Dossier
Kunst des Barocks

 

Theater des Himmels und der Erde
Das Rom der Barockpäpste in Bonn

"Die Kuppel Michelangelos, an Form und Höhe derjenigen der frühern Baupläne gewaltig überlegen, bietet vielleicht von außen die schönste und einfachste Umrisslinie dar, welche die Baukunst auf Erden erreicht hat." Jacob Burckhardt über St. Peter in Rom. Ab 25. November ist Michelangelos Holzmodell der Kuppel in einer Bonner Ausstellung zum Thema "Barock im Vatikan" zu besichtigen. > mehr



 Kreativitaet als Aneignung und Verwandlung
In Wien ist Peter Paul Rubens' Umgang mit seinen Vorbildern zu studieren


Wenn man die großen Meisterwerke der Kunst doch gleich nebeneinander betrachten könnte, in einem einzigen Museumssaal … Welche Verwandtschaften über die Jahrhunderte hinweg da zu entdecken wären! Zum Beispiel ein Gemälde von Peter Paul Rubens‘ über die Ankunft der französischen Königin Maria de‘ Medici in Marseille aus den 1620er Jahren, heute im Pariser Louvre zu sehen: Die liebenswürdigen Najaden unten im Bild ähneln, bei aller Unterschiedlichkeit des Motivs, verdächtig einem mehr als anderthalb Jahrtausende älteren Werk, der Laokoon-Gruppe in den Vatikanischen Museen – der Darstellung des trojanischen Priester Laokoon und seiner beiden Söhnen, die von den Schlangen bedroht und getötet werden. > mehr



Paradoxe Mischung aus Flüchtigkeit und Präzision
Das Kunsthistorische Museum Wien zeigt eine Velázquez-Retrospektive


In der Karwoche des Jahres 1658 eröffnete König Philipp IV. von Spanien seinem Hofmaler Diego Velázquez, er wolle seinen fünfunddreißigjährigen Dienst mit der höchsten Ehre vergelten, die er zu vergeben habe, der Erhebung in den Ritterstand. Diese allerhöchste Gunst verhinderte freilich nicht, dass der zukünftige Ritter des Ordens von Santiago sich einer ausführlichen Befragung auf seine Würdigkeit und auf die seiner Familie hin stellen musste. Im Mittelpunkt stand ein Punkt, der uns heute als absurdes Theater vorkommt: ob Velázquez für seine Bilder Geld genommen habe. Von seiner Hände Arbeit zu leben, galt bei adelsstolzen Spaniern als unfein. Aber siehe da, es fanden sich Zeugen, die auf das bestimmteste erklärten, Velázquez habe die Malerei in keiner Weise als Geschäft betrieben, sich für seine Werke niemals bezahlen lassen und seine Bilder nur für das Vergnügen Seiner Majestät gemalt. Das Kunsthistorische Museum Wien zeigt jetzt eine Velázquez-Retrospektive mit hochkarätigen Leihgaben unter anderem aus Madrid. > mehr




Göttliche Gnade und politische Emanzipation
Eine neue Deutung des Velázquez-Gemäldes "Die Übergabe von Breda"

"Die Übergabe der Schlüssel fand am 5. Juni 1625 statt. Die Zeremonie erfolgte, wie sie auf unserem Bilde dargestellt ist.“ Carl Justi vor über hundert Jahren in seinem berühmten Velázquez-Buch zu dem Bild der "Übergabe von Breda“ im Madrider Prado. Alles Legende, stellt der Berliner Kunsthistoriker Bernd Wolfgang Lindemann fest: Die Zeremonie hat niemals stattgefunden. Velázquez greift für seine Darstellung auf bewährte Schemata der Malerei, Literatur und Theologie zurück – ohne viel Rücksicht auf den historischen Hergang. > mehr




"Die Unendlichkeit gehört Gott allein"
Der Park von Versailles - eine Allegorie des Absolutismus?

Versailles-Besucher, die sich Gemälde oder Kupferstiche aus der Entstehungszeit ansehen, werden eine Überraschung erleben: Der Schlosspark wird im Hintergrund durch eine Berg- oder Hügelkette abgeschlossen, die es in der topographischen Realität gar nicht gibt ... Offenbar legten die Künstler auf eine klare und eindeutige Begrenzung Wert. Dem ist ein Kunsthistoriker der Humboldt Universität zu Berlin nachgegangen. > mehr



Alltag mit doppeltem Boden
Das Frankfurter Städel zeigt holländisches "Genre" aus dem 17. Jahrhundert

Bauern, die in der Kneipe Karten spielen oder eine Rauferei anzetteln; junge Mädchen, die einen Brief empfangen; Mägde beim Bleichen der Wäsche; alte Damen beim Glase Wein ... Eine Ausstellung im Frankfurter Städel zeigt "Genremalerei“, Alltagsszenen in der holländischen Malerei des 17. Jahrhunderts. Bloß "Realismus“ oder eine Bildwelt mit doppeltem Boden? > mehr




Die Reise der Kunst ins Innere
Zu Rembrandts 400. Geburtstag

Für viele Rembrandt-Verehrer muss es ein Schock gewesen sein: Ausgerechnet eines der berühmtesten Werke, der "Mann mit dem Goldhelm" in Berlin, entpuppte sich als Schülerarbeit. Von früher einmal 600 Gemälden Rembrandts gelten heute nur noch gut 300 als "echt", die Museen müssen darauf hoffen, dass sich die Zuschreibungs- und Abschreibungskriterien irgendwann wieder ändern. Gedanken zum 400. Geburtstag des Malers aus Hollands Goldenem Zeitalter. > mehr



Entmythologisierung eines Genies
Berlin präsentiert den Maler, Zeichner und Graphiker Rembrandt

Rembrandts "Verleumdung Josephs" neben einer Werkstattkopie dieses Bildes, sein "Simson" neben einer Schülerarbeit zum selben Motiv - die Gelegenheit, "echte", eigenhändige Rembandts mit Werken aus seinem Umkreis zu vergleichen, war selten so günstig wie jetzt in Berlin. Neben den Gemälden präsentieren die Museen eine umfangreiche Auswahl von Zeichnungen und Druckgraphiken. > mehr





Als die Alchemisten das "Weiße Gold" fanden
Vor 300 Jahren wurde die Meißner Porzellanmanufaktur gegründet

Am 1. Oktober 1701 wollte ein neunzehnjähriger Apothekerlehrling namens Johann Friedrich Böttger in Berlin seine Fähigkeit demonstrieren, Gold zu machen. Vor aller Öffentlichkeit "verwandelte" er Silber in das edelste der Metalle. Als der preußische König Friedrich I. den jungen Mann in seinen Dienst zwingen wollte, floh Böttger nach Sachsen, kam dabei jedoch vom Regen in die Traufe. König August der Starke war ebenso goldgierig wie sein preußischer Kollege und nahm Böttger in Haft. Der "Goldmacher" erfand am Ende etwss anderes: Am 23. Januar 1710, vor 300 Jahren, wurde in Meißen die „Königlich-Polnische und Kurfürstlich-Sächsische Porzellanmanufaktur“ gegründet. > mehr




Die unmögliche Glocke aus Stein
Am 30. Oktober wird die Dresdner Frauenkirche neu geweiht

In der Nacht vom 13. zum 14. Februar 1945 wurde die Dresdner Innenstadt durch den Luftkrieg zerstört. Die Frauenkirche war selbst nicht getroffen worden, brannte durch den Feuersturm aber vollständig aus. Am 15. Februar um 10 Uhr brach der Kuppelbau in sich zusammen. Nur die Chormauern und der Rest eines Eckturm blieben stehen, nach dem Weltkrieg zum Mahnmal erklärt. Am 30. Oktober 2005 soll der Wiederaufbau durch eine neue Weihe abgeschlossen werden. > mehr