Dossier
Der Streit um die Astronomie

 

Als einem Weltbild der Augenschein abhanden kam
Vor 450 Jahren wurde der Astronom Galileo Galilei geboren


Die Zeitgenossen waren so hingerissen wie irritiert, wenn Galilei den Gebrauch seiner neuartigen "Augengläser" demonstrierte.  "Wir befanden uns auf dem Gipfel des Gianicolo“, berichtete ein Philosophieprofessor im April 1611 aus Rom. "Mit Hilfe dieses Instruments sahen wir das Schloss des hochedlen Herzogs Altemps auf den tuskischen Bergen so deutlich, dass wir jedes einzelne Fenster, auch das kleinste, zählen konnten, und die Entfernung beträgt achtzehn italienische Meilen. Vom gleichen Ort aus lasen wir die Buchstaben auf der Galerie, die Papst Sixtus im Lateran errichtet hat, und zwar so deutlich, dass wir sogar die eingehauenen Punkte zwischen den Buchstaben erkennen konnten, und das auf eine Entfernung von mindestens zwei Meilen.“ Ja, der italienische Mathematiker, Physiker und Astronom Galileo Galilei, der am 15. Februar 1564, vor 450 Jahren, in Pisa geboren wurde, war nicht nur ein genialer Naturwissenschaftler; er hatte auch das Talent, sich und seine Wissenschaft effektvoll darzustellen.  Seine Vorführungen mit dem Fernrohr waren große gesellschaftliche Ereignisse. Und er hatte auch einen Sinn für profitable Geschäfte. Als im Juli 1609 in Padua erstmals ein Exemplar der neuen Erfindung aus Holland auftauchte, reagierte Galilei, der sich bereits intensiv mit praktischer Optik, nämlich mit der Krümmung konvexer Linsen beschäftigt hatte, sehr schnell. In wenigen Wochen steigerte er die drei- bis vierfache Vergrößerung auf eine neunfache, heute würde man sagen: von einem Operngucker zu einem Feldstecher.  > mehr




Als die Astronomie Wissenschaft wurde
Eine neue Sicht auf den Inquisitionsprozess 1633

Galileo Galilei wurde verurteilt, weil er lehrte, dass sich die Erde um die Sonne dreht ... Ein Gründungsmythos unseres modernen wissenschaftlichen Bewusstseins. Richard Schröder, Theologe an der HU Berlin, hat die Prozessakten neu gelesen: Es ging der Inquisitionsbehörde gar nicht um astronomische Theorien; was sie irritierte, war nicht mehr und nicht weniger als die Geburt der empirischen Naturwissenschaft. > mehr