Dossier
Vorurteile

 

Gottlosigkeit und Menschenhass
Spurensuche nach dem Antisemitismus in der Antike

Manchmal wirkt die Geschichte der alten Kulturen doch sehr gegenwärtig. Als der syrische König Antiochos VII. Sidetes im Jahr 134 vor Christus, berichtet der Historiker Diodorus Siculus, Jerusalem belagerte, legten ihm seine Ratgeber nahe, nicht nur „die Stadt im Sturm zu nehmen“, sondern auch „das Geschlecht der Juden ganz zu vernichten“. Begründung: „Allein die Juden unter allen Völkern schlössen sich aus vom Umgang mit jedem anderen Volk und sähen sie alle als ihre Feinde an.“ Antisemitismus in der Antike ... Ein Judaist an der Universität Princeton hat die griechischen und römischen Quellen einer ausführlichen Analyse unterzogen, einer Anregung von Theodor Mommsen folgend: Dr Judenhass und die Judenhetzen seien so alt wie die Diaspora selbst. > mehr




Zwei undankbare Töchter
Christen, Juden und Heiden in der Philosophie der Neuzeit

"Dass nichts, was die Nazis den Juden angetan haben, ihnen nicht auch von der katholischen Kirche angetan wurde", hat Max Horkheimer einmal behauptet. Das wäre, wörtlich verstanden, zweifellos eine Verharmlosung des Holocaust; aber ganz falsch ist es nicht: Dem modernen, rassistischen Antisemitismus gingen zweitausend Jahre eines religiös motivierten Antijudaismus voraus. Der Philosoph Horst Althaus hat eine umfassende Studie über die Rezeption dieses Dreierschemas Christen - Juden - Heiden in der Philosophie der Neuzeit vorgelegt. > mehr





"Sein Blut komme über uns und unsere Kinder"
Die Entstehung des Antijudaismus im frühen Christentum

Eine bloß religiös motivierte Beschneidung, also eine Beschneidung ohne medizinische Indikation, sei wie jede andere Körperverletzung strafbar, entschied Ende Juni das Landgericht Köln – und schon war die Frage auf dem Tisch: Ist das Antisemitismus? Und zwar in Deutschland, sieben Jahrzehnte nach dem Holocaust? Dass die Frage heute überhaupt diskutiert werden kann, liegt an historischen Entwicklungen, die keineswegs zwangsläufig waren. Jesus von Nazareth wurde wie alle anderen Juden im Alter von acht Tagen beschnitten, so sieht es das mosaische Gesetz vor. Aber als seine Jünger sich daran machten, das Evangelium von seiner Auferstehung auch unter den "Heiden" zu predigen, verzichteten sie sehr bald darauf, ihnen das jüdische Ritual der Beschneidung als Pflicht aufzuerlegen. > mehr
 
 



Die beiden Völker der Sittlichkeit
Zu anderthalb Jahrhunderten deutsch-jüdischer Symbiose

Das 19. und frühe 20. Jahrhundert war voll von Spekulationen über eine "schicksalhafte" Ähnlichkeit von Deutschen und Juden und ebenso voll von Ansätzen, das Nebeneinander von "Deutschen" und "Juden", wenn man so simplifizierend sagen darf, in ein Miteinander zu verwandeln. Ein Potsdamer Religionswissenschaftler hat die Bildungsidee analysiert, in der sich damals Teile des deutschen Bürgertums mit gebildeten Juden treffen konnten. > mehr




Projektionsfläche für Hass, Wut und Eifersucht
Zur Kontinuität des Antisemitismus vor und nach Auschwitz

Antisemitismus heute – was ist das? Eine allgemein akzeptierte Theorie über den Antisemitismus gibt es heute weniger denn je, selbst wenn man von früher unbekannten Phänomenen wie dem islamischen oder islamistischen Antisemitismus absieht. Ein Politikwissenschaftler an der Universität Gießen, hat jetzt einen Bericht über ein Jahrhundert Antisemitismustheorie vorgelegt, einen Durchgang durch ein Dutzend politikwissenschaftlicher, soziologischer und psychologischer Positionen. Keine bloß historische Aufarbeitung: In Interviews mit mehr oder weniger zufällig ausgewählten Probanden, sozusagen Lieschen Müller und Otto Normalverbraucher, soll die Tragfähigkeit dieser Theorien für den Antisemitismus heute empirisch überprüft werden. > mehr




"Trinkt unser Blut, weil wir die Schuld tragen"
Literarischer Antisemitismus vor und nach Auschwitz

1985 besetzten Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Frankfurt die Bühne des Schauspiels, um eine Aufführung von Fassbinders "Der Müll, die Stadt und der Tod" zu verhindern. Wegen der Figur eines jüdischen Immobilienspekulanten wurde Fassbinder Antisemitismus unterstellt. Ein nicht-jüdischer Konkurrent im Stück über den "reichen Juden": "Er saugt uns aus, der Jud. Trinkt unser Blut, weil er Jud ist und wir die Schuld tragen." Eine Tagung an der Universität Bielefeld hat sich des Themas "Literarischer Antisemitismus nach Auschwitz" angenommen. > mehr



"Den Juden zu töten, erfreut Allah"
Deutsch-arabische Annäherungen im Zweiten Weltkrieg

Bedauerlich, dass die meisten von uns kein Arabisch lesen können. So entgeht uns vermutlich so mancher argumentative Exzess in den antiisraelischen, antizionistischen - darf man sagen: antisemitischen? - Polemiken, die heutzutage in der arabischen Welt verbreitet werden. Solche Argumentationen sind viel älter als der Staat Israel. Zwei Stutgarter Historiker haben sich mit den Bündnisbemühungen des Dritten Reiches im arabischen Raum befasst - und mit dem fruchtbaren Boden, den die NS-Propaganda dort fand. > mehr