Fußballspiel und Gottesdienst
Zu einer Phänomenologie des Außeralltäglichen

In der Neuen Zürcher Zeitung war einmal zu lesen, beim Gang ins Stadion werde "eine Schwelle überschritten, welche die profane Welt für einige Stunden von der heiligen scharf abgrenzt". Bloß eine gewagte Formulierung? Eine Forschergruppe an der Universität Erlangen-Nürnberg hat nach "Sakralitätsphänomenen" gefragt - ausdrücklich im Plural, der Anspruch, so etwas wie einen "übergeschichtlichen, wesenshaften Seinskern" gefunden zu haben, wird nicht erhoben. > mehr


Die Politik sonnt sich nur allzu gern im Ruhm der Fußballhelden
Ballspiele im gesellschaftlichen Kontext - von den Maya bis heute

„Sieg oder Tod!“, war 1974 in der Weltpresse zu lesen, habe der Präsident irgendeines jungen afrikanischen Staates seiner Nationalmannschaft damals zur Fußball-Weltmeisterschaft telegrafiert. Die Geschichte ist vielleicht böswillig erfunden, zeigt aber zutreffend: Fußball ist nicht eine reine Spielwelt jenseits aller „realen“ Interessen; Erfolge im scheinbar bloß spielerischen Umgang mit dem Ball können sogar zum Prozess des „nation building“ beitragen – zum Glück nicht immer derart zur Karikatur verzerrt wie in dieser Anekdote. Im Vorfeld der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien hat sich vor anderthalb Jahren eine Gruppe von Soziologen und Ethnologen an der Universität Bonn zu Arbeiten zum Komplex Fußball und Politik, Fußball und Gesellschaft zusammengetan; die Beiträge sind jetzt als Sammelband erschienen. > mehr 

 



Fußball mit weißen Handschuhen
Wie ein Gentlemen-Sport zur Massenveranstaltung wurde

„Der Kampf um den Ballbesitz ist gewalttätig ... Gebrochene Schienbeine, Schädelbrüche, zerrissene Jacken und verlorene Hüte gehören noch zu den geringeren Unfällen dieses fürchterlichen Wettkampfes ..." Ja, auch das nannte sich einmal "Fußball" oder vielmehr "Football". Im Italien der Renaissance und im England des 19. Jahrhunderts bildete sich dagegen eine streng regulierte Sportart der vornehmen Leute aus. Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurde Fußball der Lieblingssport breiter Volksmassen. Zur Fußball-Weltmeisterschaft ein Blick auf Geschichte und Vorgeschichte der Disziplin. > mehr




Nicht mit der Hand und ohne Schienbeintreten
Vor 150 Jahren wurde die englische Football Association gegründet, der erste Fußballverband der Welt


Am 26. Oktober 1863 war es soweit: In der Freemason’s Tavern, einem Pub in der Great Queen Straße in London, wurde die englische „Football Association“ gegründet, der erste Fußballverband der Welt. Es war die Geburtsstunde des modernen Ligen-Fußballs und damit auch die Geburtsstunde eines überregional verbindlichen Regelsystems, wie es uns heute so selbstverständlich ist. Beinahe wäre das Projekt gescheitert. Die Herren stritten sich – nein, nicht über die Abseitsregel. Vielmehr ging es darum, ob das Laufen mit dem Ball in der Hand erlaubt sein solle. Den "Football“ mit der Hand bewegen? Jahrhunderte lang hatte sich daran niemand gestört, bei den populären Raufereien sowieso nicht. Wahrscheinlich bezog sich der Name "Football“, der erstmals 1314 auftauchte, gar nicht auf die Art des Kickens, sondern auf die Größe des Balls, der einen Durchmesser von circa einem "Fuß" haben sollte. > mehr




Fußball als Lebenschiffre
Sport und Literatur - zwei keineswegs unvereinbare Welten

"Der Tormann überlegt, in welche Richtung der andere schießen wird. Wenn er den Schützen kennt, weiß er, welche Ecke er sich in der Regel aussucht. Möglicherweise rechnet aber auch der Elfmeterschütze damit, dass der Tormann sich das überlegt. Also überlegt sich der Tormann weiter, dass der Ball heute einmal in die andere Ecke kommt ..." Literaturfreunde werden es längst bemerkt haben: Diese Sätze stammen nicht aus irgendeiner Fußballreportage, sondern aus einem der Erfolgsbücher der deutschen Nachkriegsliteratur, aus Peter Handkes Erzählung "Die Angst des Tormanns beim Elfmeter". Zur Fußballweltmeisterschaft ein Blick auf das manchmal recht schwierige Verhältnis zwischen Sport und Literatur. > mehr




Im schwarz-rot-goldenen Meer
Gedanken über Fußball, Nation und Heldentum

Die Fußball-EM steht vor der Tür: Warum fiebern Millionen Deutsche mit der deutschen Nationalmannschaft, Millionen Franzosen mit der französischen, Italiener mit der italienischen usw. usf.? Was ist überhaupt eine "Nation"? Darauf wusste selbst ein Max Weber keine schlüssige Antwort zu geben. Hätte er sagen können, warum wir neuerdings durch bunten Stoff oder Farbe auf der Haut unsere Zugehörigkeit kund tun wollen? > mehr