Dossier
Extremismus

 

Unbehagen in der Moderne, Ruf nach der Vorzeit
Ein Politologe über das "Heidentum" der Neuen Rechten

"Sollten alle Menschen Brüder sein, dann kann keiner es wirklich sein. Die Einführung einer symbolischen umfassenden Vaterschaft vernichtet die Möglichkeit einer wirklichen Brüderschaft." So der Vordenker der französischen Nouvelle Droite, Alain de Benoist. Ein junger Politikwissenschaftler an der FU Berlin hat das Neuheidentum der Neuen Rechten unter die Lupe genommen. > mehr



"Widerspruch wurde nicht geduldet"
Linksextremismus in Deutschland seit der 68er Bewegung


“Ich bin linksextrem! Du auch? Dann mach mit bei unserer Kampagne!“, plakatierten im April 2013 die Jugendorganisationen der Parteien „Bündnis 90/Die Grünen“ und „Die Linke“, „Grüne Jugend“ und „Linksjugend-Solid“, gemeinsam. Die Kampagne richtete sich gegen einige Förderprogramme der Bundesregierung, mit denen gesellschaftliches Engagement für Demokratie und Toleranz gefödert werden sollte. In den Richtlinien hatte die Regierung von den Antragstellern ein Bekenntnis zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung gefordert. Das Echo der Kampagne war bescheiden; ein halbes Jahr später, berichten die beiden Berliner Politikwissenschaftler Klaus Schroeder und Monika Deutz-Schröder in ihrer neuen Studie über „Linksextremismus in Deutschland“, waren im Internet nicht mehr als 240 solcher „Selbstbezichtigungen“ zu lesen. Offenbar ist „Linksextremismus“, selbst in dieser ironischen Form, für junge Leute kein Wertbegriff, an dem man die eigene Identität festmachen würde. > mehr



"Kommunikationsabbruch gegenueber den orthodoxen Unwahrheitsglaeubigen"
Vom Umgang mit Verschwoerungstheoretikern


Umfragen zufolge glauben etwa 17 Prozent der Deutschen, dass die Anschläge auf das World Trade Center 2001 von der CIA durchgeführt wurden, um eine Rechtfertigung für den nächsten Krieg zu schaffen. Über 10 Prozent sehen im Impfen nicht eine Gesundheitsvorsorge, sondern einen Geschäftstrick der Pharmafirmen. Mehr als 10.000 Bürger halten die Bundesrepublik Deutschland nicht für einen Staat, sondern für eine „GmbH“, manche ziehen daraus den Schluss, „sich wehren“ zu müssen. Und ein halbes Jahrhundert nach der Mondlandung im Juli 1969 glauben nach wie vor viele Menschen, dass die ganze Aktion gar nicht stattgefunden hat, sondern ein „Fake“ war, inszeniert in den Filmstudios von Hollywood. „Verschwörungstheorien“ sind en vogue. Offenbar bietet ihnen das Internet einen besseren Nährboden, als es die gedruckten Medien früher taten. > mehr



Geringe Schwerkraft auf dem Mond und die Belastbarkeit von Baustahl
Naturwissenschaftliche Argumente gegen Verschwoerungstheorien


21. Juli 1969, vor 50 Jahren. Punkt 3 Uhr 56 MEZ betrat der amerikanische Astronaut Neil Armstrong als erster Mensch den Mond. Nachdem auch sein Kollege Buzz Aldrin die Landefähre verlassen hatte, rammten die beiden einen Fahnenmast in den Boden. Hunderte Millionen Menschen auf der Erde konnten live beobachten, wie die amerikanische Flagge auf dem Erdtrabanten hin und her schwang. Moment mal: Auf dem Mond gibt es keine Atmosphäre, da kann die Flagge doch gar nicht im Wind geflattert sein? Seit 50 Jahren hält sich die Theorie, die ganze Mondlandung wäre bloß ein Fake, gedreht in den Hollywood-Studios. Mit kleinen Fehlern, wie sie Fälschern nun einmal unterlaufen, zum Beispiel mit einer wehenden Flagge, obwohl die dargestellte Geschichte doch an einem Ort spielen soll, an dem kein Wind die Flagge in Bewegung setzen könnte. > mehr



Kein Mitleid mit der Mikrobe
Ein franzoesische Zeithistoriker rekonstruiert "Logik" und "Ethik" des Nationalsozialismus


Als der SS-Gruppenführer Otto Ohlendorf 1946 im Nürnberg Kriegsverbrecherprozess seine Zeugenaussage machte, verbreitete sich unter den Angeklagten und ihren Verteidigern allgemeines Entsetzen. Ohlendorf versuchte gar nicht erst, irgendetwas an den Verbrechen des Nationalsozialismus zu bestreiten, im Gegenteil, er bot dem Gericht eine Menge Details des staatlich organisierten Massenmordes – wohl wissend, dass er damit auch die Grundlage für sein eigenes Verfahren lieferte. Im sogenannten „Einsatzgruppen-Prozess“ 1947/48, wo Ohlendorf selbst Angeklagter war, ließ er seinen Verteidiger darauf plädieren, die Erschießung Unschuldiger in Russland und der Ukraine sei eine Art Putativnotwehr gewesen, eine staatliche Selbstverteidigung gegen den Bolschewismus und „die Juden“. Der Versuch des Verteidigers, einen „Befehlsnotstand“ zu konstruieren, im Sinne eines „Führerbefehls“ von Adolf Hitler, schlug allerdings fehl. Ohlendorf wurde zum Tod verurteilt und 1951 hingerichtet. Die innere „Logik“ des Nationalsozialismus, die Einstellung, die dem Handeln seiner Repräsentanten zugrundelag, gehört bis heute zu den eher vernachlässigten Fragestellungen der Zeitgeschichte. > mehr



Kräuterheilkunde und paramiilitärische Übungen
Ein Blick in die Szene des "Neuheidentums
"

Dass jemand vom Christentum zum Islam oder zum Buddhismus übertritt, kommt in einer weltanschaulich pluralistischen Gesellschaft vor. Dass Menschen von heute zum alten Germanentum "konvertieren“, ist schwerer vorstellbar, aber gelegentlich wohl ebenfalls Realität. Wir blicken auf eine Szene im Halbdunkel zwischen authentischer Religion und Folklore, mit fließendem Übergang zu völkischen und rassistischen Ideologien. > mehr




Politik an der Wurzel
Das Phänomen der Radikalität in Vergangenheit und Gegenwart

Das Wort „radikal“, wissen wir aus dem Wörterbuch, kommt von lateinisch „radix“, Wurzel“. Die Etymologie macht nachvollziehbar, warum die Liberalen im 19. Jahrhundert auch als „Radikale“ bezeichnet wurden und sich manchmal auch so selbst so bezeichneten: Sie wollten die Übel des Ancien régime an der „Wurzel“ anpacken, sozusagen mit „Stumpf und Stiel“ beseitigen. Im Parteinamen der französischen „Radikalsozialisten“ ist diese Bedeutung bis ins späte 20. Jahrhundert erhalten geblieben. „Eine Strömung kann dann als radikal bezeichnet werden, wenn sie eine grundlegende und kompromisslose Erneuerung des Gegebenen anstrebt“, definiert die Düsseldorfer Soziologin Melanie Reddig in dem jetzt neu erschienenen Sammelband über Radikalität. Die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt hat vor zwei Jahren eine Vortragsreihe über religiöse, politische und künstlerische „Radikalismen“ in den letzten Jahrhunderten abgehalten; die Texte sind jetzt als Sammelband erschienen. > mehr
 



Dazu gehören, deutsch sein, Männlichkeit ausleben
Das Berliner Zentrum für Antisemitismusforschung befasst sich mit rechtsextremer Jugendgewalt

Durch die Skinhead-Subkultur fänden Jugendliche "Zugang zu einer nationalistischen, fremdenfeindlichen und antisemitischen Gedankenwelt", stellt der aktuelle Bericht des Verfassungsschutzes fest. Mit den Zusammenhängen zwischen Jugendgewalt und Rechtsextremismus befasst sich eine Arbeitsstelle am Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin. > mehr





Terrorismus - ohne Hemmschwelle in den letzten Kampf
Bemühungen um ein Phänomen unserer Zeitgeschichte

Von der deutschen "Rote-Armee-Fraktion" bis zur islamistischen Al-Quaida: Die beiden Direktoren des Instituts für Terrorismusforschung und Sicherheitspolitik in Essen haben gemeinsam mit einem Journalisten, der über Praxiserfahrung in der Nahostarbeit des Bundesnachrichtendienstes verfügt, ein "Terrorimus-Lexikon" vorgelegt. > mehr