Dossier
Geschichte des 19. Jahrhunderts

 

Hinter den Kulissen ein abgehetzter Techniker
Vor 125 Jahren starb Märchenkönig Ludwig II. von Bayern

Was am späten Abend des 13. Juni 1886 am Ufer des Starnberger Sees wirklich geschehen ist, wird sich wohl niemals mehr klären lassen. Gegen 18 Uhr 30 waren König Ludwig II. von Bayern und der Psychiater Professor Bernhard von Gudden zu einem Spaziergang im Park von Schloss Berg aufgebrochen. Als sie um 23 Uhr noch nicht zurück waren, machten sich Guddens Assistenzarzt und der Schlossverwalter gemeinsam mit einem Schiffer auf die Suche. Um 23 Uhr 30 wurden König und Arzt tot im Uferwasser gefunden. Zum 125. Todestag des "Märchenkönigs" ein Blick auf sein Leben und seine Schlösser. > mehr



Das Jahr ohne Sommer und das Jahr des Hungers
Die weltweiten Auswirkungen des Tamboraausbruchs 1815


In Mittelfranken war es im Juni so kalt, dass der Ofen angeschürt werden musste. In Unterfranken regnete es von Ende Mai bis Ende Juni fünf Wochen lang ununterbrochen; nach drei trockenen Tagen regnete es wochenlang weiter. In Regensburg hatte der Juni keinen einzigen Sonnentag. 816 ist als das „Jahr ohne Sommer“ in die Geschichte eingegangen, das folgende Jahr 1817 aufgrund der Missernten als ein „Jahr des Hungers“. Wie es zum „fürchterlichen“ Wetter gekommen war, konnte niemand sagen, obwohl die Katastrophe im fernen Indonesien dem naturwissenschaftlich interessierten Publikum in Europa Anfang 1817 durch eine Zeitungsmeldung bekannt wurde. „Morgenblatt gelesen“, notierte Goethe am 20. Februar 1817 in sein Tagebuch: „Geschichte eines neuentstandenen Vulkans auf Sumbawa.“ > mehr



Inspiration für die Revolutionen des 20. Jahrhunderts
Die Pariser Kommune 1871


In der populären Geschichtsschreibung ist es ein Gemeinplatz, dass das 19. Jahrhundert ein sehr langes Jahrhundert war, das bereits mit der Französischen Revolution 1789 begann und erst mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 endete. Und das 20. Jahrhundert ein sehr kurzes, von 1914 bis zum Ende des Kalten Krieges 1989. Aber natürlich sind auch andere Einteilungen möglich. „Das 20. Jahrhundert begann am 18. März 1871 in Paris“, meinte der Schriftsteller Sebastian Haffner 1985. 18. März 1871: Damals brach in Paris der Aufstand gegen die französische Dritte Republik aus; für gut zwei Monate wurde jene Form politischer Herrschaft installiert, die als „Pariser Kommune“ oder „Commune“ in die Geschichte eingegangen ist. Sie, schrieb Haffner, wurde „die Inspiration fast aller Revolutionen, die das 20. Jahrhundert erschüttert haben“. > mehr



Der Mythos vom Begründer der deutschen Einheit
oder das zweite Leben des Otto von Bismarck

Als vor vier Jahren in einer Fernsehshow nach den "größten Deutschen" gefragt wurde, kam der erste Reichskanzler, Otto von Bismarck, nach Adenauer und Bach auf Platz 3. Man könne "mit Recht behaupten, dass Bismarcks zweites Leben als politischer Mythos, als leidenschaftlich umkämpfte kollektive Erinnerung unwiderruflich vorüber ist", stellt der Oxforder Historiker Robert Gerwarth fest. Es war ein Nachleben, das wesentlich mit dazu beigetragen hat, der Weimarer Republik ihre Lebensmöglichkeit zu nehmen. > mehr





"Grüße erwidernd und ohne verhüllenden Schleier
"Die Könige gaben sich bürgerlich - ein Blick ins Kurleben des 19. Jahrhunderts

"Vollkommen natürlich, ohne jede Steifheit und Pose, aber nie anders als in königlicher Haltung. Mit Damen war er von ritterlicher Galanterie, ohne eine Spur von seniler Courmacherei, aber nach dem Grundsatz, dass ein wohlerzogener Mann auch vor einer Kammerfrau den Hut abzieht." Kaiser Wilhelm I., wenn er sich "bürgerlich" gab. Eine Bielefelder Historikerin hat sich mit dem vornehmen Kurleben des 19. Jahrhunderts befasst. > mehr





Vom Sündenfall zur Schlaftablette
Schlaf und Schlaflosigkeit im "bürgerlichen" Zeitalter

Eine Wohltat der Natur oder eine Strafe Gottes für den Sündenfall unserer Ureltern, pure Zeitverschwendung oder ein Mittel, die Arbeitskraft zu steigern und das menschliche Leben zu verlängern? Der Schlaf lässt sich ganz unterschiedlich sehen und werten und ist im Laufe der Kulturgeschichte auch ganz unterschiedlich gesehen und gewertet worden. Die Medizinhistorikern Sonja Kinzler hat an der International University Bremen jetzt eine Studie über den „Schlafdiskurs im bürgerlichen Zeitalter“ vorgelegt, von der Aufklärung bis zum Ersten Weltkrieg. Oder, wissenschaftshistorisch ausgedrückt, bis zu dem Jenaer Neurologen Hans Berger, der in den 1920er Jahren das Elektroenzephalogramm entwickelte und die Schlafforschung damit auf eine neue Grundlage stellte. > mehr