Dossier
Aus der Geschichte des Mittelalters

 

Die fußfälligen Könige
Das Ritual der Bitte in der politischen Kommunikation des Mittelalters

Am 14. Mai 1872 sprach Reichskanzler Bismarck, mitten im „Kulturkampf“ zwischen Preußen und der katholischen Kirche, vor dem Deutschen Reichstag einen Satz, der gleich in den Zitatenschatz einging: „Seien Sie außer Sorge, nach Canossa gehen wir nicht, weder körperlich noch geistig.“ Canossa - der Fußfall König Heinrichs IV. vor Papst Gregor VII. Ein Bild tiefster Erniedrigung: der König in Büßerhaltung, den Papst demütig um die Aufhebung der Exkommunikation bittend. Eine Historikerin an der Universität Münster hat die „Bitte“ als zentrales Element der politischen Kommunikation im Mittelalter einer ausführlichen Analyse unterzogen. > mehr



 Vom militaerischen Training zum Event
1000 Jahre Ritterspiele


Als sich die westeuropäischen Ritter im Jahr 1096 zum Ersten Kreuzzug sammelten, da führten viele von ihnen außer ihren Waffen und ihrer Entschlossenheit, das Heilige Land von den Ungläubigen zu „befreien“, noch etwas anderes im „Gepäck“ mit. Einige Jahrzehnte zuvor war im nördlichen frankreich die Gewohnheit aufgekommen, dass ganze Rittergruppen in voller Rüstung und mit eingelegter Lanze zu Pferde gegeneinander antraten, um Kampf und Krieg einzuüben. Das Training in der Gruppe war erforderlich, weil die Ritter ja nicht nur Schild und Lanze beherrschen mussten, sondern auch ihre Pferde, und zwar in gleichem Tempo: Waren einzelne Tiere zu schnell, löste sich der geschlossene Block auf, der Angriff verlor an Wirkung. Die Kreuzfahrer aus anderen Ländern werden fasziniert gewesen sein von dem, was ihnen die Kampfgefährten aus Nordfrankreich da boten, sowohl von dem Schauspiel selbst als auch von der Effizienz dieser Kampftechnik. > mehr



Viele tausend "Blutsverwandte"
Heiratshindernisse im Mittelalter - eine Gesellschaft unter Kontrolle

Ob die Menschen im Mittelalter schon Geburtstagskarten versandt haben? Wenn sie alle ihre Verwandten damit bedenken mussten, dann hatten sie jedenfalls viel zu tun: "Verwandtschaft" - und zwar Blutsverwandtschaft! - wurde zeitweise bis zum 7. Grad hin definiert, und zwar einschließlich Tauf- und Firmpaten ... Wir berichten von einem Forschungsprojekt der FU Berlin. > mehr





Wie das Christentum sich mit den Bankgeschäften versöhnte
Eine Geschichte des Geldes im Mittelalter

„Wer weiß nicht, dass Betrug, Diebstahl, Raub, Streit, Tumult, Beleidigung, Empörung, Totschlag, Verrat und Giftmord aussterben würden, wenn das Geld erwürgt wäre?“ schrieb Thomas Morus 1516 in seiner „Utopia“, „Kein so schmählich Übel, wie des Geldes Wert, erwuchs den Menschen“, hatte beinahe zwei Jahrtausende zuvor Sophokles in seiner „Antigone“ gedichtet. Womöglich noch ausgeprägter als in Antike und früher Neuzeit war die Verurteilung des Geldes – im Grunde sogar des weltlichen Besitzes ganz allgemein, vor allem aber des in Gold und Silber gemünzten Geldes – im Mittelalter. Der französische Historiker Jacques Le Goff hat jetzt eine Geschichte des Geldes im Mittelalter vorgelegt. > mehr





Getreue Bilder unseres Lebens und unseres Sterbens
Ein Blick auf die mittelalterliche Tier- und Naturkunde

„Im Buch der Natur lesen“: eine alte Redensart, bei der wir uns nicht sonderlich viel denken. Mit unserer naturwissenschaftlichen Vorbildung käme es uns gar nicht in den Sinn, Naturphänomene ernsthaft mit den Lettern in einem Buch vergleichen zu wollen. Im Mittelalter war das noch ganz anders. „Die gesamte Schöpfung der Welt“, schrieb um 1200 ein Zisterziensermönch, „ist für uns gleichsam ein Buch und ein Bild und ein Spiegel, ist ein getreues Zeichen unseres Lebens, unseres Todes, unseres Zustands und unseres Schicksals.“ Die Mediävisten der Universität Mainz haben einen Ausschnitt aus der mittelalterlichen Naturkunde, die Lehre von den Tieren, aufgearbeitet. > mehr




Seide und Seuchen, Sklaven und Schwarzpulver
Welthandel und Globalisierung im Mittelalter

"Ich will persischen Schwefel nach China einführen; außerdem will ich von dort chinesisches Porzellan nach Griechenland verhandeln, von dort griechisches Seidenzeug nach Indien ..." Das nennt man Welthandel - Welthandel im 13. Jahrhundert. Offenkundig ist die ökonomische und kulturelle Verflechtung der Welt kein Vorgang erst unserer Gegenwart. "Beständig wurden Güter und Wissen, aber auch Krankheiten und Vorurteile über alle geographischen, politischen und kulturellen Grenzen hinweg transportiert", stellt ein Mittelalterhistoriker der Universität Heidelberg fest. > mehr




Keine Prügel mehr für die Bildung
Das Mittelalter - Vorbereitung der modernen Zeit

Vor einem Vierteljahrhundert demonstrierte Umberto Ecos Welterfolg "Der Name der Rose", wie gegenwärtig uns das Mittelalter nach wie vor sein kann - eine Epoche, die ansonsten, zweifellos wegen der zentralen Rolle von Kirche und Theologie, doch viel fremder erscheint als das zeitlich weiter zurückliegende Altertum. Das Institut für mittelalterliche Theologie und Philosophie an der Universität München präsentiert einen Streifzug durch diese Epoche, in der die europäische Neuzeit, einschließlich der Aufklärung, ihre Wurzeln hat. > mehr





Haferbrei statt Eichhörnchen in Kräutersauce
Ein Blick auf die Ernährung im Mittelalter

Verleger von Mittelalter-Kochbüchern und Veranstalter von Mittelalterfesten werden es nicht gern hören: Die mittelalterliche Küche war "arm an Vitaminen, arm an Frischfleisch, arm auch an Variationsmöglichkeiten". Ein Alltagshistoriker aus Göttingen hat die Ernährung im Mittelalter unter die Lupe genommen. Das typische Gericht für die breiten Massen der Bevölkerung: ungezuckerter Haferbrei. > mehr