Dossier
Geschichte des griechischen Altertums

 

Lesen Sie Homer, dann ist alles klar
Der Mythos von Troia - eine Ausstellung in Mannheim

Das Gymnasium Casimirianum in Coburg wollte es genau wissen: "Was sagt dir/Ihnen der Name Homer?", wurden Schüler des Hauses und Bewohner der fränkischen Kleinstadt befragt. Immerhin 70 Prozent der Gymnasiasten und Realschüler antworteten "griechischer Dichter", auch noch 45 Prozent der Bevölkerung. Aber 15 Prozent der Schüler konterten mit "der Alte aus den Simpsons". Eine große Ausstellung in Mannheim will jetzt für die Erzählkunst des alten Griechen sensibilisieren, erlebbar machen, wie wenig fremd Homer uns eigentlich doch ist. > mehr




Steine, Verse únd ein Krieg
Aus der aktuellen Forschung über Troia, Homer und die griechische Frühgeschichte


Ob mal jemand versucht hat, das Hexenhäuschen von Hänsel und Gretel ausfindig zu machen? Eher nicht; der märchenhafte Charakter ist doch allzu offensichtlich. Dagegen will es uns nicht so recht in den Kopf, dass hinter Homers „Ilias" womöglich bloß poetische Phantasie steht. Hat Heinrich Schliemann nicht den handfesten Beleg geliefert, dass Troia wirklich existiert und dass der Trojanische Krieg wirklich stattgefunden hat? Aus Anlass der großen Homer-Ausstellung in Mannheim ein Blick auf den aktuellen Forschungsstand über die "Trojanische" und die "Homerische Frage." > mehr


    
"Eine neue Stufe der Zivilisation"
Die Faszination der alten Griechen - heute


Kein moderner Mensch hätte es im alten Athen aushalten wollen, hat der Schweizer Historiker Jacob Burckhardt einmal bemerkt. Und Burckhardts Freund Friedrich Nietzsche sprach voller Hohn „von der jämmerlichen Schönfärberei der Griechen ins Ideal, die der ‚klassisch gebildete‘ Jüngling als Lohn für seine Gymnasial-Dressur ins Leben davonträgt“. Burckhardt und Nietzsche waren nach Kräften bemüht, das Griechenbild des deutschen „Neuhumanismus“ als Träumerei zu entlarven. „Da ihr noch die schöne Welt regiertet, an der Freude leichtem Gängelband glücklichere Menschenalter führtet“, dichtete Friedrich Schiller über die „Götter Griechenlands“. „Unter allen Völkerschaften haben die Griechen den Traum des Lebens am schönsten geträumt“, schrieb Goethe. Aber es war eben auch der Traum, den - halb und halb wider Willen - Burckhardt und Nietzsche noch träumten. > mehr



Wenn der Traum sich in Stein auflöst
Historiker gehen dem Mythos "Troia" auf den Grund

"Was als Sage und Mythos gegolten hatte, zugeschrieben der Phantasie des Dichters, war bewiesen worden in seiner Existenz!" Ein Satz, der für ganze Lesergenerationen am Anfang ihrer Interessen an Archäologie und alter Geschichte gestanden hat: C. W. Ceram über Heinrich Schliemann, den Ausgräber Troias. Eine Münchner Ringvorlesung ist einem Mythos auf den Grund gegangen, der die Geistesgeschichte Europas mitgeprägt hat. Jüngste Variante: Troia und der Beitritt der Türkei zur Europäischen Union. > mehr





Das erste datierbare Ereignis der Weltgeschichte
Vor 2.600 Jahren fand die Schlacht am Halys statt


Am Nachmittag des 28. Mai 585 v. Chr., vor 2.600 Jahren, versammelten sich am Ufer des Flusses Halys in Anatolien die Truppen der Lyder und der Meder, um die Frage der Vorherrschaft im Nahen Osten in einer Entscheidungsschlacht auszukämpfen. Das Treffen fand ein abruptes Ende, weil der Himmel sich plötzlich verdunkelte. Beide Seiten nahmen die Sonnenfinsternis als Zeichen für den Zorn der Götter und schlossen Frieden. Die beiden Großreiche teilten die Region untereinander auf, mit dem Halys als Grenzfluss. Es handelt sich um das erste Datum der Weltgeschichte, das sich auf den Tag genau festlegen lässt, eben wegen der Sonnenfinsternis. Für die abendländische Wissenschaftsgeschichte wurde die Schlacht aber noch durch einen anderen Umstand bedeutsam: Diese Verfinsterung der Sonne, berichtet Herodot, habe der ionische Gelehrte Thales von Milet vorausgesagt, nicht auf den Tag genau, aber doch für das Jahr. > mehr




Die goldene Insel im Schwarzen Meer
Das Landesmuseum in Bonn zeigt archäologische Funde von der Krim

Besser hätte das Museum des Landschaftsverbands Rheinland in Bonn seine neue Ausstellung mit archäologischen Funden von der Krim gar nicht terminieren können. Gerade vor wenigen Wochen erklärte die UNESCO die Ruinen der griechischen Kolonie Chersonesos in der Nähe von Sewastopol zum Weltkulturerbe. Die Ausgrabungen in Chersonesos reichen bis ins frühe 19. Jahrhundert zurück. Bereits 1783 hatte Zarin Katharina II. die neue Stadt Sewastopol einige Kilometer entfernt angelegt, um die Ruinen von Chersonesos nicht zu überbauen – im Zeitalter des Klassizismus suchte eben auch das Zarenreich seine antiken, mittelmeerischen Ursprünge. Die sowjetische Schwarzmeerflotte war dann weniger rücksichtsvoll; in der antiken Stadt wurden militärische Bauten errichtet. Heute bildet die „goldene Insel im Schwarzen Meer“, wie die Ausstellung belegt, eines der aktuell wichtigsten archäologischen Arbeitsfelder in Europa. > mehr




Projektionsfläche für Wünsche und Vorstellungen
Die wechselnden Bilder der Kleopatra - eine Ausstellung in Bonn

Kleopatra und immer wieder Kleopatra ... Es gibt kaum eine Frauenfigur der Vergangenheit, die bis heute so oft beschworen wird wie die ägyptische Königin aus dem 1. Jahrhundert vor Christus. Seit der Renaissance haben Dutzende großer Künstler ihr Bild gemalt; die Diven aus Kino- und Modewelt ließen sich gern als Kleopatra porträtieren. Höhepunkt war natürlich der Monumentalfilm von Joseph L. Mankiewicz, 1961, mit Elizabeth Taylor in der Hauptrolle. Im Jahr darauf machte Andy Warhol seine „Blue Liz as Cleopatra“ zu einer Ikone der Pop-Kultur. Bis zum 6. Oktober präsentiert die Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn einen Streifzug durch Geschichte und Mythos der Kleopatra. > mehr




Ein Scharmützel machte Weltgeschichte
Vor 2.500 Jahren besiegten die Athener bei Marathon eine Armee des persischen Weltreiches

Was geschah wirklich im September 490 vor Christus an der Ostküste der Halbinsel Attika bei jenem Ort, der unter dem Namen „Marathon“ in die Weltgeschichte eingegangen ist? Der „Marathonlauf“, der seit dem späten 19. Jahrhundert bei den Olympischen Spielen und Jahr für Jahr als Breitensport in den großen Metropolen der Welt absolviert wird, war es nicht; er ist bloß eine Legende – was natürlich kein Hindernis bildet, wenn zum Beispiel in Berlin am 25. September wieder etwa 40.000 Läufer zum 38. Berlin-Marathon antreten. Die Schlacht dagegen, in der erstmals ein griechisches Heer die Weltmacht Persien zurückschlug, die hat tatsächlich stattgefunden; aber ihr Ablauf ist in so gut wie allen Einzelheiten ungeklärt. Und ihre Folgen sind heute, im Zeitalter der Globalisierung, vielleicht umstrittener denn je. > mehr




Multikulti auf der Spitze des Schwertes
Die Verwandlung Asiens durch den Alexanderzug - eine Ausstellung in Mannheim

Einen „von Gier, Ehrgeiz und Grausamkeit Getriebenen, watend im Blute der Völker“, nannte ihn der Philosoph Seneca, und der lateinische Dichter Lucan sprach von einem „geisteskranken Banditen“. Derart scharfe Kritik an Alexander dem Großen ist in den mehr als zweitausenddreihundert Jahren, die inzwischen seit seinem Tod 323 vor Christus vergangen sind, aber die Ausnahme. Auch friedfertige Geister konnten sich der Faszination durch den jugendlichen Helden, der weite Teile der damals bekannten Welt vom Mittelmeer bis zum Indus eroberte, nur selten entziehen. Die Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen zeigen jetzt eine Ausstellung „Alexander der Große und die Öffnung der Welt“. > mehr





Furchtbare Wirklichkeit und schöner Schein
Neue Forschungen über Gewalt im alten Griechenland

Hand aufs Herz: Viele von uns ergötzen sich mehr an einem Krimi als an einer Schnulze, konsumieren lieber ein bisschen Horror als zuviel Sentiment. Warum das so ist, versuchte schon Friedrich Schiller in seinem Aufsatz über den "Grund des Vergnügens an tragischen Gegenständen" zu klären. Ein Sonderforschungsbereich in Berlin hat die Frage nach der Gewalt und ihrer Darstellung in der griechischen Klassik neu aufgenommen. > mehr





Supermann mit weiblicher Brust
Geschlechtergrenzen in der Antike

"Geschlechterdefinitionen und Geschlechtergrenzen in der Antike": Die Altertumswissenschaftler der Berliner Humboldt-Universität sind einem Problemkomplex zu Leibe gerückt, der trotz einiger Generationen humanistischer Bildung (oder vielleicht gerade deswegen) geheimnisumwittert und verwirrend geblieben ist. Zum Beispiel Priapus, der Gott der männlichen Potenz: Viele Statuetten zeigen ihn trotz seines riesigen Phallus in weiblicher Kleidung. > mehr
 
 
 


Wie eine Rose anzuschauen
Die Hetären im griechischen und römischen Altertum

Kann man sich so etwas vorstellen? Die Statue einer Frau, die ihr Geld mit der Liebe verdient hat, vor dem Buckingham Palace in London, gleich neben Queen Victoria? Oder auf dem Vorplatz von Notre-Dame in Paris? Soweit ist die sexuelle Revolution bislang noch nicht gegangen. Im alten Griechenland war so etwas problemlos möglich. Ein Althistoriker an der Universität Konstanz hat das Hetärenwesen der griechischen und römischen Welt unter die Lupe genommen. > mehr




Über die Antike nach Europa
Goldschmuck aus Georgien im Berliner Alten Museum

Kolchis, die Heimat der sagenhaften Zauberin Medea, wie wir uns aus der griechischen Mythologie erinnern. Dass Kolchis - heute als Georgien bekannt - im 5. und 4. Jahrhundert vor Christus eine Goldschmiedekunst besaß, mit der sich die gleichzeitige griechische Klassik kaum messen konnte, haben wir im Geschichtsunterricht jedoch nicht gelernt. In Berlin ist jetzt eine Auswahl prachtvoller Stücke aus neueren Grabungen zu sehen. > mehr