Dossier
Rund um den Mai

 

Ein Zimmermann ohne Beinkleider
Legenden und Bräuche um den Hl. Joseph und seinen Festtag am 19. März

Hunderte von Skulpturen aus Pappmaché, Holz, Gips und inzwischen auch Kunstfaser, oft haushoch, stehen auf den Straßen und Plätzen in Valencia. In der Nacht vom 19. auf den 20. März werden sie dann alle verbrannt. Fast alle – jene Puppe, die beim Publikum am meisten Beifall gefunden hat, wird „gerettet“ und kommt ins Museum. Jedes Jahr Mitte März befindet sich Valencia im Ausnahmezustand, nicht anders als Köln oder Mainz vor dem Aschermittwoch. Bei diesem Termin geht es allerdings nicht um die bevorstehende Fastenzeit, sondern um das Fest des heiligen Joseph am 19. März. > mehr




"Maria, Maienkönigin, dich will der Mai begrüßen"
Der Mai als Marienmonat


Kaiser Nero gab dem fünften Monat des Jahres den Namen seiner Dynastie, „Claudius“, einer seiner Nachfolger, Commodus, wählte seinen Vornamen: „Lucius“. Durchgesetzt hat sich weder das eine noch das andere. Gleich nach dem Tod der Kaiser kehrte der römische Senat wieder zu der alten Frühlingsgöttin Maja als Namensgeberin zurück, schließlich wurden ihr seit Urzeiten am 1. Tag dieses Monats Opfer dargebracht. Etymologisch hängt der Name der Göttin wahrscheinlich mit dem lateinischen Wort „magis“, mehr, zusammen – Maja beschützte das Pflanzenwachstum. Im Laufe der Jahrhunderte vermischte sich ihr Bild mit dem anderer weiblicher Gottheiten. Da liegt natürlich der Gedanke nahe, die christliche Kirche hätte auch in diesem Fall bereits in der Spätantike zu dem Mittel gegriffen, altes heidnisches Brauchtum mit ihren eigenen Inhalten zu überdecken. Im der katholischen Volksfrömmigkeit ist der Mai heute der Marienmonat. > mehr



"Die Hexen zu dem Brocken ziehn ..."
Die Walpurgisnacht im Harz - zwischen Hexenglauben und Fremdenverkehr


„Viele Steine, müde Beine“, soll der junge Heinrich Heine bei einer seiner Besteigungen des Brockens 1820/21 ins Gästebuch des Hotels oben eingetragen haben, „Aussicht keine, Heinrich Heine“. Zum Glück für die Fremdenverkehrswirtschaft im Harz konnte dem Dichter die Urheberschaft dieser Verse niemals nachgewiesen werden. Dabei klingt die Klage über die fehlende Aussicht gar nicht so unrealistisch: An über 300 Tagen im Jahr herrscht auf dem Gipfel des Brockens Nebel. Als Goethe vier Jahrzehnte vor Heine den Brocken bestieg, beobachtete er fasziniert ein meteorologisches Phänomen: „Wenn der Schatten des Beobachters auf eine Nebel- oder Wolken-Schicht fällt, wird der Schatten nicht durch eine feste Fläche abgebildet, sondern durch jeden Wassertropfen des Dunstes einzeln ... Durch Luftbewegungen bewegt sich der Schatten, selbst wenn der Beobachter still steht. Dieses scheinbar eigene Wesen kann zudem schweben, ohne sichtbaren Kontakt zum Boden zu haben.“ > mehr




Zwischen Friedenskampf und Floristikwirtschaft
Allerlei Muttertage und Vatertage, Männertage und Frauentage

In unserer modernen Zeit, sagen böse Zungen, hätten die Floristenverbände jene Funktion übernommen, die früher von den Kirchen ausgefüllt wurde: durch Feiertage das Jahr zu gliedern. Und es ist nicht ganz falsch, für den Blumenhandel gibt es erstens den Muttertag am 2. Sonntag im Mai, zweitens den Valentinstag am 14. Februar und drittens, viel weniger beachtlich, den Rest des Jahres. Beinahe könnte man auf den Gedanken verfallen, die Floristen hätten diese beiden Hochfeiertage neu erfunden; aber ganz so war es doch nicht. Valentin geht auf Bräuche in der englischen Aristokratie der frühen Neuzeit zurück; der Muttertag entsprang vor gut hundert Jahren einer zunächst ganz und gar privaten Initiative. Am 12. Mai 1907, dem Sonntag nach dem zweiten Todestag ihrer Mutter, veranstaltete die amerikanische Methodistin Anna Maria Jarvis ein „Memorial Mother’s Day Meeting“. Bald nach dieser Feier kam Anna Maria auf die Idee, einen „offiziellen“ Muttertag zu schaffen. > mehr




Gestohlene Bäume, ersteigerte Mädchen und Sprünge übers Feuer
Bräuche um den 1. Mai

"Aus uralten, aber niemals völlig erloschenen Empfindungen und Erinnerungen" heraus, war 1892 in der "Neuen Zeit", dem theoretischen Zentralorgan der deutschen Sozialdemokratie, zu lesen, sei "die Wahl des proletarischen Feiertags auf den 1. Mai" gefallen und deshalb das Proletariat aufgerufen, den "Maitag der Vorzeit auf höherer und weiterer Stufenleiter zu erneuern". In Deutschland wie in anderen europäischen Ländern war die Schwärmerei von der vorchristlichen Kultur der Germanen oder Kelten oder Römer, je nachdem, im 19. Jahrhundert zu einem Bestandteil des nationalen Selbstverständnisses geworden. Dabei ist selbst der Maibaum erst Ende des Mittelalters zum ersten Mal belegt. Noch beliebter sind bis heute die Spekulationen um einen heidnischen Ursprung der Walpurgisnacht. > mehr




Im Schweiße deines Angesichtes
Missachtung und Wertschätzung körperlicher Arbeit von der Antike bis heute

Die Arbeit, jedenfalls die körperliche Arbeit, ist ein Fluch, so haben es viele Jahrhunderte Menschheitsgeschichte gesehen. Kaum vorstellbar, dass ein Denker der Antike oder des Mittelalters Sätze hätte niederschreiben können, wie sie zum Beispiel Hegel immer und immer wieder variiert hat: „Durch die Arbeit kommt das Bewusstsein zu sich selbst“. Natürlich war auch früher nicht verborgen geblieben, dass erst durch Arbeit Natur zu einer verlässlichen Grundlage für menschliches Leben umgeschaffen wird. Aber Arbeit als Sinnerfüllung, als Mittel menschlicher Selbstverwirklichung – diese Idee ist gerade mal ein paar Jahrhunderte alt. > mehr




"Man kann nicht ewig wie ein Stück Vieh leben!"
Wie der 1. Mai zum "Tag der Arbeit" wurde

Wieso eigentlich fällt der "Tag der Arbeit" gerade auf den 1. Mai? Darüber waren sich die Vertreter der Arbeiterbewegung bereits Ende des 19. Jahrhunderts nicht mehr im Klaren. "Aus uralten, aber niemals völlig erloschenen Empfindungen und Erinnerungen heraus", war 1892 in der "Neuen Zeit", dem theoretischen Organ der deutschen Sozialdemokratie zu lesen, sei "die Wahl des proletarischen Feiertags auf den ersten Mai" gefallen und deshalb das Proletariat aufgerufen, den "Maitag der Vorzeit auf höherer und weiterer Stufe zu erneuern". Man sieht, auch die Sozialdemokratie konnte sich der Begeisterung für die alten Germanen, wie sie damals Mode war, nicht entziehen. Historisch näher liegen andere Erklärungsstränge. > mehr




"Da finden sich viel Kurzweil und Wonn'"
Der Monat Mai in Dichtung und Brauchtum

„Im Maien, im Maien ist’s lieblich und schön, da finden sich viel Kurzweil und Wonn’, Frau Nachtigall singet, die Lerche sich schwinget über Berg und Tal. Die Pforten der Erde, die schließen sich auf und lassen so manches Blümlein herauf, als Lilien und Rosen, Violen, Zeitlosen, Cypressen ...“ Ja, ja, der Wonnemonat Mai, wenn die Vögel singen und die Blumen blühen ... Ein Blick auf das Brauchtum, von Walpurgisnacht und Maibaum über die Arbeiterkundgebungen und den Muttertag bis zu den Bauernregeln - Stichwort "Eisheilige". > mehr