Die kleinere Schweter von Pompeji
Das Berliner Pergamonmuseum zeigt "Die letzten Stunden von Herculaneum"

"Es erhob sich eine Wolke ... sie stieg wie ein Riesenstamm in die Höhe und verzweigte sich dann in eine Reihe von Ästen ... Schon regnete es Asche, doch zunächst nur dünn. Ich schaute zurück: Im Rücken drohte dichter Qualm ... Man hörte Weiber heulen, Kinder jammern, Männer schreien ... Die einen beklagten ihr Unglück, die anderen das der ihren. Manche flehten aus Angst vor dem Tode um den Tod, viele beteten zu den Göttern, andere wieder erklärten, es gebe nirgends noch Götter, die letzte, ewige Nacht sei über die Welt hereingebrochen ..." Aus dem Bericht Plinius des Jüngeren über die Hilfsmaßnahmen, bei denen sein Oheim ums Leben kam. Wir berichten über die Berliner Ausstellung "Die letzten Stunden von Herculaneum". > mehr



 Das Imperium Romanum auf dem Hoehepunkt seiner Macht
Vor 1.900 Jahren starb Kaiser Trajan


Viele Jahrhunderte nach seinem Tod rief sein Name heftige theologische Debatten hervor. Irgendwann im frühen Mittelalter kam die Legende auf, Papst Gregor der Große sei von den Berichten über die große Gerechtigkeit des Kaisers Trajan derart beeindruckt gewesen, dass er Gott darum bat, seine Seele von der ewigen Verdammnis zu befreien. Am Fall Trajan erörterte das christliche Mittelalter die Frage, ob alle Heiden zur Hölle verdammt sein müssten oder ob der eine oder andere Gerechte darunter nicht doch der göttlichen Gnade teilhaftig werden könnte. Als Kaiser Marcus Ulpius Traianus am 8. August 117 n. Chr., vor 1.900 Jahren, in Selinus in Kilikien verstarb, stand das Imperium Romanum auf dem Gipfel seiner Macht. Oder jedenfalls seiner territorialen Ausdehnung. > mehr




Weltkulturerbe "Teufelsmauer"
Der Limes - zu Lande und zu Wasser, von Passau bis in die Niederlande


Eines Tages bat der Teufel den lieben Gott, ihm doch einen kleinen Zipfel der Erde zu überlassen, nur soviel, wie er in einer einzigen Nacht, bis zum Hahnenschrei, mit einer steinernen Mauer umschließen könne. Gott war einverstanden, der Teufel wählte das schöne Süddeutschland und machte sich mit einer Menge Gehilfen ans Werk. Leider (oder zum Glück) hatte er das Unternehmen falsch eingeschätzt; als der Hahn krähte, war der Bau noch längst nicht vollendet. Voller Zorn zerstörte der Teufel die Mauer, deren Reste den Namen „Teufelsmauer“ erhielten. So oder so ähnlich erklärte man sich im Mittelalter den „Limes“. Oder genauer: den „Obergermanisch-Raetischen Limes“, zwischen Rheinbrohl in der Nähe von Neuwied und Hienheim an der Donau, oberhalb von Regensburg. > mehr

"Flammen, verzehrt es, wie im Feuerofen!"
Ein Geflecht aus Wahrheit und Legende - vor 1.950 Jahren brannte Rom

Er habe eine Stadt aus Ziegeln vorgefunden und eine aus Marmor hinterlassen, rühmte sich Kaiser Augustus. Solche Politikerworte sollte man nicht auf die Goldwaage legen, damals so wenig wie heute. Als Augustus im August des Jahres 14 nach Christus verstarb, hatte Rom zweifellos eine ganze Reihe von prunkvollen Tempeln und Palästen vorzuweisen, aber noch viel mehr rasch und billig aufgezogene Mietkasernen.Am 19. Juli 64, vor 1.950 Jahren, kam es zur Katastrophe. In den folgenden Tagen, berichtete ein halbes Jahrhundert später der Geschichtsschreiber Tacitus, wurden von den 14 Stadtbezirken drei völlig zerstört, in sieben weiteren standen nur noch Trümmer. Einige hunderttausend Einwohner hatten ihre Unterkunft verloren. > mehr




Brot und Spiele und Geschäfte
Alltag und Freizeit im antiken Rom


„Pinkelten wir auch in's Bett – ich geb' zu, das war schlecht, mein Herr Gastwirt“, hat sich ein Unbekannter an der Wand eines Gasthofs in Pompeji verewigt. „Fragst Du aber warum – es war kein Nachttopf zur Hand.“ Wie der Gastwirt diese Kritzelei wohl aufgenommen hat? Vielleicht hinderte ihn der Vesuv-Ausbruch im August des Jahres 79 n. Chr. ja daran, rasch mit Farbe drüber zu gehen, bevor die nächsten Gäste eintreffen würden. Der Vulkan hat solche Momentaufnahmen sozusagen „konserviert“, stellt die Berliner Philosophiehistorikerin Simone Guski fest. Gemeinsam mit einem Dutzend weiterer Historiker und Archäologen hat sie einen Sammelband über den Alltag im Alten Rom erstellt, vor allem über die Freizeit, vom Würfelspiel bis zum Bordellbesuch. > mehr

 

"Gewähret Beifall diesem Spiel"
Vor 2000 Jahen starb der römische Kaiser Augustus 

Es wird nicht häufig vorkommen, dass der Name eines zwei Jahrtausende alten Herrschers dazu herhalten muss, die politischen Probleme der Gegenwart zu beschreiben. 1986 prägte der amerikanische Politikwissenschaftler Michael W. Doyle den Begriff der „Augusteischen Schwelle“, wenige Jahre später führte ihn sein Berliner Kollege Herfried Münkler in die deutsche Diskussion ein. Und beide dachten dabei nicht nur an den römischen Kaiser Augustus, sondern ganz aktuell an die Vereinigten Staaten von Amerika. Augustus gelang es, die Epoche der römischen Bürgerkriege zu beenden; seine vier Jahrzehnte währende Regierung bezeichnet die Linie, an der das Imperium Romanum von seiner Expansionsphase zur Konsolidierung überging, zur die gesamte Mittelmeerwelt umfassenden „Pax Romana“. > mehr

 



Die gerettete Freiheit in Germaniens Wäldern
Vor 2.000 Jahren vernichteten germanische Stämme drei römische Legionen im "Teutoburger Wald"

"Heil dem Helden Armin, auf den Schild hebet ihn, zeigt ihn den unsterblichen Ahnen, solche Führer wie der, gib uns, Wodan, mehr! Und die Welt, sie gehört den Germanen!" So reimte der Romancier Felix Dahn ("Ein Kampf um Rom") in seinem "Siegesgesang nach der Varusschlacht". Gemeint war nicht bloß die Niederlage des römischen Feldherrn Varus im Jahre 9 nach Christus gegen den Cheruskerfürsten Arminius ... Aus Anlass des zweitausendsten Jahrestages ein Rückblick auf die Nachwirkungen des Ereignisses im deutschen Geschichtsbewusstsein. > mehr




... und alle Fragen offen
2.000 Jahre nach der Varusschlacht im Teutoburger Wald

"Hier, vor deutschen Menschen, wagen Sie es, die ungeheure Tat, die am Beginn der deutschen Geschichte steht, als sinnlos zu bezeichnen?" Feuchtwanger-Leser werden sich erinnern: So brüllt der Lehrer Dr. Vogelsang, als sein Schüler Berthold Oppermann die These in den Raum gestellt hatte, die Schlacht im Teutoburger Wald im Jahr 9 nch Christus sei praktisch weitgehend folgenlos geblieben ... Aber vielleicht hatte Berthold ja Recht. Wie ein Tübinger Historiker darstellt, kam die entscheidende Wende in Roms Germanienpolitik erst etwa sieben Jahre später. > mehr




Wie eine Rose anzuschauen
Die Hetären im griechischen und römischen Altertum

Kann man sich so etwas vorstellen? Die Statue einer Frau, die ihr Geld mit der Liebe verdient hat, vor dem Buckingham Palace in London, gleich neben Queen Victoria? Oder auf dem Vorplatz von Notre-Dame in Paris? Soweit ist die sexuelle Revolution bislang noch nicht gegangen. Im alten Griechenland war so etwas problemlos möglich. Ein Althistoriker an der Universität Konstanz hat das Hetärenwesen der griechischen und römischen Welt unter die Lupe genommen. > mehr




Dialog über Graffiti
Aus dem Leben einer römischen Provinzmetropole


"Karmidianos ist eine Tunte" können die Touristen, sofern sie Altgriechisch verstehen, im Stadion von Aphrodisias im Südwesten der Türkei lesen. Eine der vielen Inschriften in dieser antiken Stadt, die im Kleinasien der römischen Kaiserzeit einen ähnlichen Ruf als Kunstzentrum genoss wie später Florenz im Italien der Renaissancezeit. Ein Heidelberger Althistoriker hat sich mit der Frage befasst, was aus diesen "Graffiti" über das Alltagsleben einer spätantiken Provinzmetropole zu erfahren ist > mehr

 

 




Toleranz wider Willen
Vor 1.700 Jahren erklärte Kaiser Galerius das Christentum zur "erlaubten Religion" im Römischen Reich

Welcher Kaiser beendete die Christenverfolgung im Römischen Reich? Nein, es war nicht Konstantin der Große, wie alle Welt glaubt. Als sich Konstantin im Februar des Jahres 313 im sogenannten "Toleranzedikt von Mailand" mit seinem Kaiserkollegen Licinius darauf einigte, alle Religionen zuzulassen, lagen im größten Teil des Römischen Reiches die letzten Verfolgungen fast zwei Jahre zurück. Am 30. April 311, vor genau 1.700 Jahren, hatte Kaiser Galerius das Christentum zur "erlaubten Religion" erklärt. "In Anbetracht unserer umfassenden Milde", verkündete Galerius im Edikt von Serdica, dem heutigen Sofia, dürften die Christen "wieder Christen sein und ihre Versammlungsstätten wieder aufbauen", unter der Voraussetzung, "dass sie nichts gegen die öffentliche Ordnung unternehmen". > mehr



Ein Visionär auf dem Kaisertron
Französischer Althistoriker präsentiert eine neue Sicht auf Kaiser Konstantin


Was kann man eigentlich von einem Menschen wissen? Von einem Menschen, den von uns einige Jahrhunderte trennen? Der römische Kaiser Konstantin "sah sich durch göttliches Dekret dazu auserwählt und bestimmt, eine Schicksalsrolle in der Jahrtausende umspannenden Heilsökonomie zu spielen", schreibt der französische Historiker Paul Veyne in seiner neuen Studie. Vermessenheit? Größenwahnsinn? Veynes Antwort: "Es kommt vor, dass ein politischer Führer sich berufen glaubt, die Menschheit zu retten oder den Lauf der Welt zu revolutionieren; es wäre ein grober Irrtum, dessen jeweilige Aufrichtigkeit in Zweifel zu ziehen." > mehr




Wunsch nach Wohlstand und Sicherheit
Bonn zeigt eine große Ausstellung über Rom und die Barbaren

Vor 1.600 Jahren, am 22. August 408, ließ der weströmische Kaiser Honorius seinen General Stilicho erschlagen; Intriganten hatten ihm glaubhaft gemacht, der gebürtige Vandale, längst integriert, wolle ihm seinen Thron streitig machen. Vielleicht war mit Stilichos Ende die letzte Chance vertan, die Westrom noch hatte. Aber die Ausstellung über "Rom und die Barbaren", die jetzt in Bonn zu sehen ist, bezeugt die Ausstrahlung römischer Kultur bis weit in jene Länder hinein, die niemals ein römischer Legionär betreten hat. > mehr





Als das Haupt der Welt abgeschlagen wurde
Vor 1.600 Jahren plünderten die Westgoten Rom

Am 24. August 410 wurde Rom von den Westgoten unter ihrem König Alarich besetzt und drei Tage lang geplündert. Das „Haupt der Welt“ sei abgeschlagen, klagte der Kirchenvater Hieronymus in einem Brief. Ein Weltuntergang – in den Augen der Zeitgenossen viel sinnfälliger als die Absetzung des letzten Kaisers Romulus Augustulus zwei Generationen später, die in den Geschichtsbüchern bis heute gern als Epochengrenze angenommen wird. Zum eintausendsechshundertsten Jahrestag ein Blick auf die Katastrophe und ihre Folgen. > mehr




Vandalen ohne Vandalismus
Karlsruhe präsentiert Zeugnisse eines verfemten Volkes

Im Jahr 1798 nahm die Académie francaise einen neuen Begriff in ihr Wörterbuch auf, der heute in allen Weltsprachen geläufig ist. Er ist das Einzige, was unsere Gegenwart von den Vandalen im Gedächtnis behalten hat: Sie haben gehaust wie – ja, eben "wie die Vandalen". Aber die historische Erinnerung verfährt nun einmal nicht gerecht. Dass die Vandalen auch eine andere Seite hatten, zeigt jetzt eine Ausstellung in Karlsruhe: "Erben des Imperiums in Nordafrika – Das Königreich der Vandalen". > mehr