Dossier
Kunstpflege und Kunstwissenschaft

 

Reproduktion ist Interpretation
Berliner Ausstellung mit graphischen und fotografischen Wiedergaben der Belvedere-Statuen

"Traduttore, traditore", behauptet ein italienisches Sprichwort: Aus einer Sprache in die andere zu übersetzen, bedeutet einen Verrat am Geiste des Originals. Muss das nicht auch gelten, wenn eine dreidimensionale Plastik ins zweidimensionale Medium der Zeichnung, des Kupferstiches oder der Fotografie übertragen wird? Die Abguss-Sammlung antiker Plastik zeigt Beispiele aus der Reproduktionsgeschichte dreier weltberühmter Statuen im Vatikan. > mehr



Die einzige anständige Art, Reichtum zu präsentieren
Eine Geschichte des Kunstsammelns


Der „Schwabinger Kunstfund“ 2012 in der Wohnung des Cornelius Gurlitt hat es wieder einmal ins öffentliche Bewusstsein gehoben: Die Judenverfolgung im Dritten Reich und der Zweite Weltkrieg waren der größte Kunstraub in der Geschichte der Menschheit. Zu Hitlers Träumen vom Tausendjährigen Reich gehörte das „Führermuseum“ im oberösterreichischen Linz, der Plan einer großen Kunstsammlung, die seinen Namen tragen sollte. Im Juni 1938 formulierte die Reichskanzlei den sogenannten „Führervorbehalt“, mit dem sich Hitler den vorrangigen Zugriff auf geraubte Kunstwerke zunächst in Österreich und Tschechien, später in allen besetzten Ländern Europas sicherte.Der „Führer“ wollte eben auch als Kunstsammler und Kunstförderer ewigen Ruhm gewinnen. Der Historiker Hans-Ulrich Thamer von der Universität Münster führt den Leser auf einen turbulenten Streifzug durch die Geschichte des Kunstsammelns und der Kunstsammler. > mehr



"Wir haben einen Vermeer verloren, aber einen van Meegeren gefunden"
Kunstfälschung - von Michelangelo bis zu Beltracchi


Der Maler und Restaurator Ernst Fey sah sich in Lebensgefahr. 1937 hatte er die ehrenvolle Aufgabe übernommen, die Wandmalereien im Kreuzgang des Schleswiger Doms wieder in ihren mittelalterlichen Zustand zu versetzen. Vier Jahrzehnte zuvor waren sie von dem Restaurator August Olbers recht resolut aufgefrischt und übermalt worden; diese Übermalungen sollten nun entfernt werden, damit der originale Bestand wieder zum Vorschein kam. Dann stellte Fey jedoch fest, dass sich unter der Malschicht aus wilhelminischer Zeit nur noch ganz unscheinbare Farbspuren befanden. Eine Katastrophe – nicht nur, dass die Aussicht auf Ruhm dahin war; Fey musste befürchten, wegen Vernichtung nationalen Kulturguts angeklagt zu werden. Er vertraute sich seinem Kollegen Lothar Malskat an, und der rückte mit einem verblüffenden Vorschlag heraus: Er würde die gotischen Bilder ganz einfach „nachbilden“. > mehr




"Nur ein Sammler versteht einen Sammler"
Auf den Spuren einer rätselhaften Kulturtechnik


Es gibt nichts, was nicht irgendjemand irgendwo auf der Welt sammeln würde – Gemälde und Bierdeckel, Edelsteine und Schmetterlinge, Schnapsgläser und Oldtimerautos. In manchen Fällen leuchtet uns ein, dass sich in solchen Sammlungen, wenn sie museal aufbereitet werden, die Kulturgeschichte spiegelt. Aber Privatleute eröffnen mit ihren Sammlungen in der Regel keine Museen. „Leute, die mit Sammeln nichts am Hut haben, sagen: 'Was für ein Spinner!'“, zitiert die Erziehungswissenschaftlerin Denise Wilde in ihrer Studie über die „Kulturtechnik Sammeln“ einen ihrer Interviewpartner, „'Wie kann man nur? Was macht der da?' Nur ein Sammler versteht einen Sammler.“ > mehr




Abbilder vom himmlischen Jerusalem
Sehen und Verstehen - Schwierigkeiten mit der mittelalterlichen Sakralarchitektur

Es ist eine Crux der älteren Kunstgeschichte: Bei kaum einem Werk ist die genaue Entstehungszeit bekannt. Berühmte Ausnahme: Zur Kathedrale von Reims gibt es ein präzises Datum. Im Jahr 1210, berichtet eine zeitgenössische Chronik, sei die alte Reimser Kirche während des Festes des heiligen Johannes abgebrannt; „am selben Tag fand gegen Mittag eine Sonnenfinsternis statt“. An eben diesem Tag ein Jahr später habe Erzbischof Albéric de Humbert den Grundstein für den Neubau gelegt. So geben es die Reiseführer bis heute gern wider. Leider hat die Geschichte einen Schönheitsfehler. Weder am 6. Mai 1210 noch überhaupt im Laufe dieses Jahres war in Frankreich eine Sonnenfinsternis zu sehen. > mehr 
 
 
 
 

Antike Villen mit Glasdach und Stahltreppe
Zwei Jahrhunderte Rekonstruktionen römischer Architektur

Dagobert Duck lässt Pompeji wieder aufbauen, bevölkert die Stadt mit Handwerkern und Händlern und unterhält die Touristen mit einem täglichen Vesuvausbruch. Als der Vulkan eines Tages zu heftig ausbricht und die Stadt unter Mehl begräbt, weiß der geschäftstüchtige Multimillionär auch diese Situation zu nutzen: „Erst habt ihr die Rolle der alten Römer gespielt, jetzt könnt ihr Archäologen spielen ... Toll, was?“ „Living history“, in diesem Fall aus der Phantasiefabrik Walt Disney. Aber auch dreidimensional sind Rekonstruktionen römischer Architektur groß in Mode – die Antike zum Anfassen, vermeintlich originalgetreu wiederaufgebaut. Die Archäologin Anita Rieche, die auf lange Jahre Tätigkeit im Archäologischen Park Xanten und am Rheinischen Landesmuseum Bonn zurückblicken kann, hat jetzt eine kleine Geschichte der Rekonstruktion und Nachbildung antiker Bauten vorgelegt. > mehr




Antiken für ein breites Publikum
In Lauchhammer wurde der Eisenhohlguss erfunden

Der Kölner Dom als Aschenbecher, das Manneken Pis als Korkenzieher - wer es sich leisten konnte, war immer schon etwas anspruchsvoller und wollte zum Beispiel den Apoll von Belvedere als Garenplastik in Originalgröße. Um dergleichen Wünsche erfüllen zu können, ließen sich die Künstler und Techniker im 18. Jahrhundert einiges einfallen. Das "solideste" Konzept: der Eisenhohlguss, wie er damals auf einem gräflichen Gut in Sachsen entwickelt wurde. Als Vorlage dienten vor allem die Bestände der kurfürstlichen Antikensammlung in Dresden. Heute erinnert in Lauchhammer ein kleines Museum an diese Zeit des technischen Aufbruchs. > mehr




"... wie wohl ein trunkener Mensch singen würde"
Berliner Altertumswissenschaftler bringen Standardwerk neu heraus: Sämtliche antiken Texte zur griechischen Kunst

Der "Overbeck" - außerhalb der Wissenschaften vom klassischen Altertum wird mit diesem Kurztitel kaum jemand etwas anfangen können - ist die Sammlung sämtlicher "antiker Schriftquellen zur Geschichte der bildenden Künste bei den Griechen". Seit der ersten Ausgabe 1868 sind viele hundert Inschriften neu entdeckt worden, von denen Johannes Overbeck noch nichts wissen konnte. Berliner Altertumswissenschaftler arbeiten zur Zeit an einer Neuausgabe des Standardwerkes. > mehr




Experimente mit einem kaiserlichen Make-up
Dicht an dicht - mehr als 600 antike Porträts in Berlin

Die Antike war anders, als wir sie uns vorzustellen gewöhnt sind, sie war vor allem farbig. Dass es möglich ist, die ursprünglich farbigen antiken Statuen versuchsweise zu rekonstruieren, gehört zu den Vorteilen einer Abguss-Sammlung. In Berlin sind zur Zeit gleich ein halbes Dutzend solcher Rekonstruktionsversuche des Augustus aus dem Vatikan zu sehen, außerdem mehr als 600 weitere mehr oder weniger berühmte Griechen und Römer - ein Ensemble antiker Porträtkunst, wie es mit den Originalen niemals zusammenzubringen wäre. > mehr




Damit Kopf und Rumpf wieder zusammenfinden ...
Als Zaungast bei der Arbeit der Berliner Gipsformer

Der Gips machts möglich: Ein Kopf in der Türkei und ein Rumpf im Berliner Pergamon-Museum kommen wieder zusammen, ohne dass eines der beiden Originale seinen Platz verlassen müsste. Wir schauten den Berliner Gipsformern über die Schulter. > mehr

 



Auferstanden aus Ruinen ...
Ab Freitag im Web: Farbaufnahmen mitteleuropäischer Wand- und Deckenmalerei vor der Kriegszerstörung

Sechs Jahrzehnte lang hatten nur Spezialisten Zugang, die breite Öffentlichkeit konnte nicht einmal ahnen, was da in München und in Marburg magaziniert liegt: 60.000 Diapositive von Wand- und Deckenmalereien in den Kirchen und Schlössern Mitteleuropas. Das NS-Regime hat die Sammlung in den letzten Kriegsjahren, während bereits die alliierten Bombardements liefen, erstellen lassen. Ab Freitag werden 39.000 Motive im Internet zu sehen sein. > mehr

 



Der Wert des Nutzlosen
Ein französischer Historiker auf der Suche nach dem Ursprung des Sammelns

Es gibt nichts, was nicht irgendjemand irgendwo auf der Welt sammeln würde – Gemälde und Briefmarken, Edelsteine und Schmetterlinge, Schnapsgläser und Oldtimerautos usw. usf. Ein französischer Historiker und Philosoph hat versucht, dem Geheimnis des Sammelns auf die Spur zu kommen, der Faszination, die von den gesammelten oder noch zu sammelnden, in der Regel völlig nutzlosen Gegenständen auf die Spur zu kommen. > mehr

 


Kein Beuterecht, keine Reparation - und Wiedergutmachtung nur bei Äquivalenz
Zur deutsch-russischen Kontroverse um "Beutekunst"

1992 hatten die Regierungen Deutschlands und Russlands vereinbart, "dass verschollene oder unrechtmäßig verbrachte Kulturgüter, die sich in ihrem Hoheitsgebiet befinden, an den Eigentümer oder seinen Rechtsnachfolger zurückgegeben werden". Aber die Verhandlungen treten auf der Stelle. Jezt hat eine junge Völkerrechtlerin aus Russland das Problem in ihrer Dissertation an der FU Berlin bearbeitet. > mehr