Dossier
Gesellschaft und Geschichte in der Kunst

 

Pinkelnde Kinder und Pferde in der Luft
Variationen über das Komische in der bildenden Kunst

Wer Bildbände zu Skulptur und Malerei auf das Thema "Lachen" hin durchblättert, erlebt eine Überraschung: Lachende Menschen sind längst nicht so häufig, wie man glauben möchte. Dennoch kann Kunst natürlich komisch sein, gewollt oder unfreiwillig, durch künstlerische Unzulänglichkeit oder durch Missverständnisse seitens des Betrachters. Kunsthistoriker der Universitäten Köln, Bonn und Düsseldorf haben eine Forschergruppe zusammengebracht, um "das Komische in der Kunst“ unter die Lupe zu nehmen. > mehr



Marginalisierung der Helden, Schwinden der Allegorien
Ein Jahrtausend historische Ereignisse im Spiegel der Kunst


Als der Historienmaler Anton von Werner sein Monumentalbild von der Proklamation des Deutschen Kaiserreichs 1871 in Spiegelsaal des Schlosses von Versailles konzipierte, plante er am Bildrand oben einen Teil des Deckenfreskos ein. Darin hatte der Sonnenkönig Ludwig XIV. fast zwei Jahrhunderte zuvor durch seinen Hofmaler Charles Le Brun eine seiner „Heldentaten“ verewigen lassen, den Übergang über den Rhein bei Emmerich 1672, im Krieg gegen die Niederlande. Natürlich waren die Deckengemälde Otto von Bismarck und seinem König nicht entgangen, als sie diesen Ort für die Zeremonie auswählten. Die verbündeten deutschen Fürsten feierten ihren Triumph über Frankreich ausgerechnet im Angesicht von Darstellungen, mit denen der Sonnenkönig einst den ausländischen Diplomaten den Herrschaftsanspruch Frankreichs über Europa vor Augen geführt hatte. Und auf diese Anspielung wollte auch Werner in seinem Repräsentationsgemälde nicht verzichten.  > mehr



An den Grenzen der Ordnung - und darüber hinaus
Narren, Künstler, Heilige in der Ausstellungshalle Bonn

Man könnte meinen, Karneval und Neujahr und Sankt Nikolaus wären auf einen Tag gefallen. Und das Anfang September. Am Eingang der Ausstellung „Narren, Künstler, Heilige“ in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn begrüßen den Besucher Schreckensgestalten aus Graubünden und dem Wallis, aus der Steiermark und Sardinien. Eine Perchtenmaske, die zum alpinen Brauchtum der Silvesternacht gehört, ist ebenso darunter wie die eine oder andere Fastnachtslarve. Und das Kostüm eines Krampus, so nennt man in Österreich den rutenschwingenden Begleiter des heiligen Nikolaus. Und in einem Video tanzt dazu die 1973 verstorbene Ausdruckstänzerin Mary Wigman ihren legendären Hexentanz. „Lob der Torheit“ ist die Ausstellung überschrieben, die gemeinsam mit dem Pariser Musée du Quai Branly erarbeitet wurde. 250 Exponate präsentieren das Bild, das drei Jahrtausende Kulturgeschichte von Narren und Zauberern, Heiligen und Hexen, Künstlern und Exzentrikern gezeichnet haben > mehr
 



Positive Helden, verschwiegene Gewalt
Schlüsse aus den Vasenbildern im klassischen Griechenland

Alle paar Monate passiert es: Ein junger Mann, bisher unauffällig, richtet in seiner Umgebung ein Blutbad an. Als Schuldige werden dann rasch das Fernsehprogramm ausgemacht, die Filmindustrie. die Computerspiele. Gewalt gab es aber auch in der Zeit vor den Massenmedien – und ebenso Gewaltdarstellungen. Altertumswissenschaftler verschiedener Disziplinen haben nach der "anderen", der dunklen Seite der griechischen Klassik gefragt. > mehr
 



Göttliche Gnade und politische Emanzipation
Eine neue Deutung des Velázquez-Gemäldes "Die Übergabe von Breda"

"Die Übergabe der Schlüssel fand am 5. Juni 1625 statt. Die Zeremonie erfolgte, wie sie auf unserem Bilde dargestellt ist.“ Carl Justi vor über hundert Jahren in seinem berühmten Velázquez-Buch zu dem Bild der "Übergabe von Breda“ im Madrider Prado. Alles Legende, stellt der Berliner Kunsthistoriker Bernd Wolfgang Lindemann fest: Die Zeremonie hat niemals stattgefunden. Velázquez greift für seine Darstellung auf bewährte Schemata der Malerei, Literatur und Theologie zurück – ohne viel Rücksicht auf den historischen Hergang. > mehr




Alltag mit doppeltem Boden
Das Frankfurter Städel zeigt holländisches "Genre" aus dem 17. Jahrhundert

Bauern, die in der Kneipe Karten spielen oder eine Rauferei anzetteln; junge Mädchen, die einen Brief empfangen; Mägde beim Bleichen der Wäsche; alte Damen beim Glase Wein ... Eine Ausstellung im Frankfurter Städel zeigt "Genremalerei“, Alltagsszenen in der holländischen Malerei des 17. Jahrhunderts. Bloß "Realismus“ oder eine Bildwelt mit doppeltem Boden? > mehr




Ödipus vor der Sphinx
Orientalismus in der Kunst des 19. Jahrhunderts - eine Ausstellung in München

Und die Frauen?" Das sei immer die erste Frage, die einem Orientreisenden bei der Rückkehr gestellt werde, schrieb 1853 der französische Schriftsteller Théophile Gautier in seinem Buch über Konstantinopel ... So wäre denn auch die Ausstellung über den "Orientalismus in Europa", die jetzt in der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung in München zu sehen ist, nicht vollständig, wenn der Besucher nicht jenen berühmten Einblick zu Gesicht bekäme, den der französische Maler Eugène Delacroix 1843 in Algier in ein Frauengemach tun konnte. Die Kunsthalle zeigt in etwa 150 Bildern die Kunstgeschichte des "Orientalismus" in Europa, von der Französischen Revolution bis zum Ersten Weltkrieg. > mehr




ABC der Bilder - oder auch XYZ
Ausstellung zum "Jahr der Geisteswissenschaften" im Berliner Pergamon-Museum

Mittelalterliche Prophetenfiguren mit einem Spruchband über der Schulter und ein Frauenkopf, dessen Mund als Vagina gestaltet ist; altgriechische Vasen, deren Beschriftung offenkundig das Werk von Analphabeten ist, und ein chinesisches Landschaftsbild, das ganz und gar aus Schriftzeichen zusammengesetzt ist: Zum Jahr der Geisteswissenschaften präsentieren die Berliner Museen einige Einblicke in das weitläufige Thema Bild und Sprache, Bild und Schrift. > mehr