Dossier
Unser Alltag - und ein wenig Luxus

 

Das angenehme, schöne und menschliche Leben
Eine "andere" Kulturgeschichte der Deutschen


„Dresden war der Stachel im Fleisch der Miesepeter in Berlin.“ Eine neue Variante deutsch-deutscher Aversionen? Nein, der Satz findet sich in einer soeben erschienenen, durchaus ernsthaften Kulturgeschichte. Der Journalist und Gastronomiekritiker Erwin Seitz hat sie vorgelegt, sie ist sozusagen vom "Dresdner" Gesichtspunkt aus geschrieben. Es geht um die „Verfeinerung der Deutschen“, in der Hauptsache – der Autor hat sich gar nicht erst bemüht, seine Interessen zu verbergen – um Essen und Trinken. Der zitierte Satz bezieht sich auf das frühe 18. Jahrhundert, als das „angenehme, schöne und menschliche Leben“ viel eher in Sachsen unter Kurfürst August dem Starken zu Hause war als in Berlin oder Potsdam unter dem Soldatenkönig. > mehr

 


"Von Tränen leb' ich, zum Weinen geboren"
Eine Kulturgeschichte der Tränen


„Einer Ihrer Vorgänger, Helmut Kohl, hat in der Öffentlichkeit des öfteren geweint. Uns fällt kein Bild von Ihnen ein, auf dem Sie Tränen zeigen. Wäre Ihnen das unangenehm?“, fragte 2013 der „Stern“ Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die antwortete ausweichend: In manchen Situation sei sie „schon sehr berührt gewesen“. „Die eingespielten Verhaltensnormen werden brüchig“, schreibt die Kölner Theater- und Filmwissenschaftlerin Renate Möhrmann in einem neu erschienenen Sammelband zur Kulturgeschichte der Tränen. Möhrmann hat zwanzig Literatur-, Kunst- und Medienwissenschaftler zusammengebracht; das Spektrum reicht von den Helden Homers, für die der Grundsatz, dass Männer nicht weinen, noch ganz und gar keine Wirkung hatte, bis zum Gegenwartsfilm. > mehr




Dinge, die unser Leben ausmachen
Zur Geschichte der Alltagsgegenstände

„Dinggeschichte“: Das ist ein neues Zauberwort in den Kulturwissenschaften. Kulturhistoriker aus Deutschland und Amerika haben jetzt eine Sammlung von Beiträgen zur Geschichte solcher Alltagsgegenstände vorgelegt: Studien zum Beispiel über die Tupperware, die Nähmaschine, das Korsett usw. usf. Vielleicht ist es ja mehr als bloß eine Legende, dass „die Amerikaner“ zu den materiellen Dingen ein unbefangeneres, handfesteres Verhältnis haben als die deutsche Geisteswelt mit ihrer traditionellen Orientierung an Werten und Worten. Zumindest bezog sich Präsident Barack Obama bei seiner Antrittsrede im Januar 2009 positiv auf diesen nationalen Mythos. > mehr





Die Glocken, die von selbst schlagen
Das Uhrmacherhandwerk in Orient und Okzident

Was suchten die portugiesischen und spanischen Händler eigentlich in Asien, als sie Ende des 16. Jahrhunderts einen Seeweg um Afrika herum oder quer über den Atlantik erkundeten? Allerlei Güter, die auf dem Landweg durch die Zwischenstellung arabischer oder türkischer Händler allzu teuer wurden: Gewürze vor allem, dann aber auch Teppiche, Seidenwaren und Porzellan. Leider hatten die europäischen Länder fast nichts, was sie zum Tausch anbieten konnten. Der größte Teil dieser Luxusprodukte musste durch Edelmetall beglichen werden. Nur mit einem einzigen Produkt, berichtet der italienische Kulturhistoriker Carlo M. Cipolla in seinem Buch "Gezählte Zeit", war Europa in der frühen Neuzeit auf den asiatischen Märkten konkurrenzfähig: mit Uhren. Ein Blick auf die Entwicklung des Uhrmacherhandwerks in Orient und Okzident. > mehr





Der Speck schmeckt zuckersüße
Eine Kulturgeschichte der Mausefalle

Das Wort „Maus“, vermuten die Sprachwissenschaftler, kommt von einem indogermanischen Verbum her, das soviel bedeutete wie „stehlen“. Eine sachlich sehr einleuchtende Etymologie: Über Jahrtausende hinweg galten die Mäuse als die Diebe schlechthin. Weder Eisen noch Gold sei vor ihnen sicher, klagten antike Schriftsteller. Schlafenden Mastschweinen würden sie Stücke Speck aus dem Wanst fressen, behauptete ein Autor des 19. Jahrhunderts. Und als ob die Konkurrenz zwischen Menschen und Mäusen um Speisevorräte aller Art nicht ärgerlich genug wäre: Die Mäuse „verunreinigen sie auch und teilen ihnen einen sehr widerlichen Geruch mit“. Der Rundfunkjournalist Wolfhard Klein hat jetzt eine Kulturgeschichte der Mausefalle vorgelegt. > mehr




Italienischer Frühlingsmorgen
Vor 300 Jahren wurde die Eau de Cologne-Firma "Farina gegenüber" gegründet

"Ich habe einen Duft gefunden, der mich an einen italienischen Frühlingsmorgen kurz nach dem Regen erinnert", schrieb Johann Maria Farina 1708 und nannte als Bestandteile dieses Duftes Orangen, Pampelmusen, Citronen, Bergamotten, Cedrat, Limetten sowie "die Blüten und Kräuter meiner Heimat". Farinas "Original Kölnisch Wasser" hat die Stadt am Rhein weltberühmt gemacht, nicht anders als der Dom und der Karneval. Zum Jahestag der Firmengründung 1709 ein Rückblick auf die Geschichte des Nobelwassers und seine prominenten Liebhaber. > mehr




Die bunten Lichter des Großstadtlebens
Aufstieg und Niedergang des Neonlichts

In einer Nacht des Jahres 1928 klingelte in der Feuerwehrwache von Missoula, Montana, das Telefon. Aufgeregt meldete sich ein Mann: In der Stadt müsse es brennen, das Feuer sei bis in seine sechzehn Meilen entfernte Siedlung zu sehen. Der Feuerwehrmann konnte ihn beruhigen: Der Lichtschein am Himmel kam nicht von einem Brand, sondern von der neuen Neonreklame eines Hotels. Die technische und künstlerische Verwendung der Edelgase hat unsere Welt verändert, das zeigt der Paderborner Amerikanist Christoph Ribbat mit dieser Anekdote, die er in seinem neuen Buch zur Geschichte des Neonlichts erzählt. > mehr

 


Dialog über Graffit
Aus dem Leben einer römischen Provinzmetropole

"Karmidianos ist eine Tunte" können die Touristen, sofern sie Altgriechisch verstehen, im Stadion von Aphrodisias im Südwesten der Türkei lesen. Eine der vielen Inschriften in dieser antiken Stadt, die im Kleinasien der römischen Kaiserzeit einen ähnlichen Ruf als Kunstzentrum genoss wie später Florenz im Italien der Renaissancezeit. Ein Heidelberger Althistoriker hat sich mit der Frage befasst, was aus diesen "Graffiti" über das Alltagsleben einer spätantiken Provinzmetropole zu erfahren ist.  > mehr