 Jahren wurde der Architekt Andrea Palladio geboren

Zwei Dutzend Villen und Paläste in der Region Venezien, zwei große Kirchen in Venedig, ein Theater in Vicenza - der geograpghischen Verbreitung nach nichts, was auf Weltgeltung schließen ließe. Aber den englischen Architekten, die damals Italien bereisten, gab die strenge Regelmäßgkeit von Palladios Formen den Stil vor, mit den immer noch halb und halb gotischen Traditionen des nördlichen Europa zu brechen. Vor allem im 18. und 19. Jahrhundert wurden die Städte und Gärten Europas und Nordamerikas mit "palladianischen" Bauten gefüllt, Palladio ist bis heute der meistkopierte Architekt der gesamten Kunstgeschichte. > mehr




Tempelfassaden - auch ohne Säulen und Giebel
Ein Schweizer Architekturhistoriker über die Geschichte des Palladianismus

Touristen aus Potsdam, die auf ihrer Italienreise in Vicenza Station machen, können dort ein Déjà vu erleben. Der Palazzo Valmarana wenige Minuten von der weltberühmten Basilica entfernt – steht der nicht eigentlich in der Havelstadt? Tatsächlich, in den 1750er Jahren hat der Architekt Carl Ludwig Hildebrandt die Fassade dieses Palazzo dort kopiert. Ein Beispiel von "Palladianismus", dem Bauen im Geist und nach den Formen des italienischen Renaissancebaumeisters Andrea Palladio. Ein Schweizer Architekturhistoriker hat die Geschichte dieses Phänomens nachgezeichnet. > mehr




Die Sichtbarkeit der Engel
Tintorettos Altersmalerei - eine "unmögliche" Kunst

Es gehört zu den Höhepunkten jeder Venedig-Reise: Tintorettos "Abendmahl" in San Giorgio Maggiore. Drei Nachwuchswissenschaftler der FU Berlin haben sich der Frage gewidmet, mit welchen Mitteln Tintoretto in diesem Bild der Lehre von der Gegenwart Christi im Sakrament der Eucharistie Ausdruck verliehen hat. > mehr




Das Gold und die ewige Jugend
Das Berliner Kupferstichkabinett zeigt den "Sonnenglanz"

Die Chemie ist aus der Alchemie entstanden, ebenso wie die Astronomie aus der Astrologie. Eine geläufige Einsicht und doch immer wieder befremdlich. Eines muss man der alten Alchemistenkunst aber lassen: Ein so prachtvolles Lehrbuch, wie es zur Zeit das Berliner Kupferstichkabinett zeigt, hat die moderne Chemie vermutlich nicht hervorgebracht. Erstmals wird die Handschrift „Splendor Solis oder Sonnenglanz“ von 1531/32 in originalgetreuen Faksimilia vollständig ausgestellt. > mehr