Dossier
Poesie der Geschichte

 

Lesen Sie Homer, dann ist alles klar
Der Mythos von Troia - eine Ausstellung in Mannheim

Das Gymnasium Casimirianum in Coburg wollte es genau wissen: "Was sagt dir/Ihnen der Name Homer?", wurden Schüler des Hauses und Bewohner der fränkischen Kleinstadt befragt. Immerhin 70 Prozent der Gymnasiasten und Realschüler antworteten "griechischer Dichter", auch noch 45 Prozent der Bevölkerung. Aber 15 Prozent der Schüler konterten mit "der Alte aus den Simpsons". Eine große Ausstellung in Mannheim will jetzt für die Erzählkunst des alten Griechen sensibilisieren, erlebbar machen, wie wenig fremd Homer uns eigentlich doch ist. > mehr




Micky Maus zu Besuch bei Nero und Attila
Die antike Welt im Spiegel moderner Comics

Wie gewinnbringend die Beschäftigung mit Geschichte doch sein könnte, wenn man, statt bloß alte Chroniken zu lesen, selbst in der Lage wäre, durch die Zeit zu reisen ... Der Comic macht's möglich. In der Episode "Attila, der Hunnenkönig" von 1989 reisen Micky Maus und Goofy dem Gauner Kater Karlo nach, der sich eines Klosterschatzes aus dem 5. Jahrhundert nach Christus bemächtigen will. Die drei landen am Hof von König Attila. Kater Karlo steigt dort zu Attilas Lehrmeister in Sachen Menschenquälerei auf; aber das Abenteuer endet abrupt, indem die Reisenden während der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern durch einen erneuten Zeitsprung zurück in die Gegenwart versetzt werden. Das Altertum ist groß in Mode bei den Comic-Produzenten, auch abseits des Welterfolgs von Asterix und Obelix. Der Mainzer Historiker Filippo Carlà hat ein Dutzend Forscher, Autoren und Zeichner zusammengebracht, um die Rezeption der Antike im Comic des 20. und 21. Jahrhunderts unter die Lupe zu nehmen. Bislang, stellt Carlà fest, hat sich die Forschung beinahe ausschließlich mit den „Helden“ jenes gallischen Dorfes befasst; Comics wie "Micky Maus", die nur in einzelnen Episoden in die Antike "reisen", blieben fast gänzlich unbeachtet. > mehr 

 


Nostalgie im Zeitalter der Revolutionen
Historische Romane im 19. Jahrhundert

Wenn Touristen Schloss Lichtenstein in der Nähe von Reutlingen besuchen, glauben viele vermutlich, steingewordenes Mittelalter vor sich zu sehen, und sind dann überrascht, wenn der Fremdenführer erklären muss, dass es sich vielmehr um einen steingewordenen Roman handelt. Eine Literaturhistorikerin an der Universität Stuttgart hat sich mit dem historischen Roman als einer repräsentativen literarischen Gattung des 19. Jahrhunderts befasst. > mehr




Helden mit Knacks
Heroisches und Postheroisches in der Literatur des 19. Jahrhundert

"Unglücklich das Land, das keine Helden hat!" "Nein. Unglücklich das Land, das Helden nötig hat." Eine Stelle in Bertolt Brechts "Leben des Galilei", die in jeder Aufführung Szenenapplaus provoziert. Brecht konnte sich darauf verlassen, dass er im Sinne seiner Zuschauer sprach – Europa ist, wie man gern sagt, in ein "postheroisches Zeitalter" eingetreten. Ein Kolloquium an der Universität Bern ging vor zwei Jahren der Vorgeschichte unseres modernen "Postheroismus" nach, genauer: der Entwicklung in der deutschen und europäischen Literatur des 19. Jahrhunderts. > mehr




"Jetzt ist alles verstummt ..."
Die griechische Antike in der deutschsprachigen Literatur der 1930er und 1940er Jahre

"Da drängt der Olymp, dort der Parnass. Es wird einem dabei ganz heiß. Alte Jugenderinnerungen tauchen auf. Ein Traum geht in Erfüllung ... Athen! O, wie glücklich ich bin." Sätze, wie sie "Bildungsbürger" in Dutzenden und Hunderten von Reisetagebüchern niedergelegt haben. Aber der Verfasser dieser euphorischen Zeilen heißt - Joseph Goebbels. Eine Oxforder Germanistin hat sich mit der Rezeption griechisch-antiker Motive in der deutschsprachigen Literatur der 1930er und 1940er Jahre befasst. > mehr




Identifikationsspiele mit einem sagenhaften Mittelalter
Zwischen Lesevergnügen und politischem Kalkül - Auf der Suche nach König Artus

König Artus und die Ritter seiner Tafelrunde – wahr oder erfunden? Viel klüger als die Zeitgenossen des Richard Löwenherz seien wir heute auch nicht, stellt der Germanist Jürgen Wolf von der Technischen Universität Berlin in seiner jetzt erschienen Studie über die Entwicklung des Artus-Mythos seit dem frühen Mittelalter fest. Und der Phantasieaufwand bei der Bearbeitung historischer Stoffe scheint seitdem auch nicht viel kleiner geworden zu sein. > mehr