Dossier
Reisen durch die Welt

 

Reisen zur sittlichen Besserung
Die Kavalierstour - ein Blick ins adlige Erziehungsprogramm des 17. und 18. Jahrhunderts

Der König sei "vor jedem eine Weile stehen geblieben, habe sie von oben bis unten angesehen, auch eine gar gnädige Miene gemacht, dabei aber seiner Gewohnheit nach kein Wort gesprochen". Eine solche Vorstellung in Versailles war Pflichtpunkt der meisten adligen Erziehungsreisen im 17. und 18. Jahrhundert. Ein Nachwuchshistoriker der TU Berlin hat diese "Kavalierstouren" unter die Lupe genommen. > mehr



    
"In der Geschichte geht nichts verloren"
Deutschlandreisen - von Caesars Feldzug am Rhein bis zu "Germany in one week"

Die Deutschen seien „den Elefanten vergleichbar“, notierte der französische Philosoph Charles de Montesquieu in seinem Tagebuch, während er 1728/30 die Territorien des Heiligen Römischen Reiches bereiste. Warum den Elefanten? „Die Deutschen sind gute Leute […] Zunächst wirken sie schrecklich, doch sobald man sie gestreichelt hat und ihnen schmeichelt, werden sie sanftmütig.“ Montesquieu, der fast zwanzig Jahre später sein großes Werk über den „Geist der Gesetze“ veröffentlichte, interessierte sich für die politischen Strukturen, die er in den Ländern seiner Reise vorfand – aber eben auch für die Soziologie und Psychologie der Bevölkerung. > mehr



 Musik, Gedraenge und Geschrei
Mit Goethe und Fontane, Heine und Thomas Mann durch Italien


Wenn Sie einmal in Venedig waren, dann kennen Sie natürlich auch das Viertel an der Rialtobrücke. Vielleicht haben Sie ja im Ristorante „Al Buso“ gespeist, am östlichen Brückenaufgang, in Richtung des Fondaco dei Tedeschi, an einem der Tische, die beinahe schon im Wasser stehen. In dem Trubel, der das Viertel durchzieht, ist Ihnen womöglich entgangen, dass hier eines der berühmtesten Gedichte deutscher Sprache entstand, Friedrich Nietzsches „Gondellied“: „An der Brücke stand jüngst ich in brauner Nacht. Fernher kam Gesang: goldener Tropfen quoll‘s über die zitternde Fläche weg ...“ Der Philosoph hatte sich im Frühjahr 1885, er vollendete gerade sein Buch „Also sprach Zarathustra“, für einige Wochen ein Zimmer im Zwischengeschoss über dem Ristorante gemietet. In den gängigen Reiseführern ist über all den Kirchen und Palästen und Museen für dergleichen Hinweise oft wenig Platz. Dabei sind es doch gerade solche Erinnerungssplitter, die im Bewusstsein des Reisenden Atmosphäre stiften – und zwar schon lange, bevor er dann wirklich an den Ort kommt. > mehr



Nach Tahiti, nach Rom und auf den Mond
Zweieinhalb Jahrtausende Reisen und Reiseberichte


Im Einband des Buches ist ein Ausschnitt aus Benozzo Gozzolis Wandgemälde im Florentiner Palazzo Medici-Riccardi abgebildet. Das hat seinen guten Grund: Der Zug der Heiligen Drei Könige nach Bethlehem, der darauf zu sehen ist, galt Jahrhunderte lang als Urbild aller Reisen. In dem „Buch des Reisens“, das der Berliner Publizist Rainer Wieland jetzt herausgegeben hat, hätten also auch die entsprechenden Verse aus dem Matthäusevangelium ihren Platz finden können. Wieland hat sich jedoch auf „realistische“ Reiseberichte beschränkt: An die 70 Berichte von Reisen, die wirklich stattgefunden haben, verfasst von Autoren, die tatsächlich mit dabei waren. > mehr




Von Flöhen verzehrt, von Wirten übers Ohr gehauen
Italien als Traum und als Wirktlichkeit - die "Grand Tour" und ihre Kehrseite

"Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn? Im dunkeln Laub die Goldorangen glühn, ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht ..." Seit Jahrhunderten sind Millionen von Mitteleuropäern über die Alpen nach Italien gezogen, viele von ihnen mit Goethes Versen auf den Lippen. Aber mit Sehnsuchtszielen ist das so eine Sache ... "Reise nur nicht Anfang August", empfahl Heinrich Heine den Lesern seiner "Reisebilder" 1829, "wo man des Tags von der Sonne gebraten und des Nachts von den Flöhen verzehrt wird." 1834 widmete der Berliner Schriftsteller Gustav Nicolai diesem Kontrast ein zweibändiges Buch. Er gab seinem Reisebericht "Italien, wie es wirklich ist" den Untertitel "Warnungsstimme für alle, welche sich dahin sehnen".Italien, wie es "wirklich" war, wurde für viele Reisende im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert zum Ort einer großen Desillusionierung. > mehr
 
 


"Wer ist der Bürgermeister von Oberwesel?"
Die Entstehung des Massentourismus am Mittelrhein

Die Begeisterung für die Rheinlandschaft ist keineswegs so selbstverständlich, wie man meinen könnte – schließlich sind wir seit Jahrzehnten gewöhnt, dass Touristen aus Übersee in großer Zahl an die Loreley strömen und dort ihr „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten“ schmettern. ein Historiker an der Universität Mainz hat die Entstehung des Tourismus am Mittelrhein und seine Entwicklung zum Massenphänomen nachgezeichnet. Seinen formellen Höhepunkt fand das Phänomen „Rheintourismus“ erst 2002, als die UNESCO das gesamte obere Mittelrheintal von Bingen bis Koblenz in die Liste des Weltkulturerbes aufnahm. > mehr




Elefanten, die Polka tanzen
Eindrücke von Reisenden aus Übersee in Europa

Urlaubszeit, Reisezeit. Da mag ein Blick von Interesse sein, wie Reisende aus Übersee in früherer Zeit unsere europäische Zivilisation erlebt haben, was ihnen positiv oder negativ aufgefallen ist. Ein Frankfurter Ethnologe hat sich die Berichte außereuropäischer Reisender vom späten 18. bis zum frühen 20. Jahrhundert angesehen. > mehr