Dossier
Architektur und Gartenbau

 

Fontänen, Kaskaden und Grotten
Das architektonische Spiel mit dem Wasser - von Tivoli bis Schwetzingen

Können Sie sich einen Schlosspark ohne Brunnen vorstellen? Wasserspiele gehören seit der Renaissance zum Pflichtprogramm fürstlicher Architektur – technische Schwierigkeiten hin, finanzielle Lasten her. Die Anlagen von Tivoli, Versailles, Nymphenburg oder Dresden ziehen bis heute Jahr für Jahr Hunderttausende von Touristen an. Ein Nachwuchswissenschafter der FU Berlin hat sich mit der Geschichte dieser Kunstform befasst. > mehr

 


Treppauf, treppab
Eine Medien- und Kulturgeschichte der Treppe


Es wurde eine der berühmtesten Szenen der Filmgeschichte. Soldaten marschieren die Stufen der Freitreppe zum Hafen von Odessa hinunter und feuern in die fliehende Menschenmenge, ein Kindermädchen wird ins Auge getroffen, der Kinderwagen mit dem weinenden Kind rollt die Stufen hinab. Neben der Spanischen Treppe in Rom ist die „Potemkinsche Treppe“ in Odessa die wahrscheinlich bekannteste Treppe der Welt. Da kommen mindestens drei Momente zusammen: der handfeste Zweck, zu dem sie im 19. Jahrhundert gebaut wurde, nämlich die Innenstadt mit dem Schwarzmeerhafen zu verbinden, ihre prachtvolle architektonische Gestaltung, die Odessa für alle Reisenden bald zur „Stadt mit der Treppe“ machte, und dann eben die symbolische Funktion, die Eisenstein ihr mit dem Massaker in seinem Film gab. > mehr



Abbilder vom himmlischen Jerusalem
Sehen und Verstehen - Schwierigkeiten mit der mittelalterlichen Sakralarchitektur

Es ist eine Crux der älteren Kunstgeschichte: Bei kaum einem Werk ist die genaue Entstehungszeit bekannt. Berühmte Ausnahme: Zur Kathedrale von Reims gibt es ein präzises Datum. Im Jahr 1210, berichtet eine zeitgenössische Chronik, sei die alte Reimser Kirche während des Festes des heiligen Johannes abgebrannt; „am selben Tag fand gegen Mittag eine Sonnenfinsternis statt“. An eben diesem Tag ein Jahr später habe Erzbischof Albéric de Humbert den Grundstein für den Neubau gelegt. So geben es die Reiseführer bis heute gern wider. Leider hat die Geschichte einen Schönheitsfehler. Weder am 6. Mai 1210 noch überhaupt im Laufe dieses Jahres war in Frankreich eine Sonnenfinsternis zu sehen. > mehr 
 
 
 
 

Dass nicht zwei Blätter einander völlig ähnlich seien
Der Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz und der Garten von Hannover-Herrenhausen

Es muss ein Kulturkampf gewesen sein, beinahe, so möchte man im Rückblick glauben, eine Vorbereitung der Revolution mit kulturellen Mitteln. „Eine fürstliche Laune hat all das erfunden, und eine fürstliche Sklaverei und Abhängigkeit vom Hof hält es am Leben“, schrieb um 1710 der englische Moralphilosoph Earl of Shaftesbury. Sein Verdammungsurteil galt dem Barockgarten mit seinen streng geometrischen Achsen – Paradebeispiel: der Schlosspark von Versailles. Der Französische Garten als Symbol der Unterdrückung unter dem Ancien régime, der Englische, scheinbar natürlich gewachsene Landschaftsgarten, der im frühen 18. Jahrhundert in Shaftesburys Heimatland zum Alternativmodell wurde, als Symbol der Freiheit? Von der historischen Realität wird diese schlichte Entgegensetzung nicht gedeckt, stellt der Kunsthistoriker Horst Bredekamp von der Berliner Humboldt-Universität jetzt in seiner neu erschienenen Studie zur Geschichte der Gartenkunst fest. Bredekamp hat die Gartenanlagen in Hannover-Herrenhausen, die von der Welfenfamilie um 1700 vor ihrem Residenzschloss angelegt wurden, unter die Lupe genommen. > mehr




Leuchttürme in der Stadt
Von Medina bis Köln - vierzehn Jahrhunderte Moscheenbau

"Der Bau von Minaretten ist verboten." Im November 2009 wurde dieser Satz durch eine Volksinitiative der Schweizer Bundesverfassung hinzugefügt. Die Juristen streiten sich, ob dieses Verbot die Religionsfreiheit, die in den internationalen Menschenrechtspakten festgelegt ist, unangemessen einschränkt. Wörtlich genommen betrifft der Satz ja nicht die Religionsausübung selbst, sondern "nur" die Möglichkeit der muslimischen Gemeinschaften, mit den Türmen, wie sie traditionell zu einer Moschee dazugehören, im Stadtbild Präsenz zu zeigen. Ein Bamberger Kunsthistoriker hat einen Überblick über die Geschichte der Moschee in Orient und Okzident vorgelegt. > mehr





Der König wählte Christus zu seinem Erben
Vor 1.000 Jahren wurde der Bamberger Dom geweiht

Wenn man dem Chronisten glauben will, gingen dem Dombau dramatische Szenen voraus. Jedes Mal, berichtete einige Jahre später Bischof Thietmar von Merseburg, wenn König Heinrich II. befürchten musste, dass die Synode sich anders entscheiden könnte, warf er sich erneut demütig zu Boden und bat flehentlich darum, seinem Wunsch auf Errichtung des Bistums Bamberg statt zu geben. Eine subtile Form der Nötigung. Die Bischöfe konnten gar nicht anders, als dem König seinen Willen zu tun. Bischof Heinrich von Würzburg, dessen Rechte durch das neue Bistum arg beschnitten wurden, war vorsichtshalber gar nicht erst zu der Synode in Frankfurt gekommen. Noch am selben Tag, dem 1. November des Jahres 1007, wurde der erste Bamberger Bischof geweiht. Sehr bald begann man mit dem Bau des Domes. Bereits am 6. Mai 1012, vor 1.000 Jahren, konnte er geweiht werden. > mehr


Als die Städte ihren Stolz fanden
Die Entstehung einer kommunalen Repräsentationsarchitektur im Mittelalter


Welchen architektonischen Rahmen gaben die Städte des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit ihren öffentlichen Vorgängen – politischen Beschlüssen und Rechtsakten, kirchlichen Prozessionen und gemeinsamen Festen und, nicht zu vergessen, den Märkten? Eine Forschergruppe um die Kunsthistoriker der Universität Bamberg hat sich jetzt mit diesen optischen "Signalen" einer stadtbürgerlchen Öffentlichkeit beschäftigt: Architektur als Übermittlung von Botschaften, des Gemeinschaftsbewusstseins einer städtischen Bürgerschaft. > mehr





Wohlproportionierte Maßlosigkeit
Die kolossale Säulenordnung - aus der Geschichte eines Würdesymbols

"Kennst du das Haus, auf Säulen ruht sein Dach ..." Wenn Goethe sein Gedicht heute schreiben wollte, müsste er sich als Leitmotiv seiner Italiensehnsucht zweifellos etwas anderes einfallen lassen als Säulen. Das 19. Jahrhundert hat die Straße und Plätze unserer mitteleuropäischen Städte geradezu inflationär mit Säulen, Halbsäulen und Pilastern bestückt, mit besonderer Vorliebe an der Front von Bankpalästen. Und am liebsten in jener repräsentativen Gestalt, die Goethe von den Villen des venezianischen Baumeisters Andrea Palladio her vor Augen gehabt haben wird: über zwei oder drei Stockwerke hinwegreichend. > mehr




"Wie ein Querschnitt durch eine Blume"
Vor 500 Jahren wurde in Rom der Grundstein zum Petersdom gelegt


Martin Luther muss die Bauarbeiten gesehen haben, als er 1510 im Auftrag seines Mönchordens in Rom war. Ein paar Jahre später protestierte er gegen die Finanzierung des ehrgeizigen Unternehmens: Der Petersdom wurde vor allem aus den Ablassgeldern bezahlt, mit denen Gläubige sich und ihre Angehörigen von den Strafen im Fegefeuer freikaufen wollten. Vor 500 Jahren wurde der Grundstein gelegt. > mehr




Unnachgiebige Kämpfe, pietätvolle Metaphern
Produktive Zerstörung in der Baugeschichte des Petersdoms

"In ihrer gravitätischen Ruhe erweckt Michelangelos Kuppel von St. Peter in Rom den Eindruck steinerner Ewigkeit." Den Eindruck - aber St. Peter war, wie der Berliner Kunsthistoriker Horst Bredekamp feststellt, "das Produkt sich unnachgiebig bekämpfender Konkurrenzprojekte", "das Ergebnis von Schnittlinien im Strudel divergierender Interessen", und es konnte erst entstehen, indem Altes zuvor vernichtet wurde. Bredekamp hat diesen mehr als ein Jahrhundert lang währenden Prozess "produktiver Zerstörung" nachgezeichnet. > mehr

 



Von Venetien an die Themse und nach Virginia
Vor 500 Jahren wurde der Architekt Andrea Palladio geboren

Zwei Dutzend Villen und Paläste in der Region Venezien, zwei große Kirchen in Venedig, ein Theater in Vicenza - der geographischen Verbreitung nach nichts, was auf Weltgeltung schließen ließe. Aber den englischen Architekten, die damals Italien bereisten, gab die strenge Regelmäßgkeit von Palladios Formen den Stil vor, mit den immer noch halb und halb gotischen Traditionen des nördlichen Europa zu brechen. Vor allem im 18. und 19. Jahrhundert wurden die Städte und Gärten Europas und Nordamerikas mit "palladianischen" Bauten gefüllt, Palladio ist bis heute der meistkopierte Architekt der gesamten Kunstgeschichte. > mehr

 


Tempelfassaden - auch ohne Säulen und Giebel
Ein Schweizer Architekturhistoriker über die Geschichte des Palladianismus

Touristen aus Potsdam, die auf ihrer Italienreise in Vicenza Station machen, können dort ein Déjà vu erleben. Der Palazzo Valmarana wenige Minuten von der weltberühmten Basilica entfernt – steht der nicht eigentlich in der Havelstadt? Tatsächlich, in den 1750er Jahren hat der Architekt Carl Ludwig Hildebrandt die Fassade dieses Palazzo dort kopiert. Ein Beispiel von "Palladianismus", dem Bauen im Geist und nach den Formen des italienischen Renaissancebaumeisters Andrea Palladio. Ein Schweizer Architekturhistoriker hat die Geschichte dieses Phänomens nachgezeichnet. > mehr




"Die Unendlichkeit gehört Gott allein"
Der Park von Versailles - eine Allegorie des Absolutismus?

Versailles-Besucher, die sich Gemälde oder Kupferstiche aus der Entstehungszeit ansehen, werden eine Überraschung erleben: Der Schlosspark wird im Hintergrund durch eine Berg- oder Hügelkette abgeschlossen, die es in der topographischen Realität gar nicht gibt ... Offenbar legten die Künstler auf eine klare und eindeutige Begrenzung Wert. Dem ist ein Kunsthistoriker der Humboldt Universität zu Berlin nachgegangen. > mehr




Die unmögliche Glocke aus Stein
Am 30. Oktober wird die Dresdner Frauenkirche neu geweiht

In der Nacht vom 13. zum 14. Februar 1945 wurde die Dresdner Innenstadt durch den Luftkrieg zerstört. Die Frauenkirche war selbst nicht getroffen worden, brannte durch den Feuersturm aber vollständig aus. Am 15. Februar um 10 Uhr brach der Kuppelbau in sich zusammen. Nur die Chormauern und der Rest eines Eckturm blieben stehen, nach dem Weltkrieg zum Mahnmal erklärt. Am 30. Oktober 2005 soll der Wiederaufbau durch eine neue Weihe abgeschlossen werden. > mehr