Die Insel der Liebesgöttin
Zypern-Ausstellung im Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim

Zeigt mir eure Vergangenheit, und ich sage euch, wer ihr seid – das ist das Motto, wenn Nationen eingeladen sind, ihre Kunst- und Kulturschätze in den Museen ferner Länder zu präsentieren. Zum fünfzigsten Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung der Republik Zypern ist jetzt im Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim eine große Ausstellung über die "Insel der Aphrodite" zu sehen. Zeugnisse eines geteilten Landes. „Es handelt sich", so der Präsident der Republik im seinem Grußwort zum Katalog, "um ein uraltes kulturelles Erbe, das riesige Schäden erlitten hat und in den Gebieten, die seit 1974 der Militärherrschaft der Türkei unterliegen, weiterhin zerstört wird." > mehr




Ein Mittelmeer en miniature
Zwischen zerfallenen Großreichen und Teutonengrill- eine Kulturgeschichte der Adria


Heute gilt Apulien als eine der Problemregionen Italiens. Vor beinahe 800 Jahren jedoch schickte es sich an, das Zentrum europäischer Politik zu werden. 1222 errichtete Kaiser Friedrich II., zugleich König von Sizilien, in Foggia seine Residenz; von hier aus meinte er wohl, die italienische und deutsche Politik effektiver beeinflussen zu können als vom fernen Palermo aus. Nach dem Ende der Stauferherrschaft geriet Apulien aber sozusagen auf die Rückseite des sizilisch-unteritalienischen Staates, der von Neapel aus regiert wurde. Die Könige und Vizekönige richteten ihren Blick auf das westliche Mittelmeer; im vereinigten Nationalstaat Italien wurde die südliche Adriaküste erst recht „vergessen“. > mehr




Griechen, Araber und viele andere
Eine Ausstellung zur Kulturgeschichte Siziliens in Bonn

"Es sind zum mindesten fünfundzwanzig Jahrhunderte, dass wir auf den Schultern das Gewicht hervorragender, ganz verschiedenartiger Kulturen tragen", sinniert der Fürst von Salina in Lampedusas Roman "Der Leopard". "Alle sind sie von außen gekommen, keine ist bei uns von selbst gekeimt, in keiner haben wir den Ton angegeben." Die Kunst- und Ausstellungshalle in Bonn zeigt jetzt eine umfassende Bestandsaufnahme der Kulturgeschichte Siziliens. > mehr

 



"Die Feinheit der florentinischen Luft"
Die Bundeskunsthalle Bonn präsentiert den "genius loci" der Stadt Florenz


Es ist eine der Grundfragen der Kulturgeschichte: Warum hatte die italienische Renaissance - und damit die europäische Neuzeit - gerade in Florenz ihren Ursprung? Als sich Mite des 16. Jahrhunderts der Biograph der italienischen Renaissancemaler, Giorgio Vasari, um eine Antwort bemühte, griff er zu der alten Redefigur des "genius loci", des produktiven Ortsgeistes: Am Ursprung der Renaissance habe "die Feinheit der florentinischen Luft" gestanden, "die fortwährend scharfsinnige und feine Geister hervorbringt". Und wie brachte die "Luft" dieses Werk zustande? "Indem sie ihnen (den Geistern), was die Natur zumeist nicht vermag, durch die gegenseitige Nachahmung und die Vorbilder, welche die guten Meister zu allen Zeiten bieten, den letzten Rest rostiger Ungeschliffenheit und Plumpheit wegnimmt". Drei Jahrhunderte später nahm Jacob Burckhardt in seiner "Kultur der Renaissance in Italien" seine Zuflucht zur selben Metapher und verwies auf die "gesunden Luftverhältnisse" in der Arno-Stadt, wo "man von Jugend auf gewohnt war, den Genius und die Willenskraft siegen zu sehen". Was immer man von solchen Erklärungen halten mag: Das Ergebnis, eben die Florentiner Renaissance, ist unbestreitbar. Heute besuchen Jahr für Jahr rund zehn Millionen Touristen die toskanische Metropole; die UNESCO hat die gesamte Innenstadt zum Weltkulturerbe erklärt. Die Bundeskunsthalle präsentiert jetzt den "genius loci" von Florenz in einer großen Ausstellung: mehr als 300 Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen, Handschriften und Buchdrucke, Kleidungsstücke, Möbel und Medaillen usw. usf. > mehr




Krankheitsgeschichten und mysteriöse Todesfälle
Die Medici - Mannheim präsentiert die Menschen hinter Machtspiel und Kunstförderung

Im April 1578 stürzte Johanna von Österreich, die Gemahlin Großherzog Francescos I. de’ Medici, während ihrer achten Schwangerschaft unglücklich. Es kam zu einem Gebärmutterriss; Mutter und Kind starben. Der Witwer wusste genau: Alle Welt würde ihm unterstellen, er habe seine Frau ermordet. Schließlich war er seit langem mit der venezianischen Adligen Bianca Capello liiert, die er dann auch heiratete. Das Glück von Francesco und Bianca währte keine zehn Jahre; in der Nacht vom 19. auf den 20. Oktober 1587 starben sie nur wenige Stunden nacheinander. Seit Jahrhunderten steht Francescos Bruder Ferdinando unter dem Verdacht, er habe die beiden ermorden lassen, um selbst den Thron besteigen zu können. - In unserem Geschichtsbild hat sich der Eindruck festgesetzt, dass im Italien des 16. Jahrhunderts der Mord eine sozusagen „normale“ Todesursache in der politischen Elite gewesen sein muss. Was daran ist Wahrheit, was Legende? In den letzten Jahren wurden 28 Mitglieder der Medici-Familie aus der Grabanlage von San Lorenzo in Florenz exhumiert und forensisch untersucht. Die Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim haben dieses Projekt jetzt zum Anlass für eine große Ausstellung über die Florentiner Bankiersfamilie genommen, die zwei Jahrhunderte lang die Großherzöge der Toskana stellte. > mehr





Al-Andalus - ein Stück Orient in Europa
Vor 1.300 Jahren begann die Eroberung der Iberischen Halbinsel durch die Muslime


Ob die 7.000 Berber, Araber und Sudanesen, die am Morgen des 28. April 711, vor 1.300 Jahren, über die Straße von Gibraltar setzten, etwas davon ahnten, dass sie gerade ein neues Kapitel der Weltgeschichte aufschlugen? In den wenigen Jahrzehnten, die seit Mohammeds Tod vergangen waren, hatten die muslimischen Heere ein Weltreich erobert, das vom Hindukusch bis zur Atlantikküste reichte. Jetzt machte sich der Gouverneur von Tanger, Tariq ibn Ziyad, daran, das Königreich der Westgoten auf der Iberischen Halbinsel einzunehmen. Binnen weniger Jahre stand fast die gesamte Iberiche Halbinsel unter muslimischer Herrschaft. Die Heere rückten bis zur Rhone vor. > mehr




Innovation im Mittelalter
"Die Staufer und Italien" - eine Ausstellung in Mannheim

Die Staufer ... Kein anderes deutsches Herrschergeschlecht hat in einem derartigen Ausmaß Anlass zur Legendenbildung gegeben. Jetzt ist in den Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim eine große Ausstellung zum Thema „Die Staufer und Italien“ zu sehen. Der geheime Bezugspunkt ist natürlich die legendäre Stauferausstellung 1977 in Stuttgart. In Mannheim fragen die Forscher nun nach "Innovationen" im mittelalterlichen Europa: nach Ansätzen des Neuen in den zentralen Regionen des staufischen Herrschaftsbereichs - Südwestdeutchland, Lombardei und Sizilien-Unteritalien. > mehr





Als Spanien "blutrein" werden wollte
Vor 400 Jahren wurden 300.000 getaufte Muslime von der Iberischen Halbinsel nach Nordafrika deportiert

König Philipp III. von Spanien war irritiert. Dass seine Vorgänger Ferdinand und Isabella das Sultanat Granada, die letzte islamische Bastion auf der iberischen Halbinsel, eingenommen hatten, lag mehr als ein Jahrhundert zurück. Schätzungsweise einhundertfünfzigtausend Juden und dreihunderttausend Muslime hatten seitdem das Land verlassen müssen. Die Zurückgebliebenen ließen die Taufe über sich ergehen. Damit hätte es in Spanien eigentlich keine Nichtchristen mehr geben können. Eigentlich – vor allem in geschlossen muslimischen Siedlungsgebieten wie in Granada und Valencia wurde unter dem Deckmantel des zwangsweise angenommenen Christentums weiterhin der Islam gelebt. Im April des Jahres 1609 beschloss Ferdinands und Isabellas Ururenkel Philipp III., sich des Problems ein für allemal zu entledigen. Am 22. September, vor vierhundert Jahren, kam ein Edikt heraus: Sämtliche "moriscos“, wie man die getauften Muslime nannte, wurden des Landes verwiesen. > mehr