Dossier
Feste und Bräuche

 

Pferdeäpfel vor dem Hochaltar
Der Palio di Siena - das traditionsreichste Rennen der Welt

Pferdeäpfel vor dem Hochaltar, sagt man in Siena, seien ein gutes Vorzeichen. Vielleicht nicht einmal für den Reiter; auf den kommt es auch gar nicht an beim „Palio di Siena“, dem traditionsreichsten Pferderennen der Welt. Wenn er in den gut anderthalb Minuten, die das Rennen dreimal rund um die Piazza del Campo dauert, vom Sattel geworfen wird – macht nichts, entscheidend ist, dass das Pferd als erstes durch’s Ziel geht. Aber auch das Pferd ist nur Mittel zum Zweck. Oft genug kommen Verletzungen vor, die einen Gnadenschuss nötig machen. Wichtig ist nur der Sieg für die „Contrada“, das eigene Stadtviertel, den Kiez, wie man in Norddeutschland sagt, Veedel heißt es in Köln, Grätzl in Wien. > mehr




Die Wallfahrt im Zeichen der Muschelschale
Heiliges Jahr in Santiago de Compostela

„El camino comienza en su casa“, sagt man in Spanien, „Der Weg beginnt in Ihrem Haus“. Der Weg schlechthin – das war im Mittelalter der Jakobsweg, die Wallfahrtsstraße nach Santiago de Compostela. Seit ein paar Jahrzehnten erlebt diese große Reise des christlichen Mittelalters eine Art Renaissance. Zum Fest des heiligen Jakobus am 25. Juli ziehen Jahr für Jahr etwa 75.000 Menschen "per pedes Apostolorum" in die Nordwestecke Spaniens. In „heiligen Jahren“ – immer dann, wenn, wie in diesem Jahr, der Festtag auf einen Sonntag fällt – sind es mindestens einhunderttausend mehr. > mehr





Eine Braut in Tränen und ein reicher Herzog
Die Landshuter Hochzeit und ihr historisches Vorbild

Ob die Braut in Tränen ausbricht? Bei einem historischen Fest, das derart auf Authentizität in allen Details angelegt ist wie die "Landshuter Hochzeit", wäre das eigentlich zu erwarten. Als man Prinzessin Hedwig von Polen aus der Kirche hinausführte, "da hing sie das Angesicht nieder, und sie weinte sehr...". Aber genau diese Szene ist in dem historischen Spiel, das am 27. Juni dieses Jahres wieder seinen Lauf nimmt, ausgeklammert. Eine Hochzeit ohne Trauungszeremonie – ansonsten soll möglichst alles so sein wie 1475. 2.400 Landshuter spielen in historisch gestalteten Kostümen mit, eine halbe Million Touristen werden erwartet. > mehr





O'zapft is!
Seit 200 Jahren wird auf der Münchner Wiesn das Oktoberfest gefeiert

Es ist ein Fest der Superlative. Jahr für Jahr kommen etwa 6 Millionen Besucher, verzehren fast 500.000 Brathendl und über 100 Ochsen und trinken rund 6,5 Millionen Liter Bier. Vor und hinter den Tresen arbeiten etwa 12.000 Menschen, darunter 1.600 Kellnerinnen. Jeweils am zweiten Sonntag findet zu diesem vielleicht größten Volksfest der Welt auch das größte Blasmusikkonzert statt, mit 300 Musikern. Und wenn die zwei bis drei Wochen vorbei sind, haben die Gäste nicht nur für 800 Millionen € Umsatz gemacht, sondern auch 1.000 Tonnen Müll hinterlassen. Ein Rückblick auf eine zweihundertjährige Festtradition. > mehr




Ein Lächeln zum Dank
Aus der Anthropologie und Kulturgeschichte des Schenkens

„Nikolaus, komm in unser Haus, pack die großen Taschen aus“, „Morgen kommt der Weihnachtsmann, kommt mit seinen Gaben ...“ Menschen beschenken einander, auch zu Anlässen, die vom christlichen Festkalender losgelöst sind, also vor allem Geburtstagen. Wie mag das Jesuskind reagiert haben, als die Weisen ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe schenkten? Das Evangelium schweigt sich aus; aber die vielen Nacherzähler und Maler der Szene haben niemals einen Zweifel gelassen: Es lächelte – das ist der Lohn, den alle Schenkenden bis heute erhoffen, gerade dann, wenn nichts materiell Gleichwertiges als Gegengabe zu erwarten steht. Aber ob diese Freude wirklich alles ist? > mehr