Dossier
Geschichte Westeuropas

 

Ein "französischer König", bevor es Frankreich gab
Vor 1.500 Jahren starb der Merowingerkönig Chlodwig

Preisfrage: Wann fand die erste „deutsche Kaiserkrönung“ statt? 1871, als Wilhelm I. von Preußen zum Deutschen Kaiser proklamiert wurde, fand keine Krönungszeremonie statt. 800, als Karl der Große in Rom von Papst Leo III. gekrönt wurde? Aber damals gab es „Deutschland“ noch gar nicht. Dann vielleicht 962 mit der Krönung Ottos des Großen? Allerdings nannte sich Otto ebenso wie seine Nachfolger nicht „Deutscher“, sondern „Römischer Kaiser“. 1933 überraschte der renommierte Mediävist Bruno Krusch Fachwelt und Öffentlichkeit mit einer Arbeit unter dem Titel „Die erste deutsche Kaiserkrönung in Tours Weihnachten 508“. Der erste „deutsche Kaiser“ wäre also der Frankenkönig Chlodwig aus dem Geschlecht der Merowinger gewesen. > mehr



Die Schlacht, die zum Gottesurteil stilisiert wurde
Hastings - vor 950 Jahren eroberten die Normannnen England

„Dies Kleinod, in die Silbersee gefasst, die ihm den Dienst von einer Mauer leistet, von einem Graben, der das Haus verteidigt vor weniger beglückter Länder Neid, der segensvolle Fleck, dies Reich, dies England.“ Dieser Hymnus, mit dem Shakespeare in „Richard II.“ sein Vaterland bedachte, fehlt in England in keiner patriotischen Rede. Nüchtern betrachtet, hat die „Silbersee“ ihre Aufgabe, „neidische“ Invasoren abzuhalten, allerdings erst seit dem 11. Jahrhundert effektiv wahrgenommen. In der Zeit zuvor waren Nordsee und Kanal weder „Mauer“ noch „Graben“. Im 1. Jahrhundert n. Chr. kamen die Römer, im 5. die Angeln und Sachsen, im 8. die Wikinger. Und im 11. Jahrhundert die Normannen. Diese Invasion lässt sich auf den Tag genau datieren: Am 14. Oktober 1066, vor genau 950 Jahren, besiegte der Normannenherzog Wilhelm bei Hastings an der Kanalküste den letzten angelsächsischen König, Harold. > mehr



Ein König machte sich zum Mythos
Vor 300 Jahren starb der "Sonnenkönig" Ludwig XIV.


Der englische Gesandtschaftssekretär Matthew Prior war halb belustigt, halb verärgert, als er Anfang 1698 König Ludwig XIV. in Versailles seine Aufwartung gemacht hatte. Die königliche Residenz in Versailles, mokierte er sich in einem Brief an Finanzminister Charles Montagu, „ist eines der verrücktesten Dinge in dieser Welt. Der König streift durch jedes Gemälde, und an jeder Decke galoppiert er einem über den Kopf. Ich glaube wirklich, dass es von ihm mehr als 200 Statuen, Büsten, Reliefs und Gemälde in Haus und Garten von Versailles gibt“ - die allegorischen Darstellungen des Königs als „Sonne“ gar nicht erst mitgezählt. In den anderthalb Jahrzehnten, die Ludwig bis zu seinem Tod am 1. September 1715, vor 300 Jahren, noch regierte, werden es nicht weniger geworden sein. > mehr



Inspiration für die Revolutionen des 20. Jahrhunderts
Die Pariser Kommune 1871


In der populären Geschichtsschreibung ist es ein Gemeinplatz, dass das 19. Jahrhundert ein sehr langes Jahrhundert war, das bereits mit der Französischen Revolution 1789 begann und erst mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 endete. Und das 20. Jahrhundert ein sehr kurzes, von 1914 bis zum Ende des Kalten Krieges 1989. Aber natürlich sind auch andere Einteilungen möglich. „Das 20. Jahrhundert begann am 18. März 1871 in Paris“, meinte der Schriftsteller Sebastian Haffner 1985. 18. März 1871: Damals brach in Paris der Aufstand gegen die französische Dritte Republik aus; für gut zwei Monate wurde jene Form politischer Herrschaft installiert, die als „Pariser Kommune“ oder „Commune“ in die Geschichte eingegangen ist. Sie, schrieb Haffner, wurde „die Inspiration fast aller Revolutionen, die das 20. Jahrhundert erschüttert haben“. > mehr


Der lange Weg zur Parlamentsregierung
Vor 800 Jahren wurde die "Magna Charta Libertatum" besiegelt


Es war unter König Jakob I., dem Sohn der Maria Stuart, der 1603 die Nachfolge von Königin Elisabeth I. auf dem englischen Thron angetreten hatte. Jakob hing Vorstellungen von einem gottgegebenen und allein gegenüber Gott verantwortlichen Königtum an, und er wollte diese Vorstellungen rigoros gegen das Parlament durchsetzen. Da machte sich ein hoher englischer Richter, der zugleich „Speaker“ des Unterhauses war, an eine rechtshistorische Spurensuche. Er wollte in der englischen Geschichte Rechtsquellen ausfindig machen, die man dem Machtbegehren des Königs entgegen halten konnte. Und Sir Edward Coke wurde fündig. Am 15. Juni 1215, vor nunmehr 800 Jahren, hatten einige mächtige Barone König Johann Ohneland seine Unterschrift unter ein Dokument abringen können, das die Macht des Königs beschränkte: die „Magna Charta Libertatum“, kurz „Magna Charta“ genannt. > mehr



Ein Engel in den Gefahren des Meeres
Der Mont-Saint-Michel feiert seinen 1.300. Geburtstag

Im September 708, erzählt die Legende, erschien dem Bischof von Avranche in der Normandie der Erzengel Michael und verlangte, ihm auf einem Felsen an der Küste eine Kapelle zu bauen. Nachdem der Bischof den Befehl zweimal ignoriert hatte, brannte ihm der Engel mit dem Finger ein Loch in den Schädel ... Realität ist, dass auf dem Felsen tatsächlich eine Kapelle, später ein Kloster gebaut wurde. Im Mittelalter war der "Mont-Saint-Michel" eine der meistbesuchten Wallfahrtsstätten Europas, heute ist er eines der beliebtesten Touristenziele. Zum Jubiläum ein Rückblick auf die Geschichte der Insel. > mehr
 
 



"Der Herr kennt die Seinen!"
Vor 800 Jahren massakrierten Kreuzfahrer sämtliche Einwohner der südfranzösischen Stadt Béziers

"Tötet sie! Der Herr kennt die Seinen!" Durch diese beiden Sätze hat sich das Ereignis der Nachwelt ins Gedächtnis eingebrannt. Bei der Belagerung von Béziers in Südfrankreich hatten die Soldaten des "Kreuzzugs" gegen die Albigenser ihren geistlichen Beistand gefragt, wie sie die Rechtgläubigen von den verhassten Ketzern unterscheiden könnten. Entsprechend der geistlichen Weisung wurde kein einziger der fast 20.000 Einwohner von dem Massaker verschont. > mehr






Als Rom an der Rhone lag
Vor 700 Jahren begann die "babylonische Gefangenschaft" der Kirche in Avignon

Will man dem Dichter Petrarca glauben, war der päpstliche Hof zu Avignon im 14. Jahrhundert ein Pfuhl der Sittenlosigkeit. "Diese Stadt ist eine Abfallgrube, in der sich aller Unrat der Welt sammelt. Man verachtet Gott und betet statt dessen das Geld an." In der offiziellen Geschichtsschreibung des Vatikans rangiert die Avignoneser Zeit der Päpste, die am 9. März 1309 mit dem Einzug von Clemens V. in die Rhonestadt begann, bis heute als eine "babylonische Gefangenschaft" der Kirche. Andererseits wurden in Avignon die Grundlagen für das Verwaltungs- und Finanzsystem gelegt, vom dem die katholische Kirche bis heute lebt. > mehr





Das Bauernmädchen, das Geschichte machte
Vor 600 Jahren wurde Jeanne d'Arc, die "Jungfrau von Orléans", geboren

Fragen über Fragen ... Wie kam das Bauernmädchen aus der lothringischen Provinz, das heute als „Jungfrau von Orléans“ bekannt ist, auf die Idee, dem französischen Thronfolger ihre Hilfe im Krieg gegen England anzubieten? Wie gelang es ihr, den Prinzen zu überzeugen, dass der Kampf um seinen Thron doch noch Erfolg haben könnte? Wie schaffte sie es, in dem aussichtslosen Krieg die plötzliche Wende herbeizuführen? Und warum brach die Serie ihrer Erfolge dann so plötzlich ab? Am 6. Januar 1412, vor 600 Jahren, wurde Jeanne d'Arc als Tochter eine wohlhabenen Bauernfamilie in Demrémy geboren. > mehr





Im Angesicht der Sonne
Ästhetik und Politik am Hof Ludwigs XIV.

„Herr seiner Bewegungen, seiner Blicke, seiner Mienen, undurchdringlich, unergründbar“: So formulierte der Moralphilosoph La Bruyère zur Zeit Ludwigs XIV. sein Ideal von einem Hofmann. In Wirklichkeit waren die adeligen Herrschaften am Hof von Versailles längst nicht derart "gepanzert", hat die Theaterwissenschaftlerin Doris Kolesch von der FU Berlin festgestellt. Der Hof des Sonnenkönigs war vielmehr ein "Theater der Emotionen". > mehr





EHerrschaftssicherung durch Amüsement
Die "Société de plaisirs" am Hof des Sonnenkönigs

„Unsere Untertanen“, schrieb Ludwig XIV in seinen Memoiren, die der Unterweisung des Dauphins in der Regierungskunst dienen sollten, „haben es im allgemeinen gern, wenn wir dasselbe lieben wie sie. Dadurch haben wir Macht über ihren Geist und über ihr Herz.“ Der Sonnenkönig dachte vor allem an Ballettaufführungen, bei denen er in jungen Jahren gern selbst auf der Bühne mitgewirkt hatte, umgeben von ausgewählten Adligen. Und es gab eine umfangreiche Publizistik, die – von den Behörden gesteuert – den Glanz des Hoflebens bis in entfernte Gegenden des Königreiches trug. Ein Kunsthistoriker an der Universität Heidelberg hat die höfische Festkultur, durch die der Sonnenkönig seine Herrschaft „repräsentierte“, und ihre Aufbereitung für die Öffentlichkeit untersucht. > mehr





Der Kaiser der Revolution
2. Dezember 1804: General Bonaparte krönt sich zum Nachfolger Karls des Großen

"Ist es nicht rührend, den Herrn der Könige zuletzt so weit reduziert zu sehen, dass er eine gewendete Uniform tragen muss? Und doch, wenn man bedenkt, dass ein solches Ende einen Mann traf, der das Leben und Glück von Millionen mit Füßen getreten hatte, so ist das Schicksal, das ihm widerfuhr, immer noch sehr milde ... Napoleon gibt uns ein Beispiel, wie gefährlich es sei, sich ins Absolute zu erheben und alles der Ausführung einer Idee zu opfern." Goethe ein Vierteljahrhundert nach Napoleons Krönung zum "Kaiser der Franzosen". > mehr





Der lange Schatten des Kolonialismus
Ein Blick auf die Probleme des französischen Nachbarn

Jede Nacht brennen Hunderte von Autos, manchmal geht auch ein Schulgebäude in Flammen auf. Ist das französische Modell der Integration von Migranten gescheitert? Oder ist es bloß Zufall, dass in deutschen Großstädten solche Zustände noch nicht eingekehrt sind? Einige Reflexionen zu den aktuellen Problemen französischer Politik. > mehr





Remember, remember the 5th of November ...
Vor 400 Jahren scheiterte die "Pulververschwörung"

"Remember, remember the fifth of November, gunpowder, treason and plot ..." Erinnern Sie sich noch an das Lied aus dem Englisch-Unterricht? "I see no reason why gunpowder treason should ever be forgot." Und dann zum Schluss: "Holloa boys, holloa boys, God save the King! Hip hip hoorah!" Vor genau 400 Jahren wollten die Verschwörer um Guy Fawkes das englische Parlament samt König in die Luft sprengen. > mehr