Dossier
Der Blick auf die Natur

 

Getreue Bilder unseres Lebens und Sterbens
Ein Blick auf die mittelalterliche Tier- und Naturkunde

„Im Buch der Natur lesen“: eine alte Redensart, bei der wir uns nicht sonderlich viel denken. Mit unserer naturwissenschaftlichen Vorbildung käme es uns gar nicht in den Sinn, Naturphänomene ernsthaft mit den Lettern in einem Buch vergleichen zu wollen. Im Mittelalter war das noch ganz anders. „Die gesamte Schöpfung der Welt“, schrieb um 1200 ein Zisterziensermönch, „ist für uns gleichsam ein Buch und ein Bild und ein Spiegel, ist ein getreues Zeichen unseres Lebens, unseres Todes, unseres Zustands und unseres Schicksals.“ Die Mediävisten der Universität Mainz haben einen Ausschnitt aus der mittelalterlichen Naturkunde, die Lehre von den Tieren, aufgearbeitet. > mehr



Hunde beim Spaziergang, Rinder in der Fleischfabrik
Das Mensch-Tier-Verhältnis im Wandel der Geschichte


Im 17. Jahrhundert häuften sich solche Verfügungen. In Zukunft, ordnete 1635 die Augsburger Kirchenbehörde an, dürfe sich „niemand, ohne Unterschied und Ausnahme der Person, mehr unterstehen, irgendwelche Hunde, ob groß oder klein, mit in die Kirche zu bringen“. Für die Bewohner der Städte damals muss das eine große Umstellung gewesen sein. Glaubt man den behördlichen Dokumenten, war die Frühe Neuzeit ein einziger langer Kampf gegen tierische Störenfriede, die im Kirchenraum nichts zu suchen hätten. Ein Wandel der Frömmigkeitsformen, aber eben auch ein Wandel in unserer Art, mit Tieren zusammenzuleben. > mehr



Militärischer Erfolg, sportliches Vergnügen, glanvzolle Erscheinung
Eine Geschichte der Reitlehren seit der Antike

Wie eigentlich mag der Mensch darauf gekommen sein, das Pferd als Reittier zu nutzen? „Das Reiten ist keine selbstverständliche Aktion des Menschen“, stellt der Heinz Meyer, emeritierter Soziologe an den Universitäten Aachen und Wuppertal, in seiner jetzt erschienenen Studie zur „klassischen Reitkunst“ fest. Erst recht, darf man hinzufügen, ist es keine selbstverständliche oder „natürliche“ Aktion des Pferdes, einen Reiter auf dem Rücken zu tragen. Dass das Pferd domestiziert wurde, wird heute auf die Zeit um 4.000 vor Christus datiert. Zunächst diente das Pferd wahrscheinlich einem Zweck, der heute, wo zumindest in Mitteleuropa das Pferd vor allem dem Reitsport dient, viele Menschen empört: als Fleischtier. Und, ähnlich dem Rind, als Zugtier vor dem Pflug. Etwa um 1.600 vor Christus wurden Pferde auch vor Streitwagen gespannt.  Systematisch entwickelt wurde die Kunst des Reitens erst um das Jahr 1.000 vor Christus, zuerst durch lanzen- und bogentragende Krieger aus der eurasischen Steppe. > mehr




Liebesvogel und Friedenssymbol, Pfingsten und Schlaraffenland
Streifzug durch die Kultur- und Symbolgeschichte der Taube

Friedlich wie die Tauben? Das muss nicht so sein, versichern uns die Verhaltensforscher. Gerade Tauben seien untereinander oft sehr angriffslustig, im Unterschied übrigens zu den als aggressiv verschrienen Falken. Durch biologische Fakten zwingend vorgegeben ist das Friedenssymbol der Taube, wie es uns heute so selbstverständlich erscheint, eben keineswegs. Völlig willkürlich aber wohl auch nicht. Vom Standpunkt des Beobachters her können Tauben sehr wohl als besonders "friedlich“ erscheinen: Sie ernähren sich in der Hauptsache vegetarisch, sind keine "Raubvögel“; ihr Schnabel ist nicht vom Blut anderer Tiere befleckt. Ein Blick auf die Kultur- und Symbolgeschichte der Taube. > mehr
 
 


Fliegende Katzen und Küsse unter den Schwanz
Aus der Kulturgeschichte der Samtpfoten

"Die Katze im christlichen Abendland begegnet einer starken Feindseligkeit, die sich gegen alles richtet, was sie verkörpert: Sexualität, Sinnlichkeit, Weib, Heidentum, Mond, Nachfinsternis, Diana, List und Grausamkeit, Dämonen - kurz, fast das gesamte Instrumentarium der Hexerei". So oder ähnlich liest man es in vielen populären Darstellungen. Theologen und Kulturhistoriker sind der Frage nachgegangen, wie die Katze seit dem alten Ägpyten wirklich gesehen wurde. > mehr




Du gutes Schwein, du sollst nun ewig bei mir sein!
Das Deutsche Schweinemusem gibt Einblick in die Kulturgeschichte des Borstenviehs

Vom "Schweineglück" bis zum "geilen Keiler": Redensarten, Werbungstexte und Comics sind voll von den symbolträchtigen Borstentieren. Anlässlich einer Ausstellung im Deutschen Schweinemuseum blicken wir in die Kulturgeschichte und blenden auch dunkle Seiten nicht aus. > mehr




Der Speck schmeckt zuckersüß
Eine Kulturgeschichte der MausefalleD

as Wort „Maus“, vermuten die Sprachwissenschaftler, kommt von einem indogermanischen Verbum her, das soviel bedeutete wie „stehlen“. Eine sachlich sehr einleuchtende Etymologie: Über Jahrtausende hinweg galten die Mäuse als die Diebe schlechthin. Weder Eisen noch Gold sei vor ihnen sicher, klagten antike Schriftsteller. Schlafenden Mastschweinen würden sie Stücke Speck aus dem Wanst fressen, behauptete ein Autor des 19. Jahrhunderts. Und als ob die Konkurrenz zwischen Menschen und Mäusen um Speisevorräte aller Art nicht ärgerlich genug wäre: Die Mäuse „verunreinigen sie auch und teilen ihnen einen sehr widerlichen Geruch mit“. Der Rundfunkjournalist Wolfhard Klein hat jetzt eine Kulturgeschichte der Mausefalle vorgelegt. > mehr




"Man kann ihm Stücke vom Körper schneiden, er lebt dennoch fort"
Eine Kulturgeschichte des Frosches

Physiologie, das sei die Lehre vom toten Frosch, witzelten früher die Medizinstudenten. Und in der Tat, Millionen von Fröschen sind dem Bedürfnis von Biologen und Medizinern zum Opfer gefallen, Hypothesen und Modelle zum Lebensprozess auf ihre Tauglichkeit hin zu überprüfen. Der Frosch ist dem Menschen ähnlich genug, dass eine Übertragung von Erkenntnissen nicht von vornherein ausgeschlossen sein muss; andererseits kommt es uns – anders als bei Affen oder Hunden – nicht so leicht in den Sinn, uns mit ihm mitleidig zu identifizieren. Ein Literaturhistorikers hat jetzt eine Kulturgeschichte dieses vorgelegt, eines Tiers, das mit der Geschichte menschlicher Siedlungen doch eng verknüpft ist. > mehr




"An den Bäumen, Blatt für Blatt, hängt Urlaub ..."
Der deutsche Wald von Tacitus bis zu Heinz Erhardt

"Ich geh im Urwald für mich hin, wie schön, dass ich im Urwald bin", blödelte Heinz Erhardt, und zum Entsetzen vieler Deutschlehrer pflegten Schüler diesen Vers zu rezitieren, wenn eigentlich Johann Wolfgang von Goethe auf dem Stundenplan stand. Ja, der Wald. Oder, mit einem Beiwort, das sich hierzulande früher so verdächtig selbstverständlich eingestellt hat: der "deutsche" Wald ... Die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main hat eine Forschergruppe versammelt, um den Wald als romantischen Topos aufzuarbeiten. > mehr




"Die ungekosteten Quellen will ich suchen ..."
Ein Streifzug durch die Kulturgeschichte des Wassers

Wasser sei der Ursprung von allem gewesen, spekulierte vor 2.600 Jahren der allererste Philosoph. Bereits in der Antike versuchten Gesetze, einer Verunreinigung des Wassers vorzubeugen, Ingenieure bauten große Wasserleitungen, um den Bedarf der Städte zu decken, während die Reichen Wasser verschwendeten. Zum Tag des Wassers, am 22. März, unternehmen wir einen Streifzug durch die Kulturgeschichte des feuchten Elements. > mehr