Dossier
Unsere Umwelt

 

EHolznot, Hagelschlag und Hexen
Aspekte einer Umweltgeschichte der Frühen Neuzeit

Die Grönlandwikinger ... Mehr als ein halbes Jahrtausend lang hatte ihre Kultur Bestand; aber Mitte des 16. Jahrhunderts verschwand sie sang- und klanglos aus der Geschichte. Warum machte sich die harte Umwelt erst nach einem halben Jahrtausend bemerkbar? Weil es im späten Mittelalter in der Arktis drastisch kälter wurde, antworten heute viele Forscher; in den Jahrhunderten zuvor waren die Umweltbedingungen auf Grönland so hart nämlich gar nicht gewesen. Das Klima hat sich in historischer Zeit geändert – darauf haben wohl erst die ökologischen Probleme der Gegenwart den Blick gelenkt. Ein Wirtschafts- und Sozialhistoriker an der Universität Salzburg, hat jetzt eine „Umweltgeschichte der Frühen Neuzeit“ vorgelegt, bezogen auf Deutschland oder Mitteleuropa. > mehr



Von der Sintflut bis Fukushima
Die Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim zeigen die Kulturgeschichte der Katastrophe

Niemals zuvor in der Kunstgeschichte wurden Sonnenuntergänge derart spektakulär bunt gemalt wie in den Jahren um 1820; die Gemälde von Caspar David Friedrich oder William Turner oder John Constable bilden bis heute das Entzücken der Kunstfreunde. War diese Buntheit bloß eine künstlerische Mode, Ausdruck einer romantischen Expressivität? Sicherlich nicht nur, antwortet der Historiker Daniel Krämer von der Universität Bern. Im April 1815 war östlich von Java der Vulkan Tambora ausgebrochen. Um den gesamten Globus verteilte sich in der Atmosphäre ein Gemisch aus festen und flüssigen Teilchen, Jahre lang war der Himmel wie von einem Dunstschleier bedeckt, die Farbeffekte, die sich daraus ergaben, müssen die Maler fasziniert haben. Eine von vielen Arten des menschlichen Umgangs mit Katastrophen, die der Besucher in der neuen Ausstellung der Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim kennenlernt, die gemeinsam mit dem Exzellenzcluster „Asia and Europe in a Global Context“ der Universität Heidelberg und der Technischen Universität Darmstadt konzipiert wurde. 200 Exponate, von historischen Gemälden über wissenschaftliche Messinstrumente bis hin zu profanen Alltagsgegenständen beleuchten „die Grenzen sprengende Bandbreite kultureller Fähigkeiten und Möglichkeiten, auf tramatische Ereignisse zu reagieren“, > mehr



Der "gefühlte" Winter
Erinnerungen und Erwartungen rund um eine Jahreszeit


„Wann wird‘s mal wieder richtig Sommer“, sang einst Rudi Carrell. Blickt man auf die Klimaentwicklung der letzten Jahrzehnte, kommt man zu dem Schluss, dass die Frage, wann es mal wieder „richtig“ Winter wird, doch viel näher liegen müsste. Doch selbst, wenn man von der Diskussion um den Klimawandel absieht - jedes Jahr Mitte Dezember geht die Frage groß durch die Presse: Gibt es eine „weiße Weihnacht“, wenigstens dieses Jahr? Auch in Zeiten, als von Erderwärmung noch niemand sprach, war eine weiße Weihnacht eher die Ausnahme als die Regel, vermerkt der Sachbuchautor Bernd Brunner in seinem neuen Buch „Als die Winter noch Winter waren“. Wirklich kalt ist es im Dezember in Mitteleuropa meistens noch gar nicht, das steht in aller Regel erst im Januar an. > mehr



Zwischen Alltagsbedarf und höfischer Repräsentation
Der Umgang mit dem Wasser in Antike und Neuzeit


Als Gaius Iulius Caesar im Jahr 48 v. Chr. die ägyptische Residenz Alexandria belagerte, bemerkte er, wie ungünstig die Wasserversorgung und das Abwassersystem der Stadt für die große Bevölkerungsmehrheit geregelt waren. Nur die Häuser reicher Privatleute, schrieb er in seinem Buch über die „Bürgerkriege“, seien an die Kanäle vom Nil her angeschlossen, in denen sich der Schmutz langsam absetzen könne. Die meisten Einwohner müssten ihr Wasser direkt aus dem Nil nehmen, „derart verschmutzt und schlammig, dass es viele Krankheiten verursacht“. Caesar brauchte es gar nicht ausdrücklich zu schreiben, seine Leser wussten es aus eigener Erfahrung: Das war in Rom, der jungen Hauptstadt der Mittelmeerwelt, besser organisiert – bei aller Unterlegenheit ansonsten gegenüber der uralten Zivilisation am Nil. „In der überlegenen Hydraulik der Römer manifestierte sich zugleich ihr politischer Führungsanspruch über den gesamten Mittelmeerraum“, schreiben die Freiburger Historiker Sitta von Reden und Christian Wieland in ihrem Sammelband, dem sie den lapidaren Titel „Wasser“ gegeben haben. > mehr



Zwischen Alltagsbedarf und höfischer Repräsentation
Der Umgang mit dem Wasser in Antike und Neuzeit


Als Gaius Iulius Caesar im Jahr 48 v. Chr. die ägyptische Residenz Alexandria belagerte, bemerkte er, wie ungünstig die Wasserversorgung und das Abwassersystem der Stadt für die große Bevölkerungsmehrheit geregelt waren. Nur die Häuser reicher Privatleute, schrieb er in seinem Buch über die „Bürgerkriege“, seien an die Kanäle vom Nil her angeschlossen, in denen sich der Schmutz langsam absetzen könne. Die meisten Einwohner müssten ihr Wasser direkt aus dem Nil nehmen, „derart verschmutzt und schlammig, dass es viele Krankheiten verursacht“. Caesar brauchte es gar nicht ausdrücklich zu schreiben, seine Leser wussten es aus eigener Erfahrung: Das war in Rom, der jungen Hauptstadt der Mittelmeerwelt, besser organisiert – bei aller Unterlegenheit ansonsten gegenüber der uralten Zivilisation am Nil. „In der überlegenen Hydraulik der Römer manifestierte sich zugleich ihr politischer Führungsanspruch über den gesamten Mittelmeerraum“, schreiben die Freiburger Historiker Sitta von Reden und Christian Wieland in ihrem Sammelband, dem sie den lapidaren Titel „Wasser“ gegeben haben. > mehr




Das Jahr ohne Sommer und das Jahr des Hungers
Die weltweiten Auswirkungen des Tamboraausbruchs 1815


In Mittelfranken war es im Juni so kalt, dass der Ofen angeschürt werden musste. In Unterfranken regnete es von Ende Mai bis Ende Juni fünf Wochen lang ununterbrochen; nach drei trockenen Tagen regnete es wochenlang weiter. In Regensburg hatte der Juni keinen einzigen Sonnentag. 816 ist als das „Jahr ohne Sommer“ in die Geschichte eingegangen, das folgende Jahr 1817 aufgrund der Missernten als ein „Jahr des Hungers“. Wie es zum „fürchterlichen“ Wetter gekommen war, konnte niemand sagen, obwohl die Katastrophe im fernen Indonesien dem naturwissenschaftlich interessierten Publikum in Europa Anfang 1817 durch eine Zeitungsmeldung bekannt wurde. „Morgenblatt gelesen“, notierte Goethe am 20. Februar 1817 in sein Tagebuch: „Geschichte eines neuentstandenen Vulkans auf Sumbawa.“ > mehr




Vom Diebstahl des Prometheus zur Elektrobeleuchtung
2015 - "Jahr des Lichts"


„Messer, Schere, Feuer, Licht sind für kleine Kinder nicht.“ Ein Kinderreim, der sich ein bisschen überholt hat; bei modernen Lichtschaltern ist schließlich keine besondere Vorsicht zu beachten. Dabei liegt es erst wenige Generationen zurück, dass offenes Feuer vom Herd die einzige Möglichkeit war, künstliches Licht zu gewinnen, wenn von Sonne, Mond und Sternen nicht hinreichend natürliches Licht zur Verfügung stand. Die Warnung, die der Reim aussprach, hatte ihren guten Sinn. Können wir uns heute überhaupt noch vorstellen, wie das Leben ablief, als man sich mit Öllampen oder Kerzen behelfen musste? Oder noch früher, als das Herdfeuer der einzige Ort war, an dem man des Nachts etwas sehen konnte? > mehr




"Mich überfällt ein schneller Schauder, ich fühl ein innerliches Grausen"
Eine Kulturgeschichte des Meeres


Welche Farbe hat das Meer? Blau natürlich, antworten wir spontan - "so blau wie die Blätter der schönsten Kornblume", schrieb einst Hans Christian Andersen in seiner "Kleinen Seejungfrau". Aber da stocken wir auch schon. Hat dieses "Blau" etwas mit der äußeren Wirklichkeit, mit Physik, zu tun? Die alten Ägypter, berichtet der Bremer Literaturwissenschaftler Dieter Richter in seiner soeben erschienen Kulturgeschichte des Meeres, sprachen vom "großen Grünen" oder auch vom "großen Schwarzen". In der frühen griechischen Poesie war die Vielfalt der Farben noch größer. Die Dichter nannten das Meer "schwarz", "grau", "dunkelbraun", "bläulich-grün" oder auch "weinfarben", also dunkelrot. Irgendwie objektiv scheint das Blau des Meeres also nicht zu sein. Vielleicht spiegelt sich in unserer Sehgewohnheit ja eher eine Sehnsucht nach den unbegrenzten Weiten, die ein wolkenloser Himmel ahnen lässt, und das mag eine sehr moderne Projektion sein, womöglich bloß von Landbewohnern, in sicherem Abstand zu stürmischen Küsten. Bei den Völkern des Altertums ist davon nichts zu finden; die Farben für das Meer waren eher düster. Jahrhunderte lang, schreibt Richter, galt "der Tod auf See als besonders schimpflicher Tod", schreibt Richter, "der Leichnam im Meer, eine Beute der Fische oder irgendwo an Land gespült, als ein Unbestatteter und damit als einer, dessen Seele die ewige Ruhe versagt blieb." > mehr




Wie das Alpenröschen die Almwiesen besiedelte
Eine Geschichte der Landschaft in Mitteleuropa

"Unser Dorf soll schöner werden“ propagierte 1961 das Bundesland-wirtschaftsministerium. Dahinter stand das Ziel, eine Abwanderung in die städtischen Zentren und damit eine Entvölkerung des Landes zu verhindern. Kritiker bemängelten bald, das Ganze laufe auf eine „Beblümung“ der Dörfer hinaus, im Sinne städtischer Vorstellungen von einer „schönen“ Grünanlage – ohne Unkraut, wie sich versteht. An manchen Orten, stellt der Pflanzenökologe Hansjörg Küster von der Leibniz-Universität Hannover fest, hat der Wettbewerb die Tendenz gefördert, dass die Dörfer zwar „städtischer“, vielleicht auch „schöner“ wurden, aber jene Charakteristika verloren, die Jahrhunderte lang für Dörfer typisch waren, voran die Misthaufen. Was für Dörfer gilt, das trifft ebenso auf Acker- und Weideflächen, Wälder und Flüsse, Berge und Seen zu: Wir geben uns gern dem Glauben hin, unsere Vorstellung von einer schönen Landschaft habe etwas mit einer immer schon bestehenden Natur zu tun. Ein Irrtum, wie Küster in seiner „Geschichte der Landschaft in Mitteleuropa“ ausführt: Unsere Umwelt unterliegt seit Jahrtausenden einem beständigen Wandel, sowohl aufgrund menschlicher Eingriffe wie auch durch bloß natürliche Faktoren – nur dass dieser Wandel sich in der Regel viel langsamer vollzogen hat, als wir das heute beobachten können. > mehr





"Sonne, Mond und Sterne haben wir so gerne"
Die Faszination des Weltraums heute


"Sonne, Mond und Sterne haben wir so gerne", heißt es im Kinderlied. Der Sternenhimmel übt aber nicht nur auf Kinder seinen Zauber aus; 1788 fasste Immanuel Kant das Phänomen in die Worte: "Zwei Dinge erfüllen das Gemüte mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht: Der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir." Der "Anblick einer zahllosen Weltenmenge", meinte Kant, "vernichtet gleichsam meine Wichtigkeit", das moralische Gesetz dagegen erhebt meinen Wert unendlich, indem es mir "ein von der Tierheit und selbst von der ganzen Sinnenwelt unabhängiges Leben" offenbart. Forscher der Universität Leipzig haben vor zwei Jahren im Rahmen einer Studium-universale-Vorlesungsreihe die Frage gestellt, wie es um diese Faszination heute bestellt ist, in einer Zeit, in der die Sterne, wenigstens in einem kleinen Randbereich, "erfahrbar", also mögliches Ziel unserer Reisen geworden sind. Man könnte meinen, diese neuen Möglichkeiten hätten das Weltall gründlich entzaubern müssen. Der sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin setzte so etwas voraus, als er nach seiner Rückkehr aus der Erdumlaufbahn zu den Reportern sagte, er habe dort oben keinen Gott angetroffen. Aber es geht auch anders. Die Astronauten von Apollo 8, daran erinnert der Herausgeber des Sammelbandes, der Anglist Elmar Schenkel, im Vorwort, lasen während ihrer Mondumrundung den Menschen auf der Erde den biblischen Schöpfungsbericht vor. > mehr





Hungersnot und Hexenwahn
Ein Blick auf die Forschungsgeschichte zur "Kleinen Eiszeit" seit dem späten Mittelalter

Grönland, die größte Insel der Welt ... Was an diesem Land eigentlich „grün“ sein soll, weiß niemand so recht zu sagen. Aber im frühen und hohen Mittelalter war Grönland tatsächlich viel „grüner“ als heute. Im 14. Jahrhundert ging es damit jedoch langsam zu Ende, es folgte eine „kleine Eiszeit“. Der Kulturwissenschaftler Franz Mauelshagen hat nun einen Forschungsbericht zu diesem Phänomen „Kleine Eiszeit“ vorgelegt. Oder, wie der Titel besagt, eine „Klimageschichte der Neuzeit“. > mehr





Homo sapiens - "das geht von allein weg"
Umweltverhalten in Geschichte und Gegenwart - zum Tag der Umwelt am 5. Juni

„Alle jammern über den Rückgang des Lachses, keiner beklagt den Rückgang der Mückenschwärme“ - Fazit eines Göttinger Anthropologen über die Folgen der "Melioratonen" im Oderbruch oder in den Rheinauen im 18. und 19. Jahrhundert. Offenbar sind unsere Einstellungen zum Umwelt, ihrer Erhaltung oder Veränderung, historisch wandelbar und von Willkür nicht frei. Eine interdisziplinär Forschergruppe an der Universität Tübingen hat das Umweltverhalten in Geschichte und Gegenwart unter die Lupe genommen. > mehr




Eine Zeichensprache Gottes
Über den Umgang mit Katastrophen im späten Mittelalter
 

Vor Katastrophen, das haben wir durch die Erd- und Seebeben der letzten Jahre immer wieder erfahren, zeigt sich die Menschheit ziemlich hilflos. Und selbst, wenn es sich um menschengemachte Katastrophen handelt, etwa Kriege, bleibt den Betroffenen oft keine wirksame Gegenwehr, weil es eben immer die anderen sind, die Geschichte machen. Die Gläubigen unter uns nehmen ihre Zuflucht zu jenseitigen Tröstungen, Technikfans wiederum träumen davon, sogar einen Asteroiden- oder Meteoriteneinschlag durch geeignete Maßnahmen bekämpfen zu können. Wie sind die Menschen im späten Mittelalter mit Katastrophen umgegangen? Gerhard Fouquet und Gabriel Zeilinger, zwei Historiker der Universität Kiel, haben, eine Fülle von Quellentexten analysiert. > mehr