Dossier
Sexus und Eros

 

Das Menschenmögliche - von den Bonobos bis zur Jugend von heute
Pädagoge legt den Entwurf einer "Sexualanthropologie" vor

"Einen ersten Anfang“ zu einer Sexualanthropologie hat ein Pädagoge der Universität Koblenz-Landau vorgelegt, bloß „die Grundlinien einiger Themenschwerpunkte aus der Perspektive neuerer sexualwissenschaftlicher Forschungsbefunde Das Spektrum der Themen in diesem Entwurf reicht vom Verhalten der Primaten bis zur Morallehre der großen Weltreligionen, von altperuanischer Kunst bis zur Alltagssprache von Jugendlichen heute. > mehr




500 Jahre Kampf gegen die Verdrängungskultur
Zwei Psychologen über die Befreier von Eros und Sexus

Die Natur habe uns drei Hilfsmittel gewährt, um in den Bedrängnissen des Lebens bestehen zu können, schrieb Immanuel Kant: den Schlaf, die Hoffnung und das Lachen. Ein viertes Hilfsmittel, Erotik und Sexualität, scheint der Königsberger Philosoph vergessen oder auch verdrängt zu haben. Zwei Tiefenpsychologen haben eine Reihe von Lebensbildern aus den letzten fünf Jahrhunderten zusammengestellt: Befreier von Eros und Sexus wie Heinrich Heine und Sigmund Freud, Alfred C. Kinsey und D. H. Lawrence. > mehr




Der Traum vom ewigen Hochzeitsfest
Eine (Vor-)Geschichte der Paarbildung und Paarbindung


„Eine Kulturgeschichte der Liebe“? Der Untertitel, den der Günzburger Theologe Hermann Wohlgschaft seiner Studie gegeben hat, führt arg in die Irre. „Kulturgeschichte“ kann ja nun alles Mögliche meinen, auch jene Büchergattung, die sich vor zwei oder drei Generationen, mit einem Hauch von Anrüchigkeit, „Sittengeschichte“ nannte. Der Obertitel „Unsterbliche Paare“ macht klar, dass der Autor auf etwas Anderes hinauswill: die Paarbindung zwischen Mann und Frau, womöglich über den Tod hinaus. Was der Autor „eine Kulturgeschichte der Liebe“ genannt hat, zeigt sich bei der Lektüre als eine Geschichte der Vorstellungen, die sich Menschen vom Miteinanderleben nach dem Tode gemacht haben, genauer: von der Gemeinsamkeit eines liebenden Mannes und einer liebenden Frau. > mehr



Sachlichkeit, Frömmigkeit und Herzensbildung
Wandlungen der Liebe in zweieinhalb Jahrtausenden


„Ist das nicht eine seltsame Geschichte? Ich glaube, du bist ein Narr, dir fehlt es an gesundem Verstand!“ Man sieht, Skeptiker gab es bereits im Mittelalter; mit diesen Worten, die zunächst einmal ganz aufgeklärt und modern wirken, schilt der Lehrer in einer Verserzählung aus dem 13. Jahrhundert seinen Schüler, der ihm gerade von einer leibhaftigen Erscheinung der Gottesmutter Maria berichtet hat. Der Lehrer hält eine solche Kommunikation mit einer Heiligen für ganz und gar unwahrscheinlich, lässt sich dann jedoch überzeugen. Der skeptische Einwand dient, sehr unmodern, bloß dazu, durch den Fortgang der Geschichte widerlegt zu werden. Der Schüler darf die Botschaft, die ihm die Gottesmutter übergeben hat – nämlich, dass sie mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen wurde - an die Welt verkünden. > mehr



Als "König Sex" inthronisiert wurde
Ein Rückblick auf die Sexuelle Revolution der 1960er und 1970er Jahre


„Küssen kann man nicht alleine“, singt Max Raabe, „denn dazu brauch ich einen anderen Mund.“ Aber vielleicht hat sich diese Liedweisheit durch den technischen Fortschritt längst überholt. 2007 ging die Meldung durch die internationale Presse, in Frankreich würde ein „KissPhone“ entwickelt, eine Art Handy mit einer Sprechmuschel in Form von Lippen, die angeblich die Küsse von Stars und Sternchen in Echtzeit und mitsamt den individuellen Charakteristika übertragen können. Nachbildungen männlicher und weiblicher Geschlechtsorgane (oder auch ganz einfach von Händen), mit deren Hilfe sich ein Orgasmus herbeiführen lässt, sind längst „gesellschaftsfähig“. Die Sexmaschinen „setzen das Recht auf den Orgasmus, seine autonome Herstellbarkeit und permanente Verfügbarkeit praktisch um“, schreibt die Soziologin Stefanie Duttweiler in einem neu erschienenen Sammelband zur „Geschichte der Sexualität im deutschsprachigen Raum seit den 1960er Jahren“. > mehr




Sozialer Sprengstoff und sozialer Klebstoff zugleich
Zur Sozialgeschichte der romantischen Liebe


Ein Sonnenuntergang am Meer mit sanfter Hintergrundmusik, ein Paar in inniger Umarmung schwört sich ewige Liebe und Treue. Dann geht das Licht an, seufzend steht das Publikum auf, das Märchen ist zu Ende. Zu Ende, aber nicht vorbei. Der Film hat bei den Zuschauern die Vorstellung bestärkt, dass die romantische Liebe das größte Glück im Leben sein müsse, dass es das Ein und Alles menschlicher Existenz sei, den Traummann oder die Traumfrau zu finden. Weltweit verbreitet ist die „Ehe aus Liebe“allerdings auch heute nicht. Sie sei „ein gesellschaftlich bedingtes und geformtes Phänomen“, betonen Barbara Kuchler und Stefan Beher, zwei Forscher der Universität Bielefeld, die jetzt einen Sammelband mit Texten zur Soziologie und Sozialgeschichte der romantischen Liebe vorgelegt haben, und zitieren eine Schätzung, der zufolge etwa 60 Prozent aller Eheschließungen nicht von den Partnern selbst in die Wege geleitet werden. > mehr




Lampen, Gürtel und Kondome
"100.000 Jahre Sex" im Hamburger Helms-Museum

260 Objekte, vom steinzeitlichen Fruchtbarkeitssymbol bis zum Utensilienladen aus der guten, alten Zeit - ein archäologischer Spaziergang durch die Kulturgeschichte Europas. Reflexionen über eine Ausstellung in einer Zeit, wo Sexshops und Adult-Websites zum Alltag gehören. > mehr





Sex für ein starkes Germanentum
Eine New Yorker Historikerin analysiert Legenden um die Sexualpolitik des Nationalsozialismus

Wenn "freie Liebe, vorehelicher Verkehr, Ehebruch und Ehescheidung" von den Kirchen kritisiert würden, erkenne man die "Sprache des Faschismus", schrieb 1969 der Journalist Hannes Schwenger. Und der Philosoph Arno Plack behauptete 1967, Auschwitz sei "typisch für eine Gesellschaft die die Sexualität unterdrückt". Christentum und Nationalsozialismus Hand in Hand bei der Unterdrückung des Sexualtriebs? Eine New Yorker Historikerin hat Legenden um die Sexualpolitik des Dritten Reiches analysiert. > mehr




Wenn die Seelen sich vermischen
Eine Kulturgeschichte des Kusses


"Kein ehrlicher Mann wird einen geraubten Kuss für sich behalten", sagte Mark Twain. "Er wird ihn sofort zurückgeben." Ein französischer Literaturwissenschaftler hat sich der Kulturgeschichte des Kusses angenommen, angefangen bei den alten Chinesen, die, ethnologischen Berichten zufolge, bei küssenden Ausländern auf den Verdacht kamen, da würde Kannibalismus betrieben. Hier ein - trotz wissenschaftlicher Seriosität hoffentlich amüsanter - Einblick. > mehr
 
 



Von der Pornographie zur Mystik
Eine Geschichte der Sinnlichkeit im Mittelalter

Pornographie im hohen Mittelalter – kann es das gegeben haben?  Pornographie in einer Zeit, in der Religion und Theologie – jedenfalls nach gängigem Urteil heute – eine beherrschende Stellung einnahmen? Aber ja doch, im Frankreich des 12. und 13. Jahrhunderts waren erotische Erzählungen – oder vielmehr: Erzählungen mit unverhüllt sexuellem Inhalt – eine beliebte Lektüre. Der Historiker Jean Verdon, Emeritus der Université de Limoges, bringt in seinem jetzt auf Deutsch erschienenen Buch über "Liebe, Sex und Sinnlichkeit im Mittelalter" einige Beispiele, die an Detailfreude nichts zu wünschen übrig lassen. > mehr





"Geschlechtsverkehr stets auf Spaziergängen"
Theorie und Praxis der Konkubinatsbekämpfung im deutschen Kaiserreich

Der Staat habe "ein wesentliches Interesse daran, dass die sittlichen und religiösen Anschauungen des Volkes über die Bedeutung und Heiligkeit der Ehe rein gehalten werden". Das sächsische Oberverwaltungsgericht im Jahre 1902. Mit den merkwürdigen Konsequenzen, die Polizei und Gerichte in Deutschland damals aus dieser Rechtstheorie zogen, hat sich ein Oldenburger Sozialhistoriker befasst. > mehr




Kein Reich der frommen Sitte
Die Erschütterung des wilhelminischen Kaiserreichs durch den Eulenburg-Skandal

„Das Volk der Richter und Henker“: Dieses böse Wort des Wiener Publizisten Karl Kraus über die Deutschen wird heutzutage gern im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus zitiert. Aber es ist viel älter, Kraus prägte es 1908, und es ging nicht um staatlich angeordneten Massenmord, sondern um den Berliner Publizisten und Journalisten Maximilian Harden, der in den Jahren von 1906 bis 1909 mit Enthüllungen aus dem Sexualleben einen Feldzug gegen hochgestellte Repräsentanten des wilhelminischen Kaiserreichs führte. Ein Stuttgarter Historiker hat am Beispiel dieses Skandals eine „politische Kulturgeschichte des Kaiserreichs“ vorgelegt. > mehr