Dossier
Geschichte des 20. Jahrhunderts

 

Erzieher der Eingeborenen und Kämpfer gegen die gelbe Gefahr
Ein Sammelband zur Kulturgeschichte der Kolonialzeit

"John Prisso wird wegen Aufwiegelung der Stammesgenossen zum Aufruhr gegen die Deutschen zum Tode verurteilt, später jedoch zur Verbannung und Zahlung einer Strafe von 10 Marken begnadigt." Was ist das? Ein Brettspiel für die deutsche Jugend. Zur wilhelminischen Kaiserzeit sollte damit das Interesse für die Kolonien in Afrika geweckt werden. Wir besprechen einen Sammelband zur Kulturgeschichte des deutschen Kolonialismus. > mehr




100 Jahre Mythos Oktoberrevolution
Ein Sturm, der nicht stattfand - und dennoch die Weltgeschichte veraenderte


Auf einen Kanonenschuss des Panzerkreuzers "Aurora" hin stürmten frühmorgens am 7. November 1917 (es war der 25. Oktober des gregorianischen Kalenders) opferbereite Rotgardisten den ehemaligen Zarenpalast in Petrograd, in dem inzwischen die provisorische Regierung Russlands ihren Sitz hatte. Nach verlustreichen Kämpfen konnten sie das "Winterpalais" erobern. So hat sich die "Oktoberrevolution" in das kollektive Gedächtnis von Millionen und Abermillionen Menschen eingeprägt. Den Kanonenschuss gab es tatsächlich. Was allerdings den "Sturm" betrifft … Selbst die Sieger taten sich später schwer damit, das Geschehen heroisch zu verklären. Josef Stalin sprach in einem Buchvorwort etwas vage von der "verhältnismäßigen Leichtigkeit", mit der es der "proletarischen Revolution" in Russland gelungen sei, "die Ketten des Imperialismus zu sprengen und so die Macht der Bourgeoisie zu stürzen". > mehr



"Bahn frei für deutsche Kulturarbeit!"
Die Deutschen und das Altertum - eine Beziehungsgeschichte aus wilhelminischer Zeit

"Frau Buchholz im Orient": Im fünften Band seiner Romanserie, erschienen Ende 1888, lässt Julius Stinde seine Urberlinerin nach Ägypten reisen. Sie ist verärgert: Die Engländer haben sich mit diesem Land "einen fetten Bissen" gesichert, den Deutschen bleibt nur Kamerun. So erkundigt sich "die Buchholzen", ob sie von den Pyramiden bis Kamerun sehen könne ... Wir berichten über den kolonialistische Blick der deutschen Öffentlichkeit um 1900 auf Altertum und Archäologie. > mehr



"Kling, Klang, Gloria, wir ziehen in die Schlacht"
Die politische Kultur der Jahrhundertwende und des Ersten Weltkriegs

Der Import von Wein, Rosinen, Nüssen, Wolle und Erz, der Export von Garn, Schinken und Telegraphendraht: Gustav Adolph von Klödens „Handbuch der Länder- und Staatenkunde“ von 1875 informierte seine Leser ausführlich über die britische Kronkolonie Gibraltar. Nur ein Punkt wurde mit keinem Wort erwähnt: dass der kleine Felsen im Süden der Iberischen Halbinsel es der britischen Flotte ermöglichte, den Eingang zum Mittelmeer zu kontrollieren. Ganz anders Friedrich Ratzel 1897 in seiner Monographie „Politische Geographie“. Ratzel beschrieb Gibraltar als „Schlüssel des Mittelmeers“, als einen jener „festen Plätze“, neben Malta, Cypern, Suez, Singapur oder Hongkong, die Großbritannien die Seeherrschaft sicherten - „der geradezu optimale Stützpunkt einer Seemacht. Ein Perspektivenwechsel - die Herausgeber des „Kulturwissenschaftlichen Handbuchs Erster Weltkrieg“ sprechen in ihrer Einleitung von einem „kulturellen Ermöglichungszusammenhang des Weltkriegs“, von der „kommunikativen, symbolisch-kulturellen Rahmung, Formierung, Reflexion und Resonanz“ der Entwicklungen. > mehr

 


Kein Reich der frommen Sitte
Die Erschütterung des wilhelminischen Kaiserreichs durch den Eulenburg-Skandal

„Das Volk der Richter und Henker“: Dieses böse Wort des Wiener Publizisten Karl Kraus über die Deutschen wird heutzutage gern im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus zitiert. Aber es ist viel älter, Kraus prägte es 1908, und es ging nicht um staatlich angeordneten Massenmord, sondern um den Berliner Publizisten und Journalisten Maximilian Harden, der in den Jahren von 1906 bis 1909 mit Enthüllungen aus dem Sexualleben einen Feldzug gegen hochgestellte Repräsentanten des wilhelminischen Kaiserreichs führte. Ein Stuttgarter Historiker hat am Beispiel dieses Skandals eine „politische Kulturgeschichte des Kaiserreichs“ vorgelegt. > mehr



"Gegen Verrömerung und Judäisierung"
Die "Völkischen" im wilhelminischen Kaiserreich und in der Weimarer Republik

"Negertänze, Jazzbandlärm, Apachenmaskenbälle, sogar am Totensonntag vorgeführte Entkleidungsrevuen, Rauschgifte, kurz sinnenverwirrendes, erschlaffendes Amüsement und Sensationen aller Art" -Beispiele für "undeutsche" Kulturlemente, genannt in einem Pamphlet aus dem Jahr 1927. Andere "völkische" Pamphletisten polemisierten gegen das römische Recht und den angeblich jüdischen "Materialismus und Mammonismus". Ein Hamburger Soziologe hat das völkische Spektrum in Deutschland von den 1870er Jahren bis in die 1930er unter die Lupe genommen. > mehr



Der Mythos vom Begründer der deutschen Einheit
oder das zweite Leben des Otto von Bismarck

Als vor vier Jahren in einer Fernsehshow nach den "größten Deutschen" gefragt wurde, kam der erste Reichskanzler, Otto von Bismarck, nach Adenauer und Bach auf Platz 3. Man könne "mit Recht behaupten, dass Bismarcks zweites Leben als politischer Mythos, als leidenschaftlich umkämpfte kollektive Erinnerung unwiderruflich vorüber ist", stellt der Oxforder Historiker Robert Gerwarth fest. Es war ein Nachleben, das wesentlich mit dazu beigetragen hat, der Weimarer Republik ihre Lebensmöglichkeit zu nehmen. > mehr



"... und nun ist's die!"
Über "Vernunftrepublikanismus" in der Weimarer Republik

"Wir dachten unter kaiserlichem Zwange an eine Republik – und nun ist’s die! ... Ssälawih –!" Auch ein "Vernunftrepublikanismus", wenn man so will, den Tucholsky da in Verse gefasst hat. Das Wort freilich hat ein Monarchist geprägt, der Historiker Friedrich Meinecke: Die Revolution 1918 sei "ein inhaltsschwerer nationaler Schicksalstag, unerwünscht und unerfreulich an sich, aber umwittert vom Hauch geschichtlicher Notwendigkeit". Ein Theodor-Heuss-Kolloquium hat den Begriff auf seine Tragfähigkeit für die zeithistorische Diskussion geprüft. > mehr



"Grüß Gott ist durchgestrichen"
Ausländische Reisende berichten aus Nazi-Deutschland


Zwei Jahre lang hat Goebbels auf einer güldenen Trompete geschmettert, wie schön es nach dem Sieg sein werde. Seit letztem Herbst klingt auf einmal ein ganz anderes Motiv an: Wie wird es den Deutschen wohl ergehen, wenn sie nicht den Sieg erringen?“ Der amerikanische Journalist Howard Smith 1942 in einem Buch über das Dritte Reich. Ein Literaturwissenschaftler der FU Berlin hat 50 Reiseberichte ausländischer Autoren aus dem Deutschland der 30er und 40er Jahre zusammengestellt. > mehr



"Gott sei Dank, dass ich meinen Text schon geschrieben habe"
Ausländer im Deutschland des Zweiten Weltkriegs

"In den deutschen Zeitungen wimmelt es heute von Leitartikeln, in denen verkündet wird, die deutschen Flugzeuge bombardierten nur militärische Ziele, wohingegen die britischen Maschinen bewusst gegen deutsche Zivilisten eingesetzt würden." Ein amerikanischer Korrespondent aus der deutschen Reichshauptstadt 1940. Ein Literaturwissenschaftler der FU Berlin hat eine Anthologie mit Zeugnissen ausländischer Beobachter vom Luftkrieg über Deutschland 1939 bis 1945 zusammengestellt. > mehr