Holznot, Hagelschlag und Hexen
Aspekte einer Umweltgeschichte der Frühen Neuzeit

Die Grönlandwikinger ... Mehr als ein halbes Jahrtausend lang hatte ihre Kultur Bestand; aber Mitte des 16. Jahrhunderts verschwand sie sang- und klanglos aus der Geschichte. Warum machte sich die harte Umwelt erst nach einem halben Jahrtausend bemerkbar? Weil es im späten Mittelalter in der Arktis drastisch kälter wurde, antworten heute viele Forscher; in den Jahrhunderten zuvor waren die Umweltbedingungen auf Grönland so hart nämlich gar nicht gewesen. Das Klima hat sich in historischer Zeit geändert – darauf haben wohl erst die ökologischen Probleme der Gegenwart den Blick gelenkt. Ein Wirtschafts- und Sozialhistoriker an der Universität Salzburg, hat jetzt eine „Umweltgeschichte der Frühen Neuzeit“ vorgelegt, bezogen auf Deutschland oder Mitteleuropa. > mehr



Falschmünzer, Freidenker, Verschwörer
Ein Blick auf den gesellschaftlichen Untergrund der Frühen Neuzeit

Mit welchem Ereignis begann eigentlich die europäische Neuzeit? Mit der Entdeckung Amerikas durch Christoph Columbus 1492, meinen viele. Oder mit der Reformation Martin Luthers 1517. Oder mit jener technischen Neuerung, die Luthers raschen Erfolg erst möglich machte, der Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg um 1450. Es käme aber auch eine ganz andere, weniger erfreuliche Technik in Frage: das Schießpulver. Die erste Anwendung in großem Maßstab erfolgte 1495 in Neapel. Unter dem von französischen Truppen besetzten Castel Nuovo ließen die spanischen Belagerer eine Mine explodieren und zwangen die Franzosen dadurch zum Abzug. Diese militärische Aktion aus dem Untergrund machte, wie der Historiker Andrew McKenzie-McHarg in dem neu erschienenen Sammelband über „Räume des Untergrunds in der Frühen Neuzeit“ darstellt, bei den Zeitgenossen ungeheuren Eindruck. Die Angst, „unterminiert“ zu werden, wurde zu einer Leitvorstellung – vielleicht muss man schon sagen: zu einer Obsession – der folgenden Jahrhunderte. Der für die Stabilität der Gesellschaft bedrohliche Untergrund – zunächst in einem ganz wörtlichen Sinn, dann aber auch als Metapher für alles Verborgene: Seit 2008 arbeitet am Forschungszentrum Gotha ein Graduiertenkolleg „Untergrundforschung“; die Ergebnisse mehrerer Tagungen, die sich mit der Frühen Neuzeit beschäftigten, sind nun als Sammelband erschienen. > mehr 
 




Weitung der Weltsicht, Beharren auf den eigenen Traditionen
Die Frühe Neuzeit in m christlichen Abendland und in den islamischen Kulturen


„Kulturgeschichte der frühen Neuzeit“ haben die drei Autoren ihr Buch überschrieben. Das klingt nicht weiter aufregend; Bücher zu diesem Themenkomplex sind in den letzten Jahrzehnten, seit „Kulturgeschichte“ zu einem Erfolgsparadigma der historischen Wissenschaften wurde, zu Dutzenden erschienen. Aber beim Blick ins Inhaltsverzeichnis merkt der Leser dann doch auf: „Kapitel 13, Islamische Kulturgeschichte“. Der Islam des 16. bis 18. Jahrhunderts als Teil der „Frühen Neuzeit“? Ansonsten wird diese Epochenbezeichnung, bei der wir an Humanismus, Renaissance und Reformation, die Glaubenskämpfe zwischen Katholiken und Protestanten, Aufklärung und Revolution denken, doch bloß auf das westliche Europa bezogen. Und der Grazer Religionswissenschaftler Karl Prenner, der dieses Kapitel beigesteuert hat, meint nicht nur das Osmanische Reiches, das zweifellos durch viele – mal mehr kriegerische, mal auch friedliche – Kontakte mit dem „Westen“ verbunden war, sondern auch Persien und das indische Mogulreich. > mehr




Ein Nashorn(präparat) für den Papst
Vor 500 Jahren kam erstmals seit der Antike ein Rhinozeros nach Europa


Den Bewohnern von Lissabon muss es als ein wahres Fabelwesen erschienen sein, was da am 20. Mai 1515 in ihrem Hafen ankam. Der eine oder andere mag von Verwandten oder Freunden, die zur See fuhren, gehört haben, dass es im fernen Indien tatsächlich solche Tiere gab; in Europa jedoch waren sie seit dem Ausgang der Antike nicht mehr gesichtet worden. Und nun war aus Indien ein Panzernashorn gekommen. Alfonso de Albuquerque, der Befehlshaber der Portugiesen in Indien, hatte es von Sultan Muzafar II., dem Herrscher von Cambay im heutigen Gujarat, als Geschenk für König Manuel I. erhalten. Nach 120 Tagen Seereise wurde das Tier ganz in der Nähe des Turmes von Belém, der sich damals im Bau befand, an Land gebracht. > mehr



Die Faszination der geheimen Mysterien
Geheime Gesellschaften in Deutschland seit der Aufklärung


"O ew'ge Nacht, wann wirst du schwinden?", fragt Tamino in Mozarts "Zauberflöte". Der Prinz hat jede Orientierung verloren. Seine Gewissheit zu Anfang der Oper, dass die Königin der Nacht die "gute" Person im Stück ist und Sarastro "ein Unmensch, ein Tyrann", wurde gründlich zerstört; aber es ist noch nichts Neues an diese Stelle getreten. Der Theaterbesucher kann Taminos Ratlosigkeit auch zwei Stunden später, wenn das Oper bereits zu Ende ist, nachvollziehen. Er weiß inzwischen, dass es nicht die Königin, sondern vielmehr Sarastro ist, der das gute Prinzip vertritt, wird mit dieser Erkenntnis aber nicht so ganz glücklich. Der Priesterbund, dem Sarastro vorsteht, ist erstens ziemlich intransparent und wird zweitens reichlich autoritär geführt. Ein "Geheimbund" eben, eine "Geheimgesellschaft". Das 18. Jahrhundert war "nicht nur das Zeitalter der Aufklärung", stellt der Kulturhistoriker Jost Hermand von der University of Wisconsin in Madison in einem jetzt neu erschienenen Sammelband zur Geschichte der Geheimgesellschaften fest, sondern auch die große Zeit "der geheimen Gesellschaften". > mehr




Spiele mit einem Alter ego
Das Zeremeoniell des Inkognito an den Höfen der Frühen Neuzeit

Im Juli 1697 war am brandenburgischen Hof in Berlin ein russischer Offizier mit Namen Petr Michajlow zu Gast. Kurfürst Friedrich III. ließ ihn mit außergewöhnlicher Höflichkeit behandeln. Zeremonienmeister Johann von Besser notierte ins Hofprotokoll, wenn es um Seine Majestät den Zaren persönlich gegangen wäre, hätte alles nicht herrlicher und prächtiger ablaufen können.Der Offizier war tatsächlich Zar Peter, später „der Große“ genannt. Am Berliner Hof wusste jeder Bescheid; aber alle spielten den Unwissenden. Am 27. Juli lüftete der „Altonaer Relations-Courier“ das Geheimnis dann auch für die breite Öffentlichkeit. Als Peter Anfang August in Zaandam ankam und bei einem Schmied Quartier nahm, um sich mit modernen Schiffbautechniken zu befassen, war seine „Inkognito“-Reise längst allbekannt. „Inkognito“ ... Das italienische Wort heißt wörtlich übersetzt „unerkannt“; der Duden gibt aber noch eine weitere, etwas freiere Übersetzung an: „unter fremdem Namen“. An den Fürstenhöfen der frühen Neuzeit war das Inkognito nicht der Versuch, in die Anonymität zu flüchten, sondern ein hochkomplexes, festreguliertes Spiel: Der Träger „nimmt einen anderen Namen an und bekundet so seine Absicht, für eine gewisse Zeit eine andere Person zu sein, eine andere soziale Rolle spielen zu wollen", definiert der Kölner Historikr Volker Barth in seiner jetzt erschienenen Studie über die Geschichte des Zeremoniells. > mehr




Die fünfte Kolonne des Teufels
Ein Wahn und seine Logik - die Hexenverfolgung in der frühen Neuzeit

Im Sommer 1935 rief Heinrich Himmler ein ehrgeiziges Forschungsprojekt ins Leben. Millionen Fälle von Hexenverfolgung in der frühen Neuzeit sollten aufgelistet und untersucht werden; von dem Ergebnis versprach sich der Reichsführer-SS Argumentationshilfe für seinen Kampf gegen die christlichen Kirchen. Aber die Erwartungen wurden enttäuscht. Statt der Millionen fanden die Historiker in der Zeit vom 15. bis zum 18. Jahrhundert in Deutschland und Österreich gerade einmal 33.846 Gerichtsfälle Was viel schlimmer war: Es zeigte sich, dass die eifrigsten Hexenbekämpfer nicht etwa geistliche Inquisitoren gewesen waren, die man als „undeutsch“ hätte verdächtigen können, sondern ganz gewöhnliche Deutsche. 1943 wurden die Arbeiten als nicht kriegswichtig eingestellt. Hexen, Hexenwahn, Hexenverfolgung – die Literatur füllt ganze Bibliotheken; seit dem 19. Jahrhundert haben sich Forschung und Öffentlichkeit mit viel Begierde auf die Prozessakten gestürzt, nicht immer mit streng wissenschaftlichem Interesse. Lässt sich da überhaupt noch etwas Neues schreiben? Man kann, zeigt Malcolm Gaskill, Historiker an der University of East Anglia in Norwich. Gaskill geht es darum, die Logik zu verstehen, die sich im Hexenwahn ausdrückte, sozusagen den „Sinn“, den die Menschen der frühen Neuzeit damit verbanden. > mehr




Krankheitsgeschichten und mysteriöse Todesfälle
Die Medici - Mannheim präsentiert die Menschen hinter Machtspiel und Kunstförderung

Im April 1578 stürzte Johanna von Österreich, die Gemahlin Großherzog Francescos I. de’ Medici, während ihrer achten Schwangerschaft unglücklich. Es kam zu einem Gebärmutterriss; Mutter und Kind starben. Der Witwer wusste genau: Alle Welt würde ihm unterstellen, er habe seine Frau ermordet. Schließlich war er seit langem mit der venezianischen Adligen Bianca Capello liiert, die er dann auch heiratete. Das Glück von Francesco und Bianca währte keine zehn Jahre; in der Nacht vom 19. auf den 20. Oktober 1587 starben sie nur wenige Stunden nacheinander. Seit Jahrhunderten steht Francescos Bruder Ferdinando unter dem Verdacht, er habe die beiden ermorden lassen, um selbst den Thron besteigen zu können. - In unserem Geschichtsbild hat sich der Eindruck festgesetzt, dass im Italien des 16. Jahrhunderts der Mord eine sozusagen „normale“ Todesursache in der politischen Elite gewesen sein muss. Was daran ist Wahrheit, was Legende? In den letzten Jahren wurden 28 Mitglieder der Medici-Familie aus der Grabanlage von San Lorenzo in Florenz exhumiert und forensisch untersucht. Die Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim haben dieses Projekt jetzt zum Anlass für eine große Ausstellung über die Florentiner Bankiersfamilie genommen, die zwei Jahrhunderte lang die Großherzöge der Toskana stellte. > mehr




Der erste "Weltkrieg" der Geschichte
Vor 250 Jahren beendete der Frieden von Hubertusburg den Siebenjährigen Krieg

Was sich in den Jahren 1756 bis 1763 abspielte, war, wenn man so will, der erste „Weltkrieg“ der Geschichte. Die Schauplätze lagen in Mitteleuropa und in Nordamerika, im Mittelmeerraum und in Indien. Und das System der fünf Mächte, das mit dem Friedensschluss 1763 bekräftigt wurde – auf den „Flügeln“ Großbritannien und Russland, dazwischen Frankreich, Österreich und Preußen –, beherrschte mehr als ein Jahrhundert lang Europa und die Welt. Vor 250 Jahren, am 15. Februar 1763, beendeten Österreich und Sachsen einerseits, Preußen andererseits im sächsischen Schloss Hubertusburg östlich von Leipzig den „Siebenjährigen Krieg“; bereits am 10. Februar hatten Frankreich und Großbritannien in Paris ihren Frieden geschlossen. > mehr




Zwischen Wirtshaus und Schlachtfeld
Neues über Gewalt in der frühen Neuzeit


Als der Bärenwirt und seine Gattin zur Polizeistunde mit den letzten Gästen abrechneten, weigerte sich Hans Fasnacht, eine halbe Maß Wein zu bezahlen. Als die Wirtin einen der Trinkgesellen am Kragen packte, um ihn ins Freie zu befördern, wurde sie "mit der Faust ins Gesicht geschlagen, so dass sie heftig blutete ... Alltagsgewalt, vorgefallen 1686 in der bernischen Landgemeinde Neuenegg. Berliner Historiker haben einen Sammelband zum Thema "Gewalt in der Frühen Neuzeit" herausgebracht. > mehr




Der schwierige Weg zum Steuerstaat
Aus der Geschichte der Staatsfinanzen in der Frühen Neuzeit

Die Entwicklung der Staatsfinanzen in Europa, haben die Historiker längst festgestellt, vor allem die Ausbildung eines Steuersystems war aufs engste mit den ständigen Kriegen verknüpft. Für das osmanische Reich des 16. und 17. Jahrhunderts kann der ungarische Historiker Pál Fodor sogar eine Zahl vorlegen: Etwa 90 bis 95 Prozent der Staatseinkünfte waren für militärische Zwecke bestimmt, selbst in den Friedenszeiten. Eine solche Relation können wir uns für die europäischen Staaten von heute selbst in unseren Alpträumen kaum vorstellen. Vor drei Jahren veranstalteten österreichische Historiker im Haus-, Hof- und Staatsarchiv in Wien eine Tagung zur Finanzgeschichte der Frühen Neuzeit – ein Thema, das noch wenige Jahre zuvor als reichlich akademisch gegolten hätte. Jetzt sind die Beiträge mit etwas Verspätung als Sammelband erschienen. > mehr




Die Lebenskraft der Erinnerungen
Fragen nach der erstaunlichen Kontinuität des Adels in der frühen Neuzeit

"Wenn es überhaupt möglich ist, einen typischen 'Charakterzug' des Adels in der heutigen Zeit zu nennen, so sind es vielleicht Traditionsbewusstsein und das Bewahren von Werten." Georg Friedrich Ferdinand Prinz von Preußen im Internetportal "Zeitenblicke" zum Thema "Adel heute". Die aktuelle Ausgabe des Portals befasst sich mit dem Überleben dieses "Standes" in der frühen Neuzeit, zwischen der ökonomischen Kraft des Bürgertums einerseits, dem Ausbau der absolutistischen Fürstenmacht andererseits. > mehr




Vom Nutzen humanistischer Ideale
Historiker fragen nach den Funktionen des Neuen im Aufgang der Neuzeit

Die naturwissenschaftlich Gebildeten wüssten "wie viel Haare der Löwe auf dem Scheitel hat und wie viel Federn der Falke im Schwanz, mit wie viel Windungen der Krake den Schiffbrüchigen umklammert und dass sich die Elefanten von hinten begatten". So Petrarca, der erste große Vertreter des Humanismus ... Die Mitarbeiter des Projekts "Forschungen zum Humanismus" haben nach dem "Nutzen" des Neuen damals, im Aufgang der Neuzeit, gefragt. > mehr




Die Neuzeit in den Kleidern des Mittelalters
Eine Münsteraner Historikerin über die öffentlichen Rituale des alten deutschen Reiches

„Der junge König schleppte sich in den ungeheuren Gewandstücken mit den Kleinodien Karls des Großen, wie in einer Verkleidung, einher, so dass er selbst sich des Lächelns nicht enthalten konnte.“ So Goethe in seinen Lebenserinnerungen über die Krönung Kaiser Josephs II. 1764. Des Kaisers alte Kleider - eine Münsteraner Historikerin hat sie als Metapher genommen für die gesamte Formen- oder Symbolsprache dieses alten Reiches, für die Art, wie die geistlichen und weltlichen Fürsten einschließlich des Kaisers mit ihresgleichen, aber auch mit den Vertretern der freien Reichsstädte, kommunzierten. > mehr  





Der parzellierte Pluralismus
"Cuius regio, eius religio" - Der Augsburger Religionsfrieden, ein Frieden ohne Freiheit


"Cuius regio, eius religio" haben die Juristen den Inhalt des Augsburger Religionsfriedens später zusammengefasst, auf Deutsch etwa: „Will ein Herr eine Religion haben, dann sollen die Untertanen folgen.“ Eine Gleichberechtigung der Konfessionen also, aber ohne Freiheit für das Individuum: Mit diesem Grundsatz versuchten katholische und protestantische Reichsstände im September 1555 den Frieden zu sichern. Das Ergebnis war auf lange Sicht der unpolitische und gottesfürchtige deutsche Untertan. > mehr





Remember, remember the 5th of November ...
Vor 400 Jahren scheiterte die "Pulververschwörung"

"Remember, remember the fifth of November, gunpowder, treason and plot ..." Erinnern Sie sich noch an das Lied aus dem Englisch-Unterricht? "I see no reason why gunpowder treason should ever be forgot." Und dann zum Schluss: "Holloa boys, holloa boys, God save the King! Hip hip hoorah!" Vor genau 400 Jahren wollten die Verschwörer um Guy Fawkes das englische Parlament samt König in die Luft sprengen. > mehr




Als Spanien "blutrein" werden wollte
Vor 400 Jahren wurden 300.000 getaufte Muslime von der Iberischen Halbinsel nach Nordafrika deportiert

König Philipp III. von Spanien war irritiert. Dass seine Vorgänger Ferdinand und Isabella das Sultanat Granada, die letzte islamische Bastion auf der iberischen Halbinsel, eingenommen hatten, lag mehr als ein Jahrhundert zurück. Schätzungsweise einhundertfünfzigtausend Juden und dreihunderttausend Muslime hatten seitdem das Land verlassen müssen. Die Zurückgebliebenen ließen die Taufe über sich ergehen. Damit hätte es in Spanien eigentlich keine Nichtchristen mehr geben können. Eigentlich – vor allem in geschlossen muslimischen Siedlungsgebieten wie in Granada und Valencia wurde unter dem Deckmantel des zwangsweise angenommenen Christentums weiterhin der Islam gelebt. Im April des Jahres 1609 beschloss Ferdinands und Isabellas Ururenkel Philipp III., sich des Problems ein für allemal zu entledigen. Am 22. September, vor vierhundert Jahren, kam ein Edikt heraus: Sämtliche "moriscos“, wie man die getauften Muslime nannte, wurden des Landes verwiesen. > mehr




Im Angesicht der Sonne
Ästhetik und Politik am Hof Ludwigs XIV.

„Herr seiner Bewegungen, seiner Blicke, seiner Mienen, undurchdringlich, unergründbar“: So formulierte der Moralphilosoph La Bruyère zur Zeit Ludwigs XIV. sein Ideal von einem Hofmann. In Wirklichkeit waren die adeligen Herrschaften am Hof von Versailles längst nicht derart "gepanzert", hat die Theaterwissenschaftlerin Doris Kolesch von der FU Berlin festgestellt. Der Hof des Sonnenkönigs war vielmehr ein "Theater der Emotionen". > mehr





Herrschaftssicherung durch Amüsement
Die "Société de plaisirs" am Hof des Sonnenkönigs

„Unsere Untertanen“, schrieb Ludwig XIV in seinen Memoiren, die der Unterweisung des Dauphins in der Regierungskunst dienen sollten, „haben es im allgemeinen gern, wenn wir dasselbe lieben wie sie. Dadurch haben wir Macht über ihren Geist und über ihr Herz.“ Der Sonnenkönig dachte vor allem an Ballettaufführungen, bei denen er in jungen Jahren gern selbst auf der Bühne mitgewirkt hatte, umgeben von ausgewählten Adligen. Und es gab eine umfangreiche Publizistik, die – von den Behörden gesteuert – den Glanz des Hoflebens bis in entfernte Gegenden des Königreiches trug. Ein Kunsthistoriker an der Universität Heidelberg hat die höfische Festkultur, durch die der Sonnenkönig seine Herrschaft „repräsentierte“, und ihre Aufbereitung für die Öffentlichkeit untersucht. > mehr