| "Erwählte Völker, Narren eines Clowns" Zum 50. Todestag von Gottfried Benn
"Von den Nazis als Schwein, von den Kommunisten als Trottel, von den Demokraten als geistig Prostituierter, von den Emigranten als Renegat, von den Religiösen als pathologischer Nihilist öffentlich bezeichnet": So sah der alte Gottfried Benn selbst sein Bild in den Augen der Mitwelt. 50 Jahre nach Benns Tod ist die Ambivalenz geblieben: katastrophale politische Irrtümer bei dem vielleicht bedeutendsten deutschen Lyriker des 20. Jahrhunderts. > mehr
"Auf dem Grunde erwartet dich die Lehre" Zum 50. Todestag von Bertolt Brecht
"Wer bist du? Sinkend verschwinde aus dem gesäuberten Raum! Wärest du doch der letzte Schmutz, den du entfernen musst!" "Fürchte dich! Sinke doch! Auf dem Grunde erwartet dich die Lehre." Verse nicht von irgendeinem subalternen konfessionellen Lyriker, sondern von - Bertolt Brecht, geschrieben in den ersten Monaten nach seiner "Bekehrung" zum Marxismus. Zum 50. Todestag ein Rückblick auf die Windungen und Irrtümer im Leben eines politischen Schriftstellers. > mehr
Die Hure Babylon und die Zunft der Ochsen Zu Alfred Döblins 50. Todestag
"Mein ärztlicher Beruf hat mich viel mit Kriminellen zusammengebracht, ich hatte ein eigentümliches Bild von dieser unserer Gesellschaft, wie es da keine so straff formulierbare Grenze zwischen Kriminellen und Nichtkriminellen gibt." Ein halbes Jahrhundert nach seinem Tod ist Alfred Döblin mit "Berlin Alexanderplatz" einer der drei oder vier renommiertesten Romanciers der klassischen Moderne in Deutschland. Aus Anlass des 50. Todestages ein Blick auf das Werk. > mehr
Ein Roman gegen das Ausradieren Vor 50 Jahren erschien Günter Grass' "Blechtrommel"
"Nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben, ist barbarisch", konstatierte der Philosoph Theodor W. Adorno 1949, und in den folgenden Jahren stellte er auch dem Drama und dem Roman ihre Totenscheine aus. Adornos Satz hing wie ein Menetekel über der deutschsprachigen Literatur der Nachkriegszeit. Wer Lyrik oder Theaterstücke oder Erzählungen schreiben wollte, musste sich mit dem Vorwurf der Barbarei auseinandersetzen. Der junge Graphiker und Bildhauer Günter Grass widersprach: "Geradezu widernatürlich kam mir Adornos Gebot als Verbot vor; als hätte sich jemand gottväterlich angemaßt, den Vögeln das Singen zu verbieten." Am 24. September 1959 kam sein Roman "Die Blechtrommel" in den Buchhandel. > mehr
"Horchen Se ma, wie det knackt ..." Vor 150 Jahren wurde der Schriftsteller Gerhart Hauptmann geboren
„Rinnstein“ schimpfte Kaiser Wilhelm II. gern, wenn Literatur und Kunst ihm allzu „realistisch“ vorkamen. Aufgabe der Kunst sei es doch, das Volk zu „erheben“, nicht ihm das Elend noch scheußlicher darzustellen, als es in Wirklichkeit ist. Einen Tiefpunkt an „Rinnsteinliteratur“ musste der Kaiser im September 1894 erleben. Am Deutschen Theater Berlin wurden Gerhart Hauptmanns „Weber“ gegeben. Wilhelm schäumte vor Wut und kündigte die kaiserliche Loge. Für den Autor, den 31-jährigen Gerhart Hauptmann, bedeutete der kaiserliche Unwille eine Art Ritterschlag. Ganz ohne Absicht wurde er in die Rolle eines Gegenkaisers der intellektuellen Linken hineingedrängt. > mehr
Von der Schülertragödie zur Bibel der Gegenkultur Vor 50 Jahren starb der Nobelpreisträger Hermann Hesse
"‚Vater’ ist doch ein seltsames Wort", schrieb der junge Hermann Hesse am 14. September 1892 an seinen Erzeuger. "Es muss jemand bezeichnen, den man lieben kann und liebt, so recht von Herzen. Wie gern hätte ich eine solche Person!" Der angehende Dichter war 15 Jahre alt; nach einem Suizidversuch hatte ihn der Vater in die Nervenheilanstalt Stetten bei Stuttgart einweisen lassen. "So kann und will ich nimmer leben ..." Eine gestörte Kindheit, hart am Rand der Katastrophe ... Aber einige Jahre nach diesem Brief an den "sehr geehrten Herrn", den er nicht Vater nennen wollte, schrieb Hermann, dass er "das Beste von allem diesen beiden (seinen Eltern) zu danken" habe. Die zwiespältige Erinnerung an ein Elternhaus, das offenbar keineswegs ohne Liebe war und dennoch als Gefängnis erlebt wurde, hat Hesse niemals losgelassen. Als er am 9. August 1962, vor 50 Jahren, starb, hinterließ er ein Werk, das wie wenige andere der deutschen Literatur von den Kindheitserinnerungen des Autors geprägt ist – den eigenen Verwundungen. > mehr
"Jedermann! Jedermann!" Vor 100 Jahren wurde Hugo von Hofmannsthals "Spiel vom Sterben des reichen Mannes" uraufgeführt
„Jedermann! Jedermann!“ Im deutschen Sprachraum wird es kaum jemanden geben, der diesen Ruf nicht kennt. Hugo von Hofmannsthals „Spiel vom Sterben des reichen Mannes“ ist im Theaterbetrieb der Gegenwart eine feste Institution geworden. Seit 1920 wird es Jahr für Jahr bei den Salzburger Festspielen aufgeführt; zur Premiere übertragen die Fernsehnachrichten wenigstens den legendären Ruf daraus in die Welt. Die Titelrolle des Stücks, aber auch die Rolle der „Buhlschaft“ spielen zu dürfen, gilt als Höhepunkt jeder Schauspielerkarriere. Am 1. Dezember 1911, vor 100 Jahren, brachte Hofmannsthal seine Fassung des alten Stoffes im Berliner Zirkus Schumann erstmals auf die Bühne. > mehr
Religiöser Denker und ungläubiger Mensch Abschied von der Schlüssellochperspektive - eine Deutung Franz Kafkas aus der jüdischen Tradition
Kafka, das war doch der Dichter mit dem schwierigen Vater und den gescheiterten Verlobungen ... So einfach kann Literaturgeschichte sein, wenn man sie aufs Biographische reduziert. Ein Berliner Germanist hat jetzt „Kafka für Fortgeschrittene“ vorgelegt, eine Deutung aus der religiösen Tradition des Judentums – und zugleich aus Kafkas Distanz zu dieser Tradition. > mehr
Mystik ohne Glauben Robert Musil und sein Jahrhundertroman "Der Mann ohne Eigenschaften"
Es war im Herbst 1915 an der österreichisch-italienischen Front im Trentino. Plötzlich hörte der Oberleutnant Robert Musil einen Sirenenton. „Es war ein dünner, singender, einfacher hoher Ton, wie wenn der Rand eines Glases zum Tönen gebracht wird“, schilderte Musil das Erlebnis später in seiner Novelle „Die Amsel“. „Ich war sicher, in der nächsten Minute Gottes Nähe in der Nähe meines Körpers zu fühlen.“ Nicht erst die Novelle, bereits Musils Tagebuch lässt vermuten, dass ihn in diesem Moment der Todesgefahr ein „noch nie erwartetes Glück“ durchströmte. Ein Kölner Literaturwissenschaftler Werner Frizen hat Musils Werk vor dem Hintergrund dieses mystischen Erlebnisses analysiert. > mehr
"Sone Uniform macht det meiste janz von alleene" Vor 100 Jahren: der Hauptmann von Köpenick
"Wo hamse jedient?" Auf diese Frage gar keine Antwort zu haben, konnte vor hundert Jahren in Deutschland ein Todesurteil bedeuten, nicht gerade fürs physische Überleben, aber doch für eine reputierliche Existenz. Vor hundert Jahren, am 16. Oktober 1906, demonstrierte ein ostpreußischer Schuster, welche Bedeutung einer Uniform damals zukam - der "Hauptmann von Köpenick", eine Realsatire im wilhelminischen Kaiserreich. > mehr
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