Dossier
Arbeit und Erholung

 

Vom Sündenfall zur Schlaftablette
Schlaf und Schlaflosigkeit im bügerlichen Zeitalter

Eine Wohltat der Natur oder eine Strafe Gottes für den Sündenfall unserer Ureltern, pure Zeitverschwendung oder ein Mittel, die Arbeitskraft zu steigern und das menschliche Leben zu verlängern? Der Schlaf lässt sich ganz unterschiedlich sehen und werten und ist im Laufe der Kulturgeschichte auch ganz unterschiedlich gesehen und gewertet worden. Die Medizinhistorikern Sonja Kinzler hat an der International University Bremen jetzt eine Studie über den „Schlafdiskurs im bürgerlichen Zeitalter“ vorgelegt, von der Aufklärung bis zum Ersten Weltkrieg. Oder, wissenschaftshistorisch ausgedrückt, bis zu dem Jenaer Neurologen Hans Berger, der in den 1920er Jahren das Elektroenzephalogramm entwickelte und die Schlafforschung damit auf eine neue Grundlage stellte. > mehr




Im Schweiße deines Angesichtes
Missachtung und Wertschätzung körperlicher Arbeit von der Antike bis heute

Die Arbeit, jedenfalls die körperliche Arbeit, ist ein Fluch, so haben es viele Jahrhunderte Menschheitsgeschichte gesehen. Kaum vorstellbar, dass ein Denker der Antike oder des Mittelalters Sätze hätte niederschreiben können, wie sie zum Beispiel Hegel immer und immer wieder variiert hat: „Durch die Arbeit kommt das Bewusstsein zu sich selbst“. Natürlich war auch früher nicht verborgen geblieben, dass erst durch Arbeit Natur zu einer verlässlichen Grundlage für menschliches Leben umgeschaffen wird. Aber Arbeit als Sinnerfüllung, als Mittel menschlicher Selbstverwirklichung – diese Idee ist gerade mal ein paar Jahrhunderte alt. > mehr





"Man kann nicht ewig wie ein Stück Vieh leben!"
Wie der 1. Mai zum "Tag der Arbeit" wurde

Wieso eigentlich fällt der "Tag der Arbeit" gerade auf den 1. Mai? Darüber waren sich die Vertreter der Arbeiterbewegung bereits Ende des 19. Jahrhunderts nicht mehr im Klaren. "Aus uralten, aber niemals völlig erloschenen Empfindungen und Erinnerungen heraus", war 1892 in der "Neuen Zeit", dem theoretischen Organ der deutschen Sozialdemokratie zu lesen, sei "die Wahl des proletarischen Feiertags auf den ersten Mai" gefallen und deshalb das Proletariat aufgerufen, den "Maitag der Vorzeit auf höherer und weiterer Stufe zu erneuern". Man sieht, auch die Sozialdemokratie konnte sich der Begeisterung für die alten Germanen, wie sie damals Mode war, nicht entziehen. Historisch näher liegen andere Erklärungsstränge. > mehr
 
 



"Grüße erwidernd und ohne verhüllenden Schleier"
Die Könige gaben sich bürgerlich - ein Blick ins Kurleben des 19. Jahrhunderts

"Vollkommen natürlich, ohne jede Steifheit und Pose, aber nie anders als in königlicher Haltung. Mit Damen war er von ritterlicher Galanterie, ohne eine Spur von seniler Courmacherei, aber nach dem Grundsatz, dass ein wohlerzogener Mann auch vor einer Kammerfrau den Hut abzieht." Kaiser Wilhelm I., wenn er sich "bürgerlich" gab. Eine Bielefelder Historikerin hat sich mit dem vornehmen Kurleben des 19. Jahrhunderts befasst. > mehr