Dossier
Arbeit, Handel, Geld

 

Im Schweiße deines Angesichtes
Missachtung und Wertschätzung körperlicher Arbeit von der Antike bis heute

Die Arbeit, jedenfalls die körperliche Arbeit, ist ein Fluch, so haben es viele Jahrhunderte Menschheitsgeschichte gesehen. Kaum vorstellbar, dass ein Denker der Antike oder des Mittelalters Sätze hätte niederschreiben können, wie sie zum Beispiel Hegel immer und immer wieder variiert hat: „Durch die Arbeit kommt das Bewusstsein zu sich selbst“. Natürlich war auch früher nicht verborgen geblieben, dass erst durch Arbeit Natur zu einer verlässlichen Grundlage für menschliches Leben umgeschaffen wird. Aber Arbeit als Sinnerfüllung, als Mittel menschlicher Selbstverwirklichung – diese Idee ist gerade mal ein paar Jahrhunderte alt. > mehr




"Nicht das Erz, sondern das Vertrauen"
Zweieinhalb Jahrtausende Diskussionen über Geld und Moral, Geld und Freiheit


„Money makes the world go round“, singt Liza Minelli in „Cabaret“, und die Wiederholung der letzten Worte „the world go round, the world go round“ macht es deutlich: Dabei kann einem leicht schwindlig werden, mit all den sozialen und moralischen Folgen, wie die Dichter und die Philosophen sie seit Jahrhunderten beklagen. Geld ist ein universal einsetzbares Mittel, um Werte bemessen und Waren aller Art tauschen zu können, lehrt uns die ökonomische Theorie. Für diese Funktion interessieren sich der Philosoph Christoph Asmuth von der Technischen Universität Berlin, der Theologe Burkhard Nonnenmacher von der Universität Tübingen und die Philosophin Nele Schneidereit von der Universität Heidelberg in ihrem Lesebuch mit „klassischen“ Texten aus den letzten zweieinhalb Jahrtausenden jedoch bloß in zweiter Linie. Im Zentrum steht die Frage, was Geld für uns und unsere Lebenswelt eigentlich bedeutet, etwa der Umstand, dass wir alles – fast alles – zu einem bestimmten Preis kaufen können. Oder die Frage, wie sich Geld, dieser Maßstab für Werte, zu den anderen Werten im Leben fügt, von denen wir doch viel lieber reden, zu Glück oder Leistung oder Moral. > mehr




Allmächtiger Markt und wohlwollende Tyrannis
Kontroversen zum Thema "Wirtschaftsethik"


Wenn die Diskussion auf das Thema „Ethik in der Wirtschaftthik“ kommt, dann ist es fast unvermeidlich, dass einer der Gesprächspartner das Statement des Soziologen Niklas Luhmann zitiert: Wirtschaftsethik gehöre zu der Sorte von Erscheinungen, „wie auch die Staatsraison oder die englische Küche, die in der Form eines Geheimnisses auftreten, weil sie geheim halten müssen, dass sie gar nicht existieren“. Hübsch gesagt. Nun wollte Luhmann sicherlich nicht bestreiten, dass es die „Wirtschaftsethik“ in der akademischen Forschung und Lehre wirklich gibt, als methodische Reflexion über die ethischen oder moralischen Fragen, die sich in der Wirtschaft stellen. Seit der Starsoziologe vor über zwei Jahrzehnten sein Bonmot von sich gab, schreiben Dominik van Aaken von der Ludwig-Maximilians-Universität München und Philipp Schreck von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg in ihrem neu erschienenen Sammelband zum Thema Wirtschaftsethik, hat diese Subdisziplin in der deutschsprachigen Betriebswirtschaftslehre sogar deutlich an Relevanz gewonnen. > mehr



Kein Gedeck beim großen Gastmahl der Natur
Vor 250 Jahren wurde der Nationalökonom Thomas Malthus geboren

Ob Thomas Malthus, wenn er seinen Essay zur Bevölkerungstheorie heute herausbringen würde, ähnliches Aufsehen hervorrufen könnte, wie damals, zu Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts? Malthus, der am 13. Februar 1766, vor 250 Jahren, in der englischen Grafschaft Surrey geboren worden war, übte in der anglikanischen Kirche das Amt eines Pfarrers aus. Seine Beschäftigung mit Geschichte und Volkswirtschaft entsprang zunächst persönlicher Neugier. Aber das, was er dann 1798 in seinem „Essay on the Principle of Population“ niederschrieb, lief den Grundsätzen christlicher Moral und Nächstenliebe stracks zuwider: „Ein Mensch, der in einer schon okkupierten Welt geboren wird, wenn seine Familie nicht die Mittel hat, ihn zu ernähren oder wenn die Gesellschaft seine Arbeit nicht nötig hat, dieser Mensch hat nicht das mindeste Recht, irgendeinen Teil von Nahrung zu verlangen.“ Das Büchlein brachte seinem Verfasser den Lehrstuhl für politische Ökonomie am Haileybury College der East India Company in Hertford ein, den weltweit ersten Lehrstuhl dieses Faches überhaupt. Nach dem Vorbild der Physik, der Astronomie und der Chemie schickte sich die Volkswirtschaftslehre gerade an, eine exakte, mathematisch arbeitende Wissenschaft zu werden. Die Zeitgenossen waren fasziniert von der Unerbittlichkeit, mit der Malthus seine Analyse durchführte, von der Offenheit, mit der er sich seinen Ergebnissen stellte – unabhängig davon, ob sie unter moralischen Gesichtspunkten als wünschenswert erscheinen konnten oder nicht. > mehr




Rationale Kalkulation und animalische Triebe
Eine Geschichte des Kapitalismus


In Tom Wolfes Erfolgsroman "Fegefeuer der Eitelkeiten" fragt ein sechsjähriges Mädchen seinen Vater, den erfolgreichen Investmentbanker Sherman McCoy, was er beruflich denn eigentlich mache. McCoy versucht, es ihr kindgerecht zu erklären, natürlich in der Hoffnung, dass sie bewundernd zu ihm aufblicken wird. Der Versuch schlägt katastrophal fehl. Der Vater wird zunehmend ungeduldig, weil sein Töchterchen so gar nichts begreifen will; am Ende bricht die Kleine in Tränen aus; die umstehenden Familienangehörigen, die dem Gespräch zugehört haben, schauen peinlich berührt. Im Grunde geht es den meisten von uns, wenn wir den Wirtschafts- und Börsenteil der Zeitung zu lesen versuchen, nicht viel anders als jenem kleinen Mädchen: Wir verstehen nicht, was sich da eigentlich abspielt. Vor ein paar Jahrzehnten war es vielleicht noch nicht ganz so schwierig; so konnte man von Industrieunternehmen sagen, dass sie dies oder jenes produzieren, das konnten auch Kinder verstehen. Aber etwa seit den 1970er Jahren hat sich ein Bereich explosionsartig ausgedehnt, der von unserer gewohnten Lebenswelt sehr weit entfernt ist. In den USA, stellt der Berliner Sozialhistoriker Jürgen Kocka, früher Präsident des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung, in seiner jetzt erschienen "Geschichte des Kapitalismus" fest, lag der Anteil des Finanzsektors am gesamten Sozialprodukt in den 1950er Jahren bei ca. 2 Prozent, 2008 bereits bei 8 Prozent. > mehr




"Man musste damals Eicheln essen"
Drei Jahrhunderte Diskussion über Markt und Moral


Schade, dass der hl. Franz von Assisi zwar zu den Vögeln gepredigt hat, aber nicht zu den Bienen. Was er ihnen wohl anempfohlen hätte? Vielleicht, dass sie auf ihren sprichwörtlichen Fleiß nicht gar so stolz sein sollten - der Hochmut galt im Mittelalter als eine der sieben Todsünden. 1705, ein halbes Jahrtausend nach Franziskus, ging der niederländische Schriftsteller Bernard de Mandeville einen Schritt weiter. Der "Bíenenfleiß", demonstrierte er in einer Fabel nach antikem Vorbild (und natürlich meinte Mandeville im Grunde das menschliche Zusammenleben), resultierte aus rein egoistischen, wenn man so will: lasterhaften Motiven. Die Fabel erzählte, wie die Bienen von Göttervater Jupiter die Gabe der Tugend erbeten hätten, man kann auch sagen: der Nächstenliebe, des Altruismus. Jupiter gewährte den Bienen ihren Wunsch, mit katastrophalen Folgen: Das Wirtschaftsleben des zuvor blühenden Bienenstocks brach völlig zusammen. "Stolz, Luxus und Betrügerei muss sein, damit ein Volk gedeih'", zog Mandeville die Moral aus der Geschichte. Eine Aussage, mit der sich ethisch und sozial denkende Menschen niemals abfinden wollten. "Diese Wirtschaft tötet", formulierte es Papst Franziskus letzten November in einem Lehrschreiben und kritisierte damit die "absolute Autonomie der Märkte", in anderer Terminologie: den "Neoliberalismus" oder "Turbokapitalismus". Der Sozialphilosoph Axel Honneth, Direktor des Instituts für Sozialforschung in Frankfurt am Main, hat jetzt gemeinsam mit seiner Mitarbeiterin Lisa Herzog einen umfangreichen Reader zu diesem ökonomisch-philosophischen Diskurs herausgegeben, eine Textsammlung von Mandevilles "Bienenfabel" bis zu aktuellen Entwürfen einer "Überwindung des Kapitalismus" > mehr




Die Zähmung des goldenen Kalbs
Wirtschaftsethik - zwischen Effizienz und moralischem Ideal

 

Während Moses, erzählt das Alte Testament, von Gott auf dem Berg Sinai die Gesetzestafeln empfing, verfertigte das Volk am Fuß des Berges ein Götzenbild und betete es an. Der "Tanz um das goldene Kalb" ist bis heute eines der wirkungsmächtigsten Bilder aus der Bibel geblieben. In den letzten Jahren schaffte es immer wieder den Weg in die Titelschlagzeilen, Schlagwort „Turbokapitalismus“, zum Beispiel Weihnachten 2008, als der Ratsvorsitzende der EKD, Wolfgang Huber, das Laster der Raffsucht anprangerte und speziell einem führenden deutschen Bankmanager eine "Form des Götzendienstes" vorhielt. Oder, von den ausgebliebenen Erwartungen her formuliert: eine fehlende „Wirtschaftsethik“. Letztes Jahr stellte Papst Franziskus höchstpersönlich die Frage, ob unsere Wirtschaftsordnung insgesamt moralisch vertretbar sei: „Diese Wirtschaft tötet!“ Aber auch wenn man darauf verzichtet, die „Systemfrage“ zu stellen - das Thema ist in aller Munde, von der Frage, ob wir preisgünstig Waren kaufen dürfen, die unter sozial oder ökologisch fragwürdigen Bedingungen produziert wurden, bis hin zur politischen Debatte über einen Mindestlohn. > mehr



Seide und Seuchen, Sklaven und Schwarzpulver
Welthandel und Globalisierung im Mittelalter

"Ich will persischen Schwefel nach China einführen; außerdem will ich von dort chinesisches Porzellan nach Griechenland verhandeln, von dort griechisches Seidenzeug nach Indien ..." Das nennt man Welthandel - Welthandel im 13. Jahrhundert. Offenkundig ist die ökonomische und kulturelle Verflechtung der Welt kein Vorgang erst unserer Gegenwart. "Beständig wurden Güter und Wissen, aber auch Krankheiten und Vorurteile über alle geographischen, politischen und kulturellen Grenzen hinweg transportiert", stellt ein Mittelalterhistoriker der Universität Heidelberg fest. > mehr




Wie das Christentum sich mit den Bankgeschäften versöhnte
Eine Geschichte des Geldes im Mittelalter

„Wer weiß nicht, dass Betrug, Diebstahl, Raub, Streit, Tumult, Beleidigung, Empörung, Totschlag, Verrat und Giftmord aussterben würden, wenn das Geld erwürgt wäre?“ schrieb Thomas Morus 1516 in seiner „Utopia“, „Kein so schmählich Übel, wie des Geldes Wert, erwuchs den Menschen“, hatte beinahe zwei Jahrtausende zuvor Sophokles in seiner „Antigone“ gedichtet. Womöglich noch ausgeprägter als in Antike und früher Neuzeit war die Verurteilung des Geldes – im Grunde sogar des weltlichen Besitzes ganz allgemein, vor allem aber des in Gold und Silber gemünzten Geldes – im Mittelalter. Der französische Historiker Jacques Le Goff hat jetzt eine Geschichte des Geldes im Mittelalter vorgelegt. > mehr




Heuschrecken und der Tanz um das Goldene Kalb
Religiöse und philosophische Deutungsversuche in der wirtschaftspolitischen Debatte

Der "Tanz um das goldene Kalb" ist bis heute eines der wirkungsmächtigsten Bilder aus dem Alten Testament geblieben. In den letzten Jahren schaffte es immer wieder den Weg in die Titelschlagzeilen, zum Beispiel Weihnachten 2008, als der Ratsvorsitzende der EKD, Wolfgang Huber, das Laster der Raffsucht anprangerte und speziell dem Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, eine "Form des Götzendienstes" vorhielt. Es ist nicht die einzige Redensart aus der Bibel, die in den Medien zur Illustration der Wirtschaftswelt unserer Tage Furore gemacht hat. 2005 umschrieb der SPD-Politiker Franz Müntefering die "turbokapitalistischen" Umtriebe internationaler Finanzinvestoren mit einer der zehn ägyptischen Plagen: den "Heuschrecken". Zwei Historiker haben einen Sammelband herausgebracht haben, in dem das Verhältnis des "liberalen Marktes" zu Ethik oder Moral oder Religion thematisiert wird. > mehr
 




Ein Gespenst geht um in Europa ...
Aus der Geschichte der Staatsbankrotte

Ein Gespenst geht um in Europa, das Gespenst des Staatsbankrotts ... Für die einen wäre es das größte aller denkbaren Übel, wenn eines der Länder in der Euro-Währungsunion seine Insolvenz erklären müsste; andere sagen: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende, besser jetzt eine partielle, „geordnete“ Insolvenz mit begrenztem Schaden für das betroffene Land, aber auch für die – großen und kleinen – Anleger anderswo, als ein langes und teures Verschleppen, an dessen Ende womöglich dann doch der Bankrott stehen müsste. Aus aktuellem Anlass ein Blick in die Geschichte der Staatsbankrotte. > mehr