Dossier
Poesie des Lachens

 

Gegen den Scharfrichter - Fortsetzung folgt
Wie der Umgang mit Literatur auch aussehen könnte

Einer erzählt, andere hören zu, zum Beispiel an Heiligabend, damit das Christkind sich derweil im Weihnachtszimmer betätigen kann ... Volker Klotz, emeritierter Literaturwissenschaftler an der Universität Stuttgart, hat versucht, dem Geheimnis dieser elementaren menschlichen Tätigkeit auf die Spur zu kommen - an Beispielen von Homer bis Karl May, von Tausendundeine Nacht bis Cervantes. > mehr




Zwischen Milde und Bitterkeit, Melancholie und Satire
Die ungeklärte Kategorie des "Jüdischen Witzes"


Ein galizischer Jude fährt in der Eisenbahn. Er hat es sich bequem gemacht und die Füße auf die Bank gelegt. Da steigt ein vornehm gekleideter Herr ein. Sofort nimmt sich der Jude zusammen und setzt sich in eine bescheidenere Position. Der Fremde liest in einem Buch, besinnt sich und richtet an seinen Nachbarn die Frage: „Ich bitte Sie, wann haben wir dieses Jahr Jom Kippur?“ Noch bevor der Jude antwortet, legt er seine Füße wieder auf die Bank. Ist an diesem Witz, den Sigmund Freud 1905 in seiner berühmten Studie über die Funktionsweise des Witzes erzählte, etwas „Jüdisches“? Gibt es das überhaupt, den „jüdischen Witz“? Gibt es eine spezifisch jüdische Witzkultur, die den jiddischen Humor des 19. Jahrhunderts in Osteuropa, wie er durch Scholem Aljechem oder Isaac Leib Perez oder Mendele Moicher Sforim in die Weltliteratur eingegangen ist, mit dem Sarkasmus eines Heinrich Heine verbindet? Und mit den Komödien von Woody Allen? > mehr



"Humoristisches" zur Geschichte des Humors
Streifzug durch einen literaturwissenschaftlichen Zettelkasten

Einen "Streifzug durch die Geschichte des literarischen Humors" verspricht der Autor, er "will unterhalten und belehren, aber eher unterhalten". Also, der Absicht nach, ein humorvolles Buch über den Humor, ein Geschwindmarsch durch die abendländische Literatur von Platons Sokrates bis zu Elfriede Jelineks "Lust". > mehr





Lachen, lachen und nichts als Lachen
Mehr Muppet schow als Littérature engagée - eine neuer Blick auf die Komödien des Aristophanes

Lysistrata – das war doch jene Bühnenfigur des griechischen Dichters Aristophanes, die im Peloponnesischen Krieg Athens Frauen dazu anstachelte, in einen Liebesstreik zu treten ... Der Dichter wollte die imperialistische Politik Athens aufs Korn nehmen, so oder so ähnlich ist es immer wieder zu lesen. Ein Münchner Philologe ist zu einem völlig anderen Schluss gekommen: Das Bild von Aristophanes als einem politisch engagierten Dichter sei ein modernes Missverständnis. Das Publikum seiner Komödien wollte „lachen, lachen und nochmals lachen, sogar über sich selbst“, weitab von all dem, was wir heute „Systemkritik“ oder politisches Engagement nennen würden. > mehr





Blinde-Kuh-Spiele und ein frommes "Iah!"
Komik am Rande der Blasphemie - ein Blick ins Mittelalter

Die Teilnehmer setzten sich Masken auf, schrien "Iah!", tanzten ausgelassen herum und spielten Ball, sangen unzüchtige Lieder, verspeisten Würste und spielten Karten, verbrannten dazu Exkremente und Schuhsohlen ... Das alles im Kirchenraum unmittelbar vor dem Altar, beim Eselsfest kurz nach Weihnachten. Ein Graduiertenkolleg an der Universität Münster hat sich der Frage angenommen, wie solche komischen Handlungen mitten im frommen Mittelalter zu verstehen sind. > mehr





Vom Wucherer zum Weisen
Eine Neuerscheinung über Geld und Markt in der Komödie - von Shakespeare bis
Lessing

"Ein jeder denkt nur an seine eigenen Vorteile, nur seines Vorzugs halber zu arbeiten und dennoch arbeitet er zugleich für das Beste des Staates." 1771 der Kameralwissenschafter Johann Heinrich Justi. Der klassische Lehrer der Marktwirtschaft, Adam Smith, sprach von der "unsichtbaren Hand", Skeptiker sehen darin pure Ideologie. Der Kölner Literaturwissenschaftler Daniel Fulda hat an der Komödie der frühen Neuzeit –von Shakespeare über Molière bis Lessing – verfolgt, wie sich das Vertrauen in die Marktmechanismen langsam ausgebildet hat. > mehr





Von Homers Muse zu Vischers Katarrh-Dämonen
Auch eine Art von Genie - der Narr in der deutschen Literatur

Die Dichter sind Sprachrohr der Götter, lehrte Platon, "besessen und bewusstlos", und die Neuzeit entdeckte allerlei untergründige Verbindungen des Genies zu Krankheit, Wahnsinn und Verbrechen. Mit der Narrenfigur als Transformation dieser alten Vorstellungen befasst sich jetzt ein Religionswissenschaftler der FU Berlin. > mehr




Das Gelächter der Inquisitoren - und das komische Evangelium des Rabelais
Ein neuer Sammelband über das Lachen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit

"In einem Theater geschah es, dass die Kulissen Feuer fingen. Hanswurst erschien, um das Publikum davon zu unterrichten. Man glaubte, es sei ein Witz, und applaudierte." Die Anekdote (aus Kierkegaards "Entweder - Oder") zeigt: Wenn es um "Lachgemeinschaften" geht, muss das nicht immer nur komisch sein. Und über große Distanzen hinweg gilt ohnehin: Was komisch ist, lässt sich nicht kulturunabhängig klären. Ein neuer Sammelband befasst sich mit "kulturellen Inszenierungen und sozialen Wirkungen von Gelächter im Mittelalter und in der frühen Neuzei > mehr




Wie die Deutschen ernsthaft wurden
Lachen, verlachen, mitlachen - zum Lustspiel des 18. Jahrhunderts

Lessings "Minna von Barnhelm" ist ein "Lustspiel", wie der Untertitel ausweist. Gelacht haben die Besucher der ersten Aufführungen, wie berichtet wird, aber nur an ganz wenigen Stellen. Ein Lustspiel ohne Anlässe zum Gelächter? Eine Wiener Germanistin und Theaterwissenschaftlerin hat sich mit der "Genese der Ernsthaftigkeit im deutschen Bürgertum des 18. Jahrhunderts" befasst. > mehr