Dossier
Poesie der weiten Welt

 

Die Weisen im Wunderland
Bilder der Fremde in den Alexanderromanen des deutschen Mittelalters

"Das ist der ewige Gott, der uns nach dem Tod das ewige Leben gibt, das eure Götter nicht zu geben imstande sind." Ein mittelhochdeutscher Roman gibt die Predigt wider, die indische Brahmanen mehr als drei Jahrhunderte vor Christus an Alexander den Großen gehalten haben sollen. Seit der späten Antike wurden indische Weise gern als vorweggenommene Repräsentanten christlicher Lebenslehre aufgefasst. Wir berichten aus den Forschungen eines Wiener Germanisten. > mehr



Kopflose und Fischschwänzige, Großohrige und Hundsköpfige
Die Vorläufer der Science-Fiction-Völker im Mittelalter


Vor einem Vierteljahrhundert wurde ein Wissenschaftler des National Astronomy Center in Corell, USA, befragt, wie intelligente Außerirdische wohl aussehen könnten. Seine Antwort: Intelligente Aliens hätten vermutlich eine Hand, mit der sie Werkzeuge oder Waffen bedienen könnten, einen Kopf am oberen Körperende, weil das die beste Sicht gewährleiste, zwei Augen, weil es wertvoll sei, räumlich sehen zu können, und einen Mund in Augennähe, was die Nahrungsaufnahme erleichtere. Die Nase könnte allerdings fehlen. Blickt man auf die Unmenge extraterrestrischer Völker in den Science-Fiction-Romanen und Filmen, muss man zu dem Schluss kommen: Unsere Phantasie ist nicht in der Lage, sich vernunftbegabte Wesen auszudenken, die nicht auch äußerlich irgendwie menschenähnlich wären. > mehr


 
"... und vomieren dann Ghaselen“
Der Orient in der deutschen Literatur, von den Kreuzzügen bis zu "deutschfremden" Basaren

Vor drei Jahrzehnten machte der New Yorker Literaturwissenschafler Edward Said mit dem Schlagwort "Orientalismus" Furore: Ein sich "aufgeklärt“ dünkender Westen habe sich – vor dem realhistorischen Hintergrund kolonialer Ansprüche – den angeblich mysteriösen Orient selbst geschaffen. Inzwischen hat die Forschung festgestellt, dass da zu differenzieren ist, zwischen Mitteleuropa einerseits, Frankreich und Großbritannien andererseits. Ene Tagung in Bielefeld fragte nach den Orientdiskursen in der deutschen Literatur. > mehr




Südsee-Romantik und Überlegenheitsdünkel
Zwei Jahrhunderte Mythos vom anderen Ende der Welt

Erinnern Sie sich noch an "das runde Metall und das schwere Papier", die "wahre Gottheit der Weißen"? Und an die "Krankheit des Denkens"? In den 1960er und 70er Jahren wurden die Reden eines Südseehäuptlings an seine Landsleute, die der Schriftsteller Erich Scheurmann bereits 1920 herausgebracht hatte, weit über die Hippie-Bewegung hinaus als eine Offenbarung gelesen: Ja, so ist es, so sind wir, die Weißen, die "Papalagi". Die Germanistin Anja Hall hat den Südsee-Mythos in der deutschen Literatur über mehr als zwei Jahrhunderte hinweg unter die Lupe genommen. > mehr




Wer sind die wahren Kannibalen?
Menschenfresserei - von der antiken Tragödie bis zum Horrorfilm unserer Tage

Kannibalismus – nichts hat die europäischen Entdecker und Eroberer, die seit dem 15. Jahrhundert die Welt erkundeten, derart nachhaltig verstört wie die Sitte mancher Völker, das Fleisch ihrer Mitmenschen zu verzehren. In unserem modernen Alltag ist Kannibalismus tabuisiert, beschränkt auf extreme Notsituationen und auf ebenso extreme psychische Störungen, "Perversionen", wie man so sagt. In der "fiction" allerdings sieht es ganz anders aus: Vor allem im Horrorfilm ist Kannibalismus ein sehr beliebtes Motiv; nichts eignet sich besser dazu, dem Publikum einen Schauer über den Rücken laufen zu lassen. Eine Leipziger Germanistin hat die Geschichte des literarischen und cineastischen Motivs "Kannibalismus" unter die Lupe genommen. > mehr




Am Rande der Welt, mitten unter uns
Eine Neuerscheinung über die Kultfigur des Kannibalen

Ein Anthropologe erhält von einer Fernsehgesellschaft den Auftrag, Filmmaterial über den kannibalischen Indianerstamm der Yacumo der Öffentlichkeit zu präsentieren. Er stellt fest, die meisten Szenen sind gestellt: Das Kamerateam hat die Yacumo genötigt, sich möglichst "wild" und "barbarisch" zu verhalten ... Deodatos berüchtigter Horror-Film "Cannibal Holocaust" 1980. Der Bonner Literaturwissenschaftler Christian Moser hat sich mit der Faszination beschäftigt, die der Kannibalismus auf die "zivilisierten" Europäer ausübt. > mehr




Vom Abenteuerschriftsteller zum Prediger der Nächstenliebe
Vor 100 Jahren starb Karl May

Ob er selbst am Ende noch unterscheiden konnte, was er wirklich erlebt und was er frei erfunden oder aus irgendwelchen Quellenübernommen hatte? In seinen letzten Lebensjahren führte Karl May fortwährend Prozesse gegen "Verleumder", die seinen Büchern das angeblich Autobiographische der Abenteuer nicht abnehmen wollten. Das Misstrauen war begründet; wenn er in seinen Reiseerzählungen durch die weite Welt "ich" schrieb, war das pure Erzählerfiktion. Aber May verteidigte hartnäckig die "Wahrheit" seiner Geschichten. Am 30. März 1912, vor 100 Jahren, ist Karl May verstorben. > mehr





An den Küsten Malaias und den Kongo hinauf
Vor 150 Jahren wurde der Schriftsteller Joseph Conrad geboren

"Abenteuer-" oder "Jugendliteratur"? Die Kritiker haben Joseph Conrad mit Marcel Proust verglichen. Das Erbe der großen Romanciers des 19. Jahrhunderts, von Flaubert bis Dostojewski, schlägt in seinem Werk immer wieder durch. Und zugleich die Wirklichkeit des europäischen Kolonialismus um die Jahrhundertwende. Die politische Theoretikerin Hannah Arendt schrieb, der Erfahrungshintergrund des Rassenwahns werde in Conrads Werk besser erhellt als in der einschlägigen wissenschaftlichen Literatur. > mehr