Mohammed mochte keine gebratene Eidechse
Aus der Kulturgeschichte des Geschmacks

Wissen Sie, was sich hinter der kantonesischen Spezialität "Long hu dou", übersetzt "der Kampf des Drachens mit dem Tiger", verbirgt? Die chinesische Regierung bewirtete 1954 den sowjetischen Parteichef Chruschtschow mit dieser Köstlichkeit. Angeblich hat das Gericht mit dazu beigetragen, bei den Russen Misstrauen gegen den Partner zu wecken .... Andere Länder, andere Sitten, gerade in der Küche. Ein Team von Kulturhistorikern aus Europa und Nordamerika hat sich zu einer "Kulturgeschichte des Geschmacks" zusammengetan. > mehr


Hausgemeinschaft, Gulaschkanone und Co.
Das gemeinsame Mahl in Familie und Arbeitswelt

„Man redet nicht beim Essen“, lautet ein Spruch aus der guten Kinderstube. Aufgeweckten Kindern freilich wird früh auffallen, dass das so generell nicht stimmen kann. Irgendwie wäre es ja auch befremdlich, wenn die Teilnehmer bei einer gemeinsamen Mahlzeit einander anschweigen würden. Nein, beim Essen wird sehr wohl geredet, bloß beim Kauen nicht, nicht mit vollem Mund. Nur – der Umstand, dass Mahlzeiten gemeinsam eingenommen werden, also in der Familie oder im Betrieb, abstrakt gesprochen: in einer Kommunikationsgemeinschaft, ist keineswegs selbstverständlich. Heute erst recht nicht: Etwa 50 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland, zitiert der Gastronomie-Schriftsteller Thomas Wiebke in seinem neuen Buch „Der Mensch isst nicht gern alleine“ eine Umfrage, nehmen das Frühstück auf dem Weg zur Arbeit ein, sie versorgen sich in Bäckereien oder Stehcafés oder Imbissständen und verzehren ihre Brötchen dann ohne Gesellschaft oder im Kreis von Unbekannten, mit denen es in der Regel nicht zum Gespräch kommt. > mehr




Atmosphäre des gegenseitigen Wohlverhaltens
Der Gastronomiekritiker Erwin Seitz über die Kunst der Gastlichkeit


„Der Bankettsaal ist schmucklos, nahezu ganz in Weiß gehalten […] Lediglich an den Schmalseiten sieht man je ein abstraktes Gemälde: auf der einen Seite ein gedämpftes, changierendes Gelb, auf der anderen ein gedämpftes, changierendes Lila. Der Saal vermittelt eine gewisse Strenge, fast etwas Bußpredigerhaftes, einen Mangel an Farben, Formen und edlen Materialien […] Kein Wunder, dass hier die Tafel in der Regel zügig aufgehoben wird.“ Der Leser von Erwin Seitz' neuem Buch ahnt: Die Inneneinrichtung von Schloss Bellevue, dem Amtssitz des Bundespräsidenten, findet nicht den Beifall des Autors. In Ergänzung seines umfangreichen Bandes über die „Verfeinerung der Deutschen“ vor einem Jahr hat der Journalist und Gastronomiekritiker jetzt ein Buch zum Thema „Gastlichkeit“ in Deutschland herausgebracht. > mehr



"Gerste, Hopfen und Wasser"
500 Jahre beyerisches "Reinheitsgebot"


Wenn die bayerischen Herzöge Wilhelm IV. und Ludwig X. geahnt hätten, welche Diskussionen es ein halbes Jahrtausend später um ihre „Landesordnung“ geben würde, die sie gemeinsam am 23. April 1516 erließen ... Dabei reiht sich das sogenannte „Reinheitsgebot“ in eine lange Reihe mittelalterlicher Erlasse zum Brauwesen ein. Der vielleicht erste Text, der dem späteren Reinheitsgebot nahe kommt, stammt aus Nürnberg aus dem Jahr 1303. Dort wurde nur Gerste zugelassen. 1348 verordnete die Stadt Weimar, es dürften ausschließlich Malz und Hopfen verwendet werden. 1447 schrieb der Münchner Stadtrat vor, nur noch Gerste, Malz und Wasser zu nehmen. Eine andere Zusammensetzung verfügte 1493 Georg der Reiche für sein Herzogtum Bayern-Landshut: Malz, Hopfen und Wasser. > mehr



Die Prinzessin mochte kein Warmbier
Wie der Tee zum englischen Nationalgetränk wurde

König Karl II. von England war irritiert, als die portugiesische Prinzessin, seine zukünftige Braut, ihm entgegentrat: Sie bat um eine Tasse Tee ... Wollte sie womöglich demonstrieren, dass das aufstrebende London im Vergleich mit der alten Weltstadt Lissabon doch nur tiefste Provinz sei? Der König gab sich in seiner Antwort selbstbewusst: "In England trinken wir keinen Tee, würde vielleicht ein Bier reichen?" Warmbier – das war damals das englische Nationalgetränk. Katharina von Braganza, die am 31. Mai 1662, vor 350 Jahren, den englischen König heiratete, bekehrte in dem Vierteljahrhundert, das sie bis zum Sturz ihres Schwagers Jakob II. 1688 in England verbrachte, die englische High Society zu dem exotischen Getränk. Es dauerte gerade mal zwei oder drei Generationen, bis der Teekonsum auch in der breiten Bevölkerung üblich war. > mehr
 
 



Bier gegen Typhus, Schokolade für die Potenz
Eine kleine Kulturgeschichte des Trinkens und Betrinkens

Wenn die Quellen nicht übertreiben, dann hat im 15. oder 16. Jahrhundert jeder Mann (und jede Frau) in Mitteleuropa täglich anderthalb Liter Wein konsumiert; oder auch die entsprechende Menge Bier. "Waren díe Leute dauernd beschwipst?" fragt ein Schweizer Historiker. Wir haben in seiner Kulturgeschichte der berauschenden und nicht-berauschenden Getränke, vom Wasser bis zum Branntwein, geblättert - äh, genippt. > mehr





Das angenehme, schöne und menschliche Leben
Eine "andere" Kulturgeschichte der Deutschen

„Dresden war der Stachel im Fleisch der Miesepeter in Berlin.“ Eine neue Variante deutsch-deutscher Aversionen? Nein, der Satz findet sich in einer soeben erschienenen, durchaus ernsthaften Kulturgeschichte. Der Journalist und Gastronomiekritiker Erwin Seitz hat sie vorgelegt, sie ist sozusagen vom "Dresdner" Gesichtspunkt aus geschrieben. Es geht um die „Verfeinerung der Deutschen“, in der Hauptsache – der Autor hat sich gar nicht erst bemüht, seine Interessen zu verbergen – um Essen und Trinken. Der zitierte Satz bezieht sich auf das frühe 18. Jahrhundert, als das „angenehme, schöne und menschliche Leben“ viel eher in Sachsen unter Kurfürst August dem Starken zu Hause war als in Berlin oder Potsdam unter dem Soldatenkönig. > mehr





Haferbrei statt Eichhörnchen in Kräutersauce
Ein Blick auf die Ernährung im Mittelalter

Verleger von Mittelalter-Kochbüchern und Veranstalter von Mittelalterfesten werden es nicht gern hören: Die mittelalterliche Küche war "arm an Vitaminen, arm an Frischfleisch, arm auch an Variationsmöglichkeiten". Ein Alltagshistoriker aus Göttingen hat die Ernährung im Mittelalter unter die Lupe genommen. Das typische Gericht für die breiten Massen der Bevölkerung: ungezuckerter Haferbrei. > mehr