Dossier
Die Menschenrechte

 

Die Heiligsprechung der Person
Der Soziologe Hans Joas legt eine neue Genealogie der Menschenrechte vor

Hätte Senator John Bricker sich durchgesetzt, müssten manche politischen Diskussionen auf der internationalen Bühne der Gegenwart ganz anders ablaufen. Um 1950 war Bricker Vertreter seines Staates Ohio im US-Senat. Nachdem die Vereinten Nationen 1948 die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte verabschiedet hatten, versuchte er, mit einem Verfassungszusatz die Annahme durch die USA zu verhindern. Widerstand gegen diese Erklärung und ihre Durchsetzung gab es eben nicht nur in den sozialistischen Staaten und in der Dritten Welt, sondern auch in einem der Kernländer der „westlichen“ Kultur„ Der Soziologe Hans Joas hat jetzt eine neue Genealogie der Menschenrechte vorgelegt. > mehr




Angst vor der Nivellierung
Die Menschenrechte im Streit der Weltkulturen

Ob nun in China kritische Intellektuelle hinter Gefängnismauern verschwinden oder in irgendeinem islamischen Land Regimegegner von der Polizei liquidiert werden – die Dialoge auf internationaler Ebene laufen immer nach demselben Muster ab: Die Öffentlichkeit in den westlichen Ländern beklagt eine Verletzung der Menschenrechte, die Vertreter der angeschuldigten Länder erwidern unwirsch, Europäer und Amerikaner sollten endlich ihre kolonialistische Überheblichkeit ablegen und anerkennen, dass sie nur eine Kultur unter mehreren seien. Und – andere Kulturen, andere Sitten. Eine Tagung an der Universität Bremen befasste sich mit der Frage universal geltender Menschenrechte. > mehr



"Wer seine Religion wechselt, den tötet"
Apostasie als Straftatbestand - das islamische Recht in Geschichte und Gegenwart

„Es gibt keinen Zwang in der Religion“, heißt es in Sure 2 des Korans – eine Stelle, die von liberalen Muslimen gern angeführt wird, um den Verdacht abzuwehren, der Islam müsse sozusagen von Natur aus intolerant sein. Andererseits findet sich in Sure 4 der Satz: „Wenn sie (zuvor war von irregegangenen Heuchlern die Rede) sich abkehren, dann greift sie und tötet sie, wo immer ihr sie findet.“ Auf diese Stelle wiederum können sich muslimische Rechtsgelehrte berufen, die für den Abfall vom islamischen Glauben die Todesstrafe fordern. Eine Trierer Rechtshistorikerin hat untersucht, wie die islamischen Staaten heute mit dieser Vorschrift umgehen. > mehr




"Ohne ihnen die Glieder zu zerschlagen..."
Geschichte und Gegenwart der Folter

"Die Ärzte hatten noch ihre eigenen Bemerkungen und Beobachtungen hinzugefügt: In welcher Art man die Schmerzen des Gefolterten verlängern und doch zugleich noch empfindlicher herstellen könne, ohne Gefahr zu laufen, dass der Gefolterte unterliege oder auch nur auf dem Folterbett die Besinnung verliere." Aus einem Bericht über den Prozess gegen den Königs-Attentäter Robert Francois Damien, 1757. Aus Anlass einer aktuellen Diskussion blicken wir auf Geschichte und Gegenwart der Folter. > mehr




"Jahrtausende altes Unrecht übt man mit ungestörtem Rechtsbewusstsein"
Die bürgerliche Frauenbewegung und das BGB

Männer und Frauen sind gleichberechtigt", bestimmt Art. 3 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland. Es dauerte fast zehn Jahre, bis das Ehe- und Familienrecht des Bürgerlichen Gesetzbuches entsprechend umgearbeitet waren. Eine Rechtshistorikerin der Universität Hamburg hat die Diskussionen nachgezeichnet, die im 19. jahrhundert im Umkreis der bürgerlichen Frauenbewegung der Entstehung dieses BGB vorangegangen sind - ein Kampf um gleiches Recht für Frau und Mann, der erst zwei Generationen später zum Erfolg führte. > mehr