Dossier
Welt und Mensch in der Kunst

 

Fontänen, Kaskaden und Grotten
Das architektonische Spiel mit dem Wasser - von Tivoli bis Schwetzingen

Können Sie sich einen Schlosspark ohne Brunnen vorstellen? Wasserspiele gehören seit der Renaissance zum Pflichtprogramm fürstlicher Architektur – technische Schwierigkeiten hin, finanzielle Lasten her. Die Anlagen von Tivoli, Versailles, Nymphenburg oder Dresden ziehen bis heute Jahr für Jahr Hunderttausende von Touristen an. Ein Nachwuchswissenschafter der FU Berlin hat sich mit der Geschichte dieser Kunstform befasst. > mehr



"Es erben sich Gesetz' und Rechte ..."
Die Poesie des Rechts, vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart


Goethe, „Faust I“. Ein angehender Studiosus erscheint im Zimmer des berühmten Gelehrten Faust und sucht Rat, für welches Fach er sich entscheiden sollte. In einem Punkt hat er sich bereits festgelegt: „Zur Rechtsgelehrsamkeit kann ich nicht bequemen.“ Mephisto, der in Fausts Rolle geschlüpft ist, pflichtet ihm bei und stimmt eine Tirade über das Elend der Juristerei an: „Es erben sich Gesetz‘ und Rechte wie eine ew’ge Krankheit fort …“ Dabei hatte Goethe doch selbst in Leipzig und Straßburg Jura studiert; als Minister des Herzogtums Sachsen-Weimar war er Jahrzehnte lang damit beschäftigt, Gesetzestexte auszulegen und anzuwenden. Ein „Dichterjurist“. > mehr




"Ein mächtig Gesäß und ein mäßig Gemächt"
Blick in eine fremde Welt - die erotische Kunst der Griechen und Römer


An Personen "von reifem Alter und verbürgter Moral" wurden Sondergenehmigungen ausgegeben; allen anderen wurde der Besuch verwehrt. Jahrzehnte lang blieben die erotischen Fresken und Mosaiken, Statuen und Gebrauchsgegenstände, die unter der Lava des Vesuvs zum Vorschein gekommen waren, sorgsam in einem "gabinetto segreto" verschlossen. Das Publikum, das sie dennoch zu sehen bekam, teilte sich in zwei Parteien: Die einen waren von der erotischen Kunst der Antike entzückt, die anderen entsetzt - musste man angesichts solcher "Kunstwerke" nicht ernsthaft glauben, ein göttliches Strafgericht habe dieses Sodom und Gomorrha vom Erdboden getilgt? Die Bilder, die oft alle Kriterien unseres modernen Begriffs von "Pornographie'" erfüllen, wurden als schockierend empfunden. Inzwischen sind wir da gelassener geworden. Aber die Irritation ist geblieben. Haben wir es wirklich mit einer Welt zu tun, in der sexuelle Tabus unbekannt waren? Einer Welt der ungehemmten, unschuldigen, ja spielerischen Sexualität und Erotik? Die spanische Kunsthistorikerin Carmen Sánchez von der Universidad Autónoma in Madrid hat jetzt eine Analyse der erotischen Kunst der Griechen und Römer vorgelegt. > mehr




Guter Mond, du gehst so stille ...
400 Jahre nach Galilei, 40 Jahre nach Neil Armstrong - eine Ausstellung im Kölner Wallraf-Richartz-Museum

Vor 40 Jahren landeten die ersten Menschen auf dem Mond, vor 400 Jahren richtete Galileo Galilei das von ihm konstruierte Fernrohr gen Himnmnel und konnte auf dem Himmelskörper Einzelheiten erkennen. Das Kölner Wallraf-Richartz-Museum hat die beiden Jubiläen zum Anlass genommen, eine kunsthistorische Ausstellung über den Mond zu präsentieren - wahrscheinlich handelt es sich um den ersten Versuch überhauzt, so etwas wie eine Ikonographie des Mondes zu erarbeiten. > mehr




Das Interesse am Ursprung der Welt
Über Voyeurismus in der bildenden Kunst

"Voyeurism! Volunteer for submarine service and peek at nude beaches”, warb in den 1950er Jahren ein Plakat für die US-Marine: Ein junger Matrose mit Zigarette in der triumphierend erhobenen Rechten blickte durch ein Periskop. Was er da wohl zu sehen bekam? Ein Kunsthistoriker der Universität Oldenburg hat eine umfassende Studie über Voyeurismus in der Kunst vorgelegt: Bilder mit badenden Frauen und Karikaturen zur FKK-Bewegung, Werbungen für Jalousieprodukte und Gemälde mit der Geburt Christi - heimliche Zeugen beobachten durch das Fenster die heilige Geschichte. > mehr




Entdeckung des Individuums, Annahme des Alters
Dürers Mutter - Ausstellung im Berliner Kupferstichkabinett

1514, das Jahr, in dem Albrecht Dürer seine großen Meisterstiche schuf. Und daneben, ganz für sich privat, die Kohlezeichnung seiner Mutter: das erste "echte", ganz und gar individuelle Porträt einer alten Frau, das die Kunstgeschichte kennt. Das Berliner Kupferstichkabinett zeigt das Blatt im Kreis von Zeichnungen und Druckgraphiken des frühen 16. Jahrhunderts zum Thema "Schönheit, Alter und Tod". > mehr

 


Mumien durch Natur und Mumien durch Knst
Träume vom ewigen Leben im Mannheimer Zeughaus

Leichen im Museum ... Darf man das ausstellen? Muss man das sehen? Die Mumien-Ausstellung in Mannheim hat bereits vor ihrer Eröffnung kontroverse Diskussionen augelöst. Im ethischen Grundsatzstreit ist beinahe untergegangen, dass Mannheim hier einen umfassenden Überblick zum Thema "Mumifizierung" bietet. Neben dem Brauch alter Religionen und neuer politischer Ideologien, Leichname für die Ewigkeit zu konservieren, wird auch die natürliche Mumifizierung in Eis oder Moor behandelt. Und der moderne Traum, sich die persönliche Unsterblichkeit durch Einfrieren in flüssigem Stickstoff zu sichern. > mehr

 


Schwarze Galle, große Kunst
"Genie und Wahnsinn" in der Berliner Nationalgalerie

Ein dicker nackter Mann sitzt in der Ecke, überlebensgroß, pigmentiertes Polyesterharz auf Fiberglas. Ein Melancholiker, unverkennbar: Der Kopf ist auf die linke Hand gestützt; der Künstler Ron Mueck hat Dürers Kupferstich "Melancholie" zitiert. Oder auch Rodins "Denker". Oder das berühmte Bild Walters von der Vogelweide aus der Manessischen Liederhandschrift ... Eine Ausstellung in der Berliner Nationalgalerie präsentiert zweieinhalb Jahrtausende "Melancholie, Genie und Wahnsinn". > mehr