Wie Geschichtsschreibung zustande kommt
700 Jahre nach dem Rütlischwur

Jahrhunderte lang galt der 8. November 1307 - vor genau 700 Jahren - als Geburtsdam der Schweizer Eidgenossenschaft. An diesem Tag, erzählen die Chroniken, wären am Vierwaldstätter See drei Bauern zusammengekommen und hätten geschworen, sich gegen ihre Unterdrückung zur Wehr zu setzen. Die positivistische Geschichtswissenschaft des 19. Jahrhunderts hat diese Legende gründlich destruiert, damals wurde wegen einer schriftlich vorliegenden Urkunde 1291 als neues Geburtsjahr festgelegt. Dabei ist die Geschichte von Apfelschuss und Rütllischwur als Nationalmythos, wie bereits Friedrich Schiller wusste, doch viel poetischer. > mehr




"We few, we happy few, we band of brothers"
Vor 600 Jahren triumphierte England in der Schlacht bei Azincourt


Außerhalb Englands gehört sie zu den weniger beachteten Stücken William Shakespeares, die „Geschichtschronik Heinrichs V., mit seiner Schlacht bei Azincourt in Frankreich“, doch in England selbst ist sie eines der populärsten Stücke des Dichters, jedenfalls in Zeiten nationaler Bedrohung. Kein Wunder, in diesem Drama findet sich viel an patriotischer Stimmung. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Regisseur und Schauspieler Laurence Olivier vom Kriegsdienst freigestellt, damit er eine Filmfassung realisieren konnte. Churchill erhoffte davon, unmittelbar vor der Landung der Alliierten in der Normandie, eine moralische Aufrüstung. Am 25. Oktober 1415, vor nunmehr 600 Jahren, traf bei dem Ort Azincourt oder Agincourt in der Nähe von Calais ein englisches Heer auf französische Truppen. > mehr



Ein Grundgesetz ohne Staat
Vor 650 Jahren wurde die "Goldene Bulle" verkündet

Eine Besiegelung des "Partikularismus", der deutschen "Kleinstaaterei", meinen böse Zungen bis heute. Vor genau 650 Jahren verkündete Kaiser Karl IV. auf dem Reichstag in Nürnberg die "Goldene Bulle", in der die Rechte der Kurfürsten gesetzlich festgeschrieben wurden. Die Ursprünge dessen, was man heute "Bundesstaat" oder "Föderalismus" nennt, reichen noch Jahrhunderte weiter zurück. > mehr






Als Rom an der Rhone lag
Vor 700 Jahren begann die "babylonische Gefangenschaft" der Kirche in Avignon

Will man dem Dichter Petrarca glauben, war der päpstliche Hof zu Avignon im 14. Jahrhundert ein Pfuhl der Sittenlosigkeit. "Diese Stadt ist eine Abfallgrube, in der sich aller Unrat der Welt sammelt. Man verachtet Gott und betet statt dessen das Geld an." In der offiziellen Geschichtsschreibung des Vatikans rangiert die Avignoneser Zeit der Päpste, die am 9. März 1309 mit dem Einzug von Clemens V. in die Rhonestadt begann, bis heute als eine "babylonische Gefangenschaft" der Kirche. Andererseits wurden in Avignon die Grundlagen für das Verwaltungs- und Finanzsystem gelegt, vom dem die katholische Kirche bis heute lebt. > mehr





Vor 700 Jahren wurde der Templerorden aufgelöst
... aber in zahllosen Verschwörungstheorien lebt er fort

Was wäre die Geschichte ohne Anekdoten, ohne jene Histörchen, die zwar völlig unhistorisch sind, aber das, was wirklich geschehen ist, wie in einem Brennglas bündeln? Als in der Französischen Revolution, wird kolportiert, die Guillotine an König Ludwig XVI. ihr Werk vollbracht hatte, sei einer der Zuschauer aufs Podest gesprungen, habe das abgeschlagene Haupt ergriffen und es empor gehalten: "Nun, Jacques de Molay, bist du gerächt!" Jacques de Molay, der letzte Großmester des Templerordens ... Vor 700 Jahren legte Papst Clemens V. dem konzil in Vienne das Dokument zur Auflörung des Ordens vor; der Hintergrund: König Philipp der Schöne wollte sich die Reichtümer des Ordens aneignen, um einen Staatsbankrott zu vermeiden. > mehr





Als eine europäische Großmacht geboren wurde
annenberg 1410 - Vor 600 Jahren besiegten Polen und Litauer den Deutschen Ritterorden

Es war am 15. Juli des Jahres 1410, dass südlich der Stadt Allenstein oder Olsztyn, zwei große Heere aufeinander trafen. Auf der einen Seite standen die Ritter des Deutschen Ordens mit ihren Hilfstruppen, auf der anderen eine gemeinsame Streitmacht des Königs von Polen und des Großfürsten von Litauen. Der Orden, der fast zwei Jahrhunderte lang als nahezu unbesiegbar gegolten hatte, erlitt eine vernichtende Niederlage. Für Polen-Litauen bedeutete die Schlacht den Aufstieg zur europäischen Großmacht. Der Sieg begründete einen nationalen Mythos, der Jahrhunderte später auch die Zeit der Polnischen Teilungen zu überbrücken half. > mehr





Das Bauernmädchen, das Geschichte machte
Vor 600 Jahren wurde Jeanne d'Arc, die "Jungfrau von Orléans", geboren

Fragen über Fragen ... Wie kam das Bauernmädchen aus der lothringischen Provinz, das heute als „Jungfrau von Orléans“ bekannt ist, auf die Idee, dem französischen Thronfolger ihre Hilfe im Krieg gegen England anzubieten? Wie gelang es ihr, den Prinzen zu überzeugen, dass der Kampf um seinen Thron doch noch Erfolg haben könnte? Wie schaffte sie es, in dem aussichtslosen Krieg die plötzliche Wende herbeizuführen? Und warum brach die Serie ihrer Erfolge dann so plötzlich ab? Am 6. Januar 1412, vor 600 Jahren, wurde Jeanne d'Arc als Tochter eine wohlhabenen Bauernfamilie in Demrémy geboren. > mehr





Eine Braut in Tränen und ein reicher Herzog
Die Landshuter Hochzeit und ihr historisches Vorbild

Ob die Braut in Tränen ausbricht? Bei einem historischen Fest, das derart auf Authentizität in allen Details angelegt ist wie die "Landshuter Hochzeit", wäre das eigentlich zu erwarten. Als man Prinzessin Hedwig von Polen aus der Kirche hinausführte, "da hing sie das Angesicht nieder, und sie weinte sehr...". Aber genau diese Szene ist in dem historischen Spiel, das am 27. Juni dieses Jahres wieder seinen Lauf nimmt, ausgeklammert. Eine Hochzeit ohne Trauungszeremonie – ansonsten soll möglichst alles so sein wie 1475. 2.400 Landshuter spielen in historisch gestalteten Kostümen mit, eine halbe Million Touristen werden erwartet. > mehr




Eine Zeichenaprache Gottes
Über den Umgang mit Katastrophen im späten Mittelalter

Vor Katastrophen, das haben wir durch die Erd- und Seebeben der letzten Jahre immer wieder erfahren, zeigt sich die Menschheit ziemlich hilflos. Und selbst, wenn es sich um menschengemachte Katastrophen handelt, etwa Kriege, bleibt den Betroffenen oft keine wirksame Gegenwehr, weil es eben immer die anderen sind, die Geschichte machen. Die Gläubigen unter uns nehmen ihre Zuflucht zu jenseitigen Tröstungen, Technikfans wiederum träumen davon, sogar einen Asteroiden- oder Meteoriteneinschlag durch geeignete Maßnahmen bekämpfen zu können. Wie sind die Menschen im späten Mittelalter mit Katastrophen umgegangen? Gerhard Fouquet und Gabriel Zeilinger, zwei Historiker der Universität Kiel, haben, eine Fülle von Quellentexten analysiert. > mehr