Dossier
Aus der Wissenschaftsgeschichte

 

Von Durst gehetzt zu wissenschaftlichem Versuch
Eine Geschichte der Menschenversuche seit der Aufklärung

"Ein Sohn des Äskulap, von Durst gehetzt zu wissenschaftlichem Versuch, entführt mit List ein Mägdelein von sechzehn Jahren ..." So zu lesen in einer 1885 veröffentlichte Schauergeschichte, die sich gegen Vivisektionen richtete: "... die Tochter lag entseelt, nachdem das Scheusal lange sie gequält, als Opfer einer blöden Wissenschaft, war sie im Lebensmai dahingerafft." Zum Glück lässt sich das Thema "Menschenversuche" auch seriöser angehen. Eine interdisziplinäre Forschergruppe an der Universität Bonn hat sich mit der Kulturgeschichte dieses Phänomens befasst. > mehr




Sieben Brautjungfern am Tor zur Wissenschaft
Die sieben Freien Künste - Rückblick auf eine verschüttete Bildungstradition

Magister artium oder Baccalaureus artium, in anglisierter Sprachform, als Master und Bachelor of Arts, erleben diese alten Titel derzeit eine Renaissance. Wahrscheinlich macht sich aber kaum ein Absolvent viel Gedanken, was es mit den "artes" eigentlich auf sich hat. Wir blicken zurück auf eine verschüttete Bildungstradition, die der "septem artes liberales", der "sieben freien Künste". > mehr



Ein Aristoteles der Moderne
Vor 250 Jahren wurde Alexander von Humboldt geboren


Einen „Brunnen mit vielen Röhren“ nannte ihn Goethe, „wo man überall nur Gefäße unterzuhalten braucht und wo es uns immer erquickend und unerschöpflich entgegenströmt“. Alexander von Humboldt, der am 14. September 1769, vor 250 Jahren, in Berlin geboren wurde, war ein Universalgenie wie Aristoteles oder Leibniz. In einer Universität hätte er ohne weiteres in gut einem Dutzend verschiedener Fächer einen Lehrstuhl besetzen können, von Geologie und Mineralogie über Botanik und Zoologie bis zur Staatslehre und Nationalökonomie, von den Bergbauwissenschaften bis zur Astronomie. Auf seiner Amerikareise untersuchte er die Ruinenstätten, die die Völker vor Columbus hinterlassen hatten; in einem Aufsatz aus den späten Berliner Jahren befasste er sich mit der Geschichte der Naturbeschreibung in der schönen Literatur. Die Pariser Akademie der Wissenschaften wollte ihn schon zu Lebzeiten auf einer Münze als „Aristoteles unseres Zeitalters“ würdigen. > mehr



Um desto mehr dem Aufbluehen der Wissenschaften nuetzlich zu sein
Vor 550 Jahren wurde Erasmus von Rotterdam geboren


Ende des Jahres 1516 erhielt der Theologe und Philologe Erasmus von Rotterdam einen Brief von Georg Spalatin, dem Hofkaplan des Kurfürsten Friedrich von Sachsen. Wenige Monate zuvor war von Erasmus eine kritische Edition des griechischen Urtextes zum Neuen Testament herausgekommen, begleitet von einer eigenen Übersetzung ins Lateinische. Spalatin sprach den berühmten Humanisten mit der gebührenden Ehrerbietung an: „Wir alle verehren Dich aufs Tiefste, der Kurfürst hat alle Deine Werke in seiner Bibliothek, und er beabsichtigt, alles zu kaufen, was Du noch herausgibst.“ Auf diese Huldigung folgte eine ganz vorsichtige Kritik. Ein Augustinermönch, ebenfalls ein großer Bewunderer des Erasmus, Spalatin nannte keinen Namen, habe ihn gebeten, diesem eine Frage vorzulegen. Der Begriff der Rechtfertigung vor Gott sei in Erasmus‘ Erklärung der Paulusbriefe nicht ganz klar geworden – vielleicht deshalb, weil die Lehre von der Erbsünde darin nicht genügend herausgestellt wurde? > mehr



Von Gutenbeg bis zu Wikipedia
Eine Geschichte der neuzeitlichen Wissensgesellschaft


Wie praktisch doch, dass Spielkarten auf der Rückseite früher unbedruckt waren …1790 kam in der französischen Nationalversammlung das Projekt eines Bibliothekskatalogs für das gesamte Land auf. Dazu mussten aber zunächst einmal die Inventare der örtlichen Bibliotheken auf einen einheitlichen Standard gebracht werden. Irgendjemand kam auf die Idee, dafür gäben Spielkarten doch eine ganz geeignete Schreibgrundlage her. Tempi passati, im Zeichen des Computers ist die Zeit der großen Bibliothekskataloge, die von Hand oder mit der Schreibmaschine auf Papier oder Pappe geschrieben wurden, auch schon wieder vorbei. Vor einigen Jahren, erzählt der Kulturhistoriker Peter Burke vom Emmanuel College in Cambridge im zweiten Band seiner „Social History of Knowledge“, der soeben in deutscher Übersetzung erschienen ist, veranstaltete eine nordamerikanische Universität eine „feierliche“ Verbrennung der Karteikarten in ihrer Universitätsbibliothek. > mehr

 

Er gab Pflanzen und Tieren ihre Namen
Vor 300 Jahren wurde Carl von Linné, Schöpfer der Taxonomie, geboren

"Der Mensch gab allem Vieh, allen Vögeln des Himmels und allem Feldgetier Namen". Was in der Schöpfungsgeschichte von Adam zu lesen ist, trifft noch mehr auf den schwedischen Naturforscher Carl von Linné zu: Er entwickelte die Grundlagen der modernen Taxonomie, der Nomenklatur für tausende von Pflanzen und Tieren, die bis heute benutzt wird. Und sein "System der Natur" lieferte die Grundlage für die Revolution der Biologie durch Charles Darwin. Vor 300 Jahren wurde Linné im südschwedischen Smaland geboren. > mehr




Ein folgenreiches Gastspiel
Wilhelm von Humboldt und die Gründung der Berliner Universität vor 200 Jahren

Es war ein recht kurzes Gastspiel, das der ehemalige Gesandte beim Heiligen Stuhl, Wilhelm von Humboldt, 1809/1810 im preußischen Innenministerium absolvoierte. Aber in diese anderthalb Jahre fiel eine Entscheidung, die Geschichte gemacht hat. Aufgrund einer Denkschrift Humboldts zur Organisation und Finanzierung "höherer wissenschaftlichen Anstalten" unterzeichnete der König am 16. August 1809 die Stiftungsurkunde für die Berliner Universität, die heute den Namen "Humboldt-Universität" trägt. > mehr



Jenseits des Brotstudiums
Vor 200 Jahren nahm in Berlin die Friedrich-Wilhelms-Universität den Lehrbetrieb auf

Es gibt bis heute keinen deutschen Bildungs- oder Hochschulpolitiker, der in Festansprachen öfter beschworen wird als Wilhelm von Humboldt. Oder vielleicht muss man sagen: heute wieder. Vor dreißig oder vierzig Jahren wurde Humboldt gern für tot erklärt. In der Tat, die technischen und sozialen Veränderungen hatten die Universität Humboldtscher Prägung in eine Effizienz- und Legitimationskrise gestürzt. Zum Jubiläum ein Blick auf das Konzept des Ideengebers, der im Grunde doch viel mehr Bildungsphilosoph war als Bildungspolitiker. > mehr



Kein Weg zur Wissenschaft?
Forschungen zu Stefan George und seinem Kreis

In der Zwischenzeit hätten sich "seine Überzeugungen infolge der deutschen Ereignisse und seiner amerikanischen Erfahrungen gründlich verändert", war 1964 in der Neuauflage von Ernst Kantorowicz’ Buch über Kaiser Friedrich II. zu lesen, entstanden 1927. Germanisten der Universität Frankfurt am Main haben sich mit den "Wissenschaftlern im George-Kreis" beschäftigt – Wissenschaftsgeschichte aus einer Zeit, bevor Deutschland sich mit der Demokratie anfreunden wollte. > mehr