Dossier
Der Kalender und die Sterne

 

Der 18. Februar fiel auf den 1. März
Eine sehr politische Kulturgeschichte des Kalenders


So flott wie im 17. Jahrhundert ist die deutsche Post heute nicht mehr. Wenn damals am 8. Februar jemand in einem der katholischen Territorien einen Brief an seinen Bekannten im protestantischen Nachbarstaat abschickte, konnte die Sendung schon am 31. Januar beim Empfänger ankommen. Eine Antwort brauchte allerdings erheblich länger, vielleicht bis zum 14. Februar. Über ein Jahrhundert lang rechneten die Staaten Europas nach verschiedenen Kalendern, die protestantischen nach dem iulianischen, die katholischen nach dem reformierten des Papstes Gregor XIII., der im Oktober 1582 kurzerhand zehn Tage hatte ausfallen lassen. > mehr



 Wenn das Neue Jahr um die Erde herum wandert
Verwirrungen um die Datumsgrenze - von Magellan bis Dagobert Duck


Ob es 1873 eigentlich noch keine Kalender gab? Anders wäre kaum zu erklären, dass der Held von Jules Vernes‘ Roman „In 80 Tagen um die Welt“ während der gesamten Eisenbahnfahrt von San Francisco nach New York und dann auch auf der Reise mit dem Schiff nach Liverpool das „richtige“ Datum nicht mitbekommt. Erst in London, als er seine Wette bereits verloren gegeben hat, erfährt Phileas Fogg, dass er seine Reise um die Welt eben doch in den vorgesehenen 80 Tagen absolvieren konnte. Ein literarischer Taschenspielertrick. Indem der Held seine Uhr Tag für Tag kaum merklich dem Sonnenstand anpasst, lässt der Autor auch sein Publikum bis zum Schluss darüber im Unklaren, dass bei der Weltumrundung in Richtung Osten sozusagen ein Tag „eingespart“ wird. Verne konnte darauf setzen, dass bei den allermeisten seiner Leser der Groschen keinen Augenblick zu früh fallen würde. > Mehr



Was ist die Zeit?
Was John Cages stille Musik mit dem Wecker zu tun hat - und mit der atomaren Bedrohung


Kennen Sie „4‘ 33‘‘“, das Musikstück des amerikanischen Avantgarde-Komponisten John Cage aus dem Jahr 1952? Über 4 Minuten und 33 Sekunden lang erklingt kein einziger Ton, für jeden der drei Sätze vermerkt die Partitur „Tacet“, „Stille“. Völlige Stille herrscht dennoch nicht. Das Publikum hört die Umgebungsgeräusche wie das Summen der Beleuchtung im Konzertsaal. Und auch den eigenen Atem. Cage selbst behauptete, er habe bei einer Aufführung sogar das Pochen des Blutes in seinem Kopf gehört. Unser „Sinn“ für das Vergehen der Zeit lässt sich eben nicht abstellen. Besonders verlässlich nach Art einer Uhr ist dieser Sinn allerdings nicht, vielleicht sogar umso weniger, je intensiver wir darauf achten. > mehr



Shakespeare und Cervantes starben nicht am selben Tag
Zweieinhalb Jahrtausende Bemühungen um den "richtigen" Kalender


Kann man sich das vorstellen? Als die protestantische Reichsstadt Regensburg den Jahreswechsel von 1582 auf 1583 beging, da waren die vier geistlichen, also katholischen Territorien innerhalb des Stadtgebiets bereits beim 10./11. Januar angelangt; ihr Kalender lief dem der Stadt um zehn Tage voraus. Als umgekehrt für die Katholiken das neue Jahr gekommen war, stand für die Protestanten Weihnachten noch vor der Tür. Zwei Kalenderrechnungen auf engem Raum nebeneinander, eine Folge der Reform, die Papst Gregor XIII. im Oktober 1582 im Einvernehmen mit dem katholischen Fürsten Europas durchgeführt hatte. > mehr



Neujahr im Herbst
Ein Blick auf den Festkalender der Religionen und Kulturen

Der Vorschlag, in Deutschland neben den Festen aus christlicher Tradition auch einen islamischen Feiertag einzuführen, ist rasch wieder in der Versenkung verschwunden. Vermutlich wäre es hilfreich, zunächst einmal die Festtermine anderer Religionen und Kulturen überhaupt zur Kenntnis zu nehmen – eine Aufgabe für die Kalendermacher. Am 16. September zum Beispiel ist Neujahr ... > mehr





Ein singuläres Datum in der Weltgeschichte
Vor 300 Jahren hatte Schweden einen 30. Februar


Im konfessionell gemischten Mitteleuropa war es im 17. Jahrhundert "normal", dass in der einen Stadt das Neue Jahr gefeiert wurde, während die Bewohner der Nachbarstadt Weihnachten noch vor sich hatten – vorausgesetzt, der eine Ort stand unter katholischer, der andere unter protestantischer Herrschaft. Eine Verwirrung, die aus konkurrierenden Kalenderrechnungen entstand ... Aber ein 30. Februar – den kann es doch niemals gegeben haben, der Februar hat schließlich nur 28, in Schaltjahren 29 Tage und keinesfalls mehr? Es gab tatsächlich einmal einen "30. Februar", 1712 in Schweden. Ursache war die Anpassung an den Gregorianischen Kalender oder genauer: das Hin und Her um diese Anpassung. > mehr




Blick zum Schreibtisch statt zum Himmel
Unsere Zeitrechnung hat sich von den Sternen emanzipiert


Wann ist nächstes Jahr eigentlich Ostern? Bevor Sie jetzt zum Kalender auf Ihrem Schreibtisch greifen: Sinn der Frage war, ob Sie den Termin nicht auch ohne solche Hilfsmittel ausmachen können. Und jetzt werden Sie vermutlich passen. Selbst wenn Sie den letzten Vollmond zur Kenntnis genommen haben und sich noch an das Datum erinnern: Den Mondzyklus von 27 Tagen, 7 Stunden, 43 Minuten und 11,5 Sekunden bis zum Frühjahrsbeginn am 21. März fortrechnen, dann auszählen, auf welchen Wochentag das neue Vollmonddatum fällt und schließlich weiter bis zum nächsten Sonntag - nein, lieber nicht. > mehr




Taschenkalender für Ackerbauern
Die Himmelsscheibe von Nebra - neue Erkenntnisse zu Material, Technik und Motiv


Ganz ehrlich, dass die Region um Elbe und Saale, heute als Sachsen-Anhalt bekannt, vor dreieinhalb tausend Jahren ein Zentrum der Weltkultur gewesen wäre, kann sich niemand von uns so recht vorstellen. Als durch eine Raubgrabung die „Himmelsscheibe von Nebra“ an die Öffentlichkeit kam, wurde denn auch gleich der Verdacht einer Fälschung laut. Das Landesamt für Archäologie setzte ein Dutzend hochkarätige Naturwissenschaftler auf die „Scheibe“ an; das Ergebnis wurde am Donnerstag in Berlin bekanntgegeben: Das rätselhafte Stück - gut 2 Kilogramm schwer, mit einem Durchmesser von fast 32 Zentimetern - stammt tatsächlich aus dem 2. Jahr- tausend vor Christus.> mehr