Dossier
Johann Wolfgang von Goethe

 

Ein Dichter und sein Tyrann
2. Oktober 1808: Gespräch zwischen Napoleon und Goethe in Erfurt


"Mir gefällt zu konversieren mit Gescheiten, mit Tyrannen." Die Philologen haben diesen Goethevers gern auf jenen Menschen bezogen, der in den Augen von Goethes Zeitgnossen der "Tyrann" schlechthin war, Napoleon Bonaparte. Dreimal waren sie einander begegnet. Die erste Unterredung, sie soll fast eine Stunde gedauert haben, fand während des Erfurter Fürstentages Ende September, Anfang Oktober des Jahres 1808 statt. "Napoleon, der den ganzen Kontinent erobert, findet es nicht unter sich, sich mit einem Deutschen über die Poesie und die tragische Kunst zu unterhalten", meinte Goethe später.> mehr




Das muss mit dem Teufel zugegangen sein
Vor 200 Jahren erschien Goethes "Faust I"


"Mein schönes Fräulein, darf ich’s wagen, meinen Arm und Geleit Ihr anzutragen?" Vor 200 Jahren, zur Leipziger Ostermesse 1808, erschien Goethes "Faust I", die bis heute populärste Dichtung deutscher Sprache. Populär jedenfalls, wenn man es an der Zahl der Geflügelten Worte misst, die daraus hervorgegangen sind. Zum Beispiel: "Was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen" oder: "Uns ist ganz kannibalisch wohl als wie fünfhundert Säuen!" > mehr




Goethes "kleine Freundin"
Vor 200 Jahren starb die Ehefrau des Dichters, Christiane, geb. Vulpus


Was die gute Weimarer Gesellschaft sich nicht alles an Bösartigkeiten einfallen ließ, um Goethes Lebensgefährtin Christiane herabzusetzen ... „Rundes Nichts“ oder „toll gewordene Blutwurst“ - dergleichen zielte auf die mangelnde Bildung der Putzmacherin, die sich in einer Manufaktur für Seidenblumen verdingt hatte. Und auf ihre Figur, die mit den Jahren recht füllig wurde und einem „klassischen“ Schönheitsideal so gar nicht entsprechen wollte. „Donna Vulpia“ sagten die Gebildeten unter ihren Verächtern – das spielte auf ihren Geburtsnamen „Vulpius“ an, klang irgendwie aber auch anrüchig. Die Bezeichnung „Demoiselle“, die Goethe selbst gern benutzte, wurde in das leicht vulgäre „Mamsell“ abgewandelt; auch Schiller nannte sie so. Ebenso hielt sich Goethes alter Freund Wieland mit boshaftem Witz nicht zurück. Er gab August, dem einzigen überlebenden Kind aus der Verbindung, den Titel „Sohn der Magd“. Große Teile der Goethe-Forschung haben sich dem abfälligen Urteil angeschlossen. > mehr



"Die Hexen zu dem Brocken ziehn ..."
Walpurgisnacht und Vatertag, zwischen Harz und Hellas


"Bedenkt: der Berg ist heute zaubertoll, und wenn ein Irrlicht euch die Wege weisen soll, dann dürft ihrs so genau nicht nehmen." Walpurgisnacht in Goethes "Faust I"; das reimende "Irrlicht" weist Faust und Mephisto den Weg den Blocksberg hinauf: "Die Hexen zu dem Brocken ziehn, die Stoppel ist gelb, die Saat ist grün ..." Zum 1. Mai ein Artikel über die Tradition der Walpurgisnacht - und gleich auch über die Tradition des Vatertags, der in diesem Jahr mit dem Maifeiertag zusammen fällt. > mehr




"Allein ein Ganzes ist es nicht"
Die Vermischung von Himmlischem und Teuflischem in Goethes "Faust"


„Es hat wohl einen Anfang und ein Ende, allein ein Ganzes ist es nicht.“ Dieser Satz über den "Faust" stammt vom Dichter selbst, war ursprünglich wohl als eine Art Epilog gedacht; in einem Brief an Schiller ist ganz ähnlich davon die Rede, dieses Drama werde „immer ein Fragment bleiben“. Mitten in jener Epoche deutscher Dichtung, die im Rückblick als „Klassik“ bezeichnet wird, verabschiedete sich Goethe für sein Hauptwerk von der klassischen oder vielmehr klassizistischen Forderung, in einem Kunstwerk müssten alle Teile wohlproportioniert ins „Ganze“ passen. Ein Schweizer Germanist hat jetzt eine neue Interpretation der Tragödie vorgelegt. > mehr




Geboren aus dem Geiste der Chemie
Vor 200 Jahren erschien Goethes Roman "Wahlverwandtschaften"


Goethes tragischer Roman "Wahlverwandtschaften", der am 9. Oktober 1809, vor zweihundert Jahren, im Tübinger Verlag Cotta fertig gedruckt vorlag, wurde vom breiten Publikum fast ein Jahrhundert lang ignoriert. Und was an Kritik vorgetragen wurde, muss Goethe tief verletzt haben. Der Schriftsteller Heinrich Laube hat eine solche Szene überliefert. "Eine Dame äußerte gegen Goethe über die ‚Wahlverwandtschaften’: Ich kann dieses Buch durchaus nicht billigen, Herr von Goethe; es ist wirklich unmoralisch, und ich empfehle es keinem Frauenzimmer. Darauf hat Goethe eine Weile ganz ernsthaft geschwiegen und endlich mit vieler Innigkeit gesagt: Das tut mir sehr leid, es ist doch mein bestes Buch." > mehr